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Zungenreiniger: Anwendung, Arten und ob man ihn braucht

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Blau-weißer Zungenschaber aus Kunststoff mit Metallschlaufe
Ein Zungenschaber wird von hinten nach vorn über die Zunge gezogen
Inhalt9 Abschnitte
  1. Was Zungenbelag ist – und was normal ist
  2. Was bringt ein Zungenreiniger wirklich?
  3. Schaber, Bürste oder Kombination: die Arten im Vergleich
  4. Anwendung Schritt für Schritt
  5. Typische Fehler
  6. Reinigen und austauschen
  7. Wann lieber nicht?
  8. Wann zum Zahnarzt oder Arzt?
  9. Häufige Fragen

Ein Zungenreiniger ist ein flacher Schaber oder eine kleine Bürste, mit der sich der Belag vom Zungenrücken abziehen lässt. Das kann Mundgeruch mindern, weil ein großer Teil der geruchsbildenden Bakterien auf der Zunge sitzt – eine Pflicht für gesunde Zähne ist es aber nicht. Wer ihn benutzt, sollte es sanft tun: von hinten nach vorn, ohne Druck, einmal am Tag.

Was Zungenbelag ist – und was normal ist

Der Zungenrücken ist keine glatte Fläche, sondern ein Teppich aus winzigen Erhebungen, den Papillen. Dazwischen sammeln sich abgestoßene Zellen, Speisereste und Bakterien. Ein dünner, weißlicher Belag, vor allem im hinteren Drittel und morgens nach dem Aufstehen, ist normal und kein Zeichen einer Krankheit. Kauen, Sprechen und Speichel reiben einen Teil davon im Lauf des Tages ab.

Dicker wird der Belag bei weicher Kost, Mundtrockenheit, Rauchen, Mundatmung in der Nacht oder wenn man wegen einer Erkältung wenig isst. Manche Bakterien im Belag zersetzen Eiweiße und setzen dabei Schwefelverbindungen frei – sie riechen so, wie man es von Mundgeruch kennt.

Was bringt ein Zungenreiniger wirklich?

Die ehrliche Antwort: etwas, aber weniger, als die Werbung verspricht.

  • Mundgeruch: Die Ursache liegt in den allermeisten Fällen im Mund – auf der Zunge, in den Zahnzwischenräumen, an entzündetem Zahnfleisch. Dass die Zungenreinigung die Schwefelverbindungen in der Atemluft senkt, haben kleine Studien gemessen. Die unabhängige Cochrane-Zusammenarbeit bewertet die Belege jedoch als schwach: wenige Teilnehmer, kurze Dauer, ein kleiner und nur kurz anhaltender Effekt. Welche Maßnahme gegen Mundgeruch am besten wirkt, lässt sich danach nicht sicher sagen.
  • Zungenbelag: Er wird sichtbar weniger, mit Schaber wie mit Bürste.
  • Karies und Zahnfleisch: Ein Schutz der Zähne oder des Zahnfleischs durch die Zungenreinigung ist nicht belegt. In den Leitlinien zur Vorbeugung von Zahnfleischentzündungen spielt sie keine Rolle.
  • Geschmack: Manche Menschen berichten, intensiver zu schmecken. Belegt ist das nur durch einzelne kleine Untersuchungen.

Unterm Strich ist der Zungenreiniger ein brauchbares Zusatzgerät für Menschen mit starkem Belag oder Mundgeruch, der von der Zunge ausgeht. Schaden richtet er bei sanfter Anwendung nicht an. Wer keinen Belag und keinen Mundgeruch hat, verpasst ohne ihn nichts.

Schaber, Bürste oder Kombination: die Arten im Vergleich

ArtSo arbeitet sieFür wen
Schaber aus Kunststoff (Schlaufe oder Lippe am Stiel)zieht den Belag mit einer flachen Kante abEinsteiger; flach, wenig Würgereiz
Schaber aus Edelstahl oder Kupfer (U-Bügel)wird mit beiden Händen geführt, breite Kantewer ein langlebiges Gerät möchte; lässt sich heiß reinigen
Zungenbürstekurze, weiche Borsten lösen Belag aus den Furchenstark gefurchte Zunge; löst eher Würgereiz aus
Kombination aus Bürste und Schabererst lösen, dann abziehendicker Belag
Rückseite der Zahnbürste, Aufsatz der elektrischen BürsteNoppen lösen den Belagzum Ausprobieren

Für die Frage, ob Schaber oder Bürste besser reinigt, gibt es keinen klaren Sieger. In den wenigen Vergleichen schnitten spezielle Schaber etwas besser ab als die normale Zahnbürste, der Unterschied war aber klein. Praktisch entscheidet der Würgereiz: Je flacher das Gerät, desto weiter kommt man nach hinten. Ein Esslöffel tut es zur Not auch, ist aber unhandlich. Kanten sollten glatt und abgerundet sein; scharfe Grate haben auf der Zunge nichts zu suchen.

