Zum Inhalt springen
haushalt&wohnen

Wurmkomposter

Christoph · 7 Min. Lesezeit

Wurmkomposter Ratgeber
Ein Wurmkomposter arbeitet, auch in Innenräumen, vollkommen geruchsfrei
Inhalt9 Abschnitte
  1. So funktioniert eine Wurmkiste
  2. Was in den Wurmkomposter darf – und was nicht
  3. Der Start: Einstreu, Würmer, Geduld
  4. Standort und Temperatur
  5. Wurmhumus und Sickerwasser nutzen
  6. Worauf es beim Kauf ankommt
  7. Häufige Probleme und ihre Lösung
  8. Wurmkomposter, Komposthaufen oder Biotonne?
  9. Häufige Fragen

Ein Wurmkomposter ist eine geschlossene Kiste, in der Kompostwürmer Küchenabfälle zu feinkrümeligem Wurmhumus verarbeiten. Er braucht wenig Platz, funktioniert in Küche, Keller oder auf dem Balkon und riecht bei richtiger Pflege nach Waldboden. Für wen lohnt er sich? Für alle, die Pflanzen haben und ihre Gemüsereste sinnvoll verwerten möchten, aber keinen Garten mit Komposthaufen. Ein Ersatz für die Biotonne ist er nur zum Teil.

So funktioniert eine Wurmkiste

In der Kiste leben Kompostwürmer, meist die Arten Eisenia fetida oder Eisenia andrei. Anders als Regenwürmer, die tief im Boden graben, leben sie in der obersten, feuchten Streuschicht und fressen verrottendes organisches Material. Ein guter Bestand verarbeitet täglich einen beachtlichen Teil seines eigenen Gewichts an Futter. Was hinten herauskommt, ist Wurmhumus: dunkel, krümelig und reich an Nährstoffen in pflanzenverfügbarer Form.

Frau füllt auf dem Balkon Wurmhumus aus einem grauen Etagen-Wurmkomposter in ein Hochbeet mit Kohl
Etagen-Wurmkomposter auf dem Balkon: Der fertige Wurmhumus kommt direkt ins Hochbeet

Die meisten gekauften Wurmkomposter sind Etagensysteme: mehrere Schalen mit gelochtem Boden übereinander, darunter eine Auffangwanne. Man beginnt in der untersten Arbeitsschale. Ist sie voll, setzt man eine neue Schale mit frischem Futter darauf. Die Würmer wandern durch die Löcher nach oben zum Futter, der Humus in der unteren Schale bleibt nahezu wurmfrei zurück und kann geerntet werden. Die Auffangwanne sammelt Sickerwasser, das über einen Hahn abgelassen wird.

Was in den Wurmkomposter darf – und was nicht

Gut geeignet
  • rohe Obst- und Gemüsereste, klein geschnitten
  • Kaffeesatz und Filtertüten
  • Teesatz, Teebeutel ohne Kunststoff
  • zerkleinerte Eierschalen
  • Eierkartons, Pappe, Küchenpapier ohne Reiniger
  • welke Blätter, kleine Mengen Grasschnitt
Nicht oder nur sparsam
  • Fleisch, Fisch, Knochen, Wurst
  • Milchprodukte und Käse
  • Öl, Fett, Gekochtes mit Salz oder Soße
  • Zitrusschalen, Zwiebeln, Knoblauch (nur wenig)
  • scharfe Gewürze, Chili
  • kranke Pflanzen, Unkraut mit Samen
  • Katzenstreu und Hundekot

Faustregeln: Klein schneiden beschleunigt die Arbeit der Würmer erheblich. Frisches Futter immer unter einer Schicht aus feuchter Pappe oder altem Futter verstecken – das hält Fruchtfliegen fern. Zu Obstresten aus Bio-Anbau muss man nicht greifen, aber stark behandelte Schalen in großen Mengen sind nicht ideal. Bananenschalen sind übrigens beliebtes Wurmfutter, auch wenn alte Ratgeber sie verbieten.

