Waschmittel selber machen: Rezepte und was sie wirklich leisten

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Waschmittel selber machen ist einfach: Kernseife und Waschsoda in Wasser lösen, oder Kastanien beziehungsweise Efeublätter in Wasser ziehen lassen. Die ehrliche Bilanz fällt allerdings mager aus. Für wenig getragene, unempfindliche Wäsche reichen diese Mittel, gegen Flecken, Fett und Vergrauen kommen sie nicht an, und in der Maschine hinterlassen sie auf Dauer Beläge. Hier stehen die gängigen Rezepte – und was Sie von ihnen erwarten können.
Rezept 1: Flüssigwaschmittel aus Kernseife und Waschsoda
Das ist das verbreitetste Rezept. Die Seife liefert die waschaktive Substanz, das Soda macht die Lauge alkalisch und löst Fett.
Sie brauchen: etwa 30 g Kernseife, etwa 40 g Waschsoda, 2 Liter Wasser, eine Küchenreibe, einen großen Topf und einen sauberen Kanister oder Flaschen.
- Seife reiben. Die Kernseife fein raspeln, damit sie sich vollständig löst.
- Aufkochen. Seifenraspel und Soda in einem Teil des Wassers unter Rühren erhitzen, bis alles gelöst ist.
- Verdünnen und stehen lassen. Das restliche Wasser zugeben und die Mischung einige Stunden abkühlen lassen. Sie geliert dabei.
- Aufrühren und abfüllen. Die Masse kräftig durchrühren oder mit dem Schneebesen aufschlagen und abfüllen. Vor jedem Gebrauch schütteln.
Dosiert werden üblicherweise 100–200 ml je Waschgang. Verwenden Sie reine Kernseife ohne Pflegezusätze, keine Toilettenseife. Soda reizt Haut und Augen: Tragen Sie Handschuhe, und halten Sie Pulver und fertige Mischung von Kindern fern – eine Flasche ohne Etikett mit milchiger Flüssigkeit lädt zur Verwechslung ein, also beschriften.
Für Wolle und Seide ist dieses Mittel ungeeignet. Die alkalische Lauge lässt die Eiweißfasern quellen und verfilzen; dafür gibt es Wollwaschmittel.
Rezept 2: Kastanien
Rosskastanien enthalten Saponine, pflanzliche Stoffe, die im Wasser schäumen und ähnlich wie Tenside wirken.
- Zerkleinern. Eine Handvoll Kastanien (etwa 5–8 Stück) vierteln oder grob hacken. Für helle Wäsche vorher die braune Schale entfernen, sie kann abfärben.
- Ansetzen. Mit etwa 300 ml Wasser übergießen und einige Stunden, am besten über Nacht, ziehen lassen. Mit heißem Wasser geht es schneller.
- Abseihen. Die milchige Flüssigkeit durch ein Sieb oder Tuch gießen und ins Waschmittelfach geben.
Der Sud hält sich nur kurz und sollte innerhalb von ein bis zwei Tagen verbraucht werden. Auf Vorrat lassen sich Kastanien zerkleinern und gut durchtrocknen.
Rezept 3: Efeu
Auch Efeublätter enthalten Saponine. Üblich ist, eine Handvoll dunkelgrüne Blätter zu zerreißen, mit kochendem Wasser zu übergießen, ziehen zu lassen und den Sud abzuseihen; manche geben die Blätter in einem zugeknoteten Stoffbeutel direkt in die Trommel.
Bedenken Sie dabei: Efeu ist giftig. Der Pflanzensaft kann die Haut reizen und Kontaktallergien auslösen, also Handschuhe tragen. Blätter und Sud gehören nicht in die Reichweite von Kindern und Haustieren, und der Sud darf nicht in einer Getränkeflasche aufbewahrt werden. Für weiße Wäsche ist Efeu nicht zu empfehlen, sie vergraut oder bekommt einen Farbstich.
Was selbst gemachtes Waschmittel leistet – und was fehlt
Ein gekauftes Waschmittel ist kein einzelner Stoff, sondern eine abgestimmte Mischung. Den Selbstgemachten fehlen die meisten Bausteine:
| Baustein | Aufgabe | Im selbst gemachten Mittel |
| Tenside | lösen Schmutz und Fett | Seife oder Saponine – deutlich schwächer und empfindlich gegen Kalk |
| Enthärter | binden Kalk, schützen Wäsche und Maschine | fehlen; Soda fällt Kalk nur aus, statt ihn in Lösung zu halten |
| Enzyme | zerlegen Eiweiß-, Stärke- und Fettflecken | fehlen |
| Bleiche | entfernt Tee-, Obst- und Rotweinflecken, wirkt gegen Keime | fehlt |
| Vergrauungsschutz | hält gelösten Schmutz im Wasser in der Schwebe | fehlt |
Für ein kaum getragenes T-Shirt spielt das keine Rolle; da leisten Wasser, Wärme und Trommelbewegung schon einen großen Teil der Arbeit. Bei Schweiß, Hautfett, Essensflecken, Handtüchern und Unterwäsche zeigt sich der Unterschied.
Was Tests dazu sagen
Die Stiftung Warentest hat 2019 Waschnüsse und ein Granulat aus Rosskastanien mit einem gewöhnlichen Colorwaschmittel verglichen. Das Ergebnis war deutlich: Alltagsflecken blieben nach der 40-Grad-Wäsche sichtbar, weißes Prüfgewebe war nach wenigen Wäschen eingetrübt und nach 20 Wäschen grau. Als Grund nennen die Prüfer fehlende Enzyme und fettlösende Tenside; außerdem könnten die Naturmittel den Schmutz nicht in der Schwebe halten, sodass er sich wieder auf den Fasern absetzt. Weil Enthärter fehlen, könne bei hartem Wasser zudem die Maschine verkalken. Einen ökologischen Vorteil sahen die Tester nicht – wer nachwaschen muss oder vergraute Kleidung früher ersetzt, belastet die Umwelt stärker, als er sie entlastet.
