Zum Inhalt springen
haushalt&wohnen

Hygienespüler: sinnvoll oder überflüssig?

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Reihen gefüllter Kunststoffflaschen mit weißen Verschlüssen
Hygienespüler ist nach Einschätzung des Umweltbundesamts im Haushalt in der Regel nicht nötig
Inhalt9 Abschnitte
  1. Was Hygienespüler ist und wie er wirkt
  2. Was er enthält
  3. Was Behörden und Verbraucherschützer dazu sagen
  4. Warum normale Wäsche auch ohne Desinfektion sauber wird
  5. Die Nachteile: Umwelt, Haut, Resistenzen
  6. Die Alternative: 60 °C mit Vollwaschmittel
  7. Wann ein Hygienespüler sinnvoll sein kann
  8. Unsere Empfehlung
  9. Häufige Fragen

Hygienespüler ist ein desinfizierender Waschzusatz, der Keime in der Wäsche auch bei niedrigen Temperaturen abtöten soll. Im normalen Haushalt mit gesunden Menschen ist er in der Regel überflüssig: Waschmittel, Wasser und Temperatur entfernen Keime ausreichend, und die Wirkstoffe des Hygienespülers haben Nachteile für Umwelt und Haut. Sinnvoll kann er in einzelnen Situationen sein, in denen Wäsche nicht heiß gewaschen werden darf und ein Arzt zur Desinfektion rät.

Was Hygienespüler ist und wie er wirkt

Hygienespüler wird wie Weichspüler in die dafür vorgesehene Kammer des Waschmittelfachs gefüllt und von der Maschine erst im letzten Spülgang eingespült. Er wirkt also in kaltem Wasser, nachdem das Waschmittel bereits ausgespült ist. Das hat einen chemischen Grund: Die üblichen Wirkstoffe vertragen sich nicht mit den Tensiden des Waschmittels und würden im Hauptwaschgang einen Teil ihrer Wirkung verlieren.

Rechtlich ist Hygienespüler kein Waschmittel, sondern ein Biozidprodukt, also ein Mittel, das dazu bestimmt ist, Lebewesen abzutöten. Deshalb steht auf der Flasche der Pflichthinweis, Biozidprodukte vorsichtig zu verwenden und vor Gebrauch Etikett und Produktinformationen zu lesen. Neben dem flüssigen Spüler gibt es Hygiene-Waschmittel und Pulverzusätze, die in den Hauptwaschgang kommen; für sie gilt dieselbe Einordnung.

Was er enthält

Die meisten Hygienespüler arbeiten mit quartären Ammoniumverbindungen. Das sind kationische Tenside, die sich an die Hülle von Bakterien anlagern und sie zerstören. Auf der Zutatenliste erkennen Sie sie an Namen wie Benzalkoniumchlorid oder Didecyldimethylammoniumchlorid. Daneben kommen in desinfizierenden Waschzusätzen auch andere Wirkstoffe vor, etwa organische Säuren oder Bleichmittel auf Sauerstoffbasis; dazu oft Duftstoffe und Konservierungsmittel.

Welches Wirkspektrum ein Mittel hat – ob nur gegen Bakterien oder auch gegen Pilze und bestimmte Viren –, steht auf dem Etikett, zusammen mit der nötigen Dosierung. Diese Angaben gelten nur, wenn Menge und Einwirkzeit eingehalten werden. Ein Schuss nach Gefühl desinfiziert nicht zuverlässig.

Was Behörden und Verbraucherschützer dazu sagen

Die Einschätzung ist einhellig. Das Umweltbundesamt schreibt in seinen Hygienehinweisen für den Privatbereich, desinfizierende Waschzusätze („Hygienespüler“) seien nicht notwendig; jedes einfache Waschpulver wirke über seine Tenside bereits antibakteriell. Dass Desinfektionsmittel in Privathaushalten in der Regel nicht erforderlich sind, ist nach Darstellung des Amtes die übereinstimmende Auffassung von Umweltbundesamt, Bundesinstitut für Risikobewertung und Robert Koch-Institut.

