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Brandgeruch entfernen

Christoph · 7 Min. Lesezeit

Brandgeruch entfernen
Brandgeruch entfernen
Inhalt10 Abschnitte
  1. Kleines Malheur oder Wohnungsbrand?
  2. Richtig lüften – das Fundament
  3. Brandgeruch aus der Küche entfernen
  4. Brandgeruch aus Kleidung und Textilien
  5. Sofa, Polster, Teppich und Matratze
  6. Wände, Möbel und Decke
  7. Was bindet Gerüche, was überdeckt sie nur?
  8. Brandgeruch aus der Mikrowelle
  9. Vorbeugen: Rauchmelder und Aufmerksamkeit
  10. Häufige Fragen

Brandgeruch entfernen Sie in drei Schritten: die Quelle aus der Wohnung schaffen, kräftig querlüften und alle Oberflächen und Textilien reinigen, an denen sich Rauch abgesetzt hat. Der Geruch steckt nämlich in winzigen Ruß- und Teerpartikeln, die sich auf Wänden, Möbeln und vor allem in Stoffen festsetzen. Solange die dort sind, kommt der Geruch immer wieder. Hausmittel wie Natron oder Aktivkohle helfen bei Restgerüchen; nach einem richtigen Brand mit Rußschäden gehört die Sanierung in Fachhand.

Kleines Malheur oder Wohnungsbrand?

Bevor Sie loslegen, lohnt eine ehrliche Einschätzung, denn die beiden Fälle sind grundverschieden:

  • Angebranntes Essen, verkokelter Toast, qualmende Pfanne: Hier geht es nur um Geruch. Das bekommen Sie mit Lüften und Putzen selbst in den Griff, meist innerhalb von ein bis zwei Tagen.
  • Kleinbrand oder Wohnungsbrand mit sichtbarem Ruß an Decken, Wänden oder Möbeln: Brandruß kann je nach verbranntem Material Schadstoffe enthalten, etwa polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und, wenn Kunststoffe wie PVC gebrannt haben, ätzende Chlorverbindungen, die Metall und Elektronik angreifen. Das ist kein Fall für Essigwasser.

Nach einem echten Brand gilt deshalb diese Reihenfolge: Die Feuerwehr gibt die Räume frei, Sie informieren Ihre Hausrat- und gegebenenfalls Wohngebäudeversicherung, Mieter zusätzlich den Vermieter. Fotografieren Sie die Schäden, bevor Sie etwas wegwerfen oder putzen. Viele Versicherungen beauftragen selbst einen Brandschadensanierer oder übernehmen die Kosten dafür. Solche Betriebe reinigen mit Spezialverfahren und messen bei Bedarf, ob Schadstoffe zurückgeblieben sind. Bis dahin Rußflächen nicht berühren, nichts Verrußtes essen und Kinder und Haustiere aus den Räumen fernhalten.

Richtig lüften – das Fundament

Ohne Frischluft geht nichts. Wichtig ist Durchzug statt gekippter Fenster:

  1. Quelle raus. Den verbrannten Topf, das verkohlte Backblech oder den Rest im Mülleimer sofort ins Freie bringen. Solange er in der Wohnung ist, riecht es weiter.
  2. Querlüften. Fenster auf gegenüberliegenden Seiten und die Türen dazwischen weit öffnen, sodass die Luft durch die Wohnung zieht.
  3. Ventilator nutzen. Ein Ventilator am Fenster, der nach draußen bläst, beschleunigt den Austausch spürbar. Die Dunstabzugshaube auf höchster Stufe hilft in der Küche, sofern sie nach außen abführt.
  4. Lange genug. Nach angebranntem Essen reichen oft ein bis drei Stunden kräftiges Lüften. Nach größeren Rauchmengen über Tage mehrmals täglich lüften.

Im Winter lieber mehrmals kräftig stoßlüften als die Fenster stundenlang offen zu lassen, damit die Wände nicht auskühlen und keine Feuchtigkeit kondensiert.

Ein Hinweis zur Sicherheit: Lüften Sie erst, wenn nichts mehr glimmt. Schwelende Reste können mit frischem Sauerstoff wieder aufflammen.

