Bierbrau Automat

Inhalt9 Abschnitte
Ein Bierbrau-Automat ist ein elektrischer Braukessel mit eingebauter Steuerung, der die Temperaturschritte beim Maischen und das Würzekochen selbstständig abarbeitet. Sie geben Wasser, geschrotetes Malz und später Hopfen hinein, das Gerät hält die Temperaturen des Rezepts. Das Bier selbst entsteht aber erst danach, im Gärbehälter – und das dauert Wochen, egal wie automatisch der Brautag war.
Was beim Bierbrauen eigentlich passiert
Bier besteht nach deutschem Brauverständnis aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. Der Weg dorthin hat immer dieselben Stationen:
- Einmaischen. Geschrotetes Malz wird in warmes Wasser eingerührt.
- Maischen. Die Maische wird stufenweise erhitzt und bei bestimmten Temperaturen gehalten, den sogenannten Rasten. Enzyme aus dem Malz spalten dabei Stärke in vergärbaren Zucker. Die Rasten liegen grob zwischen 50 und 78 °C; welche Sie wie lange einhalten, bestimmt das Rezept.
- Läutern. Die zuckerhaltige Flüssigkeit, die Würze, wird von den Malzresten (Treber) getrennt, der Treber mit heißem Wasser nachgespült.
- Würzekochen. Die Würze kocht meist 60 bis 90 Minuten; dabei kommt der Hopfen hinzu, der Bittere und Aroma bringt.
- Kühlen und Anstellen. Die Würze wird schnell auf Gärtemperatur gekühlt und mit Hefe versetzt.
- Gären. Die Hauptgärung dauert je nach Hefe etwa eine Woche, obergärige Hefen arbeiten bei Raumtemperatur, untergärige brauchen es deutlich kühler.
- Abfüllen und Reifen. Das Jungbier kommt mit etwas Zucker in Flaschen oder ein Fässchen, gärt dort nach, bildet Kohlensäure und reift mehrere Wochen.
Ein Automat übernimmt die Schritte 1 bis 4, bei manchen Geräten auch das Kühlen. Die übrigen Stationen verlangen Geduld, Sauberkeit und einen Platz mit passender Temperatur.

Drei Wege zum eigenen Bier
| Art | So funktioniert es | Für wen | Kosten grob |
| Bierbrau-Set mit Malzextrakt | Eingedickte Würze aus der Dose wird mit Wasser verdünnt, eventuell kurz gekocht und vergoren. Kein Maischen. | Zum Ausprobieren, wenig Platz, wenig Zeit | Meist 30 bis 100 Euro |
| Brauanlage (All-in-one) | Ein Kessel mit Heizung, Malzrohr oder Korb, Pumpe und Steuerung für Maischen, Läutern und Kochen. Gärung separat. | Hobbybrauer, die echte Rezepte brauen wollen | Einige hundert bis über 1.000 Euro |
| Vollautomat mit Zutatenpaket | Kompaktes Gerät, oft mit App und fertig abgestimmten Zutatenpaketen, teils mit eingebautem Gärbehälter. | Wer Komfort über Experimentierfreude stellt | Meist deutlich über 1.000 Euro |
Der Begriff „Bierbrau-Automat“ wird für die beiden letzten Gruppen verwendet. Bekannte Brauanlagen sind zum Beispiel der Braumeister von Speidel oder der Grainfather; daneben gibt es zahlreiche günstigere Einkocher-Brauanlagen verschiedener Marken.
Wie eine Brauanlage arbeitet
Die meisten All-in-one-Geräte arbeiten nach demselben Prinzip. Im Kessel steht ein Malzrohr oder ein Korb mit Siebboden, in den das geschrotete Malz kommt. Eine Pumpe saugt die Flüssigkeit unten ab und drückt sie oben wieder durch das Malz. So wird die Maische gleichmäßig durchströmt, ohne dass Sie rühren müssen, und nichts brennt am Heizboden an.
