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Munddusche: sinnvoll oder überflüssig?

Christoph · 7 Min. Lesezeit

Blau-weiße kabellose Munddusche mit Aufsteckdüse vor schwarzem Hintergrund
Eine Munddusche spült Speisereste aus, ersetzt aber keine Zahnseide oder Zwischenraumbürste
Inhalt9 Abschnitte
  1. Was eine Munddusche kann – und was nicht
  2. Was sagen Fachleute?
  3. Für wen sie sinnvoll sein kann
  4. Wann lieber nicht – oder erst nach Rücksprache?
  5. Arten und worauf es beim Kauf ankommt
  6. Anwendung Schritt für Schritt
  7. Das Gerät sauber halten: Tank, Schlauch, Düsen
  8. Wann zum Zahnarzt?
  9. Häufige Fragen

Eine Munddusche ist für die meisten Menschen eher überflüssig als sinnvoll: Der Wasserstrahl spült Speisereste aus den Zahnzwischenräumen, löst aber den festsitzenden Zahnbelag nicht, auf den es bei Karies und Zahnfleischentzündungen ankommt. Zahnbürste und Zwischenraumreinigung ersetzt sie deshalb nicht. Nützlich kann sie als Ergänzung sein, wo Bürste und Faden schlecht hinkommen – an festen Zahnspangen, unter Brücken und rund um Implantate.

Was eine Munddusche kann – und was nicht

Zahnbelag, in der Fachsprache Biofilm, ist ein zäher, klebriger Bakterienrasen, der fest an der Zahnoberfläche haftet. Er lässt sich nur mechanisch abreiben: mit Borsten, einem Faden oder einem Bürstchen. Ein Wasserstrahl, wie ihn Haushaltsgeräte erzeugen, schafft das nicht zuverlässig. Was er wegspült, sind Speisereste, lose aufliegende Beläge und Bakterien, die noch nicht fest haften.

Dafür
  • spült Speisereste aus Nischen, an die Bürste und Faden schlecht kommen
  • hilfreich an Brackets, Drähten, Brückengliedern und Implantaten
  • für Menschen, denen die Fingerfertigkeit für Zahnseide fehlt, besser als gar keine Zwischenraumpflege
  • wird von vielen als angenehm und erfrischend empfunden
Dagegen
  • entfernt festsitzenden Belag nicht
  • kein Ersatz für Zahnbürste, Zahnseide oder Interdentalbürsten
  • Gerät muss sorgfältig gepflegt werden, sonst verkeimt es
  • braucht Platz, Strom und Zeit
  • bei manchen Vorerkrankungen nur nach Rücksprache

Was sagen Fachleute?

Die zahnmedizinische Leitlinie zur häuslichen Belagentfernung empfiehlt für die Zwischenräume in erster Linie Interdentalbürsten und, wo diese nicht passen, Zahnseide. Für Mundduschen nennt sie nur wenige und widersprüchliche Belege. Eine große Cochrane-Übersicht fand Hinweise, dass Mundduschen zusätzlich zum Zähneputzen Zahnfleischbluten kurzfristig etwas verringern können – bei geringer Sicherheit der Belege und ohne nachgewiesene Wirkung auf den Belag selbst.

Zahnärztliche Fachstellen ordnen das Gerät entsprechend ein: als mögliche Ergänzung, nicht als Ersatz. Wer mit der Munddusche spült und dafür die Zahnseide weglässt, hat nichts gewonnen. Auch die Stiftung Warentest, die Zahnbürsten, Zahnpasta und Zahnseide regelmäßig prüft, hat Mundduschen nach unserer Kenntnis bisher nicht getestet. Werbung mit einem „Testsieger der Stiftung Warentest“ sollte Sie bei diesen Geräten deshalb stutzig machen.

