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Pyrolyse im Backofen: wie die Selbstreinigung funktioniert und was sie kostet

Christoph · 7 Min. Lesezeit

Bedienblende eines Einbaubackofens aus Edelstahl mit Drehknöpfen
Bei der Pyrolyse verbrennt der Backofen Rückstände bei rund 500 Grad zu Asche
Inhalt8 Abschnitte
  1. Was bei der Pyrolyse im Ofen passiert
  2. Dauer, Stromverbrauch und Kosten
  3. Was vorher aus dem Ofen muss
  4. Pyrolyse starten – Schritt für Schritt
  5. Geruch, Rauch und Haustiere
  6. Pyrolyse, Katalyse und Hydrolyse im Vergleich
  7. Wie oft ist die Pyrolyse sinnvoll?
  8. Häufige Fragen

Die Pyrolyse im Backofen ist ein Selbstreinigungsprogramm, das den Garraum auf rund 500 °C erhitzt. Bei dieser Temperatur zerfallen Fett, Zucker und Speisereste zu feiner Asche, die Sie nach dem Abkühlen mit einem feuchten Tuch aufnehmen. Das Programm ersetzt Backofenspray und Schrubben, kostet aber Strom, Zeit und etwas Vorbereitung.

Was bei der Pyrolyse im Ofen passiert

Pyrolyse bedeutet wörtlich „Zersetzung durch Hitze“. Organische Rückstände werden nicht weggewaschen, sondern so stark erhitzt, dass sie verkohlen und schließlich zu grauer oder weißer Asche zerfallen. Ein Pyrolyse-Backofen ist dafür eigens gebaut: mit einer hitzefesten Emaille, stärkerer Dämmung, einer Tür mit mehreren Scheiben und einer automatischen Verriegelung.

Das Programm läuft in drei Phasen. Zuerst heizt der Ofen auf; ab einer bestimmten Temperatur verriegelt die Tür. Dann hält er die Höchsttemperatur, je nach gewählter Stufe kürzer oder länger. Zum Schluss kühlt er ab, und erst wenn der Innenraum weit genug heruntergekühlt ist, gibt die Elektronik die Tür wieder frei. Die Tür lässt sich währenddessen nicht öffnen, und das ist Absicht: Sauerstoff, der schlagartig auf glühende Fettreste trifft, wäre gefährlich.

Viele Geräte haben einen Filter oder Katalysator im Abluftweg, der Rauch und Gerüche mindert. Ganz geruchlos ist die Pyrolyse trotzdem nicht.

Dauer, Stromverbrauch und Kosten

Genaue Werte stehen in der Anleitung Ihres Geräts; die folgenden Angaben sind Größenordnungen aus Hersteller- und Verbraucherinformationen.

Temperaturrund 500 °C, je nach Hersteller etwas darunter
Programmdaueretwa 1 bis 3 Stunden, meist in zwei oder drei Stufen wählbar
Abkühlzeitzusätzlich etwa eine Stunde oder mehr, bis die Tür entriegelt
Stromverbrauchbei neueren Geräten grob 2,5 bis 5 kWh je Durchgang, bei älteren auch mehr
Kosten je Durchgangbei 35 Cent je kWh etwa 0,90 bis 1,75 Euro
Zum Vergleicheine Stunde Backen bei 180 bis 200 °C braucht grob 1 bis 2 kWh

Ein Durchgang kostet also ungefähr so viel wie zwei bis vier Stunden Backen. Wer die Pyrolyse drei- oder viermal im Jahr nutzt, liegt bei wenigen Euro. Teurer wird es, wenn man sie nach jedem Sonntagsbraten startet oder grundsätzlich die längste Stufe wählt. Für leichte Verschmutzung genügt die kurze Stufe; die lange lohnt nur nach Monaten oder nach einem übergelaufenen Auflauf. Wer eine Photovoltaikanlage hat, legt das Programm in die Mittagsstunden.

In der Anschaffung kosten Geräte mit Pyrolyse mehr als vergleichbare Modelle ohne. Ob sich das lohnt, hängt weniger vom Strom ab als davon, wie ungern Sie den Ofen von Hand putzen.

