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Wollwaschmittel: was es anders macht und wann es Pflicht ist

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Grauer Wollstrick mit groben Maschen in Nahaufnahme
Wollwaschmittel kommt ohne eiweißspaltende Enzyme aus und schont die Faser
Inhalt8 Abschnitte
  1. Was Wollwaschmittel anders macht
  2. Warum normales Waschmittel Wolle schädigt
  3. Für welche Textilien es Pflicht ist
  4. Wollwaschmittel für Seide und Daunen
  5. So wenden Sie es richtig an
  6. Flecken auf Wolle – die Grenze des Mittels
  7. Worauf Sie beim Kauf achten
  8. Häufige Fragen

Wollwaschmittel ist ein besonders mildes Waschmittel ohne eiweißlösende Enzyme, ohne Bleiche und ohne optische Aufheller, das pH-neutral bis leicht sauer eingestellt ist. Für Wolle, Kaschmir, Seide und Daunen ist es keine Geschmacksfrage, sondern nötig: Diese Fasern bestehen aus Eiweiß, und ein gewöhnliches Waschmittel ist genau dafür gemacht, Eiweiß zu lösen. Wie Sie einen Wollpullover Schritt für Schritt waschen, steht im Beitrag Wolle waschen – hier geht es um das Mittel selbst.

Was Wollwaschmittel anders macht

Drei Eigenschaften unterscheiden es von Voll-, Color- und den meisten Feinwaschmitteln:

  • Keine Protease. Protease ist das Enzym, das Eiweißflecken wie Blut, Ei oder Milch zerlegt. Wollwaschmittel verzichten darauf. Andere Enzyme sind für Wolle weniger heikel, viele Wollwaschmittel sind aber ganz enzymfrei.
  • pH-neutral bis leicht sauer. Übliche Waschmittel bilden eine deutlich alkalische Lauge, weil Fett und Schmutz sich darin besser lösen. Wolle und Seide vertragen das schlecht; ihr natürlicher Bereich liegt im schwach Sauren.
  • Rückfettende und pflegende Zusätze. Schafwolle enthält von Natur aus Wollfett (Lanolin), das die Faser geschmeidig und etwas wasserabweisend hält. Jede Wäsche nimmt einen Teil davon mit. Viele Wollwaschmittel enthalten deshalb Pflegestoffe, einige ausdrücklich Lanolin.

Dazu kommt, was fehlt: Bleiche, die Farbstoffe und Eiweißfasern angreift, und optische Aufheller, die naturfarbene Wolle fleckig oder bläulich wirken lassen können. Die Tenside sind mild gewählt, und die Mittel sind fast immer flüssig, damit sie sich in kaltem Wasser sofort verteilen.

Warum normales Waschmittel Wolle schädigt

Ein Wollhaar besteht aus Keratin, demselben Eiweiß wie menschliches Haar. Seine Oberfläche ist mit feinen Schuppen bedeckt, die wie Dachziegel übereinanderliegen. Daraus ergeben sich drei Angriffspunkte:

  1. Enzyme bauen die Faser ab. Protease unterscheidet nicht zwischen einem Eiweißfleck und einer Eiweißfaser. Nach einer einzelnen Wäsche sehen Sie davon nichts. Über viele Wäschen wird das Gestrick dünner, verliert Stand und bekommt an beanspruchten Stellen eher Löcher.
  2. Alkalische Lauge lässt die Faser quellen. Die Schuppen stellen sich auf. Kommen Wärme und Bewegung dazu, verhaken sie sich ineinander und lassen sich nicht mehr lösen: Die Wolle verfilzt und läuft ein. Dieser Schaden ist nicht rückgängig zu machen.
  3. Starke Tenside und Bleiche entfetten und bleichen. Die Wolle fühlt sich danach stumpf und kratzig an, Farben verlieren an Tiefe.

Pulverförmiges Vollwaschmittel ist für Wolle die ungünstigste Wahl, weil es Bleiche, Aufheller, Enzyme und eine kräftig alkalische Lauge zugleich mitbringt. Ein Colorwaschmittel ist etwas milder, enthält aber in aller Regel ebenfalls Protease.

Für welche Textilien es Pflicht ist

Alles, was von Tieren stammt und aus Eiweiß besteht, braucht ein Mittel ohne Protease:

MaterialWollwaschmittelHinweis
Schurwolle, Merinojaauch bei „maschinenwaschbar“ ausgerüsteter Wolle; siehe Merinowolle waschen
Kaschmir, Mohair, Alpaka, Angorajabesonders fein, am besten von Hand; siehe Kaschmir waschen
Seidejaebenfalls eine Eiweißfaser; siehe Seide waschen
Daunen und Federnja, oder DaunenwaschmittelDaunen bestehen ebenfalls aus Keratin
Mischgewebe mit Wollanteiljader empfindlichste Anteil bestimmt das Mittel
Viskose, feine Synthetik, SpitzemöglichFeinwaschmittel genügt, Wollwaschmittel schadet nicht
Baumwolle, Leinen, Handtücherneinzu schwach; Color- oder Vollwaschmittel

Auch „Superwash“-Wolle, die laut Etikett in die Maschine darf, ist weiterhin Wolle. Die Ausrüstung glättet oder umhüllt die Schuppen, damit sie nicht verfilzen; gegen Enzyme und Lauge schützt sie nicht.

Wollwaschmittel für Seide und Daunen

Seide besteht aus dem Eiweiß Fibroin und reagiert auf Protease und alkalische Lauge mit Glanzverlust: Der Stoff wird matt und fühlt sich brüchig an. Ein Wollwaschmittel ist für Seide deshalb die richtige Wahl; viele sind ausdrücklich „für Wolle und Seide“ ausgewiesen. Bei kräftig gefärbter Seide lohnt vorher eine Probe an verdeckter Stelle, weil die Farben nicht immer waschecht sind.

Für Daunenjacken und Daunendecken funktioniert Wollwaschmittel ebenfalls, wenn kein eigenes Daunenwaschmittel im Haus ist. Entscheidend ist dort zusätzlich das gründliche Spülen und das vollständige Trocknen.

So wenden Sie es richtig an

Das beste Mittel rettet keinen Pullover, der bei 40 °C im Baumwollprogramm gewaschen wird. Wärme, Reibung und Temperaturwechsel sind für Wolle gefährlicher als jedes Waschmittel.

  1. Erst lüften, dann waschen. Wolle nimmt Gerüche wenig an. Oft genügt eine Nacht an der frischen Luft.
  2. Etikett lesen. Ein Bottich mit Hand bedeutet Handwäsche, ein durchgestrichener Bottich Reinigung. Die Zeichen erklärt die Übersicht der Waschsymbole.
  3. Wollprogramm oder Handwäsche. Kalt bis 30 °C, mit viel Wasser und wenig Bewegung. Wie die Wäsche im Waschbecken gelingt, steht unter Handwäsche.
  4. Genau dosieren. Wollwaschmittel ist ergiebig; für die Handwäsche reicht eine kleine Menge. Zu viel lässt sich im kurzen Wollprogramm schlecht ausspülen und macht die Wolle klebrig.
  5. Nicht einweichen, nicht reiben, nicht wringen. Kurz durchdrücken, mit gleich warmem Wasser spülen, Wasser in einem Handtuch ausdrücken.
  6. Liegend trocknen. Auf einem Handtuch in Form ziehen, fern von Heizung und Sonne.

Weichspüler gehört nicht dazu. Er legt einen Film auf die Faser und nimmt Wolle einen Teil ihrer Fähigkeit, Feuchtigkeit aufzunehmen.

Flecken auf Wolle – die Grenze des Mittels

Der Verzicht auf Enzyme und Bleiche hat seinen Preis: Gegen eingetrocknete Flecken richtet Wollwaschmittel wenig aus. Behandeln Sie Flecken deshalb frisch und gezielt, mit kaltem Wasser und einem Tropfen Wollwaschmittel, den Sie von außen nach innen eintupfen. Fleckensalz, Sauerstoffbleiche und enzymhaltige Fleckensprays sind für Wolle und Seide tabu. Auch Waschsoda scheidet aus, weil es stark alkalisch ist. Bei wertvollen Stücken mit hartnäckigen Flecken ist die Textilreinigung die bessere Adresse.

Worauf Sie beim Kauf achten

  • Der Hinweis „für Wolle und Seide“ zeigt, dass das Mittel für Eiweißfasern zusammengesetzt ist. „Fein“, „sanft“ oder „sensitiv“ sagen darüber nichts.
  • Die Zutatenliste. Enzyme müssen auf der Verpackung genannt sein. Steht dort Protease oder Subtilisin, ist das Mittel für Wolle ungeeignet. Mehr dazu im Beitrag Enzymfreies Waschmittel.
  • Duft. Wolle hält Gerüche lange fest, auch Parfüm. Wer empfindlich ist, nimmt ein unparfümiertes Mittel.
  • Lanolin. Sinnvoll für unbehandelte Wolle, Wollwalk und Wollwindelhosen; für feine Strickwaren genügt ein normales Wollwaschmittel.

Eine Flasche hält lange, weil Wolle selten gewaschen wird. Ein zweites Mittel für die übrige Feinwäsche brauchen Sie daneben nicht; den Unterschied erklärt der Beitrag Feinwaschmittel.

Häufige Fragen

Kann ich Wolle mit normalem Waschmittel waschen?

Besser nicht. Voll- und Colorwaschmittel enthalten in aller Regel Protease und bilden eine alkalische Lauge. Einmal schadet meist nicht sichtbar, bei wiederholter Wäsche wird die Wolle aber rauer, dünner und verfilzt leichter.

Ist Wollwaschmittel dasselbe wie Feinwaschmittel?

Nein. Beide verzichten auf Bleiche und Aufheller, viele Feinwaschmittel enthalten jedoch Enzyme, die Wolle und Seide angreifen. Umgekehrt können Sie mit Wollwaschmittel auch andere Feinwäsche waschen.

Geht statt Wollwaschmittel auch Haarshampoo?

Für eine einzelne Handwäsche im Notfall ja, denn Shampoo ist für Haar und damit für Keratin gemacht. Nehmen Sie ein mildes Shampoo ohne Silikone und Pflegezusätze und nur wenig davon. In die Waschmaschine gehört es nicht, weil es stark schäumt.

Bei wie viel Grad wäscht man mit Wollwaschmittel?

Kalt bis höchstens 30 °C. Wollwaschmittel ist für diese Temperaturen gemacht und löst sich schon in kaltem Wasser. Wichtig ist außerdem, dass das Spülwasser etwa gleich warm ist wie das Waschwasser.

Kann ich Wollwaschmittel für Funktionskleidung nehmen?

Für Unterwäsche aus Merinowolle ja. Für Jacken mit Membran empfehlen die Hersteller meist ein eigenes Mittel oder ein Feinwaschmittel ohne Weichmacher; Einzelheiten stehen unter Funktionskleidung waschen.