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Weiße Fliege an Zimmer- und Balkonpflanzen bekämpfen

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Weiße Fliege mit weiß bepuderten Flügeln in Nahaufnahme
Die Gewächshaus-Weiße-Fliege ist keine Fliege, sondern eine Mottenschildlaus
Inhalt9 Abschnitte
  1. Weiße Fliege erkennen
  2. Weiße Fliege oder etwas anderes?
  3. Woher kommt die Weiße Fliege?
  4. Weiße Fliege bekämpfen: Schritt für Schritt
  5. Schlupfwespen: der klassische Nützling
  6. Zugelassene Mittel
  7. Was Hausmittel bringen
  8. Vorbeugen
  9. Häufige Fragen

Die Weiße Fliege bekämpfen Sie am besten an zwei Fronten: Gelbtafeln fangen die erwachsenen, fliegenden Tiere, während Sie die Larven auf den Blattunterseiten durch Abpflücken befallener Blätter, mit Schlupfwespen oder mit einem zugelassenen Mittel bekämpfen. Zusätzlich hilft ein kühlerer, luftigerer Standort. Weil laufend neue Tiere schlüpfen, braucht es einige Wochen Geduld.

Weiße Fliege erkennen

Die Weiße Fliege ist keine Fliege. Sie gehört zu den Mottenschildläusen und ist damit mit Blatt- und Schildläusen verwandt. An Zimmer-, Kübel- und Gewächshauspflanzen tritt vor allem die Gewächshaus-Weiße-Fliege auf, daneben die Tabakmottenschildlaus. Im Gemüsebeet sitzt an Kohl eine eigene Art, die Kohlmottenschildlaus.

  • Erwachsene Tiere: etwa 1,5–2 mm lang, mit weißem Wachs bepudert, die Flügel liegen dachartig über dem Körper. Sie sitzen dicht an dicht auf den Unterseiten der jüngeren Blätter und fliegen beim Anstoßen der Pflanze als weiße Wolke auf, um sich gleich wieder zu setzen.
  • Larven: flach, oval, grünlich bis gelblich durchscheinend und kleiner als 1 mm. Nach dem ersten Stadium sitzen sie fest und sehen aus wie winzige Schuppen. Man findet sie eher an den älteren, unteren Blättern.
  • Eier: winzig, zunächst hell, später dunkel, oft in kleinen Bögen oder Kreisen auf der Blattunterseite.
  • Schadbild: gelbliche Sprenkel und vergilbende Blätter, klebriger Honigtau auf den Blättern darunter, später schwarzer Rußtau. Stark befallene Blätter vertrocknen und fallen ab.

Die Schüttelprobe genügt: Pflanze leicht anstoßen und auf auffliegende weiße Tierchen achten. Danach die Blattunterseiten mit der Lupe ansehen.

Besonders beliebt sind Fuchsien, Pelargonien, Wandelröschen, Hibiskus, Engelstrompete und Weihnachtsstern, außerdem Tomaten, Gurken und weichlaubige Kräuter wie Minze, Zitronenmelisse und Salbei.

Weiße Fliege oder etwas anderes?

BeobachtungWahrscheinlichUnterschied
weiße Tierchen fliegen von den Blättern aufWeiße Fliegesitzen auf Blattunterseiten, Blätter kleben
schwarze Mücken laufen und fliegen über der ErdeTrauermückendunkel, Larven leben in der Erde
weiße Tierchen hüpfen auf der feuchten ErdeSpringschwänzeflügellos, harmlos
weiße Watte in Blattachseln, nichts fliegtWollläusekrabbeln langsam, Wachsgespinste
helle Hüllen an TriebspitzenHäutungsreste von Blattläusenleer, daneben sitzen die Läuse

Woher kommt die Weiße Fliege?

