Reboarder Kindersitz

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Ein Reboarder ist ein Kindersitz, in dem das Kind mit dem Rücken zur Fahrtrichtung sitzt. Bei einem Frontalaufprall – der häufigsten schweren Unfallart – drückt es dann nicht in die Gurte, sondern wird von der ganzen Sitzschale aufgefangen. Kopf und Nacken, die bei kleinen Kindern besonders verletzlich sind, werden so deutlich besser geschützt. Deshalb raten ADAC, Kinderärzte und Unfallforscher, kleine Kinder so lange wie möglich rückwärts fahren zu lassen.
Warum rückwärts fahren sicherer ist
Bei einem Kleinkind macht der Kopf einen viel größeren Anteil am Körpergewicht aus als bei einem Erwachsenen, und die Nackenmuskulatur ist noch schwach. Sitzt das Kind in Fahrtrichtung, halten die Gurte bei einer Vollbremsung oder einem Aufprall den Oberkörper fest, während der schwere Kopf nach vorn schleudert. Die Kräfte, die dabei auf die Halswirbelsäule wirken, können schwere Verletzungen verursachen.
Im Reboarder ist es umgekehrt: Das Kind wird in die Sitzschale gedrückt, die Kräfte verteilen sich auf Rücken, Nacken und Kopf zugleich. Die Schale nimmt einen Teil der Energie auf. Das ist das gleiche Prinzip, nach dem auch die Babyschale funktioniert – sie ist genau genommen der erste Reboarder im Leben eines Kindes.

Wie lange ein Kind rückwärts fahren sollte
Die Kindersitz-Norm UN ECE R129 („i-Size“) schreibt vor, dass Kinder bis mindestens 15 Monate rückwärtsgerichtet fahren. Das ist das Minimum. Fachleute empfehlen, das Kind so lange wie möglich rückwärts fahren zu lassen, idealerweise bis etwa vier Jahre. Die meisten Reboarder nach R129 sind rückwärts bis 105 cm Körpergröße zugelassen, das entspricht ungefähr diesem Alter. Einige Modelle, vor allem aus Skandinavien, erlauben die rückwärtsgerichtete Fahrt noch länger.
Viele Eltern drehen den Sitz früher um, weil die Beine an die Rückbank stoßen. Das ist unbegründet: Kinder sitzen in dieser Haltung meist bequem, sie winkeln die Beine an, kreuzen sie oder legen sie auf die Rückenlehne. Beinverletzungen im Reboarder sind nach Unfallanalysen selten, Kopf- und Nackenverletzungen in vorwärtsgerichteten Sitzen dagegen gefürchtet. Ein zweiter Grund ist die Langeweile – ein Spiegel an der Kopfstütze, durch den das Kind die Eltern sehen kann, hilft.
Welche Reboarder es gibt
Nach dem Babyschalenalter kommt meist ein Reboarder für Kleinkinder. Es gibt verschiedene Bauarten:
| Bauart | Einsatzbereich (typisch) | Vorteile | Nachteile |
| Drehbarer Reboarder mit Isofix | ab Geburt oder ab etwa 61 cm bis 105 cm | bequemes Anschnallen, einfacher Einbau | schwer, teuer, braucht Platz |
| Reboarder ohne Drehfunktion | etwa bis 105 cm, teils länger | leichter, oft günstiger, sehr kompakt | Anschnallen schwieriger |
| Mitwachsender Reboarder | rückwärts bis 105 cm, danach vorwärts | ein Sitz für mehrere Jahre | Kompromisse in einzelnen Stufen |
| Reboarder für den Gurteinbau | verschieden | passt auch in Autos ohne Isofix | Einbau aufwendiger, Fehler häufiger |
Reboarder werden meist mit Isofix und einem Stützfuß oder mit einem Top-Tether-Gurt befestigt. Diese zusätzliche Abstützung verhindert, dass der Sitz bei einem Aufprall kippt. Wird ein Reboarder mit dem Dreipunktgurt eingebaut, kommt es auf genaues Arbeiten an – Einbaufehler sind bei Gurtbefestigung häufiger.
Darauf kommt es beim Kauf an
- Norm: Neue Sitze sind nach UN ECE R129 zugelassen. Sitze nur nach R44/04 dürfen seit 1. September 2024 nicht mehr verkauft werden.
- Passform im Auto: Reboarder brauchen viel Platz nach vorn. Probieren Sie, ob der Sitz hinter dem Fahrer- oder Beifahrersitz passt, ohne dass die Vordersitze zu weit nach vorn müssen. Die Fahrzeug-Typenlisten der Hersteller helfen.
