Schimmel in der Wohnung: erkennen, entfernen, vorbeugen

Inhalt11 Abschnitte
- Woran Sie Schimmel erkennen
- Warum Schimmel wächst
- Schimmel und Gesundheit
- Selbst entfernen oder Fachbetrieb?
- Was hilft – und was nicht
- Kleine Flächen selbst entfernen
- Typische Stellen und was dort zu tun ist
- Holz, Naturstein, Leder und Matratzen
- Vorbeugen: lüften, heizen, Abstand
- Schimmel in der Mietwohnung
- Häufige Fragen
Schimmel in der Wohnung entsteht, wo Feuchtigkeit länger bleibt: an kalten Außenwänden, hinter Möbeln, in Fensterecken, an Silikonfugen im Bad. Kleine, oberflächliche Flecken bis etwa einem halben Quadratmeter können Sie mit Schutzausrüstung und Alkohol selbst entfernen. Größere oder immer wiederkehrende Befälle gehören in die Hand eines Fachbetriebs. Und in jedem Fall gilt: Wer nur wischt und die Ursache nicht findet, wischt in ein paar Wochen wieder.
Woran Sie Schimmel erkennen
Schimmel zeigt sich meist als schwarze, graue oder grünliche Punkte, die sich zu Flecken ausweiten. Auf Tapete und Putz sieht er oft wie ein feiner Schmutzfilm aus, an Silikonfugen wie dunkle Sprenkel, die sich nicht wegwischen lassen. Ein muffiger, erdiger Geruch ist ein weiteres Zeichen – manchmal das einzige, wenn der Befall hinter einem Schrank, unter der Tapete oder unter dem Bodenbelag sitzt.
Nicht jeder dunkle Fleck ist Schimmel. Rußige Ablagerungen über Heizkörpern oder an Wänden, an denen Kerzen brennen, sehen ähnlich aus, wachsen aber nicht und liegen eher als grauer Schleier auf der Wand. Ein einfacher Hinweis: Schimmel kommt vor allem an kalten und feuchten Stellen vor, Ruß eher an warmen, wo Luft aufsteigt.
Warum Schimmel wächst
Schimmelsporen sind überall in der Luft, auch draußen. Wachsen können sie aber nur, wo sie über längere Zeit Feuchtigkeit finden. In Wohnungen gibt es dafür zwei Hauptursachen:
- Zu viel Feuchtigkeit in der Raumluft, die sich an kalten Flächen niederschlägt. Kochen, Duschen, Wäschetrocknen, Pflanzen und schon das Atmen geben täglich mehrere Liter Wasser an die Luft ab. Wird nicht genug gelüftet, steigt die relative Luftfeuchte, und an den kältesten Stellen – Außenecken, Fensterlaibungen, hinter Möbeln – wird die Wand feucht.
- Feuchtigkeit aus dem Bau: ein Wasserschaden, eine undichte Leitung, aufsteigende Nässe im Keller, ein Leck am Dach, eine Wärmebrücke, an der die Wand besonders kalt bleibt, oder Neubaufeuchte in frisch verputzten Wänden.
Oft wirkt beides zusammen. Wie Sie die Luftfeuchte messen und senken, steht im Beitrag Luftfeuchtigkeit senken. Wo Möbel an Außenwänden stehen, finden Sie Hinweise unter Schimmel hinter dem Schrank.
Schimmel und Gesundheit
Schimmelsporen und -bestandteile können die Atemwege reizen und Allergien auslösen oder verstärken. Wer sie einmal beim Putzen einatmet, muss sich als gesunder Mensch in der Regel keine Sorgen machen. Kritisch wird es bei Dauerbelastung und für bestimmte Gruppen: Menschen mit Allergien oder Asthma, mit Lungenerkrankungen, mit geschwächtem Immunsystem, Säuglinge und ältere Menschen. Sie sollten Schimmel nicht selbst entfernen und sich während der Sanierung möglichst nicht in den betroffenen Räumen aufhalten.
Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn Husten, Atemnot, gereizte Augen, Schnupfen oder Hautreizungen auftreten, die in der Wohnung schlimmer und außerhalb besser werden, und in jedem Fall bei Atemnot oder bei Vorerkrankungen der Lunge.
Selbst entfernen oder Fachbetrieb?
Das Umweltbundesamt unterscheidet in seinem Schimmelleitfaden nach Größe und Tiefe des Befalls. Als Faustregel für den Haushalt:
- Selbst machen: kleine Flächen bis etwa 0,5 m², bei denen der Schimmel nur auf der Oberfläche sitzt, zum Beispiel ein Fleck in der Fensterecke oder an der Silikonfuge.
