Fliegende Ameisen im Haus: warum sie schwärmen und was hilft

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Fliegende Ameisen tauchen an warmen Sommertagen scheinbar aus dem Nichts auf, oft zu Hunderten an Fenstern, auf der Terrasse oder im Wohnzimmer. Es sind die geflügelten Jungköniginnen und Männchen ganz gewöhnlicher Ameisenvölker, die zur Paarung ausschwärmen. Der Spuk dauert meist nur ein bis zwei Tage und richtet keinen Schaden an. Aufmerksam werden sollten Sie erst, wenn die Tiere tagelang aus dem Haus selbst kommen.
Fliegende Ameisen erkennen
Geflügelte Ameisen sehen aus wie die Arbeiterinnen derselben Art, nur mit vier durchsichtigen Flügeln und einem kräftigeren Körper. Bei der Schwarzen Wegameise, der häufigsten Art an Haus und Garten, sind die Königinnen mit etwa 8–9 mm deutlich größer als die 3–5 mm langen Arbeiterinnen; die Männchen sind kleiner und zierlicher. Beide sind dunkelbraun bis schwarz. Andere Arten, etwa die Gelbe Wiesenameise, schwärmen mit gelbbraunen Tieren.
Drei Merkmale unterscheiden Ameisen sicher von anderen kleinen Fluginsekten:
- Geknickte Fühler: Ameisenfühler haben einen deutlichen Knick wie ein angewinkelter Arm.
- Wespentaille: Zwischen Brust und Hinterleib sitzt ein dünner Stiel.
- Ungleiche Flügel: Die Vorderflügel sind klar länger als die Hinterflügel.
| Tier | Woran Sie es erkennen | Was es bedeutet |
| Fliegende Ameise | geknickte Fühler, dünne Taille, Vorderflügel länger; träger, unbeholfener Flug | Hochzeitsflug, nach kurzer Zeit vorbei |
| Trauermücke | 2–4 mm, zart, lange Beine, sitzt an Blumentöpfen | Larven leben in feuchter Blumenerde |
| Kleine Wespen und Schlupfwespen | schlanker, gerade Fühler, wendiger Flug, meist einzeln | in der Regel Einzeltiere von draußen |
| Termite | gerade Fühler, keine Taille, vier gleich lange Flügel | in Deutschland praktisch nur an wenigen, eng begrenzten Orten bekannt |
Nach dem Flug liegen oft einzelne Flügel auf Fensterbänken und Terrassenplatten. Das ist kein Zeichen für sterbende Tiere: Die begatteten Königinnen werfen ihre Flügel selbst ab, sobald sie gelandet sind.
Warum Ameisen schwärmen
Ein Ameisenvolk zieht einmal im Jahr geflügelte Geschlechtstiere heran. An einem passenden Tag verlassen sie das Nest, paaren sich in der Luft oder am Boden, und danach gehen die Wege auseinander: Die Männchen sterben innerhalb kurzer Zeit, die Königinnen suchen sich eine Stelle im Boden, um ein neues Volk zu gründen. Die allermeisten schaffen das nicht – sie werden von Vögeln, Spinnen und anderen Ameisen gefressen.
Auffällig ist, dass viele Völker einer Gegend am selben Tag schwärmen. Auslöser ist das Wetter: warm, schwül, windstill, häufig nach einem Regentag. Bei der Schwarzen Wegameise fällt der Hochzeitsflug meist in den Hochsommer, andere Arten fliegen früher oder später im Jahr. Deshalb wirkt es, als seien plötzlich überall fliegende Ameisen – auf dem Balkon im vierten Stock genauso wie im Garten.
Stechen oder beißen können die geflügelten Tiere der heimischen Wegameisen praktisch nicht. Sie übertragen keine Krankheiten und fressen im Haus nichts an. Lästig sind sie, gefährlich nicht.
Woher kommen fliegende Ameisen im Haus?
Entscheidend ist, ob die Tiere hereinfliegen oder im Haus schlüpfen.
Im häufigeren Fall kommen sie von draußen: durchs gekippte Fenster, die offene Terrassentür oder abends dem Licht nach. Sie sammeln sich dann an Fensterscheiben und Lampen, weil sie wieder ins Helle wollen. Das Nest liegt im Garten, unter den Terrassenplatten oder am Gehweg.
Im selteneren Fall kriechen die geflügelten Ameisen aus einer Fuge, einer Fußleiste, einer Steckdose, dem Dielenboden oder dem Rollladenkasten. Dann sitzt das Nest im Gebäude oder direkt in der Hauswand, etwa in der Dämmung, unter dem Estrich oder in einem Hohlraum. Typisch dafür:
- Die Tiere erscheinen über mehrere Tage, immer an derselben Stelle.
- Fenster und Türen waren geschlossen, und es sind trotzdem viele.
- Sie finden auch außerhalb der Schwarmzeit Ameisenstraßen im Raum.
- Aus Fugen rieselt feiner Sand, Dämmstoffkrümel oder Holzmehl.
Was tun, wenn der Schwarm in der Wohnung ist?
- Fenster und Türen schließen. Solange draußen geschwärmt wird, bleiben Fenster zu oder nur dort offen, wo ein Fliegengitter sitzt. Abends kein Licht bei offenem Fenster.
- Tiere hinauslassen oder absaugen. Ein Fenster weit öffnen, dann finden viele selbst hinaus. Der Rest lässt sich mit dem Staubsauger aufnehmen; den Beutel danach entsorgen oder den Behälter draußen leeren.
