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Gelbtafeln richtig einsetzen: wogegen sie helfen und wogegen nicht

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Gelbe Leimtafel steckt zwischen Kräutertöpfen
Gelbtafeln fangen fliegende Schädlinge und zeigen an, wie stark der Befall ist
Inhalt9 Abschnitte
  1. Was Gelbtafeln sind und wie sie wirken
  2. Wogegen Gelbtafeln helfen – und wogegen nicht
  3. Erst bestimmen, dann bekämpfen: die Tafel als Messgerät
  4. Gelbtafeln richtig anbringen
  5. Gelb oder blau?
  6. Worauf beim Kauf zu achten ist
  7. Warum Gelbtafeln nicht ins Freie gehören
  8. Vorsicht bei Haustieren und Kindern
  9. Häufige Fragen

Gelbtafeln fangen fliegende Pflanzenschädlinge wie Trauermücken und Weiße Fliegen, lösen einen Befall aber selten allein. Ihr eigentlicher Wert liegt in der Kontrolle: Eine Tafel im Topf zeigt nach wenigen Tagen, ob und wie viele Tiere unterwegs sind. Richtig eingesetzt sind sie in der Wohnung ein nützliches, giftfreies Hilfsmittel – im Garten und auf dem offenen Balkon dagegen richten sie mehr Schaden als Nutzen an.

Was Gelbtafeln sind und wie sie wirken

Gelbtafeln, auch Gelbsticker oder Gelbstecker genannt, sind Karten aus Kunststoff oder beschichtetem Karton, die beidseitig mit einem nicht trocknenden Leim bestrichen sind. Ein Insektizid enthalten sie üblicherweise nicht, auch keinen Lockstoff. Die Wirkung beruht allein auf der Farbe: Viele Insekten, die an Pflanzen saugen oder in feuchter Erde leben, fliegen gezielt kräftiges Gelb an, landen auf der Tafel und bleiben kleben.

Damit ist auch die Grenze klar. Gefangen wird nur, was fliegt und Gelb mag. Eier, Larven und alle flügellosen Schädlinge bleiben unberührt. Und weil die meisten Schäden an der Pflanze gerade von den Larven oder den festsitzenden Stadien ausgehen, bekämpft die Tafel oft nur die Hälfte des Problems.

Wogegen Gelbtafeln helfen – und wogegen nicht

SchädlingWirkung der GelbtafelWas zusätzlich nötig ist
Trauermückengut: fängt die erwachsenen MückenErde trockener halten, Larven in der Erde bekämpfen
Weiße Fliegegut: fängt die auffliegenden TiereLarven auf den Blattunterseiten entfernen
Geflügelte Blattläusefängt zufliegende Tiere, zeigt Zuflug anKolonien abduschen oder abstreifen
Minierfliegen, Zikadenfängt erwachsene Tierebefallene Blätter entfernen
Thripsemäßig; Blautafeln fangen besserabduschen, Erdoberfläche erneuern
Spinnmilben, Woll- und Schildläusekeineeigene Behandlung
Fruchtfliegen, Stubenfliegen, Mottenhöchstens Zufallsfängeandere Fallen, Ursache beseitigen

Die jeweils passende Behandlung finden Sie in den Ratgebern Trauermücken loswerden, Weiße Fliege bekämpfen und Thripse bekämpfen. Gegen Fruchtfliegen in der Küche hilft eine Falle mit Gärgeruch besser, siehe Fruchtfliegenfalle selber machen.

Erst bestimmen, dann bekämpfen: die Tafel als Messgerät

Im Erwerbsgartenbau hängen Leimtafeln vor allem zur Überwachung in den Gewächshäusern. Genau so sind sie auch zu Hause am nützlichsten:

  • Früh erkennen. Eine Tafel bei neuen oder anfälligen Pflanzen zeigt die ersten Tiere, bevor Sie Schäden sehen.
  • Bestimmen. Auf dem gelben Untergrund lassen sich die Fänge mit der Lupe gut ansehen: Trauermücken sind dunkel, zart und langbeinig, Weiße Fliegen weiß bepudert, Thripse schmal wie ein Strich. Wer unsicher ist, welche kleinen Flieger er im Zimmer hat, findet Hilfe unter Kleine Fliegen in der Wohnung.
  • Erfolg prüfen. Frische Tafel aufstellen, Datum notieren, nach einer Woche zählen. Werden es von Woche zu Woche weniger, wirkt die Behandlung. Bleibt die Zahl gleich, fehlt noch etwas – meist die Bekämpfung der Larven.

Gelbtafeln richtig anbringen

  1. Passende Form wählen. Kleine Stecker mit Spitze oder Halter kommen direkt in den Topf. Größere Tafeln zum Hängen eignen sich für Wintergarten, Gewächshaus und hohe Pflanzen.
  2. Auf die richtige Höhe achten. Bei Trauermücken gehört die Tafel dicht über die Erdoberfläche, denn die Mücken laufen und fliegen bodennah. Bei Weißer Fliege hängt sie knapp über den Triebspitzen, wo die Tiere beim Auffliegen landen.
  3. Nah an die Pflanze. Die Tafel wirkt nur auf kurze Entfernung. Eine einzelne Karte am Fenster schützt nicht die ganze Fensterbank; bei Befall besser einen Stecker je Topf.
  4. Schutzfolie abziehen, Leim nicht berühren. An Blättern klebende Tafeln schädigen das Laub, deshalb so stecken, dass nichts anliegt.
  5. Rechtzeitig wechseln. Ist die Fläche dicht besetzt oder verstaubt, fängt sie kaum noch. Je nach Befall ist das nach wenigen Wochen der Fall, sonst nach Herstellerangabe.
  6. Im Restmüll entsorgen. Volle Tafeln zusammenklappen oder in Papier wickeln.

