Warmwasser-Temperatur: wie heiß der Speicher sein sollte

Inhalt8 Abschnitte
- Die Richtwerte auf einen Blick
- Warum 60 °C: Legionellen mögen es lauwarm
- Reicht einmal pro Woche aufheizen?
- Verbrühungsschutz: 60 °C gehören nicht an die Haut
- Durchlauferhitzer: kein Speicher, andere Regeln
- Mieter und Betreiber: wer wofür zuständig ist
- Energie sparen, ohne an der Hygiene zu drehen
- Häufige Fragen
Die richtige Warmwasser-Temperatur hängt davon ab, wie das Wasser erwärmt wird. Für jeden Speicher gilt als Richtwert: mindestens 60 °C am Austritt des Speichers. Das empfehlen das Umweltbundesamt und das technische Regelwerk des DVGW, weil sich in kühlerem Wasser Legionellen vermehren können. Gespart wird beim Warmwasser deshalb über die Menge, nicht über eine lauwarme Speichertemperatur.
Die Richtwerte auf einen Blick
| Anlage | Richtwert | Wer stellt ein |
| zentraler Speicher im Mehrfamilienhaus (Großanlage) | mindestens 60 °C am Speicheraustritt, mindestens 55 °C in der Zirkulation | Vermieter oder Betreiber |
| Speicher im Ein- oder Zweifamilienhaus | empfohlen 60 °C; 50 °C sollten nach dem Regelwerk keinesfalls unterschritten werden | Eigentümer |
| Kleinspeicher unter dem Waschbecken | mindestens 50 °C laut Verbraucherzentrale | Nutzer |
| Durchlauferhitzer | Wunschtemperatur, zum Duschen etwa 38–42 °C | Nutzer |
| Wasser an der Haut | Duschen etwa 37–39 °C | Mischarmatur |
Als Großanlage gilt nach dem DVGW-Arbeitsblatt W 551 eine Anlage mit mehr als 400 Litern Speicherinhalt oder mit mehr als 3 Litern Wasserinhalt in einer Leitung zwischen Erwärmer und Zapfstelle. Das trifft auf die meisten Mehrfamilienhäuser mit zentraler Warmwasserbereitung zu.
Warum 60 °C: Legionellen mögen es lauwarm
Legionellen sind Bakterien, die in geringer Zahl in fast jedem Wasser vorkommen. Problematisch werden sie, wenn sie sich stark vermehren und mit feinen Tröpfchen eingeatmet werden, etwa beim Duschen. Am wohlsten fühlen sie sich in Wasser zwischen etwa 25 und 45 °C, das längere Zeit steht. Oberhalb von 55 °C sterben sie nach und nach ab, bei 60 °C deutlich schneller.
Daraus ergeben sich die beiden Zahlen: 60 °C am Austritt des Speichers, mindestens 55 °C überall dort, wo warmes Wasser umläuft. Die 5 Grad Abstand sind der zulässige Wärmeverlust auf dem Weg durch das Haus. Ebenso wichtig ist, dass kaltes Wasser kalt bleibt und kein Wasser lange in selten genutzten Leitungen steht.
Was Sie an der eigenen Dusche tun können – Leitungen nach dem Urlaub spülen, Schlauch und Brause pflegen –, steht unter Legionellen im Duschkopf. Dort ist auch erklärt, wann Vermieter das Wasser untersuchen lassen müssen.
Reicht einmal pro Woche aufheizen?
Viele Heizungsregler haben eine „Legionellenschaltung“: Der Speicher läuft im Alltag kühler und wird einmal am Tag oder in der Woche kurz hoch erhitzt. Das klingt nach einem guten Kompromiss, wird von den Fachstellen aber nicht als gleichwertig angesehen. Das Umweltbundesamt hält das gelegentliche Aufheizen nicht für einen sicheren Schutz: Erreicht wird vor allem der Speicher, nicht jede Leitung, und zwischen den Aufheizphasen können sich die Bakterien im lauwarmen Wasser wieder vermehren.
