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Asbest entsorgen: was Laien wissen müssen

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Alte gewellte Dachplatten unter blauem Himmel
Alte Wellplatten können Asbest enthalten – nicht selbst brechen oder schleifen
Inhalt8 Abschnitte
  1. Warum Asbest so heikel ist
  2. Wo Asbest im Haus stecken kann
  3. Wohin gehört Asbest?
  4. Warum Sie Asbest nicht selbst ausbauen sollten
  5. Wie Asbest verpackt und angeliefert wird
  6. Kosten
  7. Typische Fehler
  8. Häufige Fragen

Asbest entsorgen Sie nie über den Hausmüll, den Bauschutt-Container oder den Sperrmüll. Asbesthaltige Baustoffe sind gefährlicher Abfall: Sie werden staubdicht verpackt und nur bei Annahmestellen abgegeben, die dafür zugelassen sind. Das Ausbauen selbst ist keine Heimwerkerarbeit, weil dabei krebserregende Fasern frei werden können. Dieser Ratgeber erklärt, woran Sie Asbest erkennen, wer ihn entfernen darf und wie die Entsorgung abläuft – eine Anleitung zum Selbst-Abbauen ist er bewusst nicht.

Warum Asbest so heikel ist

Asbest ist ein faseriges Mineral, das jahrzehntelang als billiger, feuerfester und stabiler Baustoff galt. Seine Fasern sind so fein, dass sie beim Einatmen tief in die Lunge gelangen und dort bleiben. Sie können Jahrzehnte später Asbestose, Lungenkrebs und Tumoren des Rippenfells auslösen. In Deutschland ist die Herstellung und Verwendung von Asbest seit 1993 verboten, in vielen älteren Gebäuden steckt er aber noch.

Solange asbesthaltiges Material fest gebunden und unbeschädigt ist, gibt es kaum Fasern ab. Gefährlich wird es, sobald man es bearbeitet: bohren, sägen, brechen, schleifen, abkratzen oder mit dem Hochdruckreiniger abstrahlen. Genau das passiert beim Ausbauen. Deshalb gilt der Grundsatz: nicht anfassen, bevor klar ist, was es ist.

Wo Asbest im Haus stecken kann

Verdächtig ist alles, was vor 1993 eingebaut wurde. Typische Stellen:

  • Asbestzement („Eternit“ ist ein Markenname, der oft für alle Platten steht): Wellplatten auf Garagen und Schuppen, Fassadenplatten, Dachschindeln, Blumenkästen, Lüftungsrohre.
  • Bodenbeläge: alte Vinyl-Asbest-Platten („Floor-Flex“), meist quadratisch, und schwarze Kleber darunter.
  • Nachtspeicheröfen älterer Baujahre, Brandschutzplatten, Dichtungen an alten Öfen und Heizkesseln.
  • Spachtelmassen, Fliesenkleber und Putze aus den 1960er- bis 1980er-Jahren, in denen Asbest als Zusatz vorkommen kann.

Mit bloßem Auge lässt sich Asbest nicht sicher erkennen. Gewissheit bringt nur eine Materialprobe, die ein Labor untersucht. Viele Labore bieten das für Privatleute an; die Probe entnimmt am besten ein Fachbetrieb oder ein Sachverständiger, weil schon das Abbrechen eines Stücks Fasern freisetzt. Wer nicht untersuchen lässt, sollte verdächtiges Material so behandeln, als enthielte es Asbest.

Wohin gehört Asbest?

WasRichtiger Weg
Intakte Asbestzementplatten, die bleiben dürfennicht anfassen, nicht reinigen, nicht bearbeiten
Asbestzement, der ausgebaut wirdFachbetrieb; Entsorgung staubdicht verpackt über eine zugelassene Annahmestelle
Einzelne Platten oder Blumenkästen aus Privathaushaltnur nach Rücksprache mit der Abfallberatung; manche Kommunen nehmen Kleinmengen verpackt an
Bodenplatten, Kleber, Spachtel, Nachtspeicheröfenausschließlich Fachbetrieb
Bruchstücke, Staub, Reste auf dem Grundstücknicht zusammenfegen oder saugen; Fachbetrieb oder Abfallberatung fragen

Die Regeln unterscheiden sich von Ort zu Ort erheblich. Welche Annahmestelle in Ihrer Region Asbest nimmt, ob Sie sich anmelden müssen und wie verpackt werden muss, steht in der Abfallsatzung Ihrer Stadt oder Ihres Landkreises; am schnellsten erfahren Sie es bei der Abfallberatung oder in der Abfall-App. Hier steht nur der Regelfall in Deutschland. Ein normaler Wertstoffhof nimmt Asbest häufig nicht an, auch das Schadstoffmobil ist meist nicht zuständig.

Warum Sie Asbest nicht selbst ausbauen sollten

Arbeiten an asbesthaltigen Materialien sind in Deutschland streng geregelt. Abbruch- und Sanierungsarbeiten dürfen grundsätzlich nur Betriebe ausführen, die dafür sachkundig sind und die Arbeit vorher bei der zuständigen Behörde anzeigen. Für private Eigentümer gibt es in manchen Bundesländern Ausnahmen für kleine Mengen Asbestzement, die sich zerstörungsfrei abnehmen lassen – die Bedingungen legt aber die Behörde fest, nicht der Baumarkt. Fragen Sie im Zweifel beim Gewerbeaufsichtsamt oder Umweltamt nach.

Ausdrücklich verboten sind Arbeiten, die die Oberfläche von Asbestzement abtragen: Abschleifen, Abbürsten und das Reinigen mit dem Hochdruckreiniger. Auch Überstreichen oder Beschichten alter Asbestdächer ist nicht erlaubt. Wer Moos vom alten Garagendach „mal eben“ abspritzt, verteilt Fasern im ganzen Garten und bei den Nachbarn.