Der Start: Einstreu, Würmer, Geduld

  1. Einstreu vorbereiten. Die erste Arbeitsschale mit angefeuchteter, zerrissener Pappe, Eierkartons und etwas Kokosfaser oder Laub füllen. Die Einstreu soll sich anfühlen wie ein ausgedrückter Schwamm.
  2. Würmer einsetzen. Kompostwürmer gibt es bei Wurmzüchtern und im Versand, oft als Set mit dem Komposter. Für einen Haushaltskomposter reichen meist einige hundert Gramm bis ein Kilogramm. Gartenregenwürmer eignen sich nicht, sie wollen in die Tiefe.
  3. Wenig füttern. In den ersten zwei, drei Wochen nur kleine Mengen. Die Würmer müssen sich eingewöhnen, und die Mikroorganismen, die das Futter vorverdauen, müssen sich erst ansiedeln.
  4. Erst nachlegen, wenn aufgefressen ist. Das ist die wichtigste Regel im laufenden Betrieb. Überfütterung ist der häufigste Anfängerfehler.

Nach einigen Wochen spielt sich das ein, und die Würmer vermehren sich bis zu der Dichte, die das Futterangebot hergibt.

Standort und Temperatur

Kompostwürmer mögen es gleichmäßig zwischen etwa 15 und 25 °C. Unter 10 °C arbeiten sie kaum noch, Frost überleben sie in der Kiste nicht, und über 30 °C wird es kritisch. Gute Plätze sind deshalb die Küche, ein Hauswirtschaftsraum, ein frostfreier Keller oder ein schattiger Balkon im Sommerhalbjahr. Direkte Sonne heizt die Kiste auf. Auf dem Balkon muss sie im Winter nach drinnen oder gut isoliert werden.

Flüchten Würmer aus der Kiste, stimmt etwas nicht: zu nass, zu warm, zu sauer oder frisch eingesetzt. Dann Deckel ab, Licht an – Würmer meiden Licht und bleiben unten –, und nach der Ursache suchen.

Wurmhumus und Sickerwasser nutzen

Der erste Humus ist bei guter Pflege nach etwa drei bis sechs Monaten fertig. Er ist dunkel, krümelig und riecht nach Waldboden. Wurmhumus düngt mild und verbessert die Struktur der Erde. Er ist kräftiger als gewöhnlicher Kompost, deshalb mischt man ihn sparsam unter, etwa einen Teil Humus auf drei bis vier Teile Blumen- oder Gemüseerde, oder streut ihn dünn um Balkon- und Kübelpflanzen. Für Zimmerpflanzen gilt: nicht als oberste Schicht, sonst locken die feuchte, humose Oberfläche und ihre Mikroorganismen Trauermücken an.

Das Sickerwasser aus der Auffangwanne wird oft als „Wurmtee“ oder Flüssigdünger bezeichnet. Genau genommen ist es Wasser, das durch die Kiste gelaufen ist, mit schwankendem Nährstoffgehalt. Stark verdünnt, etwa 1:10 mit Gießwasser, kann man damit Pflanzen gießen. Riecht es faulig, lieber nicht verwenden, sondern die Kiste trockener führen. Wichtig ist, den Hahn regelmäßig zu öffnen, damit sich unten kein Wasser staut.

Worauf es beim Kauf ankommt

Geöffneter weißer Wurmkomposter mit Obst- und Gemüseresten, Bananenschalen und Pappe
Fertige Wurmkomposter kosten meist zwischen 50 und 200 Euro
  • Volumen: Für ein bis zwei Personen reichen etwa 30–45 Liter, für Familien sind 60 Liter und mehr sinnvoll. Wichtiger als das Volumen ist, dass Würmer und Futtermenge zusammenpassen.
  • Etagen: Mit mehreren Schalen lässt sich Humus ernten, ohne die Würmer von Hand auszusortieren. Erweiterbare Systeme wachsen mit.
  • Ablaufhahn: Spart das Heben der Wanne zum Ausleeren des Sickerwassers.
  • Belüftung: Lüftungslöcher im Deckel und in den Wänden, dazu gegebenenfalls Filter gegen Fruchtfliegen.
  • Material: Kunststoff ist leicht, leicht zu reinigen und hält die Feuchte. Holz sieht wohnlicher aus und atmet, muss aber unbehandelt sein und altert schneller. Wurmbänke aus Holz dienen zugleich als Sitzmöbel.
  • Standfläche: Füße oder Gestell bringen die Kiste auf eine bequeme Arbeitshöhe, Rollen erleichtern das Umstellen.
  • Set oder einzeln: Sets mit Würmern, Einstreu und Anleitung sind für den Einstieg praktisch. Würmer lassen sich aber auch getrennt beim Züchter kaufen.