- Kein Insektenspray. Es tötet nur die Tiere, die es trifft, belastet die Raumluft und ändert nichts an der Ursache. Der Schwarm ist ohnehin gleich vorbei.
- Herkunft prüfen. Beobachten Sie zehn Minuten lang, ob Tiere aus einer Ritze nachkommen. Wenn nein: abwarten, Fall erledigt.
- Flügel und tote Tiere wegsaugen. Am nächsten Tag ist normalerweise Ruhe.
Wer im Sommer regelmäßig Besuch bekommt, ist mit einem Fliegengitter fürs Fenster gut bedient – es hält nebenbei auch Mücken und Wespen draußen.
Wenn das Nest im Haus sitzt
Kommen die geflügelten Ameisen aus dem Gebäude, hilft Abwarten nicht: Das Volk bleibt, auch wenn die Geschlechtstiere ausgeflogen sind.
- Austrittsstelle merken. Markieren Sie die Fuge oder Ritze, am besten mit einem Foto. Sie zeigt, wo das Nest ungefähr liegt.
- Art einschätzen. Kleine schwarze Tiere sind fast immer Wegameisen. Sind die Arbeiterinnen auffällig groß, über 1 cm, kommen Rossameisen infrage, die in feuchtem oder vorgeschädigtem Holz nisten.
- Köder statt Spray. Bei Wegameisen stellen Sie Fraßköder an die Laufwege der Arbeiterinnen. Diese tragen den Wirkstoff ins Nest. Wie das richtig geht, steht im Ratgeber Ameisenköder richtig anwenden.
- Feuchtigkeit suchen. Nester im Haus sitzen oft dort, wo es feucht ist: an undichten Fenstern, durchfeuchteten Balken, hinter der Dusche. Ohne die Ursache zu beheben, zieht das nächste Volk ein.
- Abdichten, wenn Ruhe ist. Erst wenn keine Ameisen mehr laufen, werden Fugen und Durchführungen mit Acryl oder Silikon geschlossen. Wer vorher abdichtet, sperrt das Volk ein und treibt es an anderer Stelle in den Raum.
Die Grundlagen zu Ameisenstraßen, Duftspuren und Zugängen finden Sie im Ratgeber Ameisen im Haus.
Wann zum Fachbetrieb?
Ein Schädlingsbekämpfer oder Holzschutz-Sachverständiger sollte kommen, wenn
- geflügelte Ameisen mehrere Jahre in Folge an derselben Stelle im Haus schlüpfen,
- große Ameisen im Spiel sind und Holzmehl aus Balken, Fensterrahmen oder Fachwerk rieselt,
- das Nest in der Dämmung oder im Dach vermutet wird und Köder nach einigen Wochen nichts ändern,
- winzige gelbliche Ameisen ganzjährig in beheizten Räumen auftreten (Verdacht auf Pharaoameisen).
Was ein solcher Einsatz ungefähr kostet und woran Sie seriöse Betriebe erkennen, lesen Sie unter Kammerjäger-Kosten. In einer Mietwohnung melden Sie ein Nest im Gebäude dem Vermieter.
Vorbeugen: so bleibt der Schwarm draußen
- Fliegengitter an den Fenstern, die im Sommer offen stehen, besonders in Küche und Schlafzimmer.
- Fugen prüfen: Risse am Sockel, offene Fugen an Terrassentür und Fensterbank, undichte Kabel- und Rohrdurchführungen im Winter schließen.
- Nester an der Hauswand nicht fördern: Pflasterfugen direkt am Haus und Hohlräume unter Terrassenplatten sind beliebte Nistplätze. Wo Sand aus den Fugen quillt, lohnt es, neu zu verfugen.
- Im Garten gelassen bleiben: Ameisen sind dort nützlich. Der Hochzeitsflug ist ein Naturschauspiel von wenigen Stunden, kein Befall.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Zeit der fliegenden Ameisen?
Der eigentliche Schwarm eines Volkes dauert oft nur wenige Stunden. Weil nicht alle Völker am selben Tag fliegen, können es je Ort ein bis zwei, selten einige Tage mehr werden. Danach ist bis zum nächsten Jahr Ruhe.
Sind fliegende Ameisen gefährlich?
Nein. Die heimischen Arten, die ins Haus geraten, stechen nicht, übertragen keine Krankheiten und beschädigen nichts. Ein Problem ist nicht das geflügelte Tier, sondern höchstens ein Nest im Gebäude.
Warum sind plötzlich so viele fliegende Ameisen da?
Die Völker einer Gegend schwärmen bei passendem Wetter gleichzeitig. So treffen Königinnen und Männchen verschiedener Nester aufeinander. Der Massenstart ist Absicht der Natur und kein Zeichen für besonders viele Nester bei Ihnen.
Bauen fliegende Ameisen ein Nest in der Wohnung?
Sehr unwahrscheinlich. Eine Königin braucht Erde oder einen feuchten, geschützten Hohlraum und Ruhe über Monate. Auf Parkett oder Fliesen hat sie keine Chance. Tiere, die im Zimmer landen, vertrocknen meist.
Hilft Backpulver gegen fliegende Ameisen?
Nein. Die geflügelten Tiere fressen während des Flugs praktisch nichts, ein Köder erreicht sie also nicht. Was das Hausmittel bei laufenden Ameisen taugt, steht unter Backpulver gegen Ameisen.
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