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haushalt&wohnen

Rauchgeruch und Nikotin aus der Wohnung entfernen

Christoph · 5 Min. Lesezeit

Gestapelte Zigaretten, eine davon glimmt mit Asche an der Spitze
Rauchgeruch haftet als Nikotin- und Teerfilm auf Wänden, Möbeln und Textilien
Inhalt9 Abschnitte
  1. Warum Rauch so hartnäckig ist
  2. Erst lüften, dann alles Lose raus
  3. Textilien und Kleidung
  4. Wände und Decken: abwaschen, dann sperrend streichen
  5. Möbel, Polster, Teppich
  6. Was bindet, was überdeckt?
  7. Ozongeräte: wirksam, aber nicht harmlos
  8. Rauchgeruch aus dem Auto entfernen
  9. Häufige Fragen

Rauchgeruch bekommen Sie aus der Wohnung, wenn Sie den Belag entfernen, in dem er steckt. Zigarettenrauch hinterlässt einen klebrigen Film aus Teer und Nikotin auf Wänden, Decken, Fenstern und Möbeln und dringt tief in Vorhänge, Teppiche und Polster ein. Lüften allein reicht deshalb nie. Die Reihenfolge lautet: Textilien waschen, Flächen abwaschen, Wände sperrend streichen, Polster und Teppiche reinigen. Duftsprays überdecken nur, und das auch nur kurz.

Warum Rauch so hartnäckig ist

Tabakrauch besteht aus Gasen und winzigen Partikeln. Die Partikel lagern sich auf allen Oberflächen ab und bilden mit der Zeit eine gelbbraune Schicht, die man an vergilbten Wänden und Lichtschaltern sieht. Aus dieser Schicht gasen Geruchsstoffe über Monate und Jahre wieder aus, besonders bei Wärme und Feuchtigkeit. Fachleute sprechen von „Thirdhand Smoke“, also Rauchrückständen, die bleiben, lange nachdem geraucht wurde. Wer eine Raucherwohnung übernimmt, riecht deshalb oft erst nach dem Einzug, im ersten warmen Sommer oder wenn die Heizung läuft, wie viel noch drinsteckt.

Erst lüften, dann alles Lose raus

  1. Querlüften. Mehrmals täglich Fenster auf gegenüberliegenden Seiten weit öffnen. Das senkt den Geruch in der Luft, ersetzt aber keine Reinigung. Mehr dazu im Beitrag richtig lüften.
  2. Quellen entfernen. Aschenbecher leeren und spülen, Zigarettenreste und Müll aus der Wohnung schaffen.
  3. Textilien abnehmen. Vorhänge, Gardinen, Kissenbezüge, Decken und Teppiche aus den Räumen holen. Sie sind die größten Geruchsspeicher und sollen nicht während der Wandreinigung wieder etwas aufnehmen.

Textilien und Kleidung

Waschbares waschen Sie mit Vollwaschmittel bei der höchsten erlaubten Temperatur, bei starkem Geruch nach mehrstündigem Einweichen. Ein Schuss Essig ins Weichspülerfach neutralisiert zusätzlich etwas Geruch. Häufig ist ein zweiter Waschgang nötig; erst wenn nichts mehr zu riechen ist, in den Trockner, denn Hitze kann Restgeruch fixieren. Vergilbte Gardinen aus weißem Stoff hellt Sauerstoffbleiche auf.

Nicht Waschbares wie Mäntel, Anzüge oder schwere Vorhänge gehört in die Reinigung. Einzelne Stücke können Sie vorher ein, zwei Tage im Freien auslüften oder mit Natron in einem großen Beutel über Nacht lagern und dann ausschütteln.

Wände und Decken: abwaschen, dann sperrend streichen

Der Nikotinfilm an den Wänden ist die Hauptquelle des Geruchs. Einfach überstreichen hilft nicht: Nikotin ist wasserlöslich und schlägt durch normale Dispersionsfarbe durch, oft schon nach wenigen Tagen als gelbe Flecken.

  1. Abwaschen. Abwaschbare Wände, Türen, Fensterrahmen und Heizkörper mit warmem Wasser und einem fettlösenden Reiniger oder Spülmittel abwaschen. Mit dem Schwamm von unten nach oben arbeiten, damit keine Laufspuren entstehen, und mit klarem Wasser nachwischen. Das Wasser wird erstaunlich schnell braun.
  2. Trocknen lassen. Vor dem Streichen muss die Wand vollständig trocken sein.
  3. Sperrend grundieren. Eine Isoliergrundierung oder Isolierfarbe, im Handel auch als Nikotinsperre bezeichnet, schließt Nikotin und Geruch ein. Nach Herstellerangabe auftragen, einige Produkte sind lösemittelhaltig, dann gut lüften.
  4. Neu streichen. Danach mit normaler Wandfarbe deckend streichen.

Die Decke nicht vergessen: Rauch steigt nach oben, dort ist der Belag oft am dicksten. Bei Raufaser, die sich kaum abwaschen lässt, ist Abreißen und Neutapezieren manchmal die gründlichere Lösung. Isolierfarbe gegen Nikotin gibt es im Baumarkt und online. In einer Mietwohnung gilt: Wer beim Auszug stark vergilbte Wände hinterlässt, muss sie meist auf eigene Kosten sanieren lassen; die Einzelheiten hängen vom Mietvertrag ab.

