Feuerwanzen im Garten und am Haus: schädlich oder harmlos?

Inhalt8 Abschnitte
Feuerwanzen gehören zu den auffälligsten Insekten im Garten und zu den harmlosesten: Die rot-schwarzen Tiere stechen nicht, fressen keine Pflanzen kahl und kommen nur aus Versehen ins Haus. Dass sie im Frühjahr zu Hunderten am Fuß von Linden oder an sonnigen Mauern sitzen, sieht bedrohlich aus, ist aber nur ein gemeinsames Aufwärmen nach dem Winter. Bekämpfen muss man sie nicht – abkehren genügt, wenn sie im Weg sind.
Feuerwanzen erkennen
Die Gemeine Feuerwanze (Pyrrhocoris apterus) ist kaum zu verwechseln, wenn man einmal genau hingesehen hat.
| Größe | etwa 1 cm, flach und länglich-oval |
| Färbung | leuchtend rot mit schwarzer Zeichnung: schwarzer Kopf, schwarzes Dreieck und je ein großer runder Punkt auf den Flügeldecken |
| Flügel | meist verkürzt; die allermeisten Tiere können nicht fliegen |
| Jungtiere | kleiner, Hinterleib fast ganz rot, nur kurze schwarze Flügelansätze |
| Verhalten | gesellig, tagaktiv, sonnenliebend; läuft, statt zu fliegen |
| Fundorte | Fuß von Linden, sonnige Mauern und Hauswände, Beetränder, unter Malven und Stockrosen |
Die Zeichnung auf dem Rücken erinnert viele an eine afrikanische Maske, und genau das ist ihr Zweck: Rot-Schwarz ist eine Warnfarbe und signalisiert Vögeln, dass die Tiere schlecht schmecken. Häufig sieht man zwei Feuerwanzen, die am Hinterleib zusammenhängen und in entgegengesetzte Richtungen ziehen. Das ist die Paarung, die sich über viele Stunden hinziehen kann.
Der volkstümliche Name „Feuerkäfer“ führt in die Irre. Feuerwanzen sind keine Käfer, sondern Wanzen: Sie haben einen Saugrüssel statt Beißwerkzeugen und machen keine Verpuppung durch. Aus dem Ei schlüpfen kleine Wanzen, die sich mehrfach häuten und dabei den Erwachsenen immer ähnlicher werden.
Feuerwanze, Ritterwanze oder etwas anderes?
Mehrere rot-schwarze Insekten sehen der Feuerwanze ähnlich. Für die Praxis ist die Unterscheidung nicht entscheidend, denn harmlos sind sie alle.
| Art | Kennzeichen | Wo zu finden |
| Gemeine Feuerwanze | runde schwarze Punkte, fliegt nicht, tritt in großen Gruppen auf | unter Linden, an Malven, an Mauern |
| Ritterwanze | etwas größer, schwarze Zeichnung ähnlich einem Kreuz, weißer Fleck am Flügelende, fliegt gut | sonnige, trockene Standorte, meist einzeln |
| Streifenwanze | breit schildförmig, rot-schwarz längs gestreift | auf Blütendolden, etwa an Dill, Fenchel, Möhre |
| Marienkäfer | halbkugelig, harte Flügeldecken, fliegt | überall, wo Blattläuse sitzen |
Wer im Herbst bräunliche, schildförmige Wanzen am Fenster findet, hat es mit ganz anderen Arten zu tun; dazu mehr im Ratgeber Stinkwanzen im Haus. Und die Tiere, die sich zum Überwintern in Fensterrahmen drängen, sind oft Marienkäfer.
Warum sitzen sie in Massen an Bäumen und Hauswänden?
Feuerwanzen überwintern als erwachsene Tiere gemeinsam im Laub, unter loser Rinde, in Mauerritzen und unter Steinen. An den ersten warmen Tagen, oft schon im März, kommen sie hervor und sammeln sich an sonnigen, windgeschützten Stellen. Die Gruppe bringt Vorteile: Die Warnfarbe wirkt in der Masse stärker, und Partner sind schnell gefunden.
Dass es fast immer Linden sind, liegt an der Nahrung. Feuerwanzen saugen bevorzugt an den herabgefallenen Samen von Linden und von Malvengewächsen, zu denen auch Stockrose, Hibiskus (Garteneibisch) und Strauchpappel gehören. Daneben nehmen sie tote Insekten und andere Reste an. Eine Hauswand nutzen sie nur zum Aufwärmen. Steht eine Linde vor dem Haus, ist die sonnige Fassade im Frühjahr deshalb beinahe zwangsläufig bevölkert.
Im Sommer verteilen sich die Tiere im Garten, die roten Jungtiere wachsen heran, und im Herbst sammeln sie sich erneut, bevor sie ins Winterquartier ziehen. Wie groß die Gruppen ausfallen, schwankt von Jahr zu Jahr; nach milden Wintern sind es spürbar mehr.
Sind Feuerwanzen schädlich oder giftig?
Für Menschen, Haustiere und Garten sind Feuerwanzen unbedenklich. Sie stechen und beißen nicht, übertragen keine Krankheiten und interessieren sich weder für Vorräte noch für Holz, Textilien oder Zimmerpflanzen.
- Pflanzen: Das Saugen an abgefallenen Samen schadet dem Baum nicht. An Hibiskus und Stockrosen können gelegentlich Knospen oder Samenkapseln angestochen werden; ernsthafte Schäden sind die Ausnahme.
