Kamelhaardecke: Eigenschaften, Nachteile und richtige Pflege

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Eine Kamelhaardecke ist entweder eine Bettdecke mit Kamelhaar-Füllung oder eine gewebte Wohndecke aus Kamelhaar. Beide nutzen dieselben Eigenschaften der Faser: Sie ist leicht, wärmt gut und kann viel Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich klamm anzufühlen. Dafür ist Kamelhaar teuer, pflegeaufwendiger als Kunstfaser und nicht für jeden Allergiker die richtige Wahl.
Woher das Kamelhaar kommt
Das Haar für Decken stammt überwiegend vom zweihöckrigen Kamel, dem Trampeltier, das in der Mongolei, in China und Zentralasien gehalten wird. Die Tiere tragen im Winter ein dichtes Fell aus zwei Schichten: dem gröberen, glatten Deckhaar außen und dem sehr feinen, gekräuselten Flaum darunter. Im Frühjahr verlieren sie ihr Winterfell in Büscheln. Das Haar wird aufgesammelt, ausgekämmt oder geschoren, anschließend sortiert und gewaschen.

Für Decken ist vor allem das Flaumhaar begehrt. Es ist fein, weich und isoliert gut. Deckhaar ist gröber und kratziger, wird aber ebenfalls verarbeitet, oft gemischt mit Schafwolle oder Flaum. Die Ausbeute an Flaumhaar ist gering, daher der Preisunterschied.
Wie warm ist eine Kamelhaardecke?
Kamelhaar wärmt gut, weil die gekräuselten Fasern viel Luft einschließen. Gleichzeitig nimmt die Faser Feuchtigkeit aus der Luft unter der Decke auf und gibt sie nach außen ab. Das Ergebnis ist ein trockenes Schlafklima: Man liegt warm, aber nicht im eigenen Schweiß. Viele Hersteller sprechen von „temperaturausgleichend“. Das ist keine Magie, sondern die Kombination aus Isolation und Feuchtigkeitstransport, die Wolle und andere Tierhaare generell auszeichnet.
Eine dicke Daunendecke isoliert bei gleichem Gewicht allerdings stärker. Kamelhaardecken sind deshalb eher etwas für Menschen, die nicht frieren, sondern eher schwitzen. Wer nachts kalte Füße hat, greift zu einer Winterdecke mit mehr Füllgewicht oder zu Daunen.
Hersteller geben die Wärme meist in Stufen an, oft von 1 (leicht, Sommer) bis 4 oder 5 (sehr warm, Winter). Zusätzlich hilft das Füllgewicht: Je mehr Gramm Kamelhaar pro Quadratmeter, desto wärmer. Beliebt sind Vierjahreszeitendecken, zwei unterschiedlich warme Decken, die man mit Druckknöpfen verbindet – die leichte für den Sommer, die schwerere für die Übergangszeit, beide zusammen für den Winter.
Die Nachteile – ehrlich betrachtet
- Preis: Kamelhaardecken kosten ein Vielfaches einer Kunstfaserdecke. Decken mit hohem Flaumanteil sind am teuersten.
- Pflege: Kamelhaar ist nicht kochfest. Viele Decken dürfen gar nicht oder nur im Wollwaschgang gewaschen werden, das Trocknen dauert lange.
- Eigengeruch: Neue Decken riechen oft leicht nach Tier. Das verfliegt beim Lüften meist nach einigen Tagen.
- Allergien: Wer auf Tierhaare reagiert, kann auch auf Kamelhaar reagieren. Und wer eine Hausstaubmilbenallergie hat, dem wird meist eine Decke empfohlen, die regelmäßig bei 60 °C gewaschen werden kann. Das schafft Kamelhaar nicht.
- Motten: Wie Schafwolle kann Kamelhaar von Kleidermotten befallen werden, vor allem bei langer Lagerung.
Die oft gelesene Behauptung, Kamelhaardecken seien „allergiefrei“ oder hätten eine „anti-rheumatische“ Wirkung, ist nicht belegt. Wer Beschwerden hat, sollte sie ärztlich abklären lassen und die Decke nach dem Schlafgefühl auswählen, nicht nach Heilversprechen.
Für wen sich eine Kamelhaardecke eignet
Gut passt sie für alle, die nachts leicht schwitzen, gern ein trockenes Bettklima haben und auf Naturfasern Wert legen. Ebenso für Menschen, die eine leichte Decke mögen: Kamelhaardecken sind bei gleicher Wärme deutlich leichter als Schafschurwolldecken.
Weniger geeignet ist sie für Tierhaar- und Hausstaubmilbenallergiker, für Menschen, die stark frieren, und für alle, die ihre Bettdecke häufig in der Maschine waschen möchten. Für Kinderbetten sind pflegeleichte, waschbare Decken meist praktischer.
Arten im Vergleich
| Füllung | Eigenschaften | Preis |
| 100 % Kamelflaumhaar | Sehr weich, leicht, gute Feuchtigkeitsaufnahme | Hoch |
| Kamelhaar (Flaum und Deckhaar gemischt) | Etwas gröber, gute Wärme | Mittel bis hoch |
| Kamelhaar mit Schafschurwolle | Robuster, etwas schwerer | Mittel |
| Schafschurwolle | Ähnliches Klima, schwerer, günstiger | Mittel |
| Kunstfaser (Polyester) | Waschbar bis 60 °C, pflegeleicht, weniger Feuchtigkeitsaufnahme | Niedrig |
Achten Sie auf der Verpackung auf die genaue Zusammensetzung. „Mit Kamelhaar“ kann auch heißen, dass nur ein kleiner Anteil in der Füllung steckt. Bei Mischungen ist der Prozentsatz angegeben.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
- Füllung: Anteil an Kamelhaar und Flaumhaar in Prozent, dazu das Füllgewicht in Gramm.