Die Steuerung heizt nach Programm von Rast zu Rast. Ist das Maischen beendet, meldet sich das Gerät; Sie heben das Malzrohr heraus, spülen mit heißem Wasser nach und starten das Kochen. Den Hopfen geben Sie zu den Zeitpunkten zu, die das Rezept vorgibt – manche Geräte erinnern per Signalton daran. Zum Kühlen dient meist eine Kühlspirale, durch die Leitungswasser fließt, oder ein Plattenkühler.
Ein Brautag mit Anlage dauert trotzdem meist fünf bis sieben Stunden, einschließlich Vorbereitung und Putzen. Der Automat spart das Rühren und Aufpassen, nicht den Tag.
Worauf es beim Kauf ankommt
- Ausschlagmenge: Wie viel fertige Würze liefert ein Sud? Kleine Geräte schaffen 5 bis 10 Liter, verbreitet sind 20 bis 25 Liter, große Anlagen 50 Liter und mehr. Für den Anfang genügen 20 Liter, das sind rund 40 Flaschen zu 0,5 Liter.
- Heizleistung und Anschluss: Anlagen mit 20 bis 30 Litern haben oft 2 bis 3,5 Kilowatt. Sie gehören an eine eigene Steckdose, nicht an eine Mehrfachsteckdose oder eine aufgerollte Kabeltrommel. Große Anlagen brauchen teils Starkstrom – das ist Sache eines Elektrikers.
- Steuerung: Frei programmierbare Rasten sind Pflicht für eigene Rezepte. Eine App ist bequem, aber prüfen Sie, ob das Gerät auch ohne Internet und Herstellerserver funktioniert.
- Zutaten: Offene Geräte nehmen jedes Malz und jeden Hopfen. Geräte, die nur mit Zutatenpaketen des Herstellers laufen, binden Sie auf Dauer an dessen Angebot und Preise.
- Kühlung: Ist ein Würzekühler dabei, oder muss er dazugekauft werden?
- Reinigung: Edelstahl, abnehmbare Teile und ein Ablasshahn erleichtern das Putzen erheblich.
Bei vernetzten Vollautomaten lohnt ein Blick auf den Hersteller: Einige frühe Geräte dieser Art sind vom Markt verschwunden, und wo Rezepte, Kapseln oder Steuerung am Hersteller hingen, war das Gerät danach nur noch eingeschränkt nutzbar.
Bierbrauanlagen bei Amazon ansehen
Was Sie außer dem Automaten brauchen
Die Anlage ist nur ein Teil der Ausrüstung. Für Gärung und Abfüllung kommen hinzu:
- Gärbehälter mit Deckel, Gärröhrchen und Ablasshahn, meist 30 Liter.
- Thermometer und Bierspindel oder Refraktometer, um den Zuckergehalt der Würze und den Gärverlauf zu messen.
- Reinigungs- und Desinfektionsmittel für alles, was nach dem Kochen mit Würze oder Bier in Berührung kommt.
- Flaschen, die für kohlensäurehaltige Getränke gemacht sind – Bügelverschlussflaschen oder Kronkorkenflaschen mit Verschließer.
- Einen Gärplatz mit möglichst gleichmäßiger Temperatur, etwa im Keller.
Wer mit einem Set anfangen will, findet ein Bierbrau-Set für Einsteiger mit Gärbehälter und Zutaten.
Sicherheit und Hygiene
- Heiße Würze: 25 Liter kochende Flüssigkeit sind schwer und gefährlich. Die Anlage stabil und kippsicher aufstellen, beim Herausheben des Malzrohrs Handschuhe tragen, Kinder und Haustiere fernhalten.
- Dampf: Beim Kochen entsteht viel Wasserdampf. Lüften oder unter der Dunstabzugshaube brauen, sonst schlägt sich die Feuchtigkeit an Wänden und Möbeln nieder.
- Flaschen nicht überkarbonisieren: Zu viel Zucker beim Abfüllen oder noch gärendes Bier erzeugen so viel Druck, dass Flaschen platzen können. Die Zuckermenge genau nach Rezept abmessen, Bier erst abfüllen, wenn die Gärung abgeschlossen ist, und nur druckfeste Flaschen verwenden.