Was vorher aus dem Ofen muss

Die Regel ist einfach: Alles heraus, was der Hersteller nicht ausdrücklich als pyrolysefest ausweist. Das unterscheidet sich von Gerät zu Gerät, deshalb führt kein Weg an der Anleitung vorbei.

  • Roste und Seitengitter: Normale verchromte Teile verfärben sich bei der Hitze dauerhaft und gleiten danach schlecht. Manche Hersteller liefern pyrolysefeste Gitter mit oder bieten sie als Zubehör an.
  • Teleskopauszüge: Es gibt pyrolysefeste Ausführungen und solche, die ausdrücklich nicht geeignet sind. Bei Letzteren leidet das Lagerfett.
  • Backbleche und Fettpfannen: Emaillierte Bleche dürfen bei einigen Herstellern auf einer bestimmten Ebene mitgereinigt werden, bei anderen nicht.
  • Antihaftbeschichtetes Zubehör: niemals. Die Beschichtung zersetzt sich bei diesen Temperaturen und setzt gesundheitsschädliche Gase frei.
  • Bratenthermometer, Backstein, Alufolie, Backpapier, Silikonformen: grundsätzlich herausnehmen.

Was draußen bleiben muss, reinigen Sie von Hand: Die Wege dafür stehen unter Backofenrost reinigen und Backblech reinigen.

Pyrolyse starten – Schritt für Schritt

  1. Ofen ausräumen. Zubehör nach der Liste oben entnehmen, auch vergessene Bleche in der untersten Schiene.
  2. Grobes entfernen. Lose Speisereste, Fettpfützen und Bratensaft mit Küchenpapier aufnehmen. Größere Mengen Fett qualmen sonst stark und können sich im Extremfall entzünden.
  3. Tür und Dichtung vorreinigen. Die Ränder der Innenscheibe und den Bereich um die Dichtung erreicht die Hitze schlecht. Mit Spülmittelwasser abwischen; die Dichtung selbst nicht scheuern.
  4. Keine Reiniger im Garraum lassen. Reste von Backofenspray müssen vorher gründlich entfernt sein; erhitzt bilden sie Dämpfe und können die Emaille angreifen.
  5. Lüftung sichern. Fenster kippen oder öffnen, Küchentür zu den Wohnräumen schließen. Haustiere, vor allem Vögel, aus der Küche bringen.
  6. Stufe wählen und starten. Nichts an den Türgriff hängen, keine Geschirrtücher über die Tür: Die Front wird deutlich wärmer als beim Backen.
  7. Abkühlen lassen. Die Tür nicht mit Gewalt öffnen. Erst wenn die Verriegelung von selbst löst, ist der Garraum so weit abgekühlt, dass Sie hineingreifen können.
  8. Asche auswischen. Mit einem feuchten Tuch aufnehmen, auch in den Ecken und an der Türinnenseite. Danach Gitter und Auszüge wieder einsetzen.

Geruch, Rauch und Haustiere

Beim Verbrennen der Rückstände entstehen Rauchgase und ein deutlicher Brandgeruch, umso stärker, je schmutziger der Ofen ist. Hersteller empfehlen deshalb, während und nach dem Programm gut zu lüften. Für gesunde Erwachsene ist das vor allem lästig. Wer empfindliche Atemwege hat, hält sich während der Pyrolyse besser nicht in der Küche auf, und Kinder gehören nicht an die heiße Front.

Vögel reagieren auf die Dämpfe weit empfindlicher als Menschen. Ihr Atmungssystem nimmt Schadstoffe aus der Luft sehr wirksam auf; Hersteller weisen in ihren Anleitungen ausdrücklich darauf hin. Wellensittiche, Papageien und andere Ziervögel bringen Sie vor dem Start in einen anderen, gut gelüfteten Raum und holen sie erst zurück, wenn die Küche durchgelüftet ist. Besonders riskant ist vergessenes Zubehör mit Antihaftbeschichtung. Auch Hunde, Katzen und Kleintiere sind während des Programms woanders besser aufgehoben. Bleibt nach dem Lüften Geruch in der Wohnung, helfen die Hinweise unter Brandgeruch entfernen.