Efeu und die Mischung aus Kernseife und Soda waren nicht Teil dieser Prüfung; eine vergleichbare unabhängige Untersuchung dazu ist uns nicht bekannt. Die Mechanismen sind aber dieselben: keine Enzyme, keine Enthärter, kein Vergrauungsschutz. Zur Umweltwirkung von Kastanien- und Efeusud hat sich ein Fachmann des Umweltbundesamtes zurückhaltend geäußert: Ein Vergleich mit üblichen Waschmitteln sei mangels Daten nicht möglich. „Natürlich“ heißt also nicht automatisch „umweltfreundlicher“. Mehr zu den importierten Verwandten steht im Beitrag Waschnüsse.
Das Problem mit Seife: Kalkseife in Wäsche und Maschine
Seife hat einen Nachteil, der der Grund dafür ist, dass moderne Waschmittel andere Tenside verwenden: Sie reagiert mit dem Kalk im Wasser zu Kalkseife. Das ist eine unlösliche, schmierige Verbindung – derselbe graue Rand, den Seife in der Badewanne hinterlässt.
In der Wäsche setzt sich Kalkseife auf den Fasern ab. Stoffe werden mit der Zeit grau, hart und nehmen schlechter Wasser auf; ein ranziger Geruch kann dazukommen. In der Maschine lagert sie sich im Laugenbehälter, in Schläuchen, auf dem Heizstab und in der Einspülkammer ab. Dort bildet sie zusammen mit Flusen einen Belag, auf dem sich Keime wohlfühlen. Je härter das Wasser, desto schneller geht das. Soda mildert das Problem nicht wirklich: Es fällt den Kalk aus, und die Kalkteilchen bleiben in Wäsche und Maschine.
Wenn Sie es trotzdem verwenden wollen
- Nur für leicht Verschmutztes aus Baumwolle oder Synthetik, bunt oder dunkel. Nicht für Weißes, Wolle, Seide, Funktionskleidung und Hygienewäsche.
- Nur bei weichem Wasser dauerhaft. Bei mittlerem und hartem Wasser überwiegen die Ablagerungen.
- Flecken vorbehandeln, zum Beispiel mit Gallseife.
- Regelmäßig heiß waschen. Mindestens einmal im Monat ein Waschgang bei 60 °C mit gekauftem Vollwaschmittel-Pulver, dazu die Maschine gelegentlich reinigen, wie unter Waschmaschine reinigen beschrieben.
- Kleine Mengen ansetzen. Ohne Konservierung verderben vor allem die Pflanzensude schnell.
- In die Gebrauchsanleitung schauen. Manche Hersteller schließen andere als handelsübliche Waschmittel aus.
Unsere Empfehlung
Als Experiment ist selbst gemachtes Waschmittel harmlos, als Dauerlösung überzeugt es nicht: Die Wäsche wird schlechter sauber, und Maschine und Textilien leiden. Wer weniger Chemie und weniger Verpackung will, kommt mit einem Kompaktpulver ohne Duftstoffe weiter, passend zur Wasserhärte dosiert – das ist der größte Hebel, wie der Beitrag Waschmittel richtig dosieren zeigt. Niedrige Temperaturen und volle Trommeln sparen zusätzlich mehr, als jedes Hausrezept einbringt.
Häufige Fragen
Ist selbst gemachtes Waschmittel billiger?
Die Zutaten kosten wenig, und Kastanien oder Efeu gibt es umsonst. Die Rechnung kippt, wenn Wäsche vergraut und früher ersetzt wird, wenn nachgewaschen werden muss oder die Maschine verkalkt. Ein günstiges Pulver, richtig dosiert, kostet je Waschgang ebenfalls nicht viel.
Schadet selbst gemachtes Waschmittel der Waschmaschine?
Auf Dauer kann es das. Seife bildet mit Kalk unlösliche Kalkseife, die sich in der Maschine ablagert, und weil Enthärter fehlen, verkalkt der Heizstab bei hartem Wasser schneller. Regelmäßige heiße Waschgänge mit Vollwaschmittel mindern das Risiko.
Kann ich Natron statt Waschsoda nehmen?
Natron ist deutlich schwächer alkalisch als Soda und löst Fett entsprechend schlechter. In manchen Rezepten steht es zusätzlich; ersetzen kann es Soda nicht. Mit Essig oder Zitronensäure in einer Mischung heben sich beide gegenseitig auf.
Eignet sich das Mittel für Allergiker und Babywäsche?
Es enthält keine Duft- und Konservierungsstoffe, was ein Vorteil sein kann. Seifenreste und alkalische Rückstände in der Wäsche können die Haut aber ebenfalls reizen, und Saponine sind nicht frei von Allergierisiken. Ein parfümfreies gekauftes Waschmittel ist die verlässlichere Wahl.
Wie lange ist selbst gemachtes Waschmittel haltbar?
Die Mischung aus Kernseife und Soda hält sich verschlossen deutlich länger als die Pflanzensude, sollte aber verworfen werden, wenn sie riecht oder sich verfärbt. Kastanien- und Efeusud verderben schnell und gehören innerhalb von ein bis zwei Tagen verbraucht.



