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Markise neu bespannen

Christoph · 8 Min. Lesezeit

Markise bespannen - 3D Ansicht
Eine Markise zu bespannen ist nicht schwer, wenn man die eizelnen Schritte genau befolgt
Inhalt9 Abschnitte
  1. Wann sich eine Neubespannung lohnt
  2. Was es kostet
  3. Das richtige Markisentuch
  4. Richtig ausmessen
  5. Werkzeug und Vorbereitung
  6. Schritt für Schritt: das Tuch wechseln
  7. Wann der Fachbetrieb die bessere Wahl ist
  8. Das neue Tuch lange schön halten
  9. Häufige Fragen

Eine Markise neu zu bespannen heißt, nur das Tuch zu tauschen und Gestell, Arme und Antrieb weiterzuverwenden. Das lohnt sich, wenn der Stoff verblichen, stockfleckig oder eingerissen ist, die Mechanik aber noch sauber läuft. Ein Tuch nach Maß kostet nur einen Bruchteil einer neuen Markise. Den Wechsel können geübte Heimwerker selbst erledigen – vorausgesetzt, sie wissen um die Kräfte, die in den Gelenkarmen stecken.

Wann sich eine Neubespannung lohnt

Markisenstoffe altern durch Sonne, Regen und Schmutz. Typische Zeichen sind ausgeblichene Farben, grünliche Beläge oder Stockflecken, spröde Nähte, Risse am Keder und ein Tuch, das sich nicht mehr straff aufwickelt. Gute Stoffe halten viele Jahre, oft zehn Jahre und mehr; bei starker Sonne, viel Nässe oder häufigem Aus- und Einfahren entsprechend kürzer.

Ob sich eine neue Bespannung rechnet, entscheidet das Gestell. Prüfen Sie vorher:

  • Gelenkarme: laufen sie gleichmäßig, spannen sie das Tuch straff, sind Gelenke und Seile oder Ketten intakt?
  • Tuchwelle und Lager: dreht die Welle leicht, ohne zu schleifen oder zu klappern?
  • Antrieb: fährt die Kurbel ohne Ruckeln, erreicht der Motor seine Endlagen zuverlässig?
  • Befestigung: sitzen die Konsolen fest in der Wand, gibt es Rost oder Risse?

Ist das Gestell verbogen, sind die Federn ermüdet oder hält die Wandbefestigung nicht mehr, kann eine neue Markise die bessere Wahl sein.

Große Markise über einer Terrasse
Je häufiger die Markise genutzt wird, umso öfter muss man die Markise neu bespannen

Was es kostet

Die Kosten hängen vor allem von der Größe, dem Stoff und davon ab, ob Sie selbst wechseln oder einen Fachbetrieb beauftragen. Grob lässt sich sagen:

  • Tuch nach Maß zum Selbstwechseln: meist im Bereich von einigen hundert Euro, bei großen Markisen und hochwertigen Stoffen auch mehr.
  • Neubespannung durch den Fachbetrieb: Tuch plus Arbeitszeit und Anfahrt, zusammen oft deutlich mehr als das Tuch allein.
  • Zusätzlich möglich: neuer Volant, neue Keder, Austausch verschlissener Teile oder des Motors.

Holen Sie mehrere Angebote ein und achten Sie darauf, dass dieselbe Stoffqualität zugrunde liegt. Zum Vergleich: Eine neue Markise gleicher Größe kostet mit Montage in der Regel ein Mehrfaches einer Neubespannung.

Das richtige Markisentuch

Markisenstoffe sind keine gewöhnlichen Stoffe. Sie müssen lichtecht, reißfest, schmutz- und wasserabweisend sein. Üblich sind:

StoffEigenschaftenGeeignet für
Spinndüsengefärbtes AcrylFarbe steckt in der Faser, sehr lichtecht, angenehme textile Optik, meist imprägniertder Standard für Terrassen- und Balkonmarkisen
Polyesterreißfest, formstabil, oft leichterMarkisen mit hoher Spannung, Senkrechtmarkisen
Beschichtete Gewebewasserdicht, glatte OberflächeWintergarten- und Pergolamarkisen, wo Regenschutz im Vordergrund steht

Wählen Sie mindestens die Qualität des alten Stoffes. Das Gewicht und die Dicke müssen zur Markise passen, denn Tuchwelle und Kassette sind auf ein bestimmtes Wickelvolumen ausgelegt. Ein wesentlich dickerer Stoff passt unter Umständen nicht mehr in die Kassette. Farbe und Muster können Sie dagegen frei wählen. Helle Stoffe heizen sich weniger auf, dunkle schützen besser vor Blendung.