Selbst wenn Sie sich unsicher sind, ob überhaupt Asbest vorliegt, sind die folgenden Schritte richtig:

  1. Material in Ruhe lassen. Nicht anbohren, nicht abbrechen, nichts herausreißen.
  2. Baujahr prüfen. Baujahr des Hauses und Renovierungen klären, alte Rechnungen oder Baupläne heraussuchen.
  3. Untersuchen lassen. Einen Fachbetrieb oder Sachverständigen eine Probe entnehmen und im Labor untersuchen lassen.
  4. Abfallberatung anrufen. Klären, welche Annahmestelle zuständig ist und ob Privatleute anliefern dürfen.
  5. Angebote einholen. Bei Asbestbefund mehrere Fachbetriebe anfragen; seriöse Betriebe übernehmen Ausbau, Verpackung und Entsorgungsnachweis.

Wie Asbest verpackt und angeliefert wird

Asbestabfall muss staubdicht verpackt sein. Dafür gibt es reißfeste Spezialsäcke und sogenannte Platten-Bags, in die ganze Wellplatten passen; sie sind meist gekennzeichnet, damit an der Annahmestelle jeder weiß, was darin ist. Platten werden dabei möglichst unzerbrochen und leicht angefeuchtet verpackt. Offen auf dem Anhänger transportierte Platten oder Bruchstücke in einem normalen Müllsack weist die Annahmestelle in der Regel ab.

Einen Fachbetrieb brauchen Sie auch deshalb, weil er die richtige Schutzausrüstung, geeignete Sauger mit Spezialfiltern und das Wissen hat, wie man den Arbeitsbereich abschottet. Im Privathaushalt fehlt all das. Achten Sie bei der Auswahl darauf, dass der Betrieb die Sachkunde für Asbestarbeiten nachweisen kann und Ihnen die ordnungsgemäße Entsorgung schriftlich bestätigt.

Kosten

Die Entsorgung von Asbest kostet fast überall Geld. Annahmestellen rechnen nach Gewicht oder je Gebinde ab, dazu kommen die Kosten für Spezialsäcke oder Platten-Bags. Den größten Posten macht meist der Fachbetrieb aus, der Ausbau, Verpackung und Transport übernimmt. Wie hoch die Summe ausfällt, hängt stark von Menge, Material und Region ab; bei einem Garagendach sieht die Rechnung anders aus als bei einer ganzen Fassade. Holen Sie mehrere Angebote ein und lassen Sie sich die Entsorgungskosten getrennt ausweisen.

Typische Fehler

  • Asbestplatten in den Bauschutt-Container werfen. Ein Container mit Asbest wird zum Sonderfall, und die Entsorgung wird für den Auftraggeber sehr teuer. Was in normalen Bauschutt darf, steht in einem eigenen Ratgeber.
  • Platten zerbrechen, damit sie ins Auto passen. Genau dabei werden Fasern frei.
  • Staub mit dem Haushaltsstaubsauger aufsaugen. Normale Filter halten Asbestfasern nicht zurück, der Sauger bläst sie in die Raumluft.
  • Asbest am Straßenrand oder im Wald abladen. Das ist illegale Abfallablagerung und wird je nach Bundesland mit empfindlichen Bußgeldern geahndet.
  • Alte Bodenplatten mit dem Spachtel „schnell“ abstoßen. Kleber und Platten können beide Asbest enthalten; wer Fliesen entsorgen oder alten Bodenbelag loswerden will, klärt die Frage vorher.

Häufige Fragen

Darf ich Asbest selbst entsorgen?

Das Anliefern kleiner, verpackter Mengen erlauben manche Kommunen auch Privatleuten, andere nicht. Das Ausbauen ist grundsätzlich Sache von Fachbetrieben; Ausnahmen für Privatleute gibt es nur eng begrenzt und nach Vorgabe der Behörde. Fragen Sie zuerst die Abfallberatung.

Wie erkenne ich, ob meine Platten Asbest enthalten?

Sicher nur durch eine Laboranalyse. Hinweise sind ein Einbau vor 1993, graue, faserige Bruchkanten bei Zementplatten oder quadratische Vinyl-Bodenplatten aus den 1960er- bis 1980er-Jahren. Neuere, asbestfreie Platten sind oft entsprechend gekennzeichnet, aber auch darauf ist nicht immer Verlass.

Ist ein intaktes Asbestdach gefährlich?

Ein unbeschädigtes Dach aus Asbestzement gibt nur wenige Fasern ab, solange niemand es bearbeitet. Mit dem Alter verwittert die Oberfläche jedoch. Lassen Sie es von einem Fachbetrieb begutachten, bevor Sie Arbeiten planen, und reinigen Sie es auf keinen Fall mit dem Hochdruckreiniger.

Kann ich Asbestplatten zum Wertstoffhof bringen?

Nur, wenn Ihr Wertstoffhof ausdrücklich eine Asbestannahme hat. Viele Höfe nehmen Asbest gar nicht an und verweisen auf eine zentrale Deponie oder Annahmestelle des Landkreises, oft mit Anmeldung und festen Terminen.

Was mache ich, wenn beim Renovieren versehentlich Asbest bearbeitet wurde?

Arbeit sofort einstellen, den Raum verlassen, Türen schließen und nicht fegen oder saugen. Staubige Kleidung vorsichtig ausziehen und waschen. Danach einen Fachbetrieb hinzuziehen, der die Lage beurteilt und den Raum fachgerecht reinigt.