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Abflussfliegen (Schmetterlingsmücken) im Bad loswerden

Christoph · 7 Min. Lesezeit

Graue, pelzig behaarte Abflussfliege mit dachförmigen Flügeln an einer weißen Wand
Die Abflussfliege, auch Schmetterlingsmücke genannt, sieht aus wie ein winziger grauer Falter
Inhalt9 Abschnitte
  1. Abflussfliegen erkennen
  2. Woher kommen Abflussfliegen?
  3. Sind Abflussfliegen gefährlich?
  4. Den richtigen Abfluss finden
  5. Abflussfliegen loswerden: Schritt für Schritt
  6. Kein Chemie-Mix: was Reiniger können und was nicht
  7. Wenn die Abflussfliegen wiederkommen
  8. Vorbeugen: Abflüsse sauber und Siphons gefüllt halten
  9. Häufige Fragen

Abflussfliegen, richtig Schmetterlingsmücken, sind die kleinen pelzigen Fliegen, die im Bad an den Fliesen sitzen. Sie kommen tatsächlich aus dem Abfluss: Ihre Larven leben im schleimigen Belag von Siphon, Überlauf und Bodenablauf. Wer diesen Belag mit Bürste und heißem Wasser entfernt, ist die Tiere nach zwei bis drei Wochen los. Mittel, die man nur hineinkippt, helfen dagegen selten auf Dauer.

Abflussfliegen erkennen

Schmetterlingsmücken gehören zu den Mücken, sehen aber aus wie winzige Nachtfalter. Im Englischen heißen sie deshalb „moth flies“, im Deutschen auch Abortfliegen oder Gullyfliegen.

Größeetwa 2–5 mm
Farbegrau bis graubraun, manche Arten mit hellen Punkten am Flügelrand
KennzeichenKörper und Flügel dicht behaart; die breiten Flügel liegen in Ruhe dachförmig oder herzförmig über dem Körper
Verhaltensitzen reglos an Wänden, fliegen schlecht und nur kurze, hüpfende Strecken; vor allem abends aktiv
FundorteFliesen neben Waschbecken, Dusche, WC und Spüle, Waschküche, Kellerräume mit Bodenablauf
Larvenwenige Millimeter lang, schlank, grau bis dunkel, im Belag der Abflussrohre

Zerdrückt man eines der Tiere, bleibt ein grauer, staubiger Fleck – das sind die Härchen. Verwechselt werden Abflussfliegen am häufigsten mit Fruchtfliegen (glatt, gelbbraun, am Obst) und Trauermücken (schwarz, langbeinig, an Blumentöpfen). Eine Übersicht mit allen Unterschieden finden Sie unter Kleine Fliegen in der Wohnung.

Woher kommen Abflussfliegen?

Die Weibchen legen ihre Eier auf feuchtes organisches Material. Im Haus ist das der Biofilm: jene graue, glitschige Schicht aus Seifenresten, Hautfett, Haaren, Zahnpasta und Bakterien, die sich mit der Zeit an den Innenwänden jedes Abflusses bildet. Die Larven fressen diesen Belag und überstehen darin auch, dass Wasser an ihnen vorbeirauscht. Bei Zimmertemperatur dauert es vom Ei bis zur Mücke nur wenige Wochen.

Typische Brutstätten:

  • der Siphon unter Waschbecken und Spüle, vor allem das Stück oberhalb des Wasserspiegels
  • der Überlauf von Waschbecken und Badewanne, in den nie eine Bürste kommt
  • Duschablauf und Duschrinne samt Haarsieb
  • Bodenabläufe in Keller, Waschküche und Garage
  • Abläufe in Gäste-WC, Gästebad oder Ferienwohnung, die wochenlang ungenutzt bleiben
  • der Ablaufschlauch der Waschmaschine und die Kondenswasserleitung von Trockner oder Klimagerät
  • seltener: die Tropfschale unter dem Kühlschrank, ständig nasse Blumenuntersetzer, eine undichte Stelle am Abwasserrohr

In selten benutzten Abläufen kommt hinzu, dass das Sperrwasser im Siphon verdunstet. Dann steht der Weg aus der Kanalisation offen, und es riecht auch danach.

