Silber putzen

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Angelaufenes Silber bekommen Sie am einfachsten mit der Alufolie-Methode wieder hell: eine Schüssel mit Alufolie auslegen, heißes Wasser mit Natron und Salz darauf, das Silber so hineinlegen, dass es die Folie berührt, und einige Minuten warten. Dabei wird der dunkle Belag in Silber zurückverwandelt, statt abgeschliffen zu werden. Für Stücke mit Steinen, gewollter Patina oder dünner Versilberung nehmen Sie besser ein Silberputztuch oder eine milde Politur.
Warum Silber schwarz wird
Silber reagiert mit Schwefelverbindungen aus der Luft, vor allem mit Schwefelwasserstoff. Dabei bildet sich auf der Oberfläche eine dünne Schicht Silbersulfid, erst gelblich, dann braun, schließlich schwarz. Mit Sauerstoff hat das wenig zu tun, auch wenn oft von „oxidiertem Silber“ die Rede ist. Schneller läuft Silber an in der Nähe von Eiern, Senf, Zwiebeln und Mayonnaise, von Gummi, Wolle und Filz, in feuchten Räumen und bei Schmuck auch durch Hautkontakt, Parfum und Kosmetik.
Sterlingsilber (gestempelt mit 925) besteht zu 92,5 Prozent aus Silber, den Rest macht meist Kupfer aus. Versilberte Gegenstände (bei Besteck oft mit 90 oder 100 gestempelt, einer Angabe zur Stärke der Silberauflage) haben dagegen nur eine dünne Silberschicht auf einem anderen Metall. Das ist für die Wahl der Methode wichtig: Jede Politur trägt etwas ab, und bei einer dünnen Schicht kommt irgendwann das Grundmetall durch.
Die Alufolie-Methode: so funktioniert die Elektrolyse
Legen Sie Silber und Aluminium in eine leitfähige, heiße Lösung, entsteht ein kleines galvanisches Element. Aluminium ist das unedlere Metall und gibt Elektronen ab, das Silbersulfid nimmt sie auf und wird wieder zu metallischem Silber. Der Schwefel wandert zum Aluminium. Deshalb riecht es während des Bads nach faulen Eiern: Es entweicht etwas Schwefelwasserstoff. Lüften Sie also und beugen Sie sich nicht über die Schüssel.
Was Sie brauchen: eine Schüssel aus Glas, Keramik oder Kunststoff (kein Metall), Alufolie, heißes Wasser, Natron und Kochsalz, eine Holz- oder Kunststoffzange, ein weiches Baumwolltuch.
- Schüssel auslegen. Den Boden mit Alufolie bedecken. Welche Seite oben liegt, ist gleich; matte und glänzende Seite wirken identisch.
- Lösung ansetzen. Heißes Wasser einfüllen, etwa kurz vor dem Kochen, und je Liter einen bis zwei Esslöffel Natron und einen Esslöffel Salz einrühren. Es schäumt kurz auf.
- Silber einlegen. Die Teile so hineinlegen, dass sie die Folie berühren und ganz bedeckt sind. Ohne Kontakt zur Folie passiert kaum etwas.
- Warten. Leicht angelaufenes Silber ist nach zwei bis fünf Minuten hell, stark geschwärztes braucht länger. Dicke Teile zwischendurch wenden, bei Bedarf mit frischer Lösung wiederholen.
- Abspülen und trocknen. Mit der Zange herausnehmen, unter klarem Wasser abspülen und sofort mit einem weichen Tuch trocken reiben. Das gibt zugleich den Glanz.
Natron allein, Salz allein oder Backpulver funktionieren ebenfalls, nur etwas langsamer; entscheidend sind der Kontakt zum Aluminium und warmes Wasser. Die Folie wird dabei dunkel und fleckig, sie gehört danach in den Abfall.
Wann die Alufolie-Methode nicht passt
- Gewollte Patina: Viele Schmuckstücke und Zierteile sind in den Vertiefungen absichtlich geschwärzt, damit Muster und Gravuren hervortreten. Das Bad wandelt auch diese dunklen Stellen um, und das Stück wirkt danach flach. Hier nur die erhabenen Flächen mit einem Silberputztuch behandeln.
- Steine, Perlen, Emaille, Kleber: Heißes Wasser und Salz können Perlen, Opale, Türkis oder Bernstein schädigen und Klebstoffe lösen.
- Gefüllte Griffe: Messer und Leuchter mit hohlem Griff sind oft mit Kitt gefüllt. Heißes Wasser lockert die Verbindung. Nur die Klinge oder die Oberfläche von außen behandeln.