Möbel, Polster, Teppich

  • Glatte Möbel mit Spülmittelwasser abwischen, Schränke und Schubladen innen ebenfalls. Holz nur nebelfeucht behandeln.
  • Polster gründlich absaugen, Natron einbürsten und 24 Stunden wirken lassen, dann absaugen. Abnehmbare Bezüge waschen.
  • Teppich und Polster mit Sprühextraktion reinigen, also Reinigungslösung einsprühen und sofort wieder absaugen. Ein Teppichreinigungsgerät lässt sich in vielen Baumärkten leihen; für Sofas eignet sich ein Polsterreinigungsgerät.
  • Matratzen aus Raucherhaushalten nehmen viel auf. Ist der Geruch nach Lüften und Natron noch da, lohnt der Ersatz eher als weitere Versuche.
  • Fenster, Lampen, Elektronik: Glas mit Glasreiniger, Lampenschirme vorsichtig absaugen oder feucht abwischen. Staubsaugerfilter und die Filter von Dunstabzug und Luftreiniger danach austauschen.

Was bindet, was überdeckt?

Natron, Aktivkohle und Essig in offenen Schalen binden Restgerüche in der Luft ein wenig und eignen sich für Schränke und kleine Räume. Kaffeepulver überdeckt eher. Raumsprays, Duftkerzen und Duftöle kaschieren den Geruch für Stunden, dann ist er wieder da. Ein Luftreiniger mit Aktivkohlefilter kann Gerüche aus der Raumluft reduzieren, entfernt aber nichts von den Wänden. Die gleiche Einordnung finden Sie ausführlicher im Beitrag Brandgeruch entfernen.

Ozongeräte: wirksam, aber nicht harmlos

Ozongeneratoren werden zum Kauf und zur Miete angeboten und von Sanierungsfirmen gegen hartnäckigen Rauchgeruch eingesetzt. Ozon ist ein aggressives Gas, das Geruchsstoffe zersetzt. Es reizt aber die Atemwege, Augen und Schleimhäute, schon in geringer Konzentration. Deshalb: nur in unbewohnten, verschlossenen Räumen, Menschen, Haustiere und Pflanzen vorher heraus, nach der Behandlung ausreichend lange warten und gründlich lüften, bevor jemand den Raum wieder betritt. Ozon kann außerdem Gummi, manche Kunststoffe und Textilien angreifen. Wer das nicht sicher im Griff hat, beauftragt besser eine Fachfirma. Und auch Ozon wirkt erst nach dem Putzen gut; den Nikotinfilm an den Wänden ersetzt es nicht.

Rauchgeruch aus dem Auto entfernen

Im Auto gelten dieselben Regeln auf engerem Raum:

  1. Aschenbecher und Müll entfernen, Aschenbecher reinigen.
  2. Innenraum absaugen, auch unter den Sitzen und in den Ritzen.
  3. Harte Flächen abwischen: Armaturenbrett, Türverkleidungen, Lenkrad und Scheiben innen. Der Schmierfilm auf der Windschutzscheibe verschwindet mit Glasreiniger.
  4. Polster und Himmel: Stoffsitze mit Natron behandeln und absaugen oder mit Sprühextraktion reinigen. Den Dachhimmel nur vorsichtig und wenig feucht behandeln, sonst kann sich der Stoff lösen.
  5. Innenraumfilter tauschen. Er hat viel Rauch aufgenommen und bläst ihn sonst immer wieder in den Wagen.

Bei starkem Geruch bieten Fahrzeugaufbereiter eine Innenraumreinigung an, teils mit Ozonbehandlung.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis Rauchgeruch aus der Wohnung verschwindet?

Nach gelegentlichem Rauchen reichen oft einige Tage Lüften und Waschen. Wurde über Jahre in der Wohnung geraucht, verschwindet der Geruch erst, wenn Wände gestrichen, Textilien gewaschen oder ersetzt und Polster gereinigt sind. Das ist eine Sache von Tagen bis Wochen Arbeit, nicht von Warten.

Hilft Essig gegen Rauchgeruch?

Essigwasser löst den fettigen Film von glatten Flächen und neutralisiert etwas Geruch. Schälchen mit Essig binden in der Luft nur wenig. Auf Naturstein, Gummi und Aluminium keinen Essig verwenden.

Warum werden frisch gestrichene Wände wieder gelb?

Weil das Nikotin durch normale Wandfarbe hindurchwandert. Vorher abwaschen und mit einer Isolier- oder Sperrgrundierung streichen verhindert das.

Ist Rauchgeruch in der Wohnung schädlich?

Die Rückstände enthalten Schadstoffe aus dem Tabak, die über Haut und Atemluft aufgenommen werden können; besonders Kleinkinder, die viel auf dem Boden spielen, sind betroffen. Eine gründliche Reinigung ist deshalb nicht nur eine Frage des Geruchs.