Die Verbraucherzentrale zählt Hygienespüler zu den überflüssigen Produkten. Sie weist darauf hin, dass die desinfizierenden Stoffe Allergien auslösen und das Abwasser stark belasten können, und dass keimfreie Wäsche im Privathaushalt gar nicht nötig ist. Für Handtücher und Unterwäsche genüge gelegentliches Waschen bei 60 °C, am besten mit Vollwaschmittel.

Warum normale Wäsche auch ohne Desinfektion sauber wird

Beim Waschen wirken mehrere Dinge zusammen: Die Tenside lösen Schmutz, Fett und damit auch den größten Teil der Keime vom Stoff, das Wasser spült sie fort, Wärme und Bleiche töten einen weiteren Teil ab. Was übrig bleibt, verliert beim vollständigen Trocknen an der Luft oder im Trockner weiter an Bedeutung. Am Ende ist die Wäsche nicht steril – das muss sie auch nicht sein. Schon beim Zusammenlegen, im Schrank und erst recht beim Tragen kommen neue Keime dazu, die für gesunde Menschen ohne Belang sind.

Muffig riechende Wäsche ist deshalb selten ein Fall für Desinfektion. Meist steckt eine Maschine mit Belägen dahinter, in der zu lange nur kalt und mit Flüssigmitteln gewaschen wurde, oder Wäsche, die feucht liegen blieb. Was dann hilft, steht unter Wäsche riecht muffig und Waschmaschine stinkt.

Die Nachteile: Umwelt, Haut, Resistenzen

  • Abwasser. Hygienespüler gelangt nach dem Spülgang vollständig ins Abwasser. Quartäre Ammoniumverbindungen sind für Wasserorganismen giftig; darauf weisen die Gefahrenhinweise vieler Produkte selbst hin.
  • Haut und Allergien. Der Spüler wird nicht mehr ausgewaschen, ein Rest der Wirkstoffe und Duftstoffe bleibt in der Wäsche. Bei empfindlicher Haut kann das zu Reizungen oder Allergien führen. Für Babywäsche und bei Neurodermitis ist deshalb Zurückhaltung angebracht.
  • Resistenzen. Fachleute diskutieren, ob der breite Einsatz solcher Wirkstoffe dazu beiträgt, dass Bakterien unempfindlicher werden. Auch deshalb raten Behörden, Desinfektionsmittel nur dort einzusetzen, wo sie wirklich gebraucht werden.
  • Kosten und falsche Sicherheit. Der Spüler kostet zusätzlich und verleitet dazu, auf die 60-Grad-Wäsche zu verzichten, die Maschine und Wäsche tatsächlich sauber hält.

Die Alternative: 60 °C mit Vollwaschmittel

Für Wäsche, bei der es auf Hygiene ankommt – Handtücher, Waschlappen, Bettwäsche, Unterwäsche, Geschirr- und Putztücher –, ist die bewährte Lösung einfach:

  1. Pulverförmiges Vollwaschmittel verwenden. Es enthält Bleiche auf Sauerstoffbasis, die zusätzlich gegen Keime wirkt. Flüssig- und Colorwaschmittel enthalten keine Bleiche; den Unterschied erklärt der Beitrag Colorwaschmittel oder Vollwaschmittel.
  2. 60 °C im normalen Baumwollprogramm wählen. Eco-Programme sparen Strom, indem sie länger und kühler waschen, und erreichen die aufgedruckte Temperatur nicht sicher. Näheres unter Eco-Programm der Waschmaschine.
  3. Richtig dosieren und die Trommel nicht überladen. Nur dann wird die Wäsche gut durchspült.
  4. Sofort aufhängen und vollständig trocknen lassen. Feuchte Wäsche in der Trommel ist der eigentliche Nährboden für Geruch.