- Versilbertes mit dünner Schicht: Das Bad selbst trägt kein Silber ab, das ist sein Vorteil. Es entfernt aber den Belag vollständig bis in die Poren, und bei abgenutzter Versilberung treten Stellen mit durchscheinendem Grundmetall dann deutlicher hervor. Gelegentlich ist es in Ordnung, als ständiges Putzmittel nicht.
- Antiquitäten und Wertstücke: Fragen Sie im Zweifel einen Goldschmied oder Restaurator, bevor Sie eine alte Patina entfernen.
Silberpolitur, Putztuch und Tauchbad
Eine Silberpolitur als Paste oder Creme enthält feine Putzkörper und oft einen Anlaufschutz. Sie wirkt gut bei mäßig angelaufenem Besteck und Tafelsilber, trägt aber mit jeder Anwendung eine hauchdünne Schicht ab. In geraden Bewegungen polieren, nicht kreisend, und gründlich abspülen, damit keine Reste in Ornamenten bleiben.
Ein Silberputztuch ist mit Pflegemitteln getränkt und das schonendste Werkzeug für Schmuck und leicht angelaufene Stücke. Es darf nicht gewaschen werden, sonst verliert es seine Wirkung. Ein Silberputztuch hält lange und gehört in jede Schmuckschublade.
Ein Silbertauchbad löst den Belag in Sekunden chemisch. Es ist sauer und entfernt auch gewollte Patina; lange Einwirkzeit kann die Oberfläche matt machen. Nur kurz eintauchen, sofort gründlich spülen, nicht für Steine und Perlen.
Hausmittel, die weniger taugen
Zahnpasta wird oft empfohlen. Sie enthält Putzkörper, die für Zahnschmelz gemacht sind, und schmirgelt das weiche Silber. Das Stück glänzt kurz, hat danach aber feine Kratzer und wird schneller wieder stumpf. Dasselbe gilt für Scheuermilch und Asche. Essig, Cola, Kartoffelwasser oder Rasierschaum lösen den Sulfidbelag kaum; mit etwas Glück reinigen sie Fett und Fingerspuren. Gebissreiniger entfernen allenfalls Schmutz, nicht aber das Schwarz.
Silberbesteck in der Spülmaschine
Massives Silberbesteck darf in die Spülmaschine, wenn es der Hersteller erlaubt, läuft dort aber schneller an. Zwei Regeln helfen: Silber nicht mit Edelstahl zusammen in denselben Besteckkorb legen, weil der Kontakt dunkle Flecken erzeugt, und das Besteck gleich nach dem Programm herausnehmen und trocken reiben. Versilbertes Besteck spülen Sie besser von Hand mit warmem Wasser und Spülmittel. Wie Sie Edelstahlbesteck behandeln, lesen Sie unter Edelstahl reinigen.
Silber richtig aufbewahren
- Luftdicht verpacken: Schmuck in kleine Druckverschlussbeutel, Besteck in Anlaufschutz-Beutel oder mit Silberschutztuch ausgeschlagene Kästen.
- Trocken lagern: ein Tütchen Silikagel in der Schublade bindet Feuchtigkeit.
- Weg von Gummi und Filz: Gummibänder, Wollfilz und Karton mit Schwefelanteil beschleunigen das Anlaufen.
- Tragen hilft: Oft getragener Schmuck läuft weniger an, weil er ständig leicht poliert wird. Vor dem Duschen, Schwimmen und Eincremen trotzdem ablegen.
Kupfer und Messing laufen aus ähnlichen Gründen an, brauchen aber andere Mittel; sie stehen im Beitrag Messing und Kupfer reinigen. Weitere Tipps für schöne Dinge im Haus finden Sie in der Rubrik Wohnen.
Häufige Fragen
Wie putze ich eine Silberkette am besten?
Glatte Ketten ohne Steine vertragen das Bad mit Alufolie, Natron und Salz gut; danach abspülen und sorgfältig trocknen, auch in den Gliedern. Ketten mit Anhängern, Steinen oder geschwärzten Details reinigen Sie lieber mit lauwarmem Spülmittelwasser, einer weichen Bürste und einem Silberputztuch.
Kann ich Silber mit Backpulver und Alufolie putzen?
Ja. Backpulver enthält Natron und funktioniert in der Alufolie-Methode ebenfalls, wirkt aber etwas schwächer als reines Natron mit Salz.
Ist die Alufolie-Methode schädlich für Silber?
Für massives, glattes Silber nein, weil sie nichts abträgt. Sie entfernt aber auch erwünschte Schwärzungen, kann Steine und Klebungen schädigen und macht abgenutzte Versilberungen sichtbarer.
Wie oft sollte man Silber putzen?
So selten wie möglich. Regelmäßig benutztes und gut aufbewahrtes Silber braucht oft nur warmes Spülwasser und ein trockenes Tuch. Intensiv putzen Sie erst, wenn sich ein gelblicher oder dunkler Schimmer zeigt.