Für wen sie sinnvoll sein kann

  • Feste Zahnspange. Zwischen Brackets, Bögen und Bändern bleiben Speisereste hängen, die der Strahl gut herausspült – zusätzlich zur Bürste und zu den Bürstchen, die die Kieferorthopädie empfiehlt.
  • Brücken und Stege. Unter dem Brückenglied sammelt sich an, was Zahnseide nur mit Einfädelhilfe erreicht.
  • Implantate. Die Pflege rund um Implantate ist anspruchsvoll. Ob eine Munddusche dazupasst und mit welcher Düse und welchem Druck, klären Sie mit der Praxis, die das Implantat betreut.
  • Eingeschränkte Beweglichkeit. Wer wegen Arthrose, Rheuma oder einer Behinderung weder Zahnseide noch Bürstchen führen kann, hat mit dem Wasserstrahl immerhin eine Möglichkeit.
  • Festsitzende Retainer und eng verschachtelte Zähne.

Für alle anderen gilt: Zweimal täglich gründlich putzen und einmal täglich die Zwischenräume reinigen bringt mehr als jedes Zusatzgerät. Die Technik dazu steht im Beitrag Zahnseide richtig benutzen.

Wann lieber nicht – oder erst nach Rücksprache?

  • Tiefe Zahnfleischtaschen, Parodontitis. Ein kräftiger Strahl kann Speisereste und Bakterien in die Taschen hineinspülen, statt sie herauszuholen. Hier entscheidet die Zahnarztpraxis, ob und wie gespült wird.
  • Nach dem Zahnziehen und anderen Eingriffen. Die Wunde braucht Ruhe; der Strahl kann den schützenden Blutpfropf lösen. Erst wieder anfangen, wenn die Praxis es freigibt.
  • Bestimmte Herzerkrankungen. Bei jeder Reizung des Zahnfleischs können Bakterien kurzzeitig ins Blut gelangen. Für Gesunde ist das belanglos. Wer künstliche Herzklappen hat, einen angeborenen Herzfehler oder schon einmal eine Herzinnenhautentzündung hatte, fragt vorher die behandelnde Praxis.
  • Stark geschwächtes Immunsystem. Wegen möglicher Keime im Gerät nur nach ärztlicher Rücksprache.
  • Akut entzündetes, stark blutendes Zahnfleisch. Erst die Ursache klären lassen.

Arten und worauf es beim Kauf ankommt

BauartMerkmalePasst für
Standgerät mit Wassertankgroßer Tank, Netzbetrieb, Druck fein einstellbartägliche Nutzung zu Hause, mehrere Personen mit eigenen Düsen
Kabelloses Handgerät mit Akkukleiner Tank im Griff, reicht oft nur für eine kurze Anwendungkleine Bäder, Reisen
Anschluss am Wasserhahnkein Tank, kein Strom; Druck hängt von der Leitung abwer kein weiteres Gerät aufstellen möchte

Achten Sie auf einen Druck, der sich in mehreren Stufen regeln lässt und sehr sanft beginnt, auf einen Tank, der sich abnehmen, weit öffnen und vollständig leeren lässt, und auf Ersatzdüsen, die es einzeln nachzukaufen gibt. Für Zahnspangen und Implantate bieten viele Hersteller eigene Aufsätze an. Angaben zum Druck sind Herstellerangaben und zwischen den Geräten kaum vergleichbar.

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Anwendung Schritt für Schritt

  1. Erst putzen, dann spülen. Die Munddusche kommt nach Zahnbürste und Zwischenraumreinigung, als letzter Durchgang.
  2. Tank mit frischem, lauwarmem Leitungswasser füllen. Kaltes Wasser schmerzt an empfindlichen Zahnhälsen. Mundspüllösungen nur, wenn die Anleitung des Geräts es erlaubt.
  3. Niedrigste Druckstufe wählen. Steigern Sie erst nach einigen Tagen und nur so weit, wie es angenehm bleibt.
  4. Über das Waschbecken beugen, Düse in den Mund, dann einschalten. Lippen locker schließen und das Wasser herauslaufen lassen.
  5. Am Zahnfleischrand entlangführen. Die Düse etwa im rechten Winkel auf den Übergang von Zahn zu Zahnfleisch richten, nicht von oben in die Zahnfleischfurche hinein. An jedem Zwischenraum kurz verweilen, innen wie außen.
  6. Ausschalten, bevor Sie die Düse herausnehmen. Mund ausspülen.