- Rückwärts bis wann? Je höher die Größengrenze für die rückwärtsgerichtete Fahrt, desto länger profitiert Ihr Kind davon.
- Einbau: Isofix mit Stützfuß oder Top Tether ist am einfachsten richtig zu montieren. Anzeigen, die grün werden, wenn alles eingerastet ist, verhindern Fehler.
- Drehfunktion: praktisch bei häufigem Ein- und Aussteigen, vor allem in Autos mit schmalen Türen.
- Testergebnisse: ADAC und Stiftung Warentest prüfen Reboarder regelmäßig. Aktuelle Ergebnisse sind ein besserer Wegweiser als jede Werbung.
Reboarder kosten meist zwischen 200 und 500 Euro. Einfache Modelle ohne Drehfunktion sind günstiger.
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Einbau und Handhabung
Ein rückwärtsgerichteter Kindersitz darf auf dem Beifahrersitz nur bei abgeschaltetem Beifahrer-Frontairbag verwendet werden. Löst der Airbag aus, trifft er die Rückseite der Sitzschale mit großer Wucht – das kann für das Kind tödlich sein. Wie der Airbag abgeschaltet wird, steht in der Betriebsanleitung des Autos. Am sichersten ist ohnehin der Platz auf der Rückbank.
Weitere Hinweise für den Alltag:
- Stützfuß auf festen Boden. Der Stützfuß muss auf dem Fahrzeugboden aufstehen, nicht auf einem Staufach-Deckel, sofern der Fahrzeughersteller das nicht erlaubt.
- Gurte straff. Zwischen Gurt und Schlüsselbein sollte nur etwa ein Finger passen.
- Keine Winterjacke. Dicke Jacken machen den Gurt zu locker. Lieber eine Decke über das angeschnallte Kind legen.
- Neigung prüfen. Kleine Kinder brauchen eine flachere Liegeposition, damit der Kopf nicht nach vorn fällt.
- Lose Gegenstände sichern. Bei rückwärts fahrenden Kindern landen herumfliegende Gegenstände auf der Ablage genau im Gesichtsfeld.
Gebraucht kaufen und pflegen
Kaufen Sie einen gebrauchten Reboarder nur, wenn Sie den Vorbesitzer kennen und sicher sind, dass der Sitz keinen Unfall hatte. Nach einem Unfall schreiben die meisten Hersteller den Austausch vor, auch wenn äußerlich nichts zu sehen ist. Bezüge sind meist abnehmbar und waschbar, die Schale wischen Sie mit mildem Spülmittelwasser ab. Gurte nur feucht abwischen, nicht in die Maschine.
Nach dem Reboarder
Mit etwa vier Jahren oder ab etwa 100–105 cm wechselt das Kind in einen vorwärtsgerichteten Sitz – meist eine Sitzerhöhung mit Rückenlehne, in der das Kind mit dem Dreipunktgurt des Autos gesichert wird. Wer nur einen Sitz für alle Stufen möchte, findet Informationen beim mitwachsenden Kindersitz.
Unsere Empfehlung: Fahren Sie Ihr Kind so lange wie möglich rückwärts. Ein gut getesteter Reboarder nach R129, der ins eigene Auto passt, ist dafür die richtige Wahl. Mehr zu Kindern und Familie in der Rubrik Familie.
Häufige Fragen
Bis zu welchem Alter sollte ein Kind rückwärts fahren?
Vorgeschrieben ist es nach R129 bis mindestens 15 Monate. Fachleute empfehlen, möglichst bis etwa vier Jahre bzw. bis zur Größengrenze des Sitzes, meist 105 cm, rückwärts zu fahren.
Was ist, wenn die Beine meines Kindes an die Rückbank stoßen?
Das ist normal und kein Sicherheitsproblem. Kinder winkeln die Beine an oder kreuzen sie. Entscheidend ist, dass der Kopf noch innerhalb der Sitzschale liegt.
Darf ein Reboarder auf den Beifahrersitz?
Nur, wenn der Beifahrer-Frontairbag abgeschaltet ist. Ein auslösender Airbag kann das Kind schwer oder tödlich verletzen. Die Rückbank ist die sicherere Wahl.
Ist eine Babyschale auch ein Reboarder?
Ja, auch die Babyschale wird rückwärtsgerichtet eingebaut und schützt nach demselben Prinzip. Der Reboarder schließt sich an, sobald das Kind aus der Babyschale herausgewachsen ist.
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