Fertige Wurmkomposter kosten meist zwischen 50 und 200 Euro, Kompostwürmer für den Start kommen je nach Menge hinzu. Kompostwürmer sollten Sie nur bestellen, wenn es weder zu heiß noch frostig ist, da sie unterwegs leiden.

Wurmkomposter bei Amazon ansehen

Wer handwerklich geschickt ist, baut eine einfache Wurmkiste aus zwei ineinandergestellten, lichtdichten Kunststoffboxen: Die obere bekommt Löcher im Boden und in den Wänden, die untere fängt das Sickerwasser auf. Für den Anfang reicht das völlig, und mit einem Etagen-Wurmkomposter lässt sich später bequemer ernten.

Häufige Probleme und ihre Lösung

  • Es stinkt: zu viel Futter oder zu nass. Eine Weile nicht füttern, trockene Pappe untermischen, Sickerwasser ablassen.
  • Fruchtfliegen: Futter nicht offen obenauf legen, sondern abdecken; notfalls eine Fruchtfliegenfalle daneben stellen.
  • Schimmel auf dem Futter: Weißer Flaum ist meist harmlos und Teil der Zersetzung. Große schimmelnde Mengen deuten auf Überfütterung hin.
  • Würmer verschwinden: zu kalt, zu heiß oder zu trocken. Temperatur prüfen, Einstreu anfeuchten.
  • Kleine weiße Tierchen: Springschwänze und Milben gehören zu einem gesunden Wurmkomposter und helfen beim Zersetzen. Sie bleiben in der Kiste.

Wurmkomposter, Komposthaufen oder Biotonne?

Ein Wurmkomposter ersetzt die Biotonne nicht ganz. Gekochte Reste, Fleisch, Knochen und größere Mengen Gartenabfall gehören weiter in die Tonne oder auf den Komposthaufen. Dafür verwandelt er einen großen Teil der rohen Küchenabfälle direkt in der Wohnung in hochwertigen Humus, ohne Transport und ohne Platz im Garten. Ein Komposthaufen verarbeitet mehr Menge und gröberes Material, braucht aber Platz im Freien und Zeit. Für Wohnungen mit Balkon und Zimmerpflanzen ist die Wurmkiste die praktischste Lösung. Weitere Ideen für eine gut organisierte Küche finden Sie in der Rubrik Küche, Tipps zu Haus und Garten unter Haus.

Häufige Fragen

Stinkt ein Wurmkomposter in der Wohnung?

Nicht, wenn er richtig betrieben wird. Ein gesunder Wurmkomposter riecht leicht erdig. Unangenehmer Geruch entsteht, wenn zu viel gefüttert wird oder die Kiste zu nass ist – beides lässt sich schnell beheben.

Welche Würmer kommen in einen Wurmkomposter?

Kompostwürmer wie Eisenia fetida oder Eisenia andrei. Sie leben natürlicherweise in verrottendem Material und vermehren sich in der Kiste gut. Regenwürmer aus dem Garten graben tief in den Boden und gehen in der Wurmkiste ein.

Was passiert mit den Würmern im Urlaub?

Zwei bis drei Wochen Abwesenheit sind kein Problem. Vorher eine normale Portion füttern, etwas Pappe dazugeben und die Kiste an einen kühlen, schattigen Ort stellen. Nicht übertrieben viel Futter hineinlegen, das fault.

Wann kann ich den ersten Wurmhumus ernten?

Meist nach drei bis sechs Monaten. Bei Etagensystemen erntet man die unterste Schale, wenn die Würmer weitgehend in die obere gewandert sind und der Inhalt dunkel und krümelig ist.

Vermehren sich die Würmer unbegrenzt?

Nein. Der Bestand passt sich dem Futterangebot und dem Platz an. Wird es zu eng, vermehren sie sich langsamer. Überzählige Würmer kann man an Bekannte für deren Wurmkiste abgeben.