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Legionellen im Duschkopf: Risiko, Vorbeugung und was nach dem Urlaub zu tun ist

Christoph · 7 Min. Lesezeit

Handbrause an einer Duschstange, aus der Wasser sprüht
Legionellen werden über feine Wassertröpfchen eingeatmet, nicht durch Trinken aufgenommen
Inhalt9 Abschnitte
  1. Was Legionellen sind und wo sie herkommen
  2. Warum gerade die Dusche?
  3. Wie groß ist das Risiko zu Hause?
  4. Duschkopf und Schlauch: was Entkalken bringt
  5. Nach dem Urlaub: Leitungen richtig durchspülen
  6. Warmwasser: lieber heiß als lauwarm
  7. Mietwohnung: was der Vermieter prüfen muss
  8. Wann zum Arzt?
  9. Häufige Fragen

Legionellen im Duschkopf sind kein Grund zur Panik, aber ein Grund für ein paar Gewohnheiten: Die Bakterien vermehren sich in lauwarmem Wasser, das lange in Leitung, Schlauch und Brause steht, und werden über den feinen Wassernebel beim Duschen eingeatmet. Wer das Warmwasser heiß genug hält, wenig genutzte Duschen regelmäßig durchspült und nach dem Urlaub nicht gleich unter die Brause steigt, senkt das Risiko deutlich.

Was Legionellen sind und wo sie herkommen

Legionellen sind Bakterien, die in geringer Zahl natürlich in Gewässern und im Grundwasser vorkommen. In kaltem Leitungswasser sind sie kein Problem. Kritisch wird es erst, wenn sie Zeit und Wärme bekommen. Als günstig für die Vermehrung gilt nach Angaben von Gesundheitsbehörden der Bereich von etwa 25 bis 45 °C. Unter 20 °C vermehren sie sich kaum, oberhalb von rund 55 °C sterben sie allmählich ab, bei 60 °C deutlich schneller.

Dazu kommt Stillstand. In Leitungen, die selten durchströmt werden, bildet sich an den Rohrwänden ein Biofilm, in dem die Bakterien geschützt sitzen. Kalk und Ablagerungen vergrößern die Oberfläche und bieten zusätzlichen Halt.

Warum gerade die Dusche?

Krank macht nicht das Wasser auf der Haut, sondern der Nebel in der Luft. Beim Duschen entstehen feinste Tröpfchen, sogenannte Aerosole, die tief in die Lunge gelangen können. Deshalb stehen Duschen, Whirlpools und Luftbefeuchter im Mittelpunkt, nicht das Trinkglas: Beim Trinken besteht nach Auskunft der Gesundheitsbehörden in der Regel keine Ansteckungsgefahr, solange kein Wasser in die Luftröhre gerät. Von Mensch zu Mensch werden Legionellen nicht übertragen.

Der Duschkopf selbst ist dabei eher Endstation als Ursprung. In Brause und Schlauch bleibt nach jedem Duschen etwas Wasser stehen, das sich auf Raumtemperatur einpendelt – im Bad also genau in den Bereich, den die Bakterien mögen. Kommt aus der Leitung belastetes Wasser nach, finden sie in einem verkalkten Kopf gute Bedingungen. Ist die Hausinstallation dagegen in Ordnung und wird täglich geduscht, wird das wenige Standwasser ständig ausgetauscht.

Wie groß ist das Risiko zu Hause?

Für gesunde Menschen in einem normal genutzten Haushalt ist es gering. Das Risiko steigt mit drei Dingen:

  • Bauart der Warmwasserbereitung. Große zentrale Anlagen mit Speicher und langen Leitungen, wie in Mehrfamilienhäusern, sind anfälliger als ein Durchlauferhitzer direkt am Bad, der kein warmes Wasser bevorratet. Ganz ausgeschlossen ist eine Belastung aber auch dort nicht.
  • Temperatur. Wer den Speicher aus Spargründen auf 45 oder 50 °C herunterdreht, schafft Wohlfühltemperatur für Legionellen. Die technischen Regeln sehen für zentrale Anlagen am Austritt des Warmwasserbereiters 60 °C vor.
  • Stillstand. Gästebad, Ferienwohnung, die zweite Dusche im Keller, die Gartendusche und jede Wohnung nach längerer Abwesenheit.