Sind Abflussfliegen gefährlich?

Schmetterlingsmücken können nicht stechen und richten in der Wohnung keinen Schaden an. Das Umweltbundesamt stuft sie überwiegend als Lästlinge ein. Weil sie aus dem Abflussbelag kommen und danach auf Zahnbürste oder Arbeitsplatte landen können, sind sie trotzdem unappetitlich; in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Großküchen gelten sie wegen der möglichen Verschleppung von Keimen als Hygieneproblem. Für den Privathaushalt heißt das: kein Grund zur Sorge, aber ein guter Grund, die Abflüsse zu reinigen.

Den richtigen Abfluss finden

Bevor Sie alle Rohre im Haus zerlegen, lohnt eine Nacht Geduld. Trocknen Sie abends den Rand des verdächtigen Ablaufs ab und kleben Sie einen Streifen durchsichtiges Klebeband mit der klebrigen Seite nach unten darüber, ohne die Öffnung ganz zu verschließen. Hängen morgens Mücken daran, schlüpfen sie hier. Wiederholen Sie die Probe an jedem Ablauf im Raum und denken Sie an den Überlauf: Auch dessen Öffnung lässt sich so abkleben.

Abflussfliegen loswerden: Schritt für Schritt

Sie brauchen einen Eimer, einen Lappen, Gummihandschuhe, eine Flaschenbürste oder eine biegsame Abflussbürste, Spülmittel und heißes Wasser.

  1. Haarsieb und Stopfen reinigen. Abdeckung, Sieb und Exzenterstopfen herausnehmen und im Eimer mit heißem Spülwasser abbürsten. An der Unterseite des Stopfens sitzt oft der dickste Belag.
  2. Siphon abschrauben. Eimer darunterstellen, die Überwurfmuttern von Hand lösen, den Bogen abnehmen und ausleeren. Röhrensiphon und Tauchrohr innen kräftig ausbürsten, bis das Kunststoff- oder Metallrohr wieder glatt ist.
  3. Das Rohr zur Wand ausbürsten. Mit der langen Bürste so weit wie möglich in das Wandanschlussrohr und von oben in das Ablaufventil fahren.
  4. Den Überlauf nicht vergessen. Die Bürste mit Spülmittel mehrmals durch die Überlauföffnung schieben und drehen. Anschließend mit einem Trichter oder einer Spritzflasche heißes Wasser durchlaufen lassen.
  5. Zusammenbauen und spülen. Dichtungen prüfen, Siphon handfest anziehen, dann eine Minute heißes Wasser laufen lassen und kontrollieren, ob alles dicht ist.
  6. Dusche und Bodenablauf genauso. Abdeckung abheben, Geruchsverschluss herausnehmen – bei den meisten Duschabläufen ist das ein Einsatz zum Herausziehen –, alles abbürsten, den Ablaufkörper auswischen, wieder einsetzen und Wasser nachfüllen.
  7. Eine Woche lang abends heiß nachspülen. Jeden Abend einen Liter heißes Wasser durch den gereinigten Ablauf und den Überlauf geben. Das spült nach, was sich gelöst hat.

Heiß heißt hier: aus dem Wasserkocher, aber ein paar Minuten abgekühlt. Sprudelnd kochendes Wasser kann Kunststoffrohren, Dichtungen und der Glasur von Keramikbecken zusetzen. Die erwachsenen Mücken an der Wand saugen Sie einfach mit dem Staubsauger ab oder wischen sie weg. Wie Sie einen Siphon zerlegen und worauf dabei zu achten ist, zeigen auch die Ratgeber Abfluss stinkt und Abfluss verstopft.

Kein Chemie-Mix: was Reiniger können und was nicht

Mischen Sie niemals verschiedene Reiniger im Abfluss. Chlorhaltige Mittel bilden mit Essig, Zitronensäure, Entkalker oder säurehaltigem WC-Reiniger giftiges Chlorgas. Granulat-Abflussreiniger werden im Rohr sehr heiß und können mit nachgegossenen anderen Mitteln heftig reagieren. Wenn Sie bereits ein Mittel eingefüllt haben, spülen Sie gründlich mit viel Wasser, bevor Sie irgendetwas anderes verwenden oder den Siphon öffnen.