- Geruch: Werden die Tiere gequetscht oder bedrängt, geben sie ein Abwehrsekret ab, das unangenehm riecht. Es ist für Menschen nicht gefährlich. Nach dem Anfassen trotzdem die Hände waschen und sich nicht in die Augen fassen.
- Haustiere und Kinder: Giftig im eigentlichen Sinn sind Feuerwanzen nicht. Sie schmecken wegen des Sekrets schlecht, weshalb Hunde, Katzen und Vögel meist nach dem ersten Versuch die Finger davon lassen.
- Nutzen: Als Resteverwerter räumen sie Samen und tote Insekten weg. Ein großer Nützling sind sie nicht, ein Schädling aber ebenso wenig.
Was tun, wenn Feuerwanzen stören?
Im Garten gibt es keinen Grund einzugreifen. Auf der Terrasse, an der Haustür oder im Sandkasten möchte man sie trotzdem nicht in Hundertschaften haben. Dann hilft Folgendes:
- Abkehren und umsetzen. Die Gruppe am kühlen Morgen, wenn die Tiere träge sind, mit Handfeger und Schaufel in einen Eimer kehren und an einer entfernten Hecke oder am Kompost wieder aussetzen. Nicht zerdrücken, das riecht und hinterlässt Flecken.
- Nahrung wegräumen. Lindensamen und die Samenstände von Stockrosen und Hibiskus an Terrasse und Wegen zusammenfegen. Verblühtes an Malven abschneiden, bevor die Samen fallen.
- Verstecke am Haus verringern. Laubhaufen, Brennholzstapel und lose Steinhaufen nicht direkt an der Hauswand lagern. In einer ruhigen Gartenecke dürfen sie gern bleiben, dort überwintern auch Igel und viele Nützlinge.
- Zugänge schließen. Wenn Tiere immer wieder in Keller oder Wohnung laufen: Türdichtung und Bodenspalt prüfen, Risse im Sockel schließen, Fliegengitter an bodennahen Fenstern anbringen.
- Abwarten. Die Frühjahrsversammlung löst sich nach wenigen Wochen auf. Oft erledigt sich das Problem, bevor der Eimer voll ist.
Feuerwanzen in der Wohnung
In Wohnräume geraten Feuerwanzen nur zufällig, durch die offene Terrassentür oder mit dem Brennholz. Sie finden dort keine Nahrung, vermehren sich nicht und sterben nach kurzer Zeit. Einzelne Tiere mit Glas und Postkarte aufnehmen und hinaussetzen. Der Staubsauger funktioniert auch, kann danach aber nach dem Abwehrsekret riechen. Treten ständig neue Tiere auf, liegt der Sammelplatz direkt vor der Tür – dann dort abkehren und den Spalt unter der Tür abdichten.
Was nicht hilft und was Sie lassen sollten
Insektensprays und andere Biozide sind gegen Feuerwanzen weder nötig noch sinnvoll. Im Freien treffen sie immer auch Bienen, Marienkäfer und andere Nützlinge, und die nächste Gruppe wandert vom Nachbargrundstück wieder ein. Auch Seifenlauge oder kochendes Wasser töten die Tiere zwar, lösen aber nichts: Solange Linde oder Malven Samen abwerfen, bleibt der Platz attraktiv. Wild lebende Tiere ohne vernünftigen Grund zu töten, ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz ohnehin nicht erlaubt, und bloßes Unbehagen ist kein solcher Grund.
Duftmittel wie Essig, Lavendel- oder Nelkenöl werden häufig empfohlen. Eine verlässliche Wirkung ist nicht belegt, und im Freien verfliegt der Geruch nach Stunden. Den Lindenbaum zu fällen, wäre die einzige „endgültige“ Lösung und steht in keinem Verhältnis. Hilfe beim Einordnen anderer Krabbler finden Sie unter Ungeziefer bestimmen und in der Rubrik Ungeziefer und Schädlinge.
Häufige Fragen
Können Feuerwanzen stechen oder beißen?
Nein. Ihr Saugrüssel ist für Pflanzensamen gebaut, nicht für menschliche Haut. Feuerwanzen kann man gefahrlos auf die Hand nehmen; wegen des Abwehrsekrets wäscht man sich danach die Hände.
Sind Feuerwanzen für Hunde und Katzen giftig?
Nach heutigem Wissen nicht. Die Tiere schmecken bitter, sodass Haustiere sie meist wieder ausspucken und kurz speicheln. Wirkt ein Tier nach dem Fressen von Insekten anhaltend krank, klärt das die Tierarztpraxis.
Können Feuerwanzen fliegen?
Die allermeisten nicht, weil ihre Flügel verkürzt sind. Nur ein kleiner Teil der Tiere hat voll ausgebildete Flügel. Feuerwanzen verbreiten sich deshalb zu Fuß und bleiben über Jahre am selben Baum.
Wie lange bleiben Feuerwanzen?
Die auffälligen Ansammlungen im Frühjahr dauern einige Wochen. Danach verteilen sich die Tiere, bleiben aber den Sommer über im Garten und sammeln sich im Herbst noch einmal, bevor sie überwintern.
Fressen Feuerwanzen meine Pflanzen?
Sie saugen fast nur an Samen, die ohnehin am Boden liegen. Blätter, Wurzeln, Obst und Gemüse lassen sie in Ruhe. Löcher im Laub oder kümmernde Triebe haben andere Ursachen.
Passt dazu
SchädlingeMarienkäfer im Haus: harmlos oder Plage?


SchädlingeAmeisen im Haus loswerden