Schwer erkranken vor allem ältere Menschen, Raucher sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder chronischen Erkrankungen, besonders der Lunge. Leben solche Personen im Haushalt, lohnt es sich, die folgenden Punkte ernst zu nehmen.

Duschkopf und Schlauch: was Entkalken bringt

Ein sauberer, kalkfreier Duschkopf bietet Bakterien weniger Angriffsfläche und sprüht außerdem wieder gleichmäßig. Die Anleitung dazu finden Sie unter Duschkopf entkalken. Zusätzlich hilft es,

  • den Kopf nach dem Duschen kurz leerlaufen zu lassen, also die Handbrause nach unten zu halten oder in die Halterung zu hängen statt in die Wanne zu legen,
  • selten genutzte Duschen etwa einmal pro Woche kurz heiß durchlaufen zu lassen,
  • alte, innen raue oder verfärbte Schläuche zu ersetzen – wie das geht, steht unter Duschschlauch wechseln,
  • verkalkte Strahlregler an den Wasserhähnen ebenfalls zu säubern, siehe Perlator reinigen.

Die Grenze dieser Maßnahmen ist wichtig: Entkalken und Tauschen beseitigt, was im Kopf und im Schlauch sitzt. Steckt das Problem im Warmwasserspeicher oder in den Leitungen des Hauses, ist der neue Duschkopf nach kurzer Zeit wieder besiedelt. Dann muss die Anlage untersucht und in Ordnung gebracht werden, und das ist Sache des Betreibers und eines Fachbetriebs. Duschköpfe mit eingebautem Filter können im Einzelfall überbrücken, ersetzen aber keine Sanierung und müssen nach Herstellerangabe gewechselt werden.

Nach dem Urlaub: Leitungen richtig durchspülen

Stand das Wasser mehrere Tage oder Wochen, tauschen Sie es aus, bevor jemand duscht. So gehen Sie vor:

  1. Warmwasser hochfahren. Wurde der Speicher für die Abwesenheit abgesenkt oder abgeschaltet, stellen Sie ihn wieder auf 60 °C und warten, bis er durchgeheizt ist.
  2. Lüften. Fenster im Bad öffnen oder den Lüfter einschalten.
  3. Brausekopf ablegen. Legen Sie die Handbrause auf den Boden der Dusche oder Wanne, die Düsen nach unten, oder halten Sie sie in einen Eimer. So entsteht möglichst wenig Sprühnebel.
  4. Heiß aufdrehen und hinausgehen. Warmwasser auf heißester Stufe einige Minuten laufen lassen, bis es gleichmäßig heiß kommt, und in dieser Zeit den Raum verlassen. Vorsicht beim Zudrehen: Das Wasser kann verbrühen.
  5. Kalt nachspülen. Anschließend kurz kaltes Wasser laufen lassen, bis es spürbar kühl ist.
  6. Alle Zapfstellen mitnehmen. Waschbecken, Küche, Gäste-WC, Badewanne – überall erst warm, dann kalt laufen lassen, und die Toilette spülen.

Bei längerer Abwesenheit ist es ideal, wenn jemand, der ohnehin die Blumen gießt, etwa einmal pro Woche alle Hähne kurz öffnet. Das kostet ein paar Liter Wasser; warum das gut angelegt ist und wo sich sonst sparen lässt, steht unter Wasser sparen.

Warmwasser: lieber heiß als lauwarm

Wer einen eigenen Warmwasserspeicher hat, stellt ihn auf 60 °C und nicht dauerhaft darunter. Zeitprogramme, die den Speicher nachts abkühlen lassen, oder „Eco“-Einstellungen mit 45 °C sparen etwas Energie, verschieben das Wasser aber in den kritischen Bereich. Viele Regelungen haben eine Legionellenschaltung, die den Speicher regelmäßig hochheizt; sie ist besser als nichts, ersetzt nach den technischen Regeln aber nicht die durchgehend ausreichende Temperatur. Am Durchlauferhitzer stellt sich die Frage so nicht, weil er kein warmes Wasser speichert.