Gerade bei Wärmepumpen ist die Versuchung groß, das Warmwasser auf 45 oder 48 °C zu stellen, weil hohe Temperaturen die Anlage Strom kosten. Besprechen Sie das mit dem Fachbetrieb, der die Anlage kennt. Es gibt Bauarten, bei denen das Trinkwasser nicht im Speicher steht, sondern erst im Durchfluss erwärmt wird (Frischwasserstation); dort gelten andere Bedingungen. Auf eigene Faust dauerhaft unter 50 °C zu gehen, ist bei einem Speicher keine gute Idee.
Verbrühungsschutz: 60 °C gehören nicht an die Haut
Die hygienisch sinnvolle Temperatur ist an der Zapfstelle gefährlich. Wasser mit 60 °C kann die Haut innerhalb weniger Sekunden verbrühen, bei kleinen Kindern, deren Haut dünner ist, noch schneller. Gefährdet sind außerdem alte und pflegebedürftige Menschen, die nicht rasch genug zurückweichen können.
So entschärfen Sie das Risiko, ohne die Speichertemperatur zu senken:
- Thermostatarmatur an Dusche und Wanne. Sie mischt selbsttätig auf die eingestellte Temperatur und hat meist eine Sperre bei 38 °C, die sich nur mit einem Knopfdruck überwinden lässt.
- Einhebelmischer begrenzen. Bei vielen Armaturen lässt sich in der Kartusche ein Anschlag setzen, sodass der Hebel nicht mehr ganz auf Heiß geht. Wie, steht in der Anleitung der Armatur.
- Erst kalt, dann warm aufdrehen, und Badewasser vor dem Einsteigen mit der Hand oder einem Thermometer prüfen. Für Babys sind etwa 37 °C richtig.
- Kinder nie allein an der Wanne lassen, solange Wasser einläuft.
Durchlauferhitzer: kein Speicher, andere Regeln
Ein Durchlauferhitzer erwärmt das Wasser erst in dem Moment, in dem Sie es zapfen. Es steht kein warmer Vorrat herum, und die Leitung zur Dusche ist meist kurz. Das Regelwerk stellt an solche dezentralen Geräte keine Temperaturanforderung, solange der Wasserinhalt der Leitung dahinter nicht mehr als 3 Liter beträgt.
Hier ist es deshalb sinnvoll, die Temperatur so einzustellen, wie Sie sie brauchen. Bei einem elektronischen Gerät wählen Sie zum Duschen etwa 38 bis 42 °C und mischen kein oder kaum kaltes Wasser zu. Das spart Strom und hält die Temperatur stabil. Bei einem hydraulischen Gerät mit festen Stufen regeln Sie über die Wassermenge und die Stufe; warum dort ein Sparduschkopf nicht immer funktioniert, ist in dem Beitrag erklärt.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt, auch am Durchlauferhitzer regelmäßig einmal mit mindestens 55 °C zu zapfen, um Keimen vorzubeugen – besonders, wenn die Zapfstelle selten benutzt wird.
Etwas anderes ist der Kleinspeicher unter dem Waschbecken, oft Boiler oder Untertischgerät genannt. Er hält einige Liter ständig warm und sollte laut Verbraucherzentrale auf mindestens 50 °C stehen. Wird er wochenlang nicht gebraucht, schalten Sie ihn aus und spülen nach dem Wiedereinschalten Warm- und Kaltwasser gründlich durch.
Mieter und Betreiber: wer wofür zuständig ist
In einem Haus mit zentraler Warmwasserbereitung ist der Eigentümer oder die Hausverwaltung der Betreiber der Anlage. Er stellt die Temperatur ein, lässt die Anlage warten und ist für die vorgeschriebenen Untersuchungen verantwortlich. Mieter haben am Speicher und an der Regelung im Heizungskeller nichts zu verstellen.