Leim an Fingern, Scheren oder Möbeln lässt sich mit etwas Speiseöl anlösen und danach mit Spülmittel abwaschen.

Gelb oder blau?

Blautafeln sind gleich aufgebaut, nur die Farbe ist anders. Thripse fliegen Blau deutlich lieber an als Gelb. Wer also silbrige Saugstellen mit schwarzen Pünktchen auf den Blättern hat, nimmt Blautafeln. Für alles andere ist Gelb die bessere Wahl. Ist unklar, was fliegt, können Sie beide Farben nebeneinander stecken und vergleichen. Eine Bekämpfung der Thripse ersetzen auch Blautafeln nicht.

Worauf beim Kauf zu achten ist

  • Format: Für Töpfe sind kleine Stecker praktischer als große Tafeln, die man erst zuschneiden muss. Formen wie Schmetterlinge oder Blumen fangen nicht besser, fallen aber weniger auf.
  • Leim: Er sollte geruchlos sein, nicht tropfen und auch bei Wärme auf der Fensterbank nicht verlaufen. Angaben wie „insektizidfrei“ stehen auf der Packung.
  • Material: Kunststoffkarten bleiben beim Gießen stabil, Kartontafeln weichen bei Nässe leichter auf.
  • Menge: Lieber eine Packung mit vielen kleinen Steckern als wenige große Tafeln, weil Sie über Wochen mehrmals wechseln.
  • Preis: Packungen mit zehn bis zwanzig Steckern kosten meist nur wenige Euro.

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Warum Gelbtafeln nicht ins Freie gehören

Im Garten und auf dem offenen Balkon fangen Gelbtafeln wahllos. Gelb zieht nicht nur Schädlinge an, sondern auch Schwebfliegen, Florfliegen, Schlupfwespen, Marienkäfer und Wildbienen – also gerade die Tiere, die Blattläuse fressen oder Blüten bestäuben. An großen Leimtafeln im Freien können zudem kleine Vögel hängen bleiben. Gegen einen Blattlausbefall an Rosen oder Balkonblumen bringt die Tafel ohnehin nichts, weil die meisten Läuse flügellos sind.

Verwenden Sie Gelbtafeln deshalb in geschlossenen Räumen, im Wintergarten und im Gewächshaus. Dort verirren sich Nützlinge selten hinein. Die Ausnahme: Setzen Sie selbst Nützlinge ein, etwa Schlupfwespen gegen die Weiße Fliege, nehmen Sie die Tafeln vorher ab oder lassen nur eine einzige zur Kontrolle hängen. Sonst fangen Sie die bestellten Helfer gleich wieder weg.

Vorsicht bei Haustieren und Kindern

Der Leim ist nicht giftig, aber hartnäckig. Katzen, die an Pflanzen schnuppern, haben ihn schnell im Fell; mit Speiseöl lässt er sich vorsichtig herausarbeiten. Für frei fliegende Wellensittiche und andere Stubenvögel sind hängende Tafeln eine echte Gefahr und sollten in ihrem Raum nicht verwendet werden. Stellen Sie Töpfe mit Steckern außerdem so, dass kleine Kinder nicht hineingreifen.

Häufige Fragen

Sind Gelbtafeln giftig?

Übliche Gelbtafeln enthalten kein Insektizid und wirken rein mechanisch über den Leim. Prüfen Sie die Angabe auf der Packung. Für Menschen und Haustiere sind sie ungiftig, aber unangenehm klebrig.

Wie lange halten Gelbtafeln?

Der Leim bleibt meist mehrere Wochen bis Monate klebrig. Gewechselt wird, wenn die Fläche voll oder verstaubt ist. Bei starkem Trauermückenbefall kann das schon nach ein bis zwei Wochen nötig sein.

Wird man Trauermücken allein mit Gelbtafeln los?

Bei leichtem Befall manchmal, wenn gleichzeitig weniger gegossen wird. In der Regel nicht, denn die Larven leben in der Erde und werden von der Tafel nicht erreicht. Sie verringert aber die Zahl der Mücken, die neue Eier legen.

Helfen Gelbtafeln gegen Blattläuse?

Nur gegen die geflügelten Tiere, die neue Pflanzen besiedeln. Die Kolonien an den Triebspitzen bestehen überwiegend aus flügellosen Läusen. Diese müssen abgeduscht, abgestreift oder behandelt werden, wie in der Übersicht Schädlinge an Zimmerpflanzen beschrieben.

Kann ich Gelbtafeln selbst basteln?

Gelber Karton mit Honig, Öl oder Sirup wird oft vorgeschlagen, klebt aber schlecht, tropft und zieht in der Wohnung eher Ameisen an. Gekaufte Tafeln kosten wenig und fangen deutlich zuverlässiger.