Wespen am Haus und Wespennest: was erlaubt ist

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Ein Wespennest am Haus dürfen Sie nicht einfach entfernen: Wildlebende Tiere zu töten oder ihre Lebensstätten zu zerstören ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz nur mit vernünftigem Grund erlaubt, und Hornissen stehen unter besonderem Schutz. Meist ist ohnehin Abwarten die beste Lösung, denn das Volk stirbt im Herbst von selbst ab. Liegt das Nest wirklich ungünstig oder lebt ein Allergiker im Haus, lassen Sie es von Fachleuten umsiedeln.
Welche Wespen stören – und welche nicht
In Deutschland leben ein gutes Dutzend sozialer Faltenwespen. Nur zwei davon interessieren sich für Kuchen, Limonade und Grillfleisch: die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Beide nisten gern in Hohlräumen – im Rollladenkasten, unter der Dachverkleidung, in Mauerritzen oder im Boden – und bilden große Völker mit mehreren tausend Tieren im Spätsommer.
Andere Arten wie die Sächsische Wespe, die Mittlere Wespe oder die Feldwespen bauen kleinere, frei hängende Nester unter Dachvorsprüngen oder in Hecken. Sie kommen kaum an den Kaffeetisch und sind im Alltag unauffällig.
Die Hornisse ist die größte heimische Wespe, bis etwa 3,5 cm lang, braun-gelb gefärbt. Sie ist friedlicher, als ihr Ruf vermuten lässt, jagt vor allem andere Insekten und interessiert sich nicht für Ihren Teller. Ihr Stich ist nicht gefährlicher als der einer gewöhnlichen Wespe. Wespen gehören übrigens wie Bienen und Ameisen zu den Hautflüglern.
Was das Gesetz erlaubt
Alle wild lebenden Tiere genießen in Deutschland einen allgemeinen Schutz. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet, sie ohne vernünftigen Grund zu verletzen oder zu töten und ihre Lebensstätten ohne vernünftigen Grund zu zerstören. Für Wespen heißt das:
- Eine Wespe am Tisch zu erschlagen oder ein Nest zu zerstören, nur weil man Wespen nicht mag, ist kein vernünftiger Grund.
- Ein vernünftiger Grund kann vorliegen, wenn ein Nest eine konkrete Gefahr darstellt: ein Allergiker im Haushalt, ein Nest direkt am Hauseingang, im Kinderzimmerfenster oder an einem Ort, an dem Menschen ständig vorbeimüssen.
- Hornissen und einige weitere Arten, etwa alle Wildbienen und Hummeln, sind zusätzlich besonders geschützt. Ihre Nester dürfen nur mit Genehmigung der unteren Naturschutzbehörde umgesiedelt oder entfernt werden.
Verstöße können mit Bußgeldern geahndet werden, deren Höhe je nach Bundesland unterschiedlich ist und bei geschützten Arten empfindlich ausfallen kann. Wer unsicher ist, fragt bei der unteren Naturschutzbehörde des Kreises oder der Stadt nach.
Wespennest am Haus: was tun?
- Art und Lage klären. Ist es ein Hornissennest? Liegt es an einer Stelle, an der ständig Menschen vorbeigehen, oder versteckt unter dem Dach?
- Abstand halten. Mindestens einige Meter Abstand zum Flugloch, keine hektischen Bewegungen, den Flugweg nicht versperren.
- Abwarten, wenn möglich. Ein Nest unter dem Dachvorsprung oder im Rollladenkasten eines selten genutzten Raums stört meist weniger, als man denkt. Rollladen dann einfach unten oder oben lassen.
- Fachleute fragen. Wenn das Nest wirklich stört: Schädlingsbekämpfer, spezialisierte Wespen- und Hornissenberater oder manchmal Imker und Naturschutzverbände siedeln Nester fachgerecht um. Bei Hornissen holen sie die Genehmigung der Naturschutzbehörde ein oder sagen Ihnen, wie das geht.
- Nicht selbst eingreifen. Kein Insektenspray ins Flugloch, kein Wasser, kein Feuer, kein Zukleben. Ein angegriffenes Volk verteidigt sich mit vielen Tieren gleichzeitig, und zugeklebte Nester suchen sich einen anderen Ausgang – nicht selten ins Innere des Hauses.
Die Kosten für eine Umsiedlung oder Entfernung trägt in der Regel, wer sie beauftragt. In Mietwohnungen lohnt die Rücksprache mit dem Vermieter, bevor jemand bestellt wird.
Wann ein Wespennest leer ist
Wespennester sind einjährig. Im Frühjahr gründet eine einzelne Königin das Nest, im Hochsommer erreicht das Volk seine größte Stärke, und im Herbst sterben Arbeiterinnen, Drohnen und die alte Königin. Nur die jungen, begatteten Königinnen überwintern – aber nicht im alten Nest, sondern einzeln in Ritzen, Holzstapeln oder im Boden.
