Waschbär vertreiben: Haus und Garten sichern

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Einen Waschbär vertreiben heißt vor allem: ihm das Leben am Haus unbequem machen. Die Tiere kommen wegen des Futters und bleiben wegen des Dachbodens. Wer Mülltonnen verschließt, Kletterwege kappt und Einstiege stabil sichert, wird sie los. Fangen oder töten dürfen Privatleute den Waschbären nicht, und Gerüche oder Lärm beeindrucken ihn nur kurz.
Waschbär erkennen: Tier und Spuren
Der Waschbär stammt aus Nordamerika und ist seit dem 20. Jahrhundert in Deutschland heimisch geworden. Besonders häufig ist er in Hessen und den angrenzenden Regionen sowie in Brandenburg, er breitet sich aber weiter aus und lebt längst auch mitten in Städten.
| Aussehen | etwa so groß wie eine kräftige Katze, gedrungen, grau; schwarze Gesichtsmaske, buschiger Schwanz mit dunklen Ringen |
| Aktiv | in der Dämmerung und nachts; im Winter weniger, aber ohne echten Winterschlaf |
| Fährte | Abdrücke wie kleine Hände mit fünf langen Fingern |
| Kot | fingerdicke Würste mit stumpfen Enden, bröckelig, mit Samen und Schalenresten, gesammelt an festen Plätzen |
| Geräusche | schweres Poltern auf dem Dachboden, Keckern, Fiepen der Jungen |
| Schäden | umgeworfene Tonnen, aufgerissene Säcke, verschobene Ziegel, zerwühlte Dämmung, geplünderte Obstbäume und Teiche |
Verwechselt wird der Waschbär am Haus vor allem mit dem Steinmarder. Der ist schlanker, leichter und hinterlässt gedrehten Kot mit spitzem Ende, wie der Ratgeber Marderkot erkennen zeigt. Waschbären sind schwerer und kräftiger, entsprechend gröber fallen die Schäden aus: Sie heben Ziegel an, drücken Dachpappe durch und reißen Dämmung großflächig heraus.
Warum Waschbären ans Haus kommen
Waschbären sind Allesfresser und ausgesprochen lernfähig. In Siedlungen finden sie mehr Futter als im Wald: Speisereste in Mülltonnen und gelben Säcken, Kompost, Fallobst, Vogelfutter, Katzen- und Igelfutter auf der Terrasse. Mit ihren geschickten Vorderpfoten öffnen sie Deckel, Riegel und Katzenklappen.
Als Schlaf- und Wurfplatz dienen in der Natur Baumhöhlen. Dachböden, Schuppen, Gartenhäuser und stillgelegte Schornsteine sind ein bequemer Ersatz. Aufs Dach gelangen die ausgezeichneten Kletterer über Fallrohre, Bäume, Rankpflanzen, Blitzableiter und Anbauten. Eine Öffnung, durch die der Kopf passt, genügt meist für den ganzen Waschbären.
Was erlaubt ist: invasive Art und Jagdrecht
Der Waschbär steht auf der EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten. Er darf weder gezüchtet noch ausgesetzt werden, und die Bundesländer sind gehalten, seine Ausbreitung einzudämmen. Daraus folgt aber kein Freibrief für Hausbesitzer.
- In fast allen Bundesländern unterliegt der Waschbär dem Jagdrecht. Fangen und Töten ist Jagdberechtigten vorbehalten; für Fallen ist vielerorts ein eigener