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Hausmittel zum Putzen: Natron, Soda, Essig, Zitronensäure und Gallseife

Christoph · 7 Min. Lesezeit

Glas mit weißem Pulver, Holzklammern und drei braune Fläschchen
Natron und Soda lösen Fett und Gerüche, Säuren wie Essig lösen Kalk
Inhalt11 Abschnitte
  1. Die Grundregel: Säure gegen Kalk, Base gegen Fett
  2. Die sieben Mittel auf einen Blick
  3. Natron: das mildeste Mittel
  4. Soda: stärker, aber mit Handschuhen
  5. Essig und Essigessenz: Kalk, aber nicht überall
  6. Zitronensäure: geruchlos, aber nur kalt
  7. Gallseife, Kernseife und Spiritus
  8. Natron und Essig zusammen: viel Schaum, wenig Wirkung
  9. Was Sie nie kombinieren sollten
  10. Wann Hausmittel nicht genügen
  11. Häufige Fragen

Für die meisten Putzarbeiten im Haushalt brauchen Sie keinen Schrank voller Spezialreiniger. Sieben Hausmittel decken fast alles ab: Essig und Zitronensäure gegen Kalk, Natron und Soda gegen Fett und Gerüche, Gallseife gegen Flecken, Kernseife für die grobe Reinigung und Spiritus für Glas und streifenfreie Flächen. Wichtig ist nur, dass Sie wissen, welches Mittel was kann, welches Material es nicht verträgt und welche Kombinationen sinnlos oder sogar gefährlich sind.

Die Grundregel: Säure gegen Kalk, Base gegen Fett

Fast alles, was Hausmittel leisten, folgt einer einfachen Regel. Kalk und Urinstein sind mineralisch und lösen sich in Säure, also in Essig oder Zitronensäure. Fett, Eiweiß und viele Gerüche lassen sich dagegen mit alkalischen Mitteln lösen, also mit Natron, Soda oder Seife. Ein alkalisches Mittel richtet gegen Kalk nichts aus, und eine Säure löst Fett nur mäßig. Wer diese Regel im Kopf hat, greift fast immer zum richtigen Mittel.

Die sieben Mittel auf einen Blick

MittelWofürNicht für
NatronGerüche, leichte Beläge, angebrannte Töpfe, als mildes ScheuerpulverKalk; empfindliche Hochglanzflächen nicht trocken scheuern
Soda (Waschsoda)Fett, eingebrannte Rückstände, stark verschmutzte WäscheAluminium, Holz, Lack, Linoleum, Wolle und Seide; Kalk
Essig (5 %)Kalk auf Armaturen, Glas und Fliesen, WasserränderNaturstein, Silikonfugen, Gummidichtungen, Aluminium, Zementfugen auf Dauer
Essigessenz (25 %)hartnäckiger Kalk, stark verdünntalles Empfindliche; nie erhitzen, nie pur auf Chrom oder Kunststoff
ZitronensäureKalk im Wasserkocher, Duschkopf, WC, Perlatorheißes Wasser, Naturstein, Aluminium, lange Einwirkung auf Gummi
GallseifeFlecken aus Fett, Gras, Blut, Kosmetik vorbehandelnFlächenreinigung; nicht farbecht gefärbte Stoffe ohne Test
KernseifeHände, grobe Wäsche, Pinsel, Böden aus Fliesen oder Steinzeuggeölte oder gewachste Flächen, hartes Wasser ohne Nachspülen
SpiritusGlas, Spiegel, Fettfilm, Kleberreste, streifenfreies NachwischenLack, Schellack, Acrylglas, manche Kunststoffe; nie in der Nähe offener Flammen

Die meisten dieser Mittel bekommen Sie in Drogerie und Supermarkt, Soda und Zitronensäure als Pulver, Essig und Spiritus in Flaschen, Gallseife als Stück oder flüssig.

Natron: das mildeste Mittel

Natron (Natriumhydrogencarbonat, Baking Soda) ist nur schwach alkalisch und deshalb vergleichsweise schonend. Es bindet Gerüche, löst leichte Fett- und Eiweißbeläge und wirkt als feines Scheuerpulver, das weniger kratzt als Scheuermilch.