- Fachbetrieb: größere Flächen, Befall, der tief in Putz, Holz oder Dämmung reicht, Schimmel nach einem Wasserschaden, unter dem Bodenbelag oder in der Dämmung, Befall, der nach dem Entfernen immer wiederkommt, und jeder Befall in Haushalten mit Allergikern, Asthmatikern oder Kranken.
Wenn die Ursache unklar ist, hilft ein Sachverständiger für Schimmel und Feuchteschäden, der Wände misst und die Quelle sucht. Verbraucherzentralen bieten zum Thema Feuchtigkeit und Schimmel ebenfalls Beratung an.
Was hilft – und was nicht
| Mittel | Geeignet für | Hinweise |
| Ethanol oder Isopropanol, 70–80 % | glatte Flächen, Fliesen, Fensterrahmen, Silikon, Tapete oberflächlich | verdunstet rückstandsfrei; brennbar – gut lüften, keine offene Flamme, nicht rauchen |
| Chlorhaltige Schimmelentferner | Fugen, Silikon, helle mineralische Flächen | bleicht vor allem; reizt Atemwege und Haut; nie mit Säure oder Essigreiniger mischen |
| Essig | nicht empfohlen | kann Schimmel als Nährboden dienen; auf Kalkputz wirkungslos, weil der Kalk die Säure neutralisiert |
| Dampfreiniger | nicht empfohlen an Wänden | bringt zusätzliche Feuchtigkeit in die Wand und kann Sporen verwirbeln |
| Luftreiniger | kein Ersatz für die Sanierung | filtert Sporen aus der Luft, beseitigt aber weder Befall noch Ursache |
Chlorhaltige Reiniger nie mit Essig, Zitronensäure, Entkalker oder säurehaltigen Badreinigern zusammenbringen – es entsteht giftiges Chlorgas. Das gilt auch nacheinander: Wer vorher mit einem sauren Mittel gewischt hat, spült gründlich mit Wasser nach. Die Schimmelentferner aus Drogerie und Baumarkt sind entweder chlorhaltig oder auf Alkohol- bzw. Sauerstoffbasis; lesen Sie die Packung, bevor Sie das Mittel wählen.
Kleine Flächen selbst entfernen
Material: FFP2-Maske, Schutzbrille, Haushaltshandschuhe, Ethanol oder Isopropanol mit 70–80 % (Apotheke, Drogerie), Einwegtücher, eine Mülltüte.
- Raum vorbereiten. Fenster öffnen, Türen zu anderen Räumen schließen, Kinder und Haustiere aus dem Raum holen. Möbel in der Nähe abrücken oder abdecken.
- Schutz anlegen. FFP2-Maske, Schutzbrille und Handschuhe. Kleidung tragen, die Sie danach gleich waschen.
- Nicht trocken abbürsten. Trockenes Bürsten oder Abschleifen wirbelt Sporen auf. Die Fläche erst anfeuchten – mit dem Alkohol selbst.
- Alkohol auftragen. Den Alkohol mit einem Tuch oder einer Sprühflasche auf die Stelle bringen, kurz einwirken lassen und mit Einwegtüchern von außen nach innen abwischen. Tücher sofort in die Tüte.
- Wiederholen und trocknen. Bei Bedarf ein zweites Mal behandeln. Danach die Stelle gründlich trocknen lassen und weiter lüften.
- Entsorgen. Die Tüte verschlossen in den Restmüll. Tapete, die befallen war, feucht ablösen und ebenfalls verpackt entsorgen.
- Ursache angehen. Warum war die Stelle feucht? Ohne Antwort auf diese Frage ist der Fleck in wenigen Wochen zurück.
Dunkle Verfärbungen können trotz erfolgreicher Behandlung bleiben, vor allem in Fugen und auf Silikon. Wie Sie dort vorgehen, lesen Sie unter Schimmel an der Silikonfuge. Befallene Kleidung und Polster behandelt der Beitrag Stockflecken entfernen.
Typische Stellen und was dort zu tun ist
- Fensterecken und Laibungen: Hier ist die Wand am kältesten, oft kommt Kondenswasser an der Scheibe hinzu. Mehr dazu unter Kondenswasser am Fenster.
- Hinter Schrank, Sofa, Küchenzeile oder Kühlschrank: Möbel an Außenwänden verhindern, dass warme Luft die Wand erreicht. Etwas Abstand hält die Wand trocken.
- Bad und Dusche: Fugen und Silikon trocknen nach dem Duschen nicht, wenn nicht gelüftet wird. Wasser abziehen, Tür zu, Fenster auf oder Lüfter an.
- Unter Laminat, Teppich oder hinter der Tapete: Fast immer ein Wasserschaden oder aufsteigende Feuchte. Das ist kein Fall für Haushaltsmittel, sondern für einen Fachbetrieb.