Arbeiten an Speicher, Zirkulation und Leitungen gehören in die Hand eines Installationsbetriebs. Dasselbe gilt für eine „thermische Desinfektion“ der gesamten Anlage.

Mietwohnung: was der Vermieter prüfen muss

Die Trinkwasserverordnung verpflichtet Betreiber größerer zentraler Warmwasseranlagen in vermieteten Mehrfamilienhäusern, das Wasser regelmäßig auf Legionellen untersuchen zu lassen – in der Regel alle drei Jahre. Als Großanlage gelten vereinfacht gesagt Anlagen mit einem Speicher von mehr als 400 Litern oder mit langen Leitungen zwischen Erwärmer und Zapfstelle. Ein- und Zweifamilienhäuser sind davon ausgenommen. Wird der sogenannte technische Maßnahmenwert erreicht oder überschritten, muss der Betreiber das Gesundheitsamt und die Bewohner informieren und die Ursache klären lassen.

Für Sie als Mieter heißt das: Die Ergebnisse dürfen Sie erfragen, und für Temperatur und Zustand der Anlage ist der Vermieter zuständig. Ihr Beitrag ist der regelmäßige Wasserwechsel an allen Zapfstellen Ihrer Wohnung. Bekommen Sie eine Mitteilung über einen Befund, halten Sie sich an die dort genannten Hinweise des Gesundheitsamts. Die Einzelheiten sind Sache der Behörden; dieser Abschnitt ersetzt keine Rechtsberatung.

Wann zum Arzt?

Eine Legionellen-Infektion kann als schwere Lungenentzündung verlaufen, die Legionärskrankheit, oder als milderer, grippeähnlicher Infekt, das Pontiac-Fieber. Die Beschwerden sind unspezifisch: hohes Fieber, Schüttelfrost, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, manchmal Atemnot oder Durchfall. Treten solche Symptome einige Tage nach einem Hotelaufenthalt, einem Whirlpoolbesuch oder nach einem Legionellenbefund im Haus auf, gehen Sie zum Arzt und erwähnen den Verdacht ausdrücklich. Die Erkrankung ist behandelbar, wenn sie erkannt wird.

Häufige Fragen

Kann man Legionellen im Duschkopf sehen oder riechen?

Nein. Belastetes Wasser sieht aus und riecht wie anderes Leitungswasser. Kalk, Verfärbungen oder Schleim im Duschkopf sagen nichts Sicheres aus. Gewissheit bringt nur eine Laboruntersuchung durch eine zugelassene Untersuchungsstelle.

Wie lange darf Wasser in der Leitung stehen?

Eine feste Grenze für Privathaushalte gibt es nicht. Fachleute empfehlen, dass jede Zapfstelle mindestens alle paar Tage benutzt wird. Nach einem Wochenende reicht es, kurz ablaufen zu lassen; nach mehreren Wochen spülen Sie gründlich wie oben beschrieben.

Reicht es, den Duschkopf in Essig einzulegen?

Das entfernt Kalk und einen Teil des Biofilms im Kopf und ist als Pflege sinnvoll. Legionellen in Schlauch, Armatur und Leitung erreicht es nicht. Ein Hinweis auf ein Problem der Hausanlage wird dadurch nicht erledigt.

Sind Legionellen im Trinkwasser beim Trinken gefährlich?

In der Regel nicht. Die Ansteckung geschieht über die Atemwege, wenn bakterienhaltiger Wassernebel eingeatmet wird oder Wasser beim Verschlucken in die Luftröhre gerät.

Wie oft sollte ich den Duschkopf wechseln?

Eine verbindliche Frist gibt es nicht. Entkalken Sie ihn je nach Wasserhärte alle paar Wochen bis Monate und tauschen Sie Kopf und Schlauch, wenn sich Beläge nicht mehr lösen lassen oder das Material porös wird.