  • Gerüche: Ein offenes Schälchen Natron im Kühlschrank oder im Schuhschrank nimmt Gerüche auf. Bei starkem Geruch hilft das allein aber nicht, dann muss die Quelle weg.
  • Angebranntes: Den Topfboden mit Wasser und zwei, drei Esslöffeln Natron bedecken, kurz aufkochen und einweichen lassen. Mehr dazu unter Topf angebrannt.
  • Als Paste: Natron mit wenig Wasser zu einem Brei verrühren, auf Fugen, Backbleche oder Spülbecken auftragen, einwirken lassen, abwischen.

Natron ist kein Entkalker. Gegen Kalk hilft nur Säure.

Soda: stärker, aber mit Handschuhen

Waschsoda (Natriumcarbonat) ist deutlich stärker alkalisch als Natron und löst Fett zuverlässig, auch eingebranntes im Backofen oder am Grillrost. Ein Esslöffel auf einen Eimer warmes Wasser reinigt fettige Küchenfliesen und Steinzeugböden. Soda reizt aber Haut und Augen: Tragen Sie Haushaltshandschuhe und atmen Sie den Staub nicht ein. Aluminium läuft an oder wird angegriffen, Holz wird grau und rau, Lack und Linoleum werden stumpf. Für den Backofen finden Sie die ganze Vorgehensweise unter Backofen reinigen.

Essig und Essigessenz: Kalk, aber nicht überall

Haushaltsessig mit etwa 5 Prozent Säure löst Kalkränder auf Glas, Fliesen und Armaturen, wenn Sie ihn einwirken lassen. Essigessenz enthält etwa 25 Prozent Säure und wird für den Haushalt stark verdünnt, meist ein Teil Essenz auf vier bis fünf Teile Wasser. Pur ist sie ätzend und gehört nur mit Handschuhen in die Hand.

Essig greift mehr an, als viele denken. Marmor, Kalkstein und Travertin bestehen selbst aus Kalk und bekommen matte Flecken, die sich nicht wegpolieren lassen. Silikonfugen und Gummidichtungen altern bei häufiger Behandlung schneller und werden spröde oder quellen auf; in der Waschmaschine und am Kühlschrank hat Essig deshalb nichts verloren. Erhitzen Sie Essigessenz nie, etwa im Wasserkocher: Die Dämpfe reizen Augen und Atemwege stark. Eine Übersicht über alle Mittel gegen Kalk steht unter Entkalken.

Zitronensäure: geruchlos, aber nur kalt

Zitronensäure ist als Pulver erhältlich, riecht nicht und wirkt gegen Kalk besser als Haushaltsessig. Lösen Sie etwa zwei Esslöffel in einem halben Liter Wasser auf. Wichtig ist die Temperatur: Setzen Sie Zitronensäure nur kalt oder lauwarm an. In heißem Wasser reagiert sie mit dem Kalk zu Calciumcitrat, einem schwer löslichen Belag, der sich dann erneut absetzt. Für Naturstein, Aluminium und lange Einwirkzeiten auf Gummi gilt dasselbe wie beim Essig.

Gallseife, Kernseife und Spiritus

Gallseife ist eine Seife mit Rindergalle oder deren Wirkstoffen. Sie eignet sich zum Vorbehandeln von Flecken aus Fett, Gras, Blut oder Make-up: Stelle anfeuchten, mit Gallseife einreiben, einwirken lassen, dann normal waschen. Bei farbigen Stoffen vorher an einer verdeckten Stelle testen. Weitere Tipps stehen unter Flecken entfernen.

Kernseife ist einfache Seife ohne Zusätze. Sie reinigt Hände, grobe Wäsche und Böden, ist aber alkalisch und bildet mit hartem Wasser Kalkseife, einen grauen Schleier. Gründlich nachspülen, und nicht auf geölten oder gewachsten Flächen verwenden.