- In Geräten: Waschmaschine, Spülmaschine und Kühlschrank bilden an Gummidichtungen gern schwarze Beläge. Reinigen, trocknen lassen, Türen nach dem Gebrauch offen lassen.
Holz, Naturstein, Leder und Matratzen
Nicht jede Oberfläche verträgt dieselbe Behandlung. Holz, etwa an Fensterrahmen oder Möbeln, reinigen Sie mit Alkohol; ist unbehandeltes Holz tief befallen oder weich geworden, muss das Teil ausgetauscht werden. Naturstein wie Marmor oder Kalkstein verträgt keine Säuren und keine chlorhaltigen Mittel ohne Freigabe des Herstellers; Alkohol ist hier meist die schonendste Wahl, vorher an unauffälliger Stelle testen. Leder, Schuhe und Taschen behandeln Sie draußen mit einem alkoholgetränkten Tuch und pflegen sie danach nach. Matratzen, Polster und Kissen mit Befall in der Füllung lassen sich kaum sicher reinigen und gehören meist in den Müll. Einzelheiten dazu stehen im Beitrag über Stockflecken, der auch Textilien und Leder behandelt.
Vorbeugen: lüften, heizen, Abstand
Die wirksamste Vorbeugung ist unspektakulär: mehrmals am Tag Stoßlüften, alle Räume ausreichend heizen, Feuchtigkeit vom Duschen und Kochen sofort nach draußen bringen und Möbel mit etwas Abstand zu Außenwänden stellen. Eine relative Luftfeuchte von etwa 40–60 % gilt als günstig; ein Hygrometer zeigt, wo Sie stehen. Wie oft und wie lange gelüftet werden sollte, steht ausführlich im Beitrag Richtig lüften.
Ein einfaches digitales Hygrometer kostet wenig und macht aus dem Bauchgefühl eine Zahl. Legen Sie es nicht direkt an die Heizung oder ans Fenster, sondern mitten in den Raum.
Schimmel in der Mietwohnung
Schimmel ist in der Regel ein Mangel, den Sie dem Vermieter unverzüglich melden sollten, am besten schriftlich und mit Fotos. Wer schweigt, riskiert, für Folgeschäden mitzuhaften. Wer die Ursache zu verantworten hat, ist oft strittig: Bauliche Mängel wie Wärmebrücken oder Undichtigkeiten liegen beim Vermieter, falsches Lüften und Heizen kann dem Mieter angelastet werden. Eine Mietminderung ist möglich, ihre Höhe hängt aber vom Einzelfall ab; Tabellen im Netz sind nur grobe Anhaltspunkte aus Gerichtsurteilen. Mindern Sie nicht auf eigene Faust, sondern lassen Sie sich beim Mieterverein oder anwaltlich beraten. Dokumentieren Sie bis dahin Ihr Lüftungsverhalten und die Luftfeuchte.
Häufige Fragen
Was tun bei Schimmel in der Wohnung?
Erst die Größe einschätzen. Kleine, oberflächliche Flecken mit Schutzausrüstung und 70–80-prozentigem Alkohol entfernen, größere oder tiefe Befälle einem Fachbetrieb überlassen. Danach die Ursache suchen: Luftfeuchte messen, Lüften und Heizen prüfen, auf Wasserschäden achten. In der Mietwohnung den Vermieter informieren.
Ist es gefährlich, Schimmel eingeatmet zu haben?
Für gesunde Menschen ist das einmalige Einatmen beim Putzen meist harmlos. Bei Allergien, Asthma, Lungenerkrankungen oder geschwächtem Immunsystem kann Schimmel Beschwerden auslösen oder verschlimmern. Treten Atemnot, anhaltender Husten oder Reizungen auf, gehen Sie zum Arzt.
Welcher Reiniger hilft gegen Schimmel?
Auf glatten Flächen Ethanol oder Isopropanol mit 70–80 %. Chlorhaltige Schimmelentferner bleichen Fugen und Silikon, reizen aber die Atemwege und dürfen nie mit Säuren zusammenkommen. Essig ist ungeeignet, weil er Schimmel eher nährt und auf Kalkputz nicht wirkt.
Hilft ein Luftreiniger gegen Schimmel?
Er kann Sporen aus der Luft filtern, beseitigt aber weder den Befall an der Wand noch die Feuchtigkeit, die ihn verursacht. Als Ersatz für Entfernen und Ursachensuche taugt er nicht.
Wann brauche ich einen Schimmelgutachter?
Wenn die Ursache unklar ist, der Befall immer wiederkommt, großflächig ist oder nach einem Wasserschaden auftritt, und wenn es mit dem Vermieter Streit darüber gibt, wer verantwortlich ist.