Anbieter von Tüchern nach Maß finden Sie im Fachhandel und im Internet. Einen ersten Überblick gibt die Suche nach Markisenstoff nach Maß; für die Bestellung eines fertigen Tuchs brauchen Sie aber exakte Maße und die Angaben zu Keder und Volant.

Richtig ausmessen

Am genauesten wird das neue Tuch, wenn Sie das alte ausbauen und vermessen. Das geht nur, wenn Sie eine Weile auf die Markise verzichten können. Ist das nicht möglich oder das Tuch schon zerfetzt, messen Sie am Gestell:

  1. Breite. Messen Sie die Länge der Tuchwelle. Das Tuch ist etwas schmaler, damit es nicht an den Wellenenden oder der Kassette scheuert. Wie viel Sie abziehen, gibt der Tuchhersteller an; häufig sind es wenige Zentimeter.
  2. Ausfall. Fahren Sie die Markise ganz aus und messen Sie vom Keder in der Tuchwelle bis zum Keder im Ausfallprofil vorn. Dazu kommt eine Zugabe für die Umwicklung, die der Hersteller nennt.
  3. Keder. Notieren Sie Durchmesser und Art der Keder an Welle und Ausfallprofil. Sie müssen in die Nuten passen.
  4. Volant. Messen Sie die Höhe des alten Volants und notieren Sie die Form der Unterkante (gerade, gewellt, gezackt).
  5. Dokumentieren. Fotografieren Sie die Markise, das Typenschild und alle Anschlüsse. Hersteller und Modellnummer erleichtern die Bestellung erheblich.

Viele Anbieter von Markisentüchern bieten Maßanleitungen oder nehmen die Maße auch anhand des Markisenmodells auf. Im Zweifel lassen Sie aufmessen.

Werkzeug und Vorbereitung

  • zwei stabile Leitern oder ein Gerüst und eine zweite Person
  • Spanngurte mit Ratsche, mindestens einer je Gelenkarm
  • Schraubendreher- und Bitset, Inbusschlüssel, Zange
  • Cuttermesser, Malerkrepp und Stift zum Markieren
  • Silikonspray oder das vom Hersteller empfohlene Schmiermittel
  • Arbeitshandschuhe und Tücher

Wählen Sie einen trockenen, windstillen Tag. Das Tuch darf beim Einziehen nicht nass werden und nicht im Wind flattern.

Schritt für Schritt: das Tuch wechseln

Achtung: Die Gelenkarme einer Markise werden von starken Federn auseinandergedrückt. Diese Kraft hält normalerweise das Tuch unter Spannung. Wird das Tuch gelöst, ohne dass die Arme gesichert sind, können sie schlagartig aufklappen und schwere Verletzungen verursachen oder die Markise beschädigen. Sichern Sie die Arme immer mit Spanngurten, bevor Sie das Tuch lösen, und öffnen Sie die Arme niemals selbst.

  1. Leicht ausfahren. Die Markise so weit ausfahren, dass die Arme etwas geöffnet sind – etwa 20 cm – und Sie an Tuchwelle und Ausfallprofil herankommen.
  2. Arme sichern. Jeden Gelenkarm mit einem Spanngurt fest an die Tuchwelle oder die Tragstange binden, sodass er sich nicht mehr öffnen kann.
  3. Strom trennen. Bei Motormarkisen die Stromzufuhr abschalten, damit niemand die Markise versehentlich bewegt.
  4. Position markieren. Die Lage des alten Tuchs auf Welle und Ausfallprofil mit Malerkrepp markieren.
  5. Volant und Endkappen lösen. Endkappen am Ausfallprofil abschrauben und den Volant seitlich herausziehen.
  6. Altes Tuch ausbauen. Den Keder seitlich aus der Nut des Ausfallprofils ziehen, das Tuch von der Welle abwickeln und den Wellenkeder herausziehen. Klemmt es, das Tuch am Profil abschneiden und die Kederreste einzeln herausziehen.
  7. Reinigen und prüfen. Nuten, Gelenke und Welle säubern. Gelenke und Lager nur mit dem Mittel pflegen, das der Hersteller vorsieht – oft ist kein Fett nötig, sondern Silikonspray.
  8. Neues Tuch einziehen. Den Keder des neuen Tuchs seitlich in die Nut der Tuchwelle einschieben, das Tuch mittig nach den Markierungen ausrichten und gleichmäßig aufwickeln. Dann den vorderen Keder in das Ausfallprofil einziehen.
  9. Endkappen und Volant montieren. Alles wieder verschrauben und den Volant einziehen.
  10. Gurte lösen. Erst jetzt die Markise vorsichtig ganz einfahren, die Spanngurte abnehmen und die Markise probeweise aus- und einfahren. Das Tuch muss gerade aufwickeln.
  11. Endlagen prüfen. Bei Motormarkisen die Endlagen kontrollieren und nach Anleitung des Motorherstellers neu einstellen, wenn der Ausfall nicht mehr stimmt.