Meist bringt man sie mit: mit Balkonpflanzen und Gemüsejungpflanzen aus dem Handel, mit Kräutertöpfen oder mit Kübelpflanzen, die im Herbst ins Haus ziehen. Im Sommer fliegen die Tiere auch von befallenen Nachbarpflanzen zu.

Die Gewächshaus-Weiße-Fliege stammt aus warmen Regionen und übersteht strenge Winter im Freien schlecht. Sie überdauert deshalb in Gewächshäusern, Wintergärten und warmen Winterquartieren – und vermehrt sich dort weiter, wenn es warm genug ist. Am wohlsten fühlt sie sich bei Wärme, hoher Luftfeuchte und stehender Luft. Das unterscheidet sie von Spinnmilben und Thripsen, die trockene Luft bevorzugen. Dicht gestellte, stark gedüngte Pflanzen mit weichem Laub werden bevorzugt.

Weiße Fliege bekämpfen: Schritt für Schritt

  1. Pflanze isolieren. Möglichst früh am Morgen oder in einem kühlen Raum, dann sind die Tiere träge und fliegen weniger auf. Tragen Sie die Pflanze ruhig, damit der Schwarm nicht im Zimmer verteilt wird.
  2. Befallene Blätter entfernen. Die unteren Blätter mit vielen Larven abpflücken und sofort in einen Beutel geben, der verschlossen in den Restmüll kommt. Das nimmt dem Befall den Nachwuchs.
  3. Gelbtafeln aufhängen. Die Tafeln knapp über den Triebspitzen anbringen. Wer die Pflanze dann gelegentlich leicht schüttelt, treibt die auffliegenden Tiere auf den Leim. Mehr zum richtigen Einsatz im Ratgeber Gelbtafeln.
  4. Blattunterseiten abduschen oder abwischen. Den Topf in eine Tüte packen und die Unterseiten mit lauwarmem Wasser abbrausen. Das entfernt Honigtau, Eier und einen Teil der jungen Larven; die älteren sitzen sehr fest.
  5. Standort ändern. Kühler, heller und luftiger stellen, Pflanzen auf Abstand rücken, regelmäßig lüften. Kübelpflanzen im Winterquartier so kühl halten, wie die Art es verträgt.
  6. Nachbehandeln. Je nach Lage mit Schlupfwespen oder einem zugelassenen Mittel, siehe unten.
  7. Wöchentlich kontrollieren. Schüttelprobe machen und Tafeln ansehen, bis mehrere Wochen keine Tiere mehr auffliegen.

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Schlupfwespen: der klassische Nützling

Gegen die Weiße Fliege wird seit Langem die Schlupfwespe Encarsia formosa eingesetzt. Das Tier ist unter 1 mm groß, sticht nicht und interessiert sich ausschließlich für die Larven der Weißen Fliege. Das Weibchen legt je ein Ei in eine Larve; die Schlupfwespe entwickelt sich darin, und die befallene Larve färbt sich bei der Gewächshaus-Weißen-Fliege schwarz. An diesen schwarzen Schuppen erkennen Sie, dass der Einsatz funktioniert.

Geliefert werden Kärtchen mit parasitierten Puppen, die man in die Pflanzen hängt. Damit das gelingt, müssen ein paar Bedingungen stimmen:

  • Wärme und Licht: Die Schlupfwespen brauchen warme, helle Standorte. Im Wintergarten und Gewächshaus von Frühjahr bis Herbst sind sie in ihrem Element, im kühlen, dunklen Winterquartier arbeiten sie nicht.
  • Früh anfangen: Bei den ersten Tieren einsetzen, nicht erst bei dichtem Befall, und nach Angabe des Anbieters mehrmals im Abstand nachlegen.
  • Gelbtafeln abnehmen: Die Tafeln fangen auch die Schlupfwespen. Eine einzelne Tafel zur Kontrolle ist vertretbar, mehr nicht.
  • Nicht spritzen: Viele Mittel schädigen die Nützlinge. Vorher den Anbieter nach Wartezeiten fragen.