Brandgeruch aus der Küche entfernen

Die Küche ist der häufigste Ort für Brandgeruch. Nach dem Lüften geht es an die Flächen:

  1. Abwischen. Arbeitsflächen, Fronten, Fliesen und die Oberseite der Hängeschränke mit warmem Wasser und Spülmittel abwischen. Der Rauch hat sich als hauchdünner Film überall abgesetzt.
  2. Essigwasser für glatte Flächen. Ein Teil Essig auf zwei bis drei Teile Wasser löst den fettigen Rauchfilm gut. Nicht auf Naturstein wie Marmor verwenden, den greift die Säure an.
  3. Dunstabzugshaube. Fettfilter in der Spülmaschine oder in heißem Spülwasser reinigen, Aktivkohlefilter bei Umluft-Hauben austauschen – der alte Filter ist nach einem kräftigen Qualm oft gesättigt.
  4. Backofen und Kochfeld. Verbrannte Reste entfernen, sonst riecht es beim nächsten Aufheizen erneut. Tipps dazu im Beitrag Backofenspray.
  5. Textilien waschen. Geschirrtücher, Topflappen, Vorhänge und Sitzkissen in die Wäsche.

Wie Sie den Topf selbst wieder sauber bekommen, lesen Sie in unserem Beitrag Topf angebrannt.

Brandgeruch aus Kleidung und Textilien

Brandgeruch aus Kleidung entfernen
Textilien nehmen Rauchgeruch besonders stark auf

Stoffe speichern Rauchgeruch am hartnäckigsten. Waschbare Textilien behandeln Sie so:

  • Auslüften. Zuerst einen Tag draußen oder am offenen Fenster aufhängen, das nimmt einen großen Teil des Geruchs.
  • Einweichen. Einige Stunden in warmem Wasser mit Waschmittel oder etwas Gallseife einweichen.
  • Waschen. Mit Vollwaschmittel bei der höchsten erlaubten Temperatur waschen. Ein Schuss Essig ins Weichspülerfach kann Gerüche zusätzlich neutralisieren.
  • Natron für Trockenes. Nicht waschbare Stücke mit einer halben Tasse Natron in einen großen Beutel geben, schütteln und über Nacht liegen lassen, dann gründlich ausschütteln oder absaugen.

Riecht die Wäsche nach dem ersten Waschgang noch, wiederholen Sie ihn, bevor Sie sie in den Trockner geben. Kleidung, Mäntel und Vorhänge, die nicht waschbar sind, gehören in die Reinigung; nach Brandschäden gibt es dort spezielle Geruchsbehandlungen. Mehr Tipps zur Wäsche finden Sie in der Rubrik Wäsche.

Sofa, Polster, Teppich und Matratze

Polster lassen sich nicht in die Maschine stecken, nehmen Rauch aber besonders gut auf.

  1. Absaugen. Mit der Polsterdüse gründlich absaugen.
  2. Natron einarbeiten. Großzügig Natron aufstreuen, leicht einbürsten und über Nacht, besser 24 Stunden, einwirken lassen. Dann gründlich absaugen.
  3. Bezüge waschen. Abnehmbare Bezüge nach Etikett waschen.
  4. Feucht behandeln. Bei robusten Stoffen hilft ein Polsterreinigungsgerät oder eine Sprühextraktion, die Reinigungslösung einsprüht und wieder absaugt. Vorher an verdeckter Stelle testen.

Teppiche behandeln Sie genauso; für große Flächen gibt es Teppichreinigungsgeräte zum Ausleihen. Matratzen riechen nach einem Brand oft dauerhaft. Hat sich Ruß auf ihnen abgesetzt, ist Austauschen meist die bessere Lösung.

Wände, Möbel und Decke

Rauch setzt sich an Wänden und Decken ab, bei Raufaser oder offenporiger Farbe dringt er tief ein.

  • Abwaschbare Flächen wie Lackfarbe, Fliesen und beschichtete Möbelfronten mit Spülmittelwasser abwischen. Bei hartnäckigem Film hilft ein milder Allzweckreiniger.
  • Holzmöbel feucht, nicht nass abwischen und anschließend pflegen. Vorher an einer verdeckten Stelle testen.
  • Schränke und Schubladen innen auswischen und offen stehen lassen; eine Schale Natron oder Aktivkohle hinein stellen.
  • Gestrichene Wände, die weiter riechen, brauchen einen neuen Anstrich. Einfach überstreichen hilft aber nicht: Der Geruch schlägt durch. Maler verwenden dafür eine isolierende oder geruchssperrende Grundierung, anschließend wird neu gestrichen. Bei Tapete ist Abreißen und Neutapezieren oft die sauberste Lösung.

Was bindet Gerüche, was überdeckt sie nur?