Im Alltag reichen für diese Wäsche oft auch 40 °C. Etwa einmal im Monat sollte aber eine 60-Grad-Wäsche mit Vollwaschmittel laufen, schon um die Maschine sauber zu halten. 90 °C sind nur noch selten nötig; wann, steht unter Kochwäsche.

Wann ein Hygienespüler sinnvoll sein kann

Es gibt Situationen, in denen Desinfektion begründet ist. Das Umweltbundesamt nennt Haushalte, in denen jemand mit einer ansteckenden Erkrankung oder einer Immunschwäche lebt, und empfiehlt, das Vorgehen mit dem Arzt abzusprechen. Typische Beispiele aus der Praxis sind hartnäckiger Fuß- oder Nagelpilz, bestimmte Magen-Darm-Infektionen, die Pflege eines Angehörigen mit geschwächtem Immunsystem oder Wäsche, die mit Erregern belastet ist und nicht bei 60 °C gewaschen werden darf.

Auch dann gilt zuerst: Was 60 °C verträgt, wird bei 60 °C mit Vollwaschmittel gewaschen, getrennt von der übrigen Wäsche. Der Hygienespüler ist für den Rest gedacht – etwa Sportkleidung oder Socken aus Synthetik, die nur 30–40 °C vertragen. Achten Sie in diesem Fall auf drei Dinge: das Wirkspektrum auf dem Etikett muss zum Erreger passen, die Dosierung muss stimmen, und für die Kombination mit Weichspüler gelten die Angaben des Herstellers. Im Zweifel fragen Sie in der Arztpraxis oder Apotheke, welches Mittel geeignet ist.

Unsere Empfehlung

Für den gesunden Haushalt lautet die Antwort: überflüssig. Waschen Sie Hygienewäsche bei 60 °C mit pulverförmigem Vollwaschmittel im normalen Programm, lassen Sie die Maschine nach dem Waschen offen stehen und trocknen Sie die Wäsche zügig. Einen Hygienespüler brauchen Sie erst, wenn ein Arzt zur Desinfektion rät und die betroffene Wäsche keine 60 °C verträgt.

Häufige Fragen

Ist Hygienespüler dasselbe wie Weichspüler?

Nein. Beide kommen in dieselbe Kammer und in den letzten Spülgang, und beide enthalten kationische Tenside. Weichspüler soll die Wäsche weich machen, Hygienespüler Keime abtöten. Weich wird die Wäsche vom Hygienespüler nicht.

Brauche ich Hygienespüler für Sportkleidung?

In der Regel nicht. Geruch in Funktionswäsche kommt von Schweiß- und Fettresten in den Kunstfasern. Dagegen helfen zügiges Waschen nach dem Sport, richtig dosiertes Waschmittel und der Verzicht auf Weichspüler; mehr dazu unter Funktionskleidung waschen.

Hilft Hygienespüler gegen eine stinkende Waschmaschine?

Kaum. Der Geruch kommt aus Belägen in Laugenbehälter, Dichtung und Einspülkammer. Die entfernt ein heißer Waschgang mit Vollwaschmittel-Pulver und eine gründliche Reinigung der Maschine besser als ein Zusatz im kalten Spülgang.

Ist Hygienespüler für Babywäsche geeignet?

Für gesunde Säuglinge ist er nicht nötig, und Rückstände auf der Wäsche sind bei empfindlicher Babyhaut unerwünscht. Waschen Sie Babywäsche mit einem parfümfreien Waschmittel bei 40–60 °C; bei Erkrankungen fragen Sie den Kinderarzt.

Kann ich statt Hygienespüler Essig nehmen?

Essig ist kein Desinfektionsmittel für die Wäsche und ersetzt weder Temperatur noch Bleiche. Was er im Spülgang kann und was nicht, steht unter Essig als Weichspüler.