Für eine einzelne Fuchsie auf der Fensterbank lohnt sich die Bestellung selten; bei vielen Pflanzen in einem Raum ist es die eleganteste Lösung. Im Gewächshaus werden daneben Raubwanzen eingesetzt.

Zugelassene Mittel

Für Zierpflanzen gibt es zugelassene Sprühmittel auf Basis von Rapsöl oder Kaliseife und Präparate mit Neem; mehr dazu unter Neemöl. Sie wirken über den Kontakt, also müssen die Blattunterseiten gründlich benetzt werden. Sprühen Sie am besten morgens, wenn die Tiere träge sitzen. Eier und ältere Larven sind widerstandsfähig, deshalb sind die Wiederholungen im Abstand laut Etikett nötig.

Bei Tomaten, Gurken und Kräutern dürfen Sie nur Mittel verwenden, die für diese Kulturen zugelassen sind, und müssen die Wartezeit bis zur Ernte einhalten. Auf dem Balkon nicht in die offene Blüte und nicht bei Bienenflug sprühen, sofern das Etikett nichts anderes vorgibt.

Was Hausmittel bringen

Abduschen, Abpflücken und ein besserer Standort sind wirksame, ungefährliche Maßnahmen. Der oft empfohlene Handstaubsauger, mit dem man die aufgescheuchten Tiere am kühlen Morgen absaugt, verringert die Zahl der erwachsenen Tiere, erreicht aber weder Eier noch Larven. Selbst gemischte Spritzbrühen aus Schmierseife, Spülmittel oder Rapsöl aus der Küche sind in der Dosierung unsicher, können weiches Laub verbrennen und sind als selbst hergestellte Pflanzenschutzmittel rechtlich heikel. Basilikum oder Kapuzinerkresse als Nachbarpflanzen halten die Weiße Fliege nicht verlässlich fern.

Vorbeugen

  • Beim Kauf die Pflanze leicht schütteln und die Blattunterseiten ansehen.
  • Kübelpflanzen vor dem Einräumen prüfen, befallene Triebe zurückschneiden.
  • Winterquartier kühl und hell halten, an frostfreien Tagen lüften.
  • Pflanzen nicht zu eng stellen und zurückhaltend düngen.
  • Im Wintergarten ab dem Frühjahr eine Gelbtafel zur Kontrolle aufhängen.

Weitere Schädlinge und ihre Erkennungsmerkmale stellt die Übersicht Schädlinge an Zimmerpflanzen vor.

Häufige Fragen

Ist die Weiße Fliege für Menschen schädlich?

Nein. Sie sticht nicht und überträgt keine Krankheiten auf Menschen oder Haustiere. Der Schaden betrifft nur die Pflanzen.

Kann man Tomaten oder Kräuter mit Weißer Fliege noch essen?

Ja. Früchte und Blätter gründlich waschen, damit Honigtau und Tiere entfernt sind. Wurde ein Mittel angewendet, gilt dessen Wartezeit bis zur Ernte.

Überlebt die Weiße Fliege den Winter?

Im Freien bei strengem Frost in der Regel nicht, im Haus sehr wohl. Sie überdauert an Kübelpflanzen im Winterquartier und im Wintergarten und startet von dort im Frühjahr neu.

Hilft Kälte gegen die Weiße Fliege?

Kühle Temperaturen bremsen Entwicklung und Flug deutlich, deshalb ist ein kühles Winterquartier eine gute Vorbeugung. Frost, der die Tiere sicher abtötet, vertragen die meisten betroffenen Pflanzen aber selbst nicht.

Reichen Gelbtafeln allein aus?

Selten. Sie fangen nur die erwachsenen Tiere, während Eier und Larven auf den Blättern bleiben. Als Frühwarnung und Ergänzung sind sie sinnvoll, als einzige Maßnahme nur bei sehr schwachem Befall.