- Sauberkeit: Fremde Hefen und Bakterien machen aus Bier Essig. Alles, was nach dem Kochen mit der Würze in Berührung kommt, muss sauber und desinfiziert sein.
- Gärgase: Bei der Gärung entsteht Kohlendioxid. In kleinen, unbelüfteten Kellerräumen mit mehreren Gärbehältern für Luftaustausch sorgen.
Bier brauen und das Recht: die Anzeige beim Zoll
Bier ist in Deutschland steuerpflichtig, auch das selbst gebraute. Für Haus- und Hobbybrauer gilt eine Ausnahme: Bis zu 200 Liter im Kalenderjahr bleiben steuerfrei, wenn das Bier nur für den eigenen Bedarf gebraut und nicht verkauft wird. Wichtig: Sie müssen dem zuständigen Hauptzollamt vorher anzeigen, dass Sie brauen. Das geht formlos oder mit einem Formular, das der Zoll bereitstellt. Wer mehr braut oder Bier verkaufen möchte, braucht mehr als eine Anzeige – dann gelten die Regeln für Brauereien.
Diese Regeln können sich ändern; die aktuellen Angaben stehen auf den Seiten des Zolls.
Lohnt sich ein Bierbrau-Automat?
Rechnen Sie nicht mit Ersparnis. Zutaten für 20 Liter kosten zwar oft nur einen Bruchteil dessen, was die gleiche Menge Craft-Bier im Laden kostet, aber Anlage, Zubehör, Strom und viele Stunden Arbeit holen das so schnell nicht ein. Ein Automat lohnt sich für alle, die Freude am Handwerk haben, eigene Rezepte ausprobieren und Sorten brauen möchten, die es nicht zu kaufen gibt.
Unsere Empfehlung: Starten Sie mit einem Set aus Malzextrakt oder einem kleinen Kochtopf-Sud. Macht es Spaß, lohnt der Schritt zur Brauanlage mit 20 bis 30 Litern und frei programmierbarer Steuerung. Vollautomaten mit Zutatenpaketen passen zu Menschen, die gutes Bier wollen, ohne sich tief in die Braulehre einzuarbeiten – und die mit höheren laufenden Kosten leben können.
Mehr Geräte für Küche und Hobby finden Sie in den Rubriken Küche und Freizeit, etwa den Infrarot-Dörrautomaten oder den Dampfentsafter.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis das selbst gebraute Bier trinkfertig ist?
Brautag, etwa eine Woche Hauptgärung und anschließend zwei bis vier Wochen Nachgärung und Reifung in der Flasche: Mit drei bis sechs Wochen sollten Sie rechnen. Starke oder untergärige Biere brauchen länger.
Brauche ich für einen Bierbrau-Automaten Malz und Hopfen?
Ja. Bei offenen Brauanlagen kaufen Sie Malz, Hopfen und Hefe selbst, meist als fertig zusammengestelltes Rezeptpaket mit geschrotetem Malz. Vollautomaten mit Zutatenpaketen enthalten dieselben Zutaten, nur fertig portioniert.
Muss ich Hobbybrauen anmelden?
Ja, in Deutschland beim zuständigen Hauptzollamt, bevor Sie zum ersten Mal brauen. Bis 200 Liter im Jahr für den Eigenbedarf bleibt das Bier steuerfrei.
Welche Biersorten kann ich brauen?
Mit einer Brauanlage praktisch alle: Pils, Helles, Weizen, Altbier, Stout, Pale Ale. Obergärige Sorten wie Weizen oder Ale sind für den Anfang einfacher, weil sie bei Raumtemperatur gären. Untergärige Biere wie Pils brauchen eine Gärtemperatur um 10 °C.
Kann ich eine Brauanlage auch für anderes verwenden?
Viele Geräte sind im Kern programmierbare Einkocher. Zum Einkochen oder für große Mengen Glühwein eignen sie sich grundsätzlich, allerdings sollten Sie das Gerät danach besonders gründlich reinigen, damit kein Fremdgeschmack ins nächste Bier gerät.



