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Hornissennest am Haus: geschützt – und so geht man damit um

Christoph · 7 Min. Lesezeit

Nahaufnahme der muschelförmig geschichteten, braunen Hülle eines Hornissennests
Die Hülle eines Hornissennests besteht aus zerkautem Holz und ist bräunlich gebändert
Inhalt8 Abschnitte
  1. Hornissennest erkennen
  2. Sind Hornissen gefährlich?
  3. Was das Gesetz verlangt
  4. Hornissennest entdeckt: so gehen Sie vor
  5. Wann eine Umsiedlung genehmigt wird
  6. Mit dem Nest leben bis zum Herbst
  7. Wann das Hornissennest leer ist
  8. Häufige Fragen

Ein Hornissennest am Haus dürfen Sie nicht selbst entfernen: Hornissen gehören zu den besonders geschützten Arten, und jeder Eingriff am bewohnten Nest braucht eine Genehmigung der unteren Naturschutzbehörde. In den meisten Fällen ist das auch gar nicht nötig. Hornissen sind deutlich friedlicher als ihr Ruf, kommen nicht an den Kaffeetisch, und im Spätherbst ist das Nest von selbst leer. Stört es wirklich, siedeln Fachleute es um.

Hornissennest erkennen

Die Hornisse ist die größte heimische Faltenwespe. Arbeiterinnen werden etwa 2–2,5 cm lang, Königinnen bis etwa 3,5 cm. Kopf und Brust sind rotbraun, der Hinterleib ist gelb mit dunkler Zeichnung. Das tiefe Brummen im Flug ist kaum zu verwechseln.

  • Bauplatz: am liebsten dunkle Hohlräume – Baumhöhlen, Vogelnistkästen, Schuppen, Dachböden, Rollladenkästen, Zwischenräume in Holzverkleidungen.
  • Material: zerkautes, morsches Holz. Das Nest sieht aus wie Papier, ist ocker bis hellbraun gebändert und brüchig.
  • Form: mehrere Wabenetagen übereinander, außen eine muschelartig gewölbte Hülle; nach unten bleibt das Nest offen.
  • Größe: im Spätsommer oft so groß wie ein Fußball, in geräumigen Hohlräumen deutlich größer. Ein Volk zählt dann einige hundert Tiere.
  • Spuren: Unter dem Nest sammelt sich dunkler, feuchter Kot, der riechen und Flecken hinterlassen kann.

Ist der Hohlraum zu klein geworden, zieht ein Volk im Sommer manchmal nach und nach an einen größeren Platz in der Nähe um. Dann sind eine Zeit lang zwei Nester beflogen.

HornisseDeutsche und Gemeine WespeAsiatische Hornisse
Größe der Arbeiterinetwa 2–2,5 cmetwa 1–1,5 cmetwas kleiner als die Hornisse
Färbungrotbraun und gelbschwarz und leuchtend gelbüberwiegend dunkel, gelbe Beinenden
Nestocker gebändert, in Hohlräumengrau oder beige, in Hohlräumen und im Bodenim Sommer oft frei und hoch in Baumkronen
Am Esstischso gut wie niehäufigselten
Schutzbesonders geschütztallgemeiner Schutzinvasive Art, Fund melden

Die Asiatische Hornisse breitet sich seit einigen Jahren in Deutschland aus. Sie steht nicht unter Artenschutz; Funde nehmen die Meldeportale der Bundesländer entgegen. Auch ihre Nester entfernen nur Fachleute. Wer sich bei der Art unsicher ist, schickt ein Foto an die Naturschutzbehörde oder einen Hornissenberater, bevor irgendetwas geschieht.

Sind Hornissen gefährlich?

Weniger, als viele glauben. Das Sprichwort von den drei Stichen, die einen Menschen töten, ist ein Märchen. Für Menschen ohne Allergie ist ein Hornissenstich nicht gefährlicher als der einer Wespe oder Biene, auch wenn er wegen des längeren Stachels schmerzhafter sein kann. Was bei Stichen hilft, steht im Ratgeber zu Hausmitteln bei Wespenstichen.