Spiritus ist vergällter Alkohol. Ein Schuss im Putzwasser sorgt für streifenfreie Fenster und Spiegel, pur löst er Fettfilm und Kleberreste. Er ist leicht entzündlich: nicht in der Nähe von Kerzen, Gasherd oder Zigaretten verwenden, gut lüften und nicht auf lackierte Möbel, Schellack oder Acrylglas bringen. Mehr zum Glas steht unter Fenster putzen.

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Natron und Essig zusammen: viel Schaum, wenig Wirkung

Kaum ein Tipp wird öfter geteilt: Natron in den Abfluss oder auf den Fleck, Essig drauf, es sprudelt, und alles soll sauber werden. Ehrlich gesagt ist das Gegenteil der Fall. Natron ist eine Base, Essig eine Säure, und beide neutralisieren sich. Dabei entsteht Kohlendioxid, das schäumt, und übrig bleibt eine Lösung aus Natriumacetat und Wasser, die weder Kalk noch Fett besonders gut löst. Das Sprudeln kann in einem Abfluss etwas lockeres Material bewegen, eine echte Verstopfung löst es nicht. Was dann hilft, steht unter Abfluss verstopft.

Wenn Sie beides brauchen, etwa Fett und Kalk an derselben Stelle, verwenden Sie die Mittel nacheinander und spülen dazwischen mit Wasser.

Was Sie nie kombinieren sollten

Harmlos ist das Mischen nicht immer. Säuren wie Essig und Zitronensäure dürfen nie mit chlorhaltigen Reinigern zusammenkommen, weil dabei giftiges Chlorgas entsteht. Das gilt auch für kurz nacheinander im selben Becken oder Abfluss. Auch Wasserstoffperoxid und Essig gehören nicht in dieselbe Flasche. Welche Kombinationen gefährlich sind und was Sie tun, wenn es doch passiert ist, steht ausführlich unter Putzmittel, die man nie mischen darf.

Bewahren Sie Hausmittel in den Originalverpackungen auf, beschriftet und außer Reichweite von Kindern. Natron und Soda sehen gleich aus, Essigessenz in einer Getränkeflasche ist eine Unfallquelle.

Wann Hausmittel nicht genügen

Hausmittel sind günstig und vielseitig, aber nicht immer die beste Wahl. Schimmel an Wänden gehört nicht mit Essig behandelt; warum, steht unter Schimmel in der Wohnung. Bei Geräten wie Kaffeevollautomaten hat der vom Hersteller freigegebene Entkalker Vorrang. Und auf teuren Oberflächen wie Naturstein, geöltem Parkett oder beschichteten Armaturen ist ein passender Spezialreiniger oft schonender als jedes Hausmittel. Wie oft Sie entkalken müssen, hängt übrigens von Ihrer Wasserhärte ab.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Natron und Soda?

Beide sind alkalische Natriumsalze, Soda ist aber deutlich stärker. Natron eignet sich für Gerüche und leichte Beläge und ist auch ein Backtriebmittel, Soda für Fett und stark verschmutzte Wäsche. Soda reizt Haut und Augen stärker, daher Handschuhe tragen.

Ist Essig oder Zitronensäure besser gegen Kalk?

Zitronensäure wirkt stärker und riecht nicht, darf aber nur kalt oder lauwarm angesetzt werden. Essig ist für Flächen und Armaturen praktisch, riecht aber stark. Auf Naturstein ist beides tabu.

Kann ich Backpulver statt Natron nehmen?

Eingeschränkt. Backpulver besteht vor allem aus Natron, enthält aber zusätzlich ein Säuerungsmittel und Stärke. Zum Scheuern und gegen Gerüche funktioniert es, reines Natron ist aber günstiger und wirksamer.

Womit putzt man Fenster ohne Streifen?

Warmes Wasser mit einem Spritzer Spülmittel oder Spiritus, ein sauberes Tuch und ein Abzieher genügen. Entscheidend ist, dass Sie die Scheibe zügig abziehen und nicht in der prallen Sonne putzen.