Unabhängig davon ist der Nutzen begrenzt. Ein chemischer Abflussreiniger frisst sich durch eine Verstopfung, läuft am Belag der Rohrwand aber größtenteils vorbei und erreicht Überlauf und oberen Siphonteil gar nicht. Backpulver mit Essig schäumt eindrucksvoll und löst wenig. Heißes Wasser allein tötet einen Teil der Larven, lässt aber den Belag stehen, in dem die nächste Generation heranwächst. Enzymatische oder „biologische“ Abflussgele können laut Herstellern den Belag über Nacht anlösen; als Ergänzung nach dem Bürsten sind sie einen Versuch wert, als Ersatz dafür nicht. Insektenspray in den Abfluss zu sprühen bringt nichts und belastet nur das Abwasser.

Wenn die Abflussfliegen wiederkommen

Schlüpfen in den ersten zwei bis drei Wochen noch einzelne Mücken, ist das normal: Es sind Tiere, die sich schon verpuppt hatten. Werden es danach nicht weniger, haben Sie eine Brutstätte übersehen. Gehen Sie die Liste oben noch einmal durch, wiederholen Sie die Klebebandprobe und denken Sie an Räume, die Sie selten betreten.

Bleibt die Suche ergebnislos, kann die Ursache in der Leitung liegen: ein Riss im Abwasserrohr, ein undichter Anschluss hinter der Vorwand oder ein stillgelegter Ablauf unter einem Bodenbelag. Hinweise sind Mücken, die aus einer Fuge oder Revisionsklappe kommen, feuchte Flecken und Kanalgeruch. Dann ist ein Sanitärbetrieb gefragt, der die Leitung mit der Kamera prüfen kann. In der Mietwohnung informieren Sie den Vermieter – vor allem, wenn die Tiere aus dem gemeinsamen Fallstrang oder dem Keller kommen.

Vorbeugen: Abflüsse sauber und Siphons gefüllt halten

  • Haarsiebe einsetzen und wöchentlich leeren, damit weniger Material im Rohr landet. Tipps dazu im Ratgeber Dusche-Abfluss verstopft.
  • Einmal im Monat Stopfen, Sieb und Überlauf abbürsten und heiß nachspülen.
  • Selten genutzte Abläufe alle ein bis zwei Wochen mit einem Liter Wasser auffüllen.
  • Keine Speisereste, kein Fett und keine Milch in den Ausguss geben.
  • Tropfende Anschlüsse und stehendes Wasser unter Geräten beseitigen.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis Abflussfliegen weg sind?

Nach einer gründlichen Reinigung aller Brutstätten meist zwei bis drei Wochen. So lange können noch Mücken aus vorhandenen Puppen schlüpfen. Entscheidend ist, dass die Zahl von Woche zu Woche sinkt.

Hilft kochendes Wasser gegen Abflussfliegen?

Nur kurz. Heißes Wasser tötet Larven, die es direkt trifft, lässt den Belag aber im Rohr, und der Überlauf bleibt unberührt. Ohne Bürste kommen die Tiere wieder. Sprudelnd kochendes Wasser sollten Sie mit Rücksicht auf Rohre und Becken ohnehin nicht verwenden.

Kommen Abflussfliegen auch aus der Toilette?

Aus einer regelmäßig benutzten Toilette kaum, weil der Siphon ständig durchgespült wird. Möglich ist es bei selten genutzten WCs, unter dem Spülrand mit starkem Belag oder bei einem undichten Anschluss hinter der Toilette.

Warum sitzen die Fliegen vor allem im Bad?

Weil dort die meisten Abläufe auf engem Raum liegen und es warm und feucht ist. Die Tiere fliegen schlecht und bleiben in der Nähe ihrer Brutstätte. Finden Sie sie in der Küche, ist meist der Spülenabfluss oder der Anschluss der Spülmaschine die Quelle.

Sind Abflussfliegen ein Zeichen für mangelnde Sauberkeit?

Nein. Biofilm bildet sich in jedem Abfluss, auch im gepflegtesten Bad. Abflussfliegen zeigen lediglich an, dass an einer Stelle genug davon vorhanden ist – oft dort, wo man beim Putzen nicht hinkommt.