Bei Atemnot, Schwindel, Schwellungen im Gesicht oder einem Stich in Mund und Rachen wählen Sie sofort den Notruf 112. Dasselbe gilt für Stiche bei bekannter Insektengiftallergie.

Hornissen jagen andere Insekten, darunter Fliegen und Wespen, und lecken Baumsäfte. Süßes und Grillfleisch auf dem Tisch lassen sie in aller Regel links liegen. Abseits des Nestes weichen sie aus. Verteidigt wird nur der Nestbereich: Erschütterungen, hektische Bewegungen direkt davor und ein verstellter Einflug machen die Tiere unruhig.

Was das Gesetz verlangt

Für alle wild lebenden Tiere gilt der allgemeine Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes. Die Hornisse ist darüber hinaus nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Verboten ist damit, den Tieren nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten und ihre Nester zu beschädigen, zu zerstören oder zu entnehmen. Anders als bei gewöhnlichen Wespen genügt ein „vernünftiger Grund“ nicht. Eine Ausnahme kann nur die Behörde erteilen.

Zuständig ist die untere Naturschutzbehörde beim Landkreis oder bei der kreisfreien Stadt. Verstöße können mit Bußgeldern geahndet werden, deren Höhe je nach Bundesland unterschiedlich ist und empfindlich ausfallen kann. Auch das Zukleben des Fluglochs oder das Ausräuchern zählt als Eingriff. Was für die übrigen Wespenarten gilt, lesen Sie unter Wespen am Haus.

Hornissennest entdeckt: so gehen Sie vor

  1. Abstand halten und beobachten. Schauen Sie aus einigen Metern Entfernung, wo die Tiere ein- und ausfliegen. Die Flugbahn bleibt frei, direkt davor wird nicht gearbeitet.
  2. Art und Lage einschätzen. Ein Nest im Baum oder im Schuppen stört kaum. Kritisch sind Nester direkt am Hauseingang, am Kinderzimmerfenster, im Rollladenkasten eines Wohnraums oder bei einer Insektengiftallergie im Haushalt.
  3. Beratung holen. Rufen Sie die untere Naturschutzbehörde an. Viele Kreise und Städte haben ehrenamtliche Hornissenberater, die sich das Nest ansehen und sagen, was sich mit einfachen Mitteln lösen lässt.
  4. Den Alltag anpassen. Oft genügen kleine Änderungen: Fliegengitter an die Fenster, eine Absperrung um den Einflug, den Rasen in Nestnähe abends oder gar nicht mähen, die Sitzecke ein paar Meter verrücken.
  5. Umsiedlung beantragen, wenn es nicht anders geht. Bestätigt die Beratung, dass das Nest nicht bleiben kann, stellen Sie den Antrag bei der Behörde – oder der Fachbetrieb übernimmt das. Ausgeführt wird die Umsiedlung nur von Fachleuten.
  6. Nichts auf eigene Faust unternehmen. Kein Spray, kein Wasserstrahl, kein Bauschaum, kein Rauch. Das ist verboten und endet nicht selten mit vielen Stichen.

Wann eine Umsiedlung genehmigt wird

Die Behörde prüft den Einzelfall. Chancen auf eine Genehmigung bestehen vor allem, wenn von dem Nest eine konkrete Gefahr ausgeht, die sich anders nicht abwenden lässt: eine ärztlich bekannte Allergie im Haushalt, ein Nest an einer Stelle, an der täglich Menschen dicht vorbeimüssen, kleine Kinder in unmittelbarer Nähe. Unbehagen allein reicht meist nicht.

