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Wespenfalle selber bauen? Warum sie wenig bringt und was besser hilft

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Mehrere Wespen sitzen auf dem Hals einer grünen Glasflasche
Süße Getränke locken Wespen an – eine Falle zieht deshalb eher mehr Tiere herbei
Inhalt8 Abschnitte
  1. Wie eine Wespenfalle funktioniert
  2. Warum die Falle am Tisch wenig bringt
  3. Was außer Wespen in die Falle geht
  4. Ist eine Wespenfalle erlaubt?
  5. Was besser hilft: ablenken, abdecken, aussperren
  6. Hausmittel im Kurzurteil
  7. Wenn die Wespen aus einem Nest am Haus kommen
  8. Häufige Fragen

Eine Wespenfalle selber zu bauen ist einfach, aber sie löst das Problem nicht: Sie fängt ein paar Dutzend Tiere aus einem Volk mit mehreren Tausend und lockt mit ihrem Duft zusätzliche Wespen in die Nähe. Außerdem sterben darin viele andere Insekten, und rechtlich ist das Töten von Wespen ohne vernünftigen Grund nicht erlaubt. Wer in Ruhe draußen essen möchte, kommt mit Abdecken, Ablenken und Fliegengittern deutlich weiter.

Wie eine Wespenfalle funktioniert

Das Prinzip ist bei gekauften und selbst gebauten Fallen dasselbe. Ein Gefäß enthält eine süße oder gärende Flüssigkeit – Saft, Zuckerwasser, Bier, Limonade – und hat einen engen, trichterförmigen Eingang. Bei der Eigenbau-Variante wird das obere Drittel einer Plastikflasche abgeschnitten und umgekehrt in den unteren Teil gesteckt. Die Wespen folgen dem Geruch hinein, finden den schmalen Ausgang nicht wieder, ermüden und ertrinken. Ein Tropfen Spülmittel, wie er in vielen Anleitungen steht, nimmt dem Wasser die Oberflächenspannung, damit die Tiere schneller untergehen.

Schnell und schmerzlos ist das nicht: Die Insekten kämpfen oft lange, bevor sie ertrinken. Eine genaue Bauanleitung lassen wir deshalb weg – nicht aus Prinzip, sondern weil das Ergebnis den Aufwand nicht lohnt.

Warum die Falle am Tisch wenig bringt

  • Die Größenordnung stimmt nicht. Ein Volk der Deutschen oder der Gemeinen Wespe zählt im Spätsommer mehrere tausend Tiere. Jede gefangene Arbeiterin wird laufend ersetzt.
  • Der Lockstoff lockt. Eine Falle soll Wespen anziehen, und genau das tut sie – auch solche, die Ihre Terrasse sonst gar nicht gefunden hätten. Steht sie neben dem Tisch, haben Sie mehr Anflug als vorher.
  • Geprüft wird nur das Anlocken. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass bei Lockstofffallen lediglich belegt sein muss, dass der Köder Wespen anzieht. Ob danach weniger Tiere am Tisch sitzen, wird nicht geprüft; die Behörde bezweifelt den Nutzen ausdrücklich.
  • Der Kuchen bleibt attraktiv. Wespen, die eine ergiebige Futterquelle kennen, fliegen sie gezielt wieder an. Eine Flasche mit Saft ändert daran nichts.

Was außer Wespen in die Falle geht

Süßes und Gärendes zieht viele Insekten an. In Wespenfallen finden sich regelmäßig Honigbienen, Wildbienen, Schwebfliegen, Florfliegen, Schmetterlinge und Käfer – Tiere, die Blüten bestäuben oder Blattläuse fressen. Auch Hornissen geraten hinein. Sie sind besonders geschützt, ebenso wie Wildbienen und Hummeln.

Hinzu kommt: Von den heimischen Wespenarten sind nur zwei am Kaffeetisch lästig. Alle anderen, etwa die schlanken Feldwespen mit den lang herabhängenden Beinen, interessieren sich nicht für Ihr Essen, landen aber trotzdem in der Falle. Lichtfallen mit UV-Lampe sind keine Alternative: Sie töten im Freien vor allem Nachtfalter und andere harmlose Insekten, das Umweltbundesamt rät davon ab.

Ist eine Wespenfalle erlaubt?

Wespenfallen werden frei verkauft, ein ausdrückliches Verbot der Falle als Gegenstand gibt es nicht. Entscheidend ist, was mit ihr geschieht. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz dürfen wild lebende Tiere nicht ohne vernünftigen Grund gefangen, verletzt oder getötet werden. Dass Wespen beim Essen lästig sind, gilt dafür in aller Regel nicht als ausreichend, zumal es mildere Mittel gibt.

Deutlich strenger ist die Lage bei besonders geschützten Arten wie Hornissen, Hummeln und Wildbienen: Sie dürfen auch mit Begründung nicht gefangen oder getötet werden, Ausnahmen erteilt nur die Naturschutzbehörde. Eine Falle unterscheidet aber nicht zwischen den Arten. Wer eine aufstellt, nimmt den verbotenen Beifang in Kauf. Verstöße können mit Bußgeldern geahndet werden, deren Höhe je nach Bundesland unterschiedlich ist und empfindlich ausfallen kann. Ob im Einzelfall tatsächlich ein Verfahren folgt, ist eine andere Frage – darauf verlassen sollte man sich nicht. Die Rechtslage rund um Nester erklärt der Ratgeber Wespen am Haus.