MittelWirkungEinsatz
Lüftenentfernt Geruch aus der Luftimmer als Erstes
Spülmittel, Essigwasserlösen den Rauchfilm von Flächenglatte, abwischbare Oberflächen (kein Naturstein bei Essig)
Natronbindet GerüchePolster, Teppich, Schränke, Textilien
Aktivkohlebindet Gerüche aus der LuftSchalen im Raum, Schränke, Kühlschrank
Kaffeepulverbindet wenig, überdeckt vor allemkurzfristig in kleinen Räumen
Essig in Schälchenschwach geruchsbindendergänzend
Raumspray, Duftöle, Zwiebelüberdecken nurkein Ersatz für Reinigung

Aktivkohle bekommen Sie als Granulat oder in Beuteln, etwa als Aktivkohle-Geruchsentferner. Eine Schale Natron oder Aktivkohle pro Raum, einige Tage stehen lassen, bei Bedarf erneuern.

Professionelle Betriebe setzen bei hartnäckigem Brandgeruch auch Ozongeräte ein. Ozon ist ein Reizgas; es darf nur in leeren Räumen ohne Menschen, Tiere und Pflanzen eingesetzt werden, danach muss gründlich gelüftet werden. Das ist nichts für den Heimgebrauch.

Brandgeruch aus der Mikrowelle

Nach verbranntem Popcorn riecht die Mikrowelle oft tagelang. So bekommen Sie das weg:

  1. Reste entfernen. Verkohltes auswischen, Drehteller spülen.
  2. Dampfen. Eine mikrowellengeeignete Schale mit Wasser und einem Schuss Essig oder Zitronensaft einige Minuten erhitzen, bis der Innenraum beschlägt. Tür danach einige Minuten geschlossen lassen, damit der Dampf wirkt.
  3. Auswischen. Innenraum samt Türdichtung abwischen und die Tür offen stehen lassen.
  4. Nachbinden. Hartnäckigen Restgeruch mit einer Schale Natron über Nacht im geschlossenen Gerät binden.

Keine Duftsprays oder Reiniger in den Innenraum sprühen, die nicht dafür vorgesehen sind.

Vorbeugen: Rauchmelder und Aufmerksamkeit

Rauchmelder sind in allen Bundesländern in Wohnungen Pflicht, vor allem in Schlafräumen, Kinderzimmern und Fluren. Sie reagieren auf Rauch, nicht auf Kohlenmonoxid. Wer eine Gastherme, einen Kamin oder einen Kaminofen hat, sollte zusätzlich einen CO-Melder installieren, denn Kohlenmonoxid ist geruchlos und wird von einem normalen Rauchmelder nicht erkannt. Und die älteste Regel der Küche gilt weiter: Wer Fett oder Öl erhitzt, bleibt am Herd. Weitere Tipps rund um Reinigung und Haushalt finden Sie in der Rubrik Reinigen & Putzen.

Häufige Fragen

Wie lange hält sich Brandgeruch in der Wohnung?

Nach angebranntem Essen verschwindet der Geruch bei gründlichem Lüften und Putzen meist nach ein bis zwei Tagen. Nach einem Brand mit Ruß kann er Wochen bleiben, wenn Wände, Polster und Textilien nicht gereinigt oder erneuert werden.

Ist Brandgeruch gesundheitsschädlich?

Der Geruch nach angebranntem Essen ist unangenehm, aber in der Regel harmlos, wenn gelüftet wird. Nach einem Wohnungsbrand kann der Ruß Schadstoffe enthalten. Dann Räume erst nach Freigabe nutzen, verrußte Flächen nicht mit bloßen Händen reinigen und die Sanierung einem Fachbetrieb überlassen. Wer nach Rauch Atembeschwerden, Kopfschmerzen oder Übelkeit hat, sollte ärztlichen Rat einholen.

Was neutralisiert Brandgeruch am schnellsten?

Durchzug. Danach das Abwischen aller Flächen und das Waschen der Textilien. Natron und Aktivkohle helfen bei den Resten. Duftsprays wirken schnell, überdecken den Geruch aber nur für kurze Zeit.

Bekomme ich Brandgeruch aus der Wand, ohne neu zu streichen?

Bei abwaschbaren Farben und Fliesen oft ja, mit Spülmittelwasser. Bei Raufaser und offenporiger Wandfarbe sitzt der Geruch in der Beschichtung. Dann hilft nur eine sperrende Grundierung und ein neuer Anstrich.

Zahlt die Versicherung die Beseitigung von Brandgeruch?

Bei einem Brandschaden übernimmt die Hausratversicherung in der Regel die Reinigung oder den Ersatz beschädigter Einrichtung, die Wohngebäudeversicherung Schäden am Gebäude. Angebranntes Essen ohne Brand ist kein Versicherungsfall. Maßgeblich sind Ihre Vertragsbedingungen; melden Sie den Schaden umgehend.