Bei der Umsiedlung saugen Fachleute die Tiere schonend ab, bergen die Waben, setzen alles in einen Kasten und bringen das Volk einige Kilometer entfernt wieder aus, damit die Hornissen nicht zurückfliegen. Am besten gelingt das im Frühsommer, solange das Volk klein ist. Spät im Jahr lohnt eine Umsiedlung selten, weil das Volk ohnehin bald abstirbt. Die Kosten trägt in der Regel, wer den Auftrag gibt; Anhaltspunkte finden Sie im Ratgeber zu den Kosten eines Kammerjägers. Wie eine Umsiedlung bei gewöhnlichen Wespen abläuft, steht unter Wespennest entfernen.

Mit dem Nest leben bis zum Herbst

  • Fliegengitter: Hornissen fliegen auch in der Dämmerung und nachts und werden von Licht angezogen. Gitter an den Fenstern lösen das Problem, ersatzweise bleiben die Fenster abends bei Licht geschlossen.
  • Verirrte Tiere: Licht ausschalten, Fenster weit öffnen – die Hornisse findet meist von selbst hinaus. Sonst hilft ein Glas mit einem Stück Pappe.
  • Kot unter dem Nest: eine Folie, ein Brett oder einen Eimer mit Katzenstreu oder Sägespänen unterstellen und gelegentlich wechseln, ohne am Nest zu rütteln.
  • Erschütterungen vermeiden: nicht gegen die Wand klopfen, nicht direkt am Nest bohren, den Rollladen eines besiedelten Kastens in Ruhe lassen. Mehr dazu unter Wespen im Rollladenkasten.
  • Kinder aufklären: nicht in das Flugloch stochern, nicht mit dem Ball darauf zielen, Abstand halten.

Wann das Hornissennest leer ist

Hornissenvölker leben nur einen Sommer. Eine Königin gründet das Nest im Frühjahr allein, im Spätsommer ist das Volk am größten. Im Herbst schlüpfen Jungköniginnen und Drohnen, danach geht es schnell zu Ende: Mit den ersten Frösten sterben Arbeiterinnen, Drohnen und die alte Königin. Die begatteten Jungköniginnen überwintern einzeln in morschem Holz oder im Boden, nicht im alten Nest.

Ein verlassenes Nest wird nicht wieder bezogen. Zeigt es über längere Zeit keinen Flugbetrieb mehr, dürfen Sie es im Winter entfernen. Tragen Sie dabei Handschuhe und eine Staubmaske, denn das Material zerbröselt. Reinigen Sie die Stelle, weil der Geruch alter Nester neue Königinnen anlocken kann, und verschließen Sie den Zugang zum Hohlraum, wenn dort im nächsten Jahr niemand einziehen soll. Wer Hornissen im Garten durchaus haben möchte, nur nicht am Haus, hängt einen Hornissenkasten in einige Entfernung.

Häufige Fragen

Darf ich ein Hornissennest selbst entfernen?

Nein, solange es bewohnt ist. Dafür brauchen Sie eine Ausnahmegenehmigung der unteren Naturschutzbehörde, und die Arbeit gehört in die Hände von Fachleuten. Ein leeres Nest im Winter dürfen Sie selbst entfernen.

Wer ist für ein Hornissennest zuständig?

Erste Anlaufstelle ist die untere Naturschutzbehörde des Landkreises oder der Stadt. Sie vermittelt oft Hornissenberater. Die Feuerwehr kommt in der Regel nur bei akuter Gefahr.

Kommen Hornissen im nächsten Jahr wieder?

Nicht in dasselbe Nest. Ein geeigneter Hohlraum bleibt aber attraktiv, sodass eine neue Königin im Frühjahr daneben bauen kann. Wer das nicht möchte, verschließt die Öffnung im Winter.

Wie viel Abstand sollte man zum Hornissennest halten?

Einige Meter genügen, wenn Sie sich ruhig bewegen und die Flugbahn nicht verstellen. Direkt vor dem Flugloch sollten Sie nicht stehen, mähen oder hämmern.

Sind Hornissen nachts aktiv?

Ja, anders als die meisten Wespen fliegen Hornissen auch in der Dämmerung und bei Dunkelheit. Deshalb verirren sie sich an Sommerabenden in beleuchtete Zimmer.