MaßnahmeWirkung am TischNachteile
Wespenfalle mit Lockflüssigkeitgering, lockt zusätzliche Tiere anBeifang, rechtlich heikel, Tiere verenden langsam
UV-Lichtfalle im Freiengeringtötet vor allem harmlose Nachtinsekten
Speisen und Getränke abdeckengutetwas Disziplin beim Essen
Ablenkfütterungoft gut, braucht ein paar Tage Vorlaufmuss täglich erneuert werden
Wasser aus der Sprühflaschegut für den Momentwirkt nur, solange jemand sprüht
Fliegengittersehr gut für Innenräumehilft nicht auf der Terrasse

Was besser hilft: ablenken, abdecken, aussperren

  1. Speisen abdecken. Kuchen, Obst, Wurst und Marmelade kommen unter Hauben und erst zum Essen auf den Tisch. Was Wespen nicht riechen und nicht erreichen, fliegen sie nicht an.
  2. Getränke schützen. Gläser abdecken, Dosen und dunkle Flaschen meiden, Kinder mit Trinkhalm trinken lassen. Ein Stich im Mund ist ein Notfall.
  3. Ablenkfütterung einrichten. Stellen Sie einige Meter vom Tisch entfernt einen Teller mit überreifem Obst auf, bewährt sind aufgeschnittene Weintrauben. Die Wespen gewöhnen sich an die bequeme Quelle und bleiben dort. Das klappt am besten, wenn der Teller schon ein paar Tage vor der Gartenfeier steht und immer an derselben Stelle. Honig und Marmelade eignen sich dafür nicht: Sie machen die Tiere eher unruhig, und Honig kann Krankheiten auf Bienen übertragen.
  4. Mit Wasser besprühen. Ein feiner Nebel aus der Blumenspritze lässt Wespen abdrehen – vermutlich halten sie ihn für Regen. Das schadet ihnen nicht und wird auch vom Umweltbundesamt genannt.
  5. Ruhig bleiben. Nicht schlagen, nicht anpusten. Das Kohlendioxid der Atemluft ist für Wespen ein Alarmsignal.
  6. Reste sofort abräumen. Teller, klebrige Gläser und Grillgut nach dem Essen wegbringen, Kindern Hände und Mund abwischen, Mülleimer und Biotonne geschlossen halten.
  7. Fenster sichern. Gegen Wespen in Küche und Schlafzimmer hilft ein Insektenschutz am zuverlässigsten.

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Fallobst im Garten zieht im Spätsommer viele Wespen an. Wer es regelmäßig aufsammelt, hat unter dem Apfelbaum deutlich weniger Betrieb.

Hausmittel im Kurzurteil

Kaffeepulver anzünden, Nelken in Zitronenhälften, Kupfermünzen auf dem Tisch, Basilikum und Duftöle: Für keines dieser Mittel ist eine verlässliche Wirkung belegt. Manche stören einzelne Tiere kurz, eine hungrige Wespe im August lässt sich davon kaum abhalten. Dasselbe gilt für Nestattrappen aus Papier, die fremde Wespen angeblich fernhalten – Wespen einer Art dulden durchaus Nachbarn, und die Tiere am Tisch suchen Futter, keinen Nistplatz.

Was dagegen gut funktioniert, sind Fallen für ganz andere Insekten: Fruchtfliegen in der Küche fängt eine Fruchtfliegenfalle sehr gezielt, und gegen Stubenfliegen gibt es Tipps im Ratgeber Fliegenfalle selber machen.

Wenn die Wespen aus einem Nest am Haus kommen

Fliegen auffallend viele Wespen immer dieselbe Stelle an – eine Ritze unter dem Dach, den Rollladenkasten, ein Loch im Boden –, sitzt dort ein Nest. Eine Falle davor zu hängen bringt nichts und macht die Tiere nur aufmerksam. Halten Sie Abstand und lassen Sie den Flugweg frei. Stört das Nest wirklich oder lebt ein Allergiker im Haus, ist ein Fachbetrieb zuständig, der nach Möglichkeit umsiedelt statt vernichtet. Wie das abläuft, steht unter Wespennest entfernen; für Nester im Boden gibt es den Ratgeber zu Erdwespen, für Hornissen den zum Hornissennest.

Ein Trost: Die Wespenzeit ist kurz. Wirklich aufdringlich sind die Tiere von etwa Ende Juli bis in den September, dann sterben die Völker ab.

Häufige Fragen

Darf ich eine Wespenfalle aufstellen?

Die Falle zu besitzen ist nicht verboten, das Töten von Wespen ohne vernünftigen Grund aber schon. Weil in der Falle auch besonders geschützte Arten sterben können, ist das Aufstellen rechtlich riskant. Sinnvoller und unbedenklich sind Abdecken und Ablenkfütterung.

Was lockt Wespen am stärksten an?

Im Frühsommer vor allem Eiweiß wie Fleisch und Wurst, weil damit die Larven gefüttert werden. Im Spätsommer suchen die Arbeiterinnen Zucker für sich selbst: Kuchen, reifes Obst, Limonade, Eis.

Wie weit entfernt sollte die Ablenkfütterung stehen?

Einige Meter vom Tisch, als Faustregel fünf bis zehn. Zu nah am Sitzplatz hätten Sie die Wespen weiter um sich, zu weit entfernt finden sie den Teller nicht als Ersatz.

Helfen Wespenfallen, wenn ein Nest in der Nähe ist?

Nein. Gegen ein ganzes Volk ist der Fang einzelner Tiere wirkungslos. Liegt das Nest an einer kritischen Stelle, rufen Sie einen Fachbetrieb.

Was tun bei einem Wespenstich?

Kühlen, nicht kratzen, beobachten. Bei Atemnot, Schwindel, Schwellungen im Gesicht oder einem Stich im Mund sofort den Notruf 112 wählen. Mehr dazu im Ratgeber Wespenstich: Hausmittel.