Was Sie als Mieter tun können:
- Temperatur messen. Lassen Sie das warme Wasser voll aufgedreht laufen und halten Sie nach etwa einer halben Minute ein Haushaltsthermometer in den Strahl oder in einen Becher darunter. Kommen an der Zapfstelle auch nach längerem Laufen deutlich weniger als 50 °C an, stimmt etwas nicht.
- Dokumentieren. Datum, Uhrzeit, Zapfstelle und Messwert notieren, am besten an mehreren Tagen.
- Dem Vermieter schriftlich melden. Zu kühles Warmwasser ist ein Hygienethema und ein Mangel der Mietsache; wie mietrechtlich damit umzugehen ist, klären im Streitfall Mieterverein oder Rechtsberatung.
Ein Thermostat an der eigenen Armatur, der blockiert oder verkalkt ist, kann ebenfalls zu kühlem Wasser führen – dann betrifft es aber nur diese eine Zapfstelle.
Energie sparen, ohne an der Hygiene zu drehen
Wer im eigenen Haus die Kosten senken will, hat bessere Hebel als die Speichertemperatur:
- Nicht heißer als nötig. Deutlich über 60 °C steigen die Wärmeverluste, und in hartem Wasser fällt mehr Kalk aus. 60 °C sind Untergrenze und in den meisten Fällen zugleich ein vernünftiger Zielwert.
- Speicher und Leitungen dämmen. Ungedämmte Warmwasserrohre im Keller verlieren ständig Wärme.
- Zirkulation zeitlich abstimmen. Laufzeiten der Zirkulationspumpe gehören in die Hand des Fachbetriebs, weil auch hier Hygieneregeln gelten.
- Weniger warmes Wasser verbrauchen. Kürzer duschen, sparsame Brause, Hände kalt waschen. Die wirksamsten Punkte stehen unter Wasser sparen und Heizkosten sparen.
- Bei längerer Abwesenheit die Warmwasserbereitung ausschalten und nach der Rückkehr erst vollständig aufheizen und alle Leitungen spülen, bevor Sie duschen. Mehr dazu unter Wohnung für den Urlaub vorbereiten.
Häufige Fragen
Auf wie viel Grad sollte Warmwasser eingestellt sein?
Bei einem Speicher auf 60 °C am Austritt. Bei einem Durchlauferhitzer auf die Temperatur, die Sie zum Duschen oder Spülen brauchen, meist 38 bis 45 °C.
Sind 50 °C im Einfamilienhaus zu wenig?
50 °C gelten im Regelwerk für kleine Anlagen als unterste Grenze, die nicht unterschritten werden soll; empfohlen werden auch dort 60 °C. Wenn im Haushalt ältere, kranke oder immungeschwächte Menschen leben, sollten Sie bei 60 °C bleiben.
Wie heiß muss das Wasser am Wasserhahn ankommen?
In Häusern mit Zirkulation sollen im ganzen Leitungsnetz mindestens 55 °C gehalten werden. Am Hahn kommt nach kurzem Laufen etwas weniger an. Bleibt es dauerhaft deutlich unter 50 °C, sollte die Anlage geprüft werden.
Spart eine niedrigere Warmwasser-Temperatur viel Energie?
Etwas, weil die Verluste von Speicher und Leitungen sinken. Die Wärme, die Sie zum Duschen brauchen, bleibt aber gleich, denn Sie mischen dann weniger kaltes Wasser zu. Mehr bringt es, weniger warmes Wasser zu verbrauchen.
Ab welcher Temperatur drohen Verbrühungen?
Schon Wasser über 50 °C kann bei längerem Kontakt die Haut schädigen, bei 60 °C genügen Sekunden. Für Kinder und alte Menschen ist die Gefahr besonders groß; eine Thermostatarmatur mit Sperre ist der beste Schutz.



