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Erkältungsbad: wann es guttut und wann man es lässt

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Füße in einer Badewanne mit milchig-hellem Badewasser
Ein Erkältungsbad dauert höchstens etwa 15 bis 20 Minuten und ist bei Fieber tabu
Inhalt8 Abschnitte
  1. Was ein Erkältungsbad ist – und was nicht
  2. Wann das Bad guttut
  3. So nehmen Sie ein Erkältungsbad
  4. Welche Zusätze sich eignen
  5. Was bringt es wirklich?
  6. Wann lieber nicht?
  7. Wann zum Arzt?
  8. Häufige Fragen

Ein Erkältungsbad ist ein warmes Vollbad mit einem Zusatz aus ätherischen Ölen, meist Eukalyptus, Fichtennadel, Thymian oder Menthol. Es wärmt durch, entspannt schmerzende Glieder und lässt für eine Weile freier atmen. Gesund macht es nicht: Die Erkältung dauert mit Bad so lange wie ohne. Und es gibt eine ganze Reihe von Fällen, in denen das Bad mehr belastet als nützt – allen voran Fieber.

Was ein Erkältungsbad ist – und was nicht

Zwei Dinge wirken zusammen. Das warme Wasser erweitert die Blutgefäße der Haut, die Muskeln entspannen sich, das Frösteln lässt nach. Die ätherischen Öle steigen mit dem Wasserdampf auf und werden eingeatmet; viele empfinden die Nase danach als freier. Ein Teil dieses Gefühls kommt schlicht vom warmen, feuchten Dampf.

Fertige Erkältungsbäder aus Apotheke und Drogerie sind teils als traditionelle pflanzliche Arzneimittel zugelassen. Das heißt: Sie dürfen wegen ihrer langjährigen Anwendung zur unterstützenden Behandlung angeboten werden – ein Wirksamkeitsnachweis durch große Studien steckt nicht dahinter. Wer das weiß, erwartet das Richtige: eine Wohltat, keine Behandlung.

Wann das Bad guttut

Der beste Zeitpunkt ist der Anfang: wenn der Hals kratzt, Sie frösteln und die Glieder schwer werden, aber noch kein Fieber da ist. Dann ist das Bad eine angenehme Art, sich aufzuwärmen und früh ins Bett zu kommen. Am sinnvollsten ist es deshalb abends.

Liegen Sie dagegen schon mit voller Erkältung flach, fühlen sich schwach oder schwindelig, strengt ein Vollbad den Körper zusätzlich an. Dann sind Ruhe, Trinken und Wärme im Bett die bessere Wahl – etwa mit einer Wärmflasche an den Füßen.

So nehmen Sie ein Erkältungsbad

Sie brauchen: eine Badewanne, ein Badethermometer, den Badezusatz, ein großes Handtuch oder einen Bademantel, warme Socken und ein vorbereitetes Bett.

  1. Bad und Bett vorbereiten. Heizen Sie das Badezimmer vor und legen Sie Handtuch, Bademantel und Socken bereit. Danach soll es ohne Umwege ins Warme gehen.
  2. Wasser auf etwa 36–38 °C einlassen. Messen Sie mit dem Thermometer; nach Gefühl wird das Wasser fast immer zu heiß. Heißer ist nicht wirksamer, es belastet nur den Kreislauf.
  3. Zusatz nach Packungsangabe dosieren. Geben Sie ihn ins einlaufende Wasser und verteilen Sie ihn mit der Hand. Mehr als angegeben bringt nicht mehr, reizt aber Haut und Atemwege.
  4. Höchstens etwa 15–20 Minuten baden. Wer einen empfindlichen Kreislauf hat, bleibt kürzer oder nimmt ein Dreiviertelbad, bei dem Schultern und Brust aus dem Wasser ragen.
  5. Langsam aufstehen. Warmes Wasser senkt den Blutdruck. Setzen Sie sich erst auf, halten Sie sich fest, und steigen Sie dann aus der Wanne. Bei Schwindel, Herzklopfen oder Übelkeit brechen Sie das Bad sofort ab.
  6. Abtrocknen, einpacken, ruhen. Nicht kalt abduschen, sondern gut abtrocknen, warm anziehen und mindestens eine halbe Stunde liegen – am besten gleich schlafen.

Baden Sie nicht, wenn Sie allein in der Wohnung sind und sich schon wackelig fühlen. Und trinken Sie danach ein großes Glas Wasser oder Tee.

Welche Zusätze sich eignen

Die gängigen Zusätze unterscheiden sich weniger in der Wirkung als in Geruch und Verträglichkeit.

ZusatzWofür er stehtZu beachten
Eukalyptus, Menthol, Kampferkühlendes Gefühl in der Nase, „freies Durchatmen“nicht für Säuglinge und Kleinkinder, nicht bei Asthma
Fichten- und Kiefernnadelharziger Duft, wird als wohltuend für die Atemwege empfundenkann empfindliche Haut reizen
Thymianklassischer Zusatz bei Hustenmilder; Altersangabe auf der Packung beachten
Lavendel, Melisseberuhigend vor dem Schlafenkein eigentlicher Erkältungszusatz, aber gut verträglich

Fertige Badezusätze haben einen Vorteil: Sie enthalten einen Emulgator, der die Öle im Wasser verteilt. Reines ätherisches Öl aus dem Fläschchen schwimmt dagegen unverdünnt an der Oberfläche und kann die Haut reizen. Wer selbst mischen möchte, verrührt wenige Tropfen vorher in einem Becher Sahne, Milch oder einem Esslöffel Honig – und bleibt bei wenigen Tropfen. Wie Sie ein Bad ohne ätherische Öle ansetzen, steht unter Badesalz selber machen.

Was bringt es wirklich?

Gut belegt ist beim Erkältungsbad wenig. Dass Wärme entspannt, Gliederschmerzen dämpft und beim Einschlafen hilft, entspricht der Erfahrung und ist plausibel. Für die Aussage, ein Bad „schwitze die Erkältung aus“, verkürze sie oder stärke die Abwehr, gibt es keine belastbaren Belege. Erkältungen werden von Viren ausgelöst und klingen in aller Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen von selbst ab.

Ehrlich eingeordnet heißt das: Wenn Ihnen das Bad guttut und nichts dagegenspricht, ist es ein gutes Hausmittel für den ersten Abend. Wenn Sie keine Wanne haben oder sich danach eher erschöpft fühlen, verpassen Sie nichts. Ein warmes Fußbad ist die schonendere Alternative; für die Nase tut es auch Inhalieren mit Salz, für den Hals Gurgeln mit Salzwasser.

Wann lieber nicht?

Ein warmes Vollbad ist Arbeit für Herz und Kreislauf. Verzichten Sie darauf oder fragen Sie vorher Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn einer dieser Punkte zutrifft:

  • Fieber. Das Bad führt dem Körper weitere Wärme zu und belastet den Kreislauf – bei Fieber ist es keine Hilfe, sondern eine Zumutung.
  • Herzerkrankungen, Herzschwäche, Kreislaufprobleme oder Bluthochdruck
  • Venenleiden wie ausgeprägte Krampfadern oder eine frühere Thrombose
  • Asthma oder andere Atemwegserkrankungen, bei denen starke Düfte Hustenanfälle auslösen
  • größere Hautverletzungen, offene Wunden, akute oder großflächige Hauterkrankungen
  • Schwangerschaft: ätherische Öle und heiße Bäder nur nach Rücksprache
  • Unverträglichkeit gegen einen der Inhaltsstoffe

Kinder sind ein eigener Fall. Zusätze mit Menthol, Kampfer, Eukalyptus oder Pfefferminze gehören nicht an Säuglinge und Kleinkinder: Die Dämpfe können bei ihnen Atemwegskrämpfe auslösen. Für ältere Kinder gibt es eigene, mildere Badezusätze – entscheidend ist die Altersangabe auf der Packung. Baden Sie ein Kind nie unbeaufsichtigt, kürzer und nicht wärmer als gewohnt. Hat ein Kind Fieber, hilft kein Bad; was stattdessen infrage kommt, steht unter Wadenwickel.

Wann zum Arzt?

Eine gewöhnliche Erkältung braucht keinen Arzt. Lassen Sie sich untersuchen, wenn

  • das Fieber hoch ist, länger als etwa drei Tage anhält oder nach einer Besserung wiederkommt,
  • Sie Atemnot, Schmerzen beim Atmen oder ein Engegefühl in der Brust haben,
  • starke Ohren-, Stirn- oder Halsschmerzen dazukommen,
  • die Beschwerden nach etwa einer Woche nicht nachlassen oder schlimmer werden,
  • Sie schwanger sind, eine chronische Erkrankung haben oder Ihr Immunsystem geschwächt ist.

Säuglinge mit Fieber gehören immer zum Kinderarzt. Bei schwerer Atemnot, Verwirrtheit, blauen Lippen oder Bewusstseinsstörungen rufen Sie den Notruf 112.

Häufige Fragen

Wie heiß darf ein Erkältungsbad sein?

Üblich sind etwa 36–38 °C, also ungefähr Körpertemperatur bis leicht darüber. Heißeres Wasser fühlt sich im ersten Moment gut an, treibt aber den Puls hoch und macht den Kreislauf schlapp. Ein Badethermometer ist hier verlässlicher als die Hand.

Wie lange sollte man im Erkältungsbad bleiben?

Höchstens etwa 15–20 Minuten; mehr steht auch auf den meisten Packungen nicht. Bei empfindlichem Kreislauf reichen zehn Minuten. Wichtiger als die letzte Minute in der Wanne ist die Ruhe danach.

Darf man mit Fieber ein Erkältungsbad nehmen?

Nein. Bei erhöhter Temperatur und Fieber belastet das warme Bad den ohnehin geforderten Kreislauf zusätzlich. Messen Sie im Zweifel vorher. Bei Fieber sind Bettruhe und viel Trinken das Richtige.

Wie oft darf man ein Erkältungsbad nehmen?

Einmal am Tag genügt, am besten abends. Mehrere Bäder hintereinander trocknen die Haut aus und strengen an, ohne dass ein zusätzlicher Nutzen bekannt wäre. Halten Sie sich an die Angabe auf der Packung.

Hilft ein Erkältungsbad auch ohne Zusatz?

Die Wärme wirkt auch allein: Sie entspannt und macht müde. Die ätherischen Öle steuern das Gefühl der freien Nase bei. Wer sie nicht verträgt, badet einfach warm – oder weicht auf ein Fußbad aus.

Kann man statt zu baden auch duschen?

Eine warme Dusche wärmt ebenfalls auf und der Dampf befeuchtet die Atemwege, sie belastet den Kreislauf aber weniger. Für alle, denen ein Vollbad nicht empfohlen wird, ist sie nach Rücksprache oft die bessere Wahl.