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Anwendung Schritt für Schritt

  1. Zeitpunkt wählen. Einmal täglich genügt, am besten morgens oder abends zusammen mit dem Zähneputzen. Ob davor oder danach, ist nicht entscheidend.
  2. Zunge weit herausstrecken. Vor dem Spiegel, mit entspannter Zunge. Wer mag, hält die Zungenspitze mit einem Stück Mull fest.
  3. Hinten ansetzen. So weit hinten, wie es ohne Würgen geht. Ruhig durch die Nase atmen oder beim Ziehen ausatmen – das dämpft den Würgereiz.
  4. Mit leichtem Druck nach vorn ziehen. Immer von hinten nach vorn, nie hin und her. Der Schaber soll gleiten, nicht kratzen.
  5. Abspülen und wiederholen. Nach jedem Zug das Gerät unter fließendem Wasser abspülen. Drei bis fünf Züge reichen: Mitte, linke Seite, rechte Seite.
  6. Mund ausspülen. Mit Wasser nachspülen und den Reiniger säubern.

Die Zunge darf danach rosig aussehen, aber nicht brennen oder bluten. Ein Rest von Belag ganz hinten ist normal und muss nicht weg.

Typische Fehler

  • Zu viel Druck. Die Papillen sind empfindlich. Wer schrubbt, reizt die Zunge und erreicht das Gegenteil.
  • Zu oft. Mehrmals täglich bringt keinen Zusatznutzen.
  • Hin- und herbewegen. Damit verteilt man den Belag nach hinten, statt ihn zu entfernen.
  • Zu weit hinten ansetzen. Die großen, kreisförmig angeordneten Erhebungen am Zungengrund sind normale Geschmackspapillen, kein Belag – sie werden nicht weggeschabt.
  • Mundgeruch nur überdecken. Hält er an, steckt oft etwas anderes dahinter als die Zunge.

Reinigen und austauschen

Nach jeder Benutzung gründlich unter heißem Wasser abspülen, bei Bürsten die Borsten mit dem Daumen durchstreifen, dann stehend oder hängend an der Luft trocknen lassen – nicht im geschlossenen Becher. Schaber aus Edelstahl vertragen kochendes Wasser oder die Spülmaschine; bei Kunststoff gilt die Herstellerangabe. Kupfer läuft mit der Zeit dunkel an, das ist nur ein Schönheitsfehler.

Kunststoffschaber und Zungenbürsten werden wie eine Zahnbürste nach etwa drei Monaten ersetzt, außerdem sofort, wenn Kanten rau werden oder Borsten sich verbiegen, und nach einer Infektion im Mund. Jeder im Haushalt hat sein eigenes Gerät. Wie Sie die übrigen Helfer im Zahnputzbecher sauber halten, steht in den Beiträgen Elektrische Zahnbürste reinigen und Zahnschiene reinigen.

Wann lieber nicht?

Lassen Sie den Zungenreiniger weg, solange die Zunge wund ist, brennt oder Bläschen und Aphthen hat, nach Eingriffen im Mund und bei einem frischen Zungenpiercing. Eine Landkartenzunge – rote, wandernde Flecken mit hellem Rand – ist harmlos, aber empfindlich; hier nur sehr sanft oder gar nicht reinigen. Bei kleinen Kindern ist ein Zungenreiniger nicht nötig.

Wann zum Zahnarzt oder Arzt?

  • Mundgeruch bleibt trotz Zähneputzen, Zwischenraumpflege und Zungenreinigung länger als zwei bis drei Wochen. Häufig stecken Zahnfleischentzündungen, Karies, schlecht sitzender Zahnersatz oder Mundtrockenheit dahinter; seltener liegt die Ursache in Nase, Mandeln oder Magen.
  • Weißer Belag, der sich nicht abwischen lässt, oder weiße und rote Flecken an Zunge, Wange oder Mundboden.
  • Abwischbarer, dicker weißer Belag mit geröteter, brennender Schleimhaut darunter – das kann ein Pilz sein.
  • Wunde Stellen, Knoten oder Geschwüre, die nach zwei Wochen nicht abgeheilt sind.
  • Schwarzer oder brauner, „haariger“ Belag, Zungenbrennen, Schluckbeschwerden oder eine geschwollene Zunge. Schwillt die Zunge plötzlich an und fällt das Atmen schwer: 112.

Häufige Fragen

Braucht man einen Zungenreiniger wirklich?

Nein. Für gesunde Zähne und gesundes Zahnfleisch zählen das Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta und die Reinigung der Zwischenräume. Wie das geht, steht im Beitrag Zahnseide richtig benutzen. Der Zungenreiniger ist eine Ergänzung für alle, die Belag oder Mundgeruch stört.

Reicht die Zahnbürste für die Zunge?

Für viele ja. Die Borsten oder die genoppte Rückseite lösen Belag ebenfalls. Der Bürstenkopf ist aber höher als ein Schaber und löst deshalb leichter Würgereiz aus.

Wie oft sollte man die Zunge reinigen?

Einmal täglich reicht. Wer wenig Belag hat, kommt auch mit zwei- bis dreimal in der Woche aus.

Hilft ein Zungenreiniger dauerhaft gegen Mundgeruch?

Er hilft nur, solange man ihn benutzt, und nur, wenn die Zunge die Quelle ist. Der gemessene Effekt hält nicht lange an. Sitzt die Ursache zwischen den Zähnen oder am Zahnfleisch, ändert er wenig.

Ersetzt eine Munddusche den Zungenreiniger?

Nein. Der Wasserstrahl spült lose Reste weg, zieht aber keinen haftenden Belag ab. Wofür das Gerät taugt, steht im Beitrag Munddusche.