Ein Nest, das nach den ersten Frösten keinen Flugverkehr mehr zeigt, ist leer und wird nicht wieder bezogen. Dann können Sie es entfernen und die Stelle verschließen, etwa den Zugang zum Rollladenkasten, damit im nächsten Frühjahr keine neue Königin dort einzieht.
Wespen vom Tisch fernhalten
Die meisten Begegnungen mit Wespen finden auf der Terrasse, beim Grillen oder auf dem Campingplatz statt. Was wirklich hilft:
- Speisen abdecken. Kuchen, Fleisch, Obst und Marmelade unter Hauben oder Deckeln aufbewahren und erst zum Essen hervorholen.
- Getränke schützen. Gläser abdecken und mit Trinkhalm trinken. Aus offenen Dosen und Flaschen nie trinken, ohne vorher hineinzuschauen – ein Stich im Mund ist gefährlich.
- Ruhig bleiben. Nicht schlagen, nicht pusten. Ausgeatmete Luft macht Wespen unruhig, hektische Bewegungen provozieren sie.
- Reste wegräumen. Nach dem Essen alles abräumen, Mülleimer und Biotonne geschlossen halten, Fallobst aufsammeln.
- Fliegengitter. An Küchen- und Schlafzimmerfenstern verhindern sie, dass Wespen hereinfliegen.
Auf dem Campingplatz gilt dasselbe: Vorräte in Boxen, Müll täglich wegbringen, das Zelt geschlossen halten.
Von Wespenfallen mit Zuckerwasser oder Saft ist abzuraten. Sie locken zusätzliche Wespen an und töten wahllos auch Bienen, Schwebfliegen und andere nützliche Insekten. Fruchtfliegen in der Küche fangen Sie dagegen mit einer Fruchtfliegenfalle sehr gezielt. Duftmittel wie Nelken in Zitronen, Kaffeepulverrauch oder Duftöle werden oft empfohlen, ihre Wirkung ist aber nicht belegt.
Wespenstich: was tun?
Ein Wespenstich schmerzt, rötet sich und schwillt an. Kühlen hilft am schnellsten, etwa mit einem feuchten Tuch oder einem in ein Tuch gewickelten Kühlpack. Wespen verlieren ihren Stachel anders als Bienen nicht, es ist also nichts zu entfernen.
Sofort den Notruf 112 wählen, wenn nach einem Stich Atemnot, Schwindel, Übelkeit, Herzrasen, großflächiger Ausschlag oder Schwellungen im Gesicht auftreten, wenn jemand in Mund oder Rachen gestochen wurde oder wenn viele Stiche auf einmal hinzukommen. Wer weiß, dass er auf Insektengift allergisch reagiert, sollte das vom Arzt verordnete Notfallset stets dabeihaben. Für Allergiker ist ein Nest in Hausnähe ein anerkannter Grund, Fachleute zu rufen.
Typische Fehler
- Selbst mit Spray ans Nest gehen: Das endet oft mit mehreren Stichen, und bei Hornissen ist es verboten.
- Das Flugloch zukleben: Die Wespen suchen sich einen neuen Weg, oft in den Wohnraum.
- Wespen erschlagen: Eine verletzte Wespe setzt Alarmstoffe frei, die andere anlocken.
- Im Herbst Panik schieben: Kurz vor dem Ende des Volks lohnt eine Entfernung selten noch.
Mehr zu Insekten und Spinnen am und im Haus finden Sie in der Rubrik Ungeziefer und Schädlinge, etwa wie Sie Spinnen fernhalten.
Häufige Fragen
Wer entfernt ein Wespennest?
Schädlingsbekämpfer sowie spezialisierte Wespen- und Hornissenberater. Viele Naturschutzverbände und Behörden vermitteln Ansprechpartner, oft wird das Nest umgesiedelt statt zerstört. Die Feuerwehr rückt in der Regel nur aus, wenn akute Gefahr besteht.
Darf ich ein Wespennest selbst entfernen?
Nur mit vernünftigem Grund und nicht bei besonders geschützten Arten wie Hornissen. Selbst wenn es erlaubt wäre, ist davon abzuraten: Ohne Schutzausrüstung riskieren Sie viele Stiche. Ein leeres Nest im Winter dürfen Sie dagegen entfernen.
Kommen die Wespen nächstes Jahr zurück?
Nicht ins alte Nest. Eine neue Königin kann aber dieselbe geschützte Stelle wieder attraktiv finden. Verschließen Sie Zugänge zu Hohlräumen deshalb im Winter, wenn das Nest leer ist.
Warum sind Wespen im Spätsommer so aufdringlich?
Im August und September ist das Volk am größten, und die Brut wird weniger. Die Arbeiterinnen suchen dann vermehrt Zucker für sich selbst und landen am Kuchen und in der Limonade. Mit den ersten kühlen Nächten lässt das nach.
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