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Ungeziefer in der Wohnung bestimmen: die häufigsten Arten im Überblick

Christoph · 7 Min. Lesezeit

Silberfischchen mit langen Fühlern und drei Schwanzfäden auf weißem Putz
Silberfischchen gehören zu den häufigsten Mitbewohnern im Bad
Inhalt9 Abschnitte
  1. So gehen Sie beim Bestimmen vor
  2. Ungeziefer in der Küche
  3. Ungeziefer im Bad
  4. Ungeziefer im Schlafzimmer
  5. Ungeziefer in Keller und Dach
  6. Schädlinge an Zimmerpflanzen
  7. Schädling, Lästling oder Nützling?
  8. Was Sie selbst tun können und wann der Fachbetrieb kommt
  9. Häufige Fragen

Ungeziefer in der Wohnung lässt sich in den meisten Fällen ohne Fachbuch bestimmen, wenn man drei Dinge festhält: wo das Tier saß, wie groß es ist und wie es sich bewegt. Die Tabellen unten sind nach Fundort geordnet und führen zu den ausführlichen Ratgebern. Erst wenn klar ist, wer da krabbelt, lohnt sich die Frage, ob und wie man etwas dagegen tut.

So gehen Sie beim Bestimmen vor

  1. Ein Tier sichern. Mit einem Streifen durchsichtigem Klebeband abnehmen und auf weißes Papier kleben oder ein Glas darüberstülpen. Tote Tiere von der Fensterbank tun es auch.
  2. Messen und fotografieren. Neben ein Lineal oder eine Münze legen und mit dem Smartphone so nah wie möglich aufnehmen. Eine Lupe zeigt Fühler, Flügel und Behaarung.
  3. Beine zählen. Sechs Beine: Insekt. Acht Beine: Spinne oder Milbe. Vierzehn Beine: Assel. Sehr viele Beine: Tausend- oder Hundertfüßer.
  4. Fundort und Uhrzeit notieren. In Vorräten, an der Wand, im Bett, am Fenster, in der Blumenerde? Tagsüber oder nur nachts bei Licht?
  5. Spuren suchen. Kot, Gespinste, Löcher in Stoff oder Holz, Bohrmehl, Häutungsreste und Fraßstellen verraten oft mehr als das Tier selbst.
  6. Menge einschätzen. Ein einzelnes Tier ist meist ein Irrgast. Viele Tiere an derselben Stelle oder über Wochen sprechen für einen Befall.

Zur Kontrolle eignen sich Klebefallen für kriechende Insekten: An die Wand gestellt, zeigen sie nach einigen Tagen, was nachts unterwegs ist.

Ungeziefer in der Küche

In der Küche geht es fast immer um Vorräte, Obst und Wasser. Befallene Packungen werden entsorgt, der Schrank wird ausgesaugt, neue Vorräte kommen in dicht schließende Behälter.

Was Sie sehenWahrscheinlichWeiterlesen
Kleine Falter an Schrank und Decke, Gespinste und Räupchen in Mehl, Müsli, NüssenLebensmittelmotten, meist die DörrobstmotteLebensmittelmotten, Dörrobstmotte, Mottenfalle
Braune Käfer von etwa 2–4 mm in Brot, Gewürzen, Tee, TierfutterBrotkäfer oder ein VerwandterBrotkäfer, kleine braune Käfer
Rotbraune, schmale Käfer in Mehl und GetreideproduktenReismehlkäferReismehlkäfer
Dunkle Käfer mit Rüssel in Getreide, Reis, NudelnKornkäferKornkäfer
Schwarze Käfer von etwa 1,5 cm, gelbbraune „Würmer“ im MehlMehlkäfer und seine LarvenMehlkäfer
Winzige Fliegen an Obst, Biomüll, FlaschenFruchtfliegenFruchtfliegenfalle, kleine Fliegen
Ameisenstraße zu Süßem oder zum TierfutterAmeisenAmeisen im Haus, Ameisenköder
Flache, braune, sehr schnelle Tiere, nachts hinter GerätenSchabenKakerlaken erkennen
Dicke, brummende Fliegen, weiße Maden am MülleimerSchmeißfliegenSchmeißfliegen, Maden in der Wohnung

Ungeziefer im Bad

Das Bad ist warm und feucht. Was hier lebt, zeigt in erster Linie Feuchtigkeit an und verschwindet, wenn der Raum trocknet.