- Wärmeklasse: passend zu Ihrem Schlafzimmer und Ihrem Wärmebedürfnis.
- Bezug: Baumwolle (Batist, Satin) ist atmungsaktiv. Ein dichter Bezug verhindert, dass Haare herausspitzen.
- Steppung: Kassetten- oder Karosteppung hält die Füllung an ihrem Platz.
- Größe: 135 x 200 cm ist die Standardgröße für eine Person, 155 x 220 cm für große Menschen und Komfortbetten, 200 x 200 oder 200 x 220 cm für zwei.
- Pflegeetikett: ob und wie waschbar.
- Siegel: OEKO-TEX Standard 100 bedeutet, dass das Textil auf Schadstoffe geprüft wurde. Es sagt nichts über Tierhaltung oder Naturbelassenheit aus.
Ein Beispiel für eine Bettdecke mit reiner Kamelhaar-Füllung in Standardgröße:
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Kamelhaardecke waschen
Die wichtigste Regel: Das Pflegeetikett hat Vorrang. Kamelhaar verfilzt, wenn es zu warm gewaschen, zu stark geschleudert oder mit normalem Waschmittel behandelt wird. Viele Hersteller empfehlen für Bettdecken die professionelle Reinigung. Ist die Decke als waschbar gekennzeichnet, gilt:
- Waschmaschine prüfen. Die Decke braucht viel Platz. Eine Bettdecke in Standardgröße passt oft erst ab einer Trommel von 7 kg, sonst im Waschsalon waschen.
- Wollwaschgang wählen. Höchstens 30 °C, wenig Bewegung, niedrige Schleuderdrehzahl.
- Wollwaschmittel verwenden. Normales Waschmittel mit Enzymen greift Tierhaar an. Kein Weichspüler.
- Liegend trocknen. Flach auf einem Wäscheständer, im Schatten, mehrfach wenden und aufschütteln. Die Decke muss vollständig durchtrocknen, sonst riecht sie.
- Nicht in den Trockner. Außer das Etikett erlaubt es ausdrücklich.
Gewebte Wohndecken und Plaids aus Kamelhaar werden ebenfalls im Wollwaschgang oder von Hand gewaschen. Einzelne Flecken tupft man mit etwas Wollwaschmittel und lauwarmem Wasser ab, statt gleich die ganze Decke zu waschen.
Lüften statt waschen
Im Alltag braucht eine Kamelhaardecke vor allem Luft. Jeden Morgen aufschütteln und das Bett eine Weile offen lassen, damit die Feuchtigkeit entweicht. Regelmäßig an einem trockenen, bewölkten Tag draußen lüften, aber nicht in praller Sonne, die das Haar austrocknet. Ein waschbarer Bettbezug hält die Decke sauber und sollte häufig gewechselt werden.
Zur Aufbewahrung im Sommer gehört die Decke sauber und trocken in einen atmungsaktiven Baumwollbeutel, nicht in Plastik. Ein Säckchen mit Zedernholz oder Lavendel hält Motten fern. Vakuumbeutel quetschen die Fasern zusammen; die Decke erholt sich danach oft nur langsam.
Wer eine leichte Naturfaserdecke fürs Sofa sucht, kann auch eine Alpakadecke in Betracht ziehen. Für Daunen gibt es eigene Hinweise im Beitrag Daunendecke waschen, und eine Übersicht über Decken fürs Wohnzimmer bietet die Decke mit Ärmeln.
Häufige Fragen
Kann man eine Kamelhaardecke in der Waschmaschine waschen?
Nur wenn das Etikett es erlaubt. Dann im Wollwaschgang bei höchstens 30 °C mit Wollwaschmittel und wenig Schleudern. Viele Bettdecken sollten dagegen in die Reinigung. Nicht in den Trockner, wenn es nicht ausdrücklich erlaubt ist.
Welche Nachteile hat eine Kamelhaardecke?
Sie ist teuer, nicht bei 60 °C waschbar, riecht anfangs manchmal nach Tier und kann Motten anziehen. Für Tierhaar- und Hausstaubmilbenallergiker ist sie in der Regel nicht die beste Wahl.
Ist eine Kamelhaardecke warm genug für den Winter?
Das hängt von Füllgewicht und Wärmeklasse ab. Es gibt warme Winterdecken aus Kamelhaar. Wer stark friert, fährt mit einer Daunendecke oder einer Vierjahreszeitendecke besser.
Wie unterscheiden sich Kamelhaar und Alpaka?
Beide sind leicht, weich und wärmen gut. Alpaka ist glatter und kaum kratzend, Kamelflaum besonders fein und saugfähig. Im Alltag entscheiden eher Verarbeitung, Füllgewicht und Preis als die Tierart.
Was bedeutet das OEKO-TEX-Siegel bei Kamelhaardecken?
Es zeigt, dass das fertige Textil auf bestimmte Schadstoffe geprüft wurde. Über Tierwohl, Herkunft oder Reinheit der Füllung sagt es nichts.