Sehr alte Öfen oder Geräte, die lange nicht gereinigt wurden, qualmen beim ersten Durchgang am stärksten. Hier lohnt es, vorher gründlich auszuwischen und die kurze Stufe zu wählen.

Pyrolyse, Katalyse und Hydrolyse im Vergleich

Unter dem Wort „Selbstreinigung“ verkauft der Handel drei sehr verschiedene Techniken.

PyrolyseKatalyseHydrolyse
PrinzipRückstände verbrennen zu Ascheporöse Spezialemaille baut Fett beim Backen abWasserdampf weicht Schmutz auf
Temperaturrund 500 °Cab etwa 200 °C, läuft beim Backen mitmäßige Hitze, meist unter 100 °C
Wirkt gegenFett, Zucker, EingebranntesFettspritzer; kaum gegen Zucker und Eiweißfrische, leichte Verschmutzung
Eigene Arbeitausräumen, Asche auswischenglatte Flächen, Boden und Tür von Handalles von Hand nachwischen
Strombedarfhochkein eigener Durchgang nötiggering
SchwächeGeruch, Dauer, AufpreisWirkung lässt nach, Flächen irgendwann ersetzenscheitert an Krusten

Katalytische Flächen fühlen sich rau an und dürfen weder mit Spray noch mit Scheuerschwämmen behandelt werden, sonst verstopfen die Poren. Die Hydrolyse, je nach Marke auch Dampfreinigung oder ähnlich genannt, ist im Grunde ein Einweichprogramm: nützlich für die regelmäßige Pflege, aber kein Ersatz für eine Grundreinigung. Wie Sie einen Ofen ohne Selbstreinigung sauber bekommen, beschreibt der Beitrag Backofen reinigen.

Wie oft ist die Pyrolyse sinnvoll?

So selten wie möglich, so oft wie nötig. Als Richtwert nennen Ratgeber und Hersteller meist alle paar Monate, bei häufigem Braten öfter. Sichtbare, dunkle Beläge an Wänden und Boden sind das Signal; für ein paar Spritzer genügt ein feuchtes Tuch. Zu langes Warten ist allerdings auch keine gute Idee: Je mehr Fett im Ofen sitzt, desto stärker qualmt das Programm. Zwischen den Durchgängen hilft es, den lauwarmen Ofen nach fettigen Gerichten kurz auszuwischen.

Häufige Fragen

Ist die Pyrolyse gefährlich?

Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch nicht: Die Tür ist verriegelt, das Gerät für die Temperatur gebaut. Risiken entstehen durch große Fettmengen im Garraum, vergessenes Zubehör und fehlende Lüftung. Lassen Sie das Programm nicht laufen, wenn niemand zu Hause ist.

Darf ich Backofenspray in einem Pyrolyse-Ofen benutzen?

Viele Hersteller raten davon ab, weil Reste des Reinigers bei der nächsten Pyrolyse die Emaille angreifen können. Nötig ist es ohnehin nicht. Für die Türscheibe gelten die Hinweise unter Backofenscheibe reinigen.

Nach der Pyrolyse sind weiße Flecken im Ofen – ist die Emaille beschädigt?

Meist sind es Rückstände von Salzen und Mineralien aus den Speiseresten. Sie lassen sich mit einem feuchten Tuch, notfalls mit etwas Essigwasser, abwischen. Raue, stumpfe Stellen, die bleiben, können dagegen von Reinigerresten oder Fruchtsäuren stammen.

Die Tür geht nach dem Programm nicht auf – was tun?

Abwarten. Die Verriegelung löst erst, wenn der Garraum ausreichend abgekühlt ist; das kann länger dauern als das Programm selbst. Bleibt die Tür auch am kalten Gerät gesperrt, das Gerät für einige Minuten an der Sicherung stromlos machen und neu starten. Hilft das nicht, ist es ein Fall für den Kundendienst.

Lohnt sich ein Backofen mit Pyrolyse?

Wenn Sie oft braten, überbacken oder Pizza backen und das Putzen bisher aufschieben: ja. Wer überwiegend Kuchen und Brötchen backt, kommt mit einem Dampfprogramm und gelegentlicher Handreinigung meist günstiger zurecht.