Was Sie sehenWahrscheinlichWeiterlesen
Silbrige, flinke Tiere von etwa 1 cm, nachts am BodenSilberfischchenSilberfische bekämpfen
Kleine graue, pelzige Mücken an Fliesen und SpiegelAbflussfliegen (Schmetterlingsmücken)Abflussfliegen
Weißliche Pünktchen von 1–2 mm an Tapete und FugenStaubläuseStaubläuse
Graue, gepanzerte Tiere mit vielen BeinenKellerasselnKellerasseln
Lange, vielbeinige Tiere in Wanne oder DuscheTausendfüßer oder HundertfüßerTausendfüßler in der Wohnung
Dünnbeinige Spinne kopfüber in der ZimmereckeZitterspinneZitterspinne

Wer mehrere dieser Arten zugleich findet, sollte Fugen, Anschlüsse und Wände auf Feuchteschäden und Schimmel prüfen.

Ungeziefer im Schlafzimmer

Hier sind zwei Fragen zu trennen: Wer sticht, und wer frisst Textilien? Stiche allein reichen für eine Bestimmung nicht aus – entscheidend sind Spuren und Tiere.

Was Sie sehenWahrscheinlichWeiterlesen
Juckende Stiche in Reihen, dunkle Kotpunkte an Matratzennaht und Lattenrost, flache rotbraune TiereBettwanzenBettwanzen erkennen, Bettwanzen-Bisse
Stiche vor allem an Knöcheln und Beinen, kleine springende Tiere, Haustier kratzt sichFlöheFlohbisse, Flöhe bekämpfen
Sirren in der Nacht, einzelne Stiche an unbedeckter HautStechmückenMücken im Schlafzimmer
Keine Tiere zu sehen, aber Beschwerden vor allem morgensmöglicherweise Hausstaubmilben – ärztlich abklärenHausstaubmilben
Löcher in Wolle, kleine strohfarbene Falter, GespinströhrenKleidermottenKleidermotten
Behaarte Larven an Teppich und im Schrank, rundliche Käfer am FensterTeppichkäfer, Pelzkäfer oder SpeckkäferTeppichkäfer, Pelzkäfer, Speckkäfer
Graue „Silberfische“ am Bücherregal, auch in trockenen RäumenPapierfischchenPapierfischchen
Große, braune Spinne an Wand oder Boden, vor allem im Spätsommer und HerbstNosferatu-Spinne oder WinkelspinneNosferatu-Spinne, Winkelspinne

Ungeziefer in Keller und Dach

In Keller und Dachboden treffen Feuchtezeiger, Holzbewohner und Nagetiere zusammen. Kot und Geräusche sind hier oft der erste Hinweis.

Was Sie sehen oder hörenWahrscheinlichWeiterlesen
Dunkle Kotkrümel, etwa so groß wie ein ReiskornMäuseMäusekot erkennen, Mäuse im Haus
Kot von etwa 1–2 cm, Nagespuren, LaufwegeRattenRattenkot erkennen, Ratten vertreiben
Fingerlange Kotwürste mit Kernen oder Haaren, Poltern in der NachtMarderMarderkot erkennen, Marder vertreiben
Nächtliches Trappeln und Pfeifen im Sommer, Ruhe im WinterSiebenschläferSiebenschläfer im Haus
Runde Löcher von 1–2 mm im Holz, helles BohrmehlHolzwurmHolzwurm
Ovale Löcher in Dachbalken, FraßgeräuscheHausbockHausbock
Kreisrunde Löcher von 4–7 mm in neuem Holz, sehr große „Wespe“HolzwespeHolzwespe
Kugelige, glänzende oder goldgelb behaarte Käfer, im AltbauKugelkäfer oder MessingkäferKugelkäfer, Messingkäfer
Wanzen oder Marienkäfer in Mengen am Fenster, im HerbstWintergäste auf QuartiersucheStinkwanzen, Kiefernwanze, Marienkäfer

Nagerkot nie trocken fegen: anfeuchten, Handschuhe und Maske tragen, lüften. Ein Wespennest im Dach oder Rollladenkasten ist ein eigenes Thema, siehe Wespen am Haus.

Schädlinge an Zimmerpflanzen

Befallene Pflanzen stellen Sie zuerst von den anderen weg. Dann lohnt der Blick auf Blattunterseiten, Blattachseln und in die Erde.

Was Sie sehenWahrscheinlichWeiterlesen
Kleine schwarze Mücken, die beim Gießen aus der Erde auffliegenTrauermückenTrauermücken, Gelbtafeln
Feine Gespinste, hell gesprenkelte BlätterSpinnmilbenSpinnmilben
Weiße Wattebäusche in den BlattachselnWollläuseWollläuse
Braune Höcker an Trieben, klebriger BelagSchildläuseSchildläuse
Silbrige Flecken mit schwarzen Pünktchen, schmale TierchenThripseThripse
Kleine weiße Fliegen, die bei Berührung aufstiebenWeiße FliegeWeiße Fliege
Winzige weiße Tiere, die im Untersetzer hüpfenSpringschwänzeSpringschwänze
Grüne oder schwarze Läuse an TriebspitzenBlattläuseSchädlinge an Zimmerpflanzen, Neemöl

Schädling, Lästling oder Nützling?

Nicht alles, was krabbelt, ist ein Schädling. Für die Entscheidung, ob Sie handeln müssen, hilft eine grobe Einteilung.

  • Gesundheitsschädlinge: Schaben, Ratten, Mäuse, Bettwanzen, Flöhe. Sie stechen, verunreinigen Lebensmittel oder können Krankheitserreger verbreiten. Hier zügig handeln.
  • Vorratsschädlinge: Motten und Käfer in Lebensmitteln. Befallenes entsorgen, Quelle finden, Vorräte dicht verpacken.
  • Materialschädlinge: Kleidermotten, Teppich- und Pelzkäfer, Holzwurm, Hausbock. Der Schaden wächst langsam, aber stetig.
  • Lästlinge und Feuchtezeiger: Silberfischchen, Asseln, Tausendfüßer, Staubläuse, Springschwänze. Harmlos, aber ein Hinweis auf zu viel Feuchtigkeit.
  • Irrgäste und Nützlinge: Spinnen, Marienkäfer, Wanzen im Herbst, Holzwespen. Hinaussetzen genügt; Spinnen fangen sogar andere Insekten.

Einige Tiere stehen unter Schutz, etwa Hornissen, Wildbienen und Siebenschläfer. Sie dürfen nicht getötet und ihre Nester nicht ohne Genehmigung entfernt werden.

Was Sie selbst tun können und wann der Fachbetrieb kommt

Bei fast allen Arten gilt dieselbe Reihenfolge: Ursache beseitigen (Feuchtigkeit, offene Vorräte, Zugänge), dann mechanisch vorgehen (saugen, waschen bei 60 °C, einfrieren, abdichten), dann Fallen einsetzen und erst zuletzt zu Mitteln greifen. Pulver wie Kieselgur und Insektensprays ersetzen die Ursachensuche nicht.

Einen Fachbetrieb brauchen Sie bei Bettwanzen, Schaben, Ratten, beim Hausbock sowie bei Wespen- und Hornissennestern, die nicht bleiben können. Was das kostet und woran Sie seriöse Betriebe erkennen, steht unter Kammerjäger-Kosten. Lässt sich ein Tier nicht zuordnen, bestimmen Schädlingsbekämpfer, manche Gesundheitsämter und naturkundliche Museen eingesandte Fotos oder Tiere. Alle Ratgeber finden Sie in der Rubrik Ungeziefer und Schädlinge.

Häufige Fragen

Welche kleinen Käfer habe ich in der Wohnung?

Das hängt von Farbe und Fundort ab. Braune Käfer in der Küche sind meist Vorratsschädlinge wie der Brotkäfer, rundliche Käfer am Fenster oft Teppichkäfer. Die Ratgeber zu kleinen schwarzen Käfern und kleinen braunen Käfern führen Schritt für Schritt zur Art.

Kann ich Ungeziefer per Foto bestimmen lassen?

Ja, wenn das Foto scharf ist und einen Maßstab zeigt. Bestimmungs-Apps liefern eine erste Richtung, irren sich bei kleinen Käfern und Larven aber häufig. Bei Verdacht auf Bettwanzen oder Schaben lohnt die Bestätigung durch einen Fachbetrieb.

Ist Ungeziefer ein Zeichen für mangelnde Sauberkeit?

Meistens nicht. Vorratsschädlinge kommen mit dem Einkauf, Bettwanzen mit dem Gepäck, Papierfischchen mit Kartons, Silberfischchen mit der Feuchtigkeit. Sauberkeit erschwert die Vermehrung, verhindert das Einschleppen aber nicht.

Muss ich Ungeziefer dem Vermieter melden?

Bei einem echten Befall ja, und zwar umgehend – vor allem bei Bettwanzen, Schaben, Ratten und Mäusen, weil sie selten auf eine Wohnung beschränkt bleiben. Einzelne Silberfischchen oder Spinnen sind kein Mangel.