Arbeiten am Motor und an seinem Anschluss an die feste Elektroinstallation sind Sache einer Elektrofachkraft. Einstellen der Endlagen per Taster oder Einstellkabel ist dagegen meist in der Bedienungsanleitung beschrieben.

Wann der Fachbetrieb die bessere Wahl ist

Holen Sie sich Hilfe, wenn Sie keine Erfahrung mit Arbeiten auf der Leiter haben, die Markise sehr groß ist oder über dem ersten Stock hängt. Auch Kassettenmarkisen sind schwieriger, weil die Kassette zum Tuchwechsel geöffnet oder teils demontiert werden muss. Wenn Sie ohnehin einen Fachbetrieb für den Motor brauchen, lohnt es sich, den Tuchwechsel gleich mitzuvergeben. Hersteller nennen oft Partnerbetriebe in Ihrer Region.

Das neue Tuch lange schön halten

  • Die Markise nur trocken einfahren. Musste sie nass eingerollt werden, bei nächster Gelegenheit ausfahren und trocknen lassen, sonst drohen Stockflecken.
  • Bei starkem Wind einfahren. Viele Hersteller geben eine Windklasse an; ein Windwächter nimmt Ihnen die Arbeit ab.
  • Staub und Laub regelmäßig mit einer weichen Bürste entfernen, Flecken mit lauwarmem Wasser und milder Seife. Hochdruckreiniger und Scheuermittel zerstören die Imprägnierung.
  • Den Winter über eingefahren lassen; Kassettenmarkisen sind dabei besser geschützt als offene Markisen.

Wer statt einer Markise über ein festes Dach nachdenkt, findet Überlegungen dazu in unseren Beiträgen zum Vordach an der Haustür und zum freitragenden Carport. Gegen Hitze hinter den Fenstern hilft auch eine Wärmeschutzfolie. Mehr Themen rund ums Haus gibt es in der Rubrik Haus.

Unsere Empfehlung: Bei einer offenen Gelenkarmmarkise mit intakter Mechanik ist die Neubespannung eine gute Sache für geübte Heimwerker zu zweit, mit gesicherten Armen und exakten Maßen. Bei Kassettenmarkisen, großen Anlagen oder unsicherer Technik übernimmt der Fachbetrieb.

Häufige Fragen

Was kostet es, eine Markise neu bespannen zu lassen?

Das hängt von Größe, Stoff und Aufwand ab. Das Tuch nach Maß kostet meist einige hundert Euro, dazu kommen beim Fachbetrieb Arbeitszeit und Anfahrt. Ein Angebot vor Ort ist der einzige verlässliche Weg; eine neue Markise kostet in der Regel ein Mehrfaches.

Kann ich das Markisentuch selbst wechseln?

Ja, wenn Sie handwerklich geübt sind, eine zweite Person helfen kann und Sie die Gelenkarme vorher sicher fixieren. Bei Kassettenmarkisen und großen oder hoch hängenden Anlagen ist der Fachbetrieb die sicherere Wahl.

Wie lange hält ein Markisentuch?

Gute Acryl- oder Polyesterstoffe halten viele Jahre, oft zehn Jahre und länger. Sonne, Nässe, Wind und das Einrollen im nassen Zustand verkürzen die Lebensdauer.

Wann ist die beste Zeit für die Neubespannung?

Im Frühjahr, bevor die Saison beginnt, oder im Herbst, wenn die Markise ohnehin selten gebraucht wird. Wichtig ist trockenes, windstilles Wetter. Viele Fachbetriebe haben im Frühjahr lange Wartezeiten – früh anfragen lohnt sich.

Kann ich eine andere Farbe wählen?

Ja. Farbe und Muster sind frei wählbar, solange Stoffart, Stärke und Maße zur Markise passen.