Etwa eine Minute für das ganze Gebiss reicht aus. Blutet das Zahnfleisch dabei stark oder tut der Strahl weh, ist der Druck zu hoch – oder das Zahnfleisch entzündet.

Das Gerät sauber halten: Tank, Schlauch, Düsen

Stehendes Wasser bei Badezimmertemperatur ist ein guter Nährboden. In Tank, Schlauch und Düse können sich Bakterien und Schimmelpilze ansiedeln und einen Biofilm bilden – der dann bei der nächsten Anwendung direkt ans Zahnfleisch gespült wird. Die Pflege ist deshalb kein Beiwerk, sondern die Bedingung dafür, dass das Gerät nützt statt schadet.

  • Nach jeder Anwendung: Tank vollständig leeren, das Gerät einige Sekunden leerlaufen lassen, damit Schlauch und Düse frei werden. Tank offen und Düse stehend trocknen lassen. Nie Wasser über Nacht im Tank lassen.
  • Einmal in der Woche: Tank mit warmem Wasser und etwas Spülmittel auswaschen, gründlich klarspülen; viele Tanks dürfen laut Hersteller in die Spülmaschine. Düse abspülen, Griff und Ablage abwischen.
  • Alle paar Wochen entkalken: bei hartem Wasser häufiger. Verwenden Sie das Mittel und die Dosierung, die der Hersteller angibt, und spülen Sie anschließend mit ein bis zwei Tankfüllungen klarem Wasser nach.
  • Düsen wechseln: nach Herstellerangabe, meist alle drei bis sechs Monate. Jede Person benutzt ihre eigene.
  • Nach längerer Pause: vor der ersten Anwendung reinigen und eine Tankfüllung ungenutzt durchlaufen lassen.

Riecht der Tank muffig, zeigen sich dunkle Punkte oder ein schmieriger Film im Schlauch, der sich nicht entfernen lässt, gehört das Gerät ersetzt. Dieselbe Sorgfalt lohnt sich bei den anderen Dingen, die täglich im Mund landen: Elektrische Zahnbürste reinigen und Zahnschiene reinigen.

Wann zum Zahnarzt?

Zahnfleisch, das bei der Munddusche oder beim Putzen regelmäßig blutet, geschwollen oder dunkelrot ist, ist entzündet – das lässt sich nicht wegspülen. Vereinbaren Sie einen Termin, wenn das Bluten trotz sorgfältiger Pflege nach etwa zwei Wochen anhält, wenn Zahnfleisch zurückgeht, Zähne sich lockern, Eiter austritt oder ein Implantat schmerzt. Auch anhaltender Mundgeruch gehört abgeklärt; was die Zunge dazu beiträgt, steht im Beitrag Zungenreiniger.

Häufige Fragen

Kann die Munddusche Zahnseide ersetzen?

Nein. Der Wasserstrahl spült, reibt aber nicht. Den festsitzenden Belag an den Zahnflächen zwischen den Zähnen entfernen nur Zahnseide oder Interdentalbürsten. Wer mit beidem gar nicht zurechtkommt, ist mit der Munddusche besser bedient als ohne jede Zwischenraumpflege – und bespricht das beim nächsten Termin in der Praxis.

Wie oft sollte man eine Munddusche benutzen?

Einmal täglich genügt, am besten abends nach dem Putzen.

Ist eine Munddusche schädlich für das Zahnfleisch?

Bei gesundem Zahnfleisch und niedrigem Druck nicht. Problematisch wird es bei zu hohem Druck, bei tiefen Zahnfleischtaschen und bei einem verkeimten Gerät.

Darf Mundspülung oder Salzwasser in den Tank?

Nur, wenn die Gebrauchsanleitung es ausdrücklich erlaubt. Zusätze können Dichtungen und Schläuche angreifen und Rückstände hinterlassen. Danach immer mit klarem Wasser durchspülen.

Hilft die Munddusche gegen Mandelsteine?

Dafür sind die Geräte nicht gebaut. Der Strahl kann die empfindlichen Mandeln verletzen und Würgereiz auslösen. Wer häufig Mandelsteine oder Halsbeschwerden hat, lässt das in der HNO-Praxis ansehen.