Wadenwickel bei Fieber: Anleitung und wann man sie nicht macht

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Wadenwickel sind ein altes Hausmittel bei Fieber: Zwei feuchte, lauwarme Tücher werden um die Unterschenkel gelegt, die Feuchtigkeit verdunstet und nimmt dabei Wärme mit. Das kann angenehm sein, wenn jemand glüht und sich unwohl fühlt. Entscheidend sind drei Dinge: lauwarmes statt kaltes Wasser, warme Hände und Füße als Voraussetzung und ein rechtzeitiges Ende.
Wie ein Wadenwickel wirkt
Fieber ist keine Krankheit, sondern ein Symptom – meist die Antwort des Körpers auf einen Infekt. Der Körper stellt dabei seinen Sollwert für die Temperatur höher. Solange das Fieber steigt, fröstelt man, Hände und Füße sind kühl, weil der Körper die Wärme im Inneren hält. Ist der neue Sollwert erreicht, wird die Haut warm und rot, man schwitzt, und der Körper gibt Wärme ab.
Nur in dieser zweiten Phase hat ein Wadenwickel einen Sinn. Das feuchte Tuch liegt auf gut durchbluteter, warmer Haut, das Wasser verdunstet und kühlt dabei. Legt man den Wickel dagegen auf kühle Beine, ziehen sich die Gefäße in der Haut noch weiter zusammen, der Körper hält die Wärme erst recht zurück, und der Kranke friert zusätzlich. Dasselbe passiert bei zu kaltem Wasser. Deshalb ist „lauwarm“ hier keine Nebensache, sondern die halbe Anleitung.
Was Sie brauchen
- 2 dünne Innentücher aus Baumwolle oder Leinen, etwa Geschirrtücher oder Stoffwindeln
- 2 trockene Zwischentücher, zum Beispiel kleine Handtücher
- nach Wunsch 2 Außentücher aus Wolle oder Frottee, die locker darüberliegen
- eine Schüssel mit lauwarmem Wasser
- eine wasserfeste Unterlage oder ein dickes Handtuch für das Bett
- ein Fieberthermometer
Die Wassertemperatur wird von Fachstellen nicht einheitlich angegeben. Häufig genannt werden für Kinder etwa 28–32 °C oder Wasser, das nur wenige Grad unter der gemessenen Körpertemperatur liegt; für Erwachsene darf es etwas kühler, aber nicht kalt sein. Als Faustregel taugt: Das Wasser fühlt sich am Handgelenk lauwarm an, nicht frisch. Plastikfolie hat am Wickel nichts verloren, denn sie verhindert das Verdunsten und staut die Wärme.
Wadenwickel anlegen – Schritt für Schritt
- Füße und Hände fühlen. Sind sie warm, kann es losgehen. Sind sie kühl oder fröstelt der Kranke, wird kein Wickel angelegt.
- Temperatur messen. Notieren Sie den Wert, damit Sie später vergleichen können.
- Bett schützen. Legen Sie die Unterlage unter die Unterschenkel.
- Tücher tränken und auswringen. Die Innentücher ins lauwarme Wasser tauchen und so auswringen, dass sie feucht sind, aber nicht tropfen.
- Um die Waden wickeln. Je ein Tuch glatt um den Unterschenkel legen, vom Knöchel bis unter das Knie. Der Wickel soll anliegen, aber nicht einschnüren. Die Füße bleiben frei.
- Trockenes Tuch darüber. Das Zwischentuch locker um das feuchte Tuch legen, wer mag, noch ein Außentuch. Nicht dick einpacken – die Feuchtigkeit soll verdunsten können.
- Leicht zudecken und dabeibleiben. Eine dünne Decke über den Oberkörper genügt. Bei Kindern bleibt ein Erwachsener die ganze Zeit dabei.
- Abnehmen, wenn der Wickel warm ist. Das ist meist nach etwa 10–20 Minuten der Fall, bei kleinen Kindern eher früher.
Wie lange und wie oft?
Die Empfehlungen gehen im Detail auseinander, liegen aber in derselben Größenordnung: Ein Wickel bleibt etwa 10 bis 20 Minuten liegen, bis er sich körperwarm anfühlt. Danach kann er frisch angelegt werden. Nach zwei bis drei Durchgängen ist Schluss, anschließend folgt eine längere Pause, in der der Kranke warm und trocken zugedeckt ruht. Manche Kinderkliniken raten bei Kindern zu höchstens zwei Wiederholungen und danach zu etwa zwei Stunden Pause.
Messen Sie frühestens eine halbe Stunde nach dem letzten Wickel wieder. Ein Rückgang um etwa ein halbes bis ein Grad ist ein ordentliches Ergebnis – mehr soll es auf einmal gar nicht sein, denn ein schnelles Absinken belastet den Kreislauf. Brechen Sie die Anwendung sofort ab, wenn der Kranke zu frieren beginnt, die Füße kalt werden, er blass wird oder sich unwohl fühlt. Dann Tücher abnehmen, Beine abtrocknen und warm zudecken.
Was bringen Wadenwickel wirklich?
Ehrlich gesagt: weniger, als ihr Ruf vermuten lässt. Dass Wadenwickel Fieber verlässlich senken, ist wissenschaftlich nicht belegt; es gibt dazu kaum aussagekräftige Untersuchungen. Die Verdunstungskühle ist physikalisch plausibel, und viele Menschen empfinden die Anwendung als wohltuend. Ob das Thermometer danach wirklich deutlich weniger anzeigt, ist von Fall zu Fall verschieden.
Hinzu kommt: Fieber muss nicht um jeden Preis gesenkt werden. Kinderärztliche Fachstellen betonen seit Jahren, dass es weniger auf die Zahl auf dem Thermometer ankommt als darauf, wie es dem Kranken geht. Ein Kind, das mit 39 °C spielt und trinkt, braucht keinen Wickel. Eines, das glüht, quengelt und nicht zur Ruhe kommt, kann davon profitieren – ebenso wie von leichter Kleidung, einer dünnen Decke, einem nicht überheizten Zimmer und vor allem von reichlich Flüssigkeit. Der Wickel ist also eine Wohltat, keine Behandlung der Ursache.
Wann Sie keinen Wadenwickel machen
- Bei kalten Händen oder Füßen, Frösteln oder Schüttelfrost. Das Fieber steigt dann noch; jetzt braucht der Körper Wärme, keine Kühlung.
- Bei Säuglingen. In den ersten Lebensmonaten belastet die Abkühlung den Kreislauf zu stark; mehrere Fachstellen raten unter sechs Monaten ganz ab. Bei Säuglingen wird Fieber ohnehin ärztlich abgeklärt, bevor zu Hause etwas unternommen wird.
- Bei Durchblutungsstörungen der Beine, Empfindungsstörungen (etwa durch Diabetes) oder Kreislaufschwäche – nur nach ärztlichem Rat.
- Bei Blasen- oder Nierenentzündung und Ischiasbeschwerden wird traditionell abgeraten, weil Kälte an den Beinen die Beschwerden verstärken kann.
- Wenn der Kranke es nicht mag. Ein Kind, das sich wehrt und weint, hat vom Wickel nichts.
Ebenfalls zu lassen sind Essigsocken und Essigwickel. Apothekerverbände warnen davor, weil Essig – erst recht Essigessenz – die Haut von Kindern verätzen kann. Wasser genügt.
Wann zum Arzt?
Wadenwickel dürfen einen Arztbesuch nicht hinauszögern. Lassen Sie Fieber ärztlich abklären, wenn
- ein Säugling in den ersten drei Lebensmonaten 38 °C oder mehr hat – das gilt immer und sofort,
- ein älteres Kind hohes Fieber hat, das länger als etwa einen Tag anhält, oder wenn Fieber insgesamt länger als drei Tage dauert,
- der Kranke nicht mehr trinkt, kaum noch Wasser lässt oder auffallend schläfrig und schwer zu wecken ist,
- Hautausschlag, starke Kopfschmerzen, ein steifer Nacken, Atemnot, heftige Bauch- oder Ohrenschmerzen dazukommen,
- ein Krampfanfall auftritt,
- das Fieber nach einer Reise, einer Operation oder bei chronisch Kranken, Schwangeren und alten Menschen auftritt,
- Sie als Erwachsener über 39 °C liegen und sich nach zwei bis drei Tagen nichts bessert.
Bei Atemnot, Bewusstseinstrübung, einem Krampfanfall oder einem Ausschlag aus kleinen roten Punkten, die sich nicht wegdrücken lassen, wählen Sie den Notruf 112. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Was sonst bei Fieber guttut
Viel trinken, leichte Kleidung, Ruhe – das ist die Grundlage. Ob eine heiße Zitrone oder Hühnersuppe mehr leisten, als angenehm zu wärmen und Flüssigkeit zu liefern, lesen Sie in den jeweiligen Beiträgen. Ein Erkältungsbad ist bei Fieber dagegen tabu, weil es den Kreislauf zusätzlich belastet. Wer in der Frierphase steckt, darf sich mit Decke und Wärmflasche helfen; sobald die Haut heiß wird, kommt beides wieder weg. Bei Halsweh, das oft mit Fieber einhergeht, kann ein Halswickel lindern.
Häufige Fragen
Wie kalt darf das Wasser für Wadenwickel sein?
Lauwarm, nicht kalt. Für Kinder werden meist etwa 28–32 °C genannt oder Wasser, das wenige Grad unter der Körpertemperatur liegt. Erwachsene vertragen es etwas kühler. Kaltes Leitungswasser oder Eiswasser sind falsch: Die Gefäße ziehen sich zusammen, und der Kranke friert.
Ab welchem Alter sind Wadenwickel bei Kindern möglich?
Bei Säuglingen gar nicht ohne ärztlichen Rat; viele Fachstellen nennen sechs Monate als untere Grenze. Bei Kleinkindern nehmen Sie eher wärmeres Wasser, lassen den Wickel kürzer liegen und bleiben die ganze Zeit dabei. Wer unsicher ist, fragt vorher in der Kinderarztpraxis oder Apotheke nach.
Darf man mit Wadenwickeln schlafen?
Besser nicht. Der Wickel muss abgenommen werden, sobald er warm ist oder die Füße kühl werden, und das bemerkt man im Schlaf nicht. Schläft ein fieberndes Kind ruhig, ist das ohnehin die bessere Medizin – wecken Sie es nicht für einen Wickel.
Ab wie viel Grad macht man Wadenwickel?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Häufig werden Werte um 39 °C genannt, wichtiger ist aber das Befinden: Wer sich mit Fieber leidlich wohlfühlt, braucht keinen Wickel. Wer glüht, unruhig ist und warme Beine hat, kann ihn ausprobieren.
Kann man Wadenwickel und fiebersenkende Mittel zusammen anwenden?
Grundsätzlich ja, aber beides zugleich kann den Kreislauf stärker fordern. Zu fiebersenkenden Arzneimitteln und ihrer Dosierung – gerade bei Kindern – berät die Arztpraxis oder Apotheke; halten Sie sich an deren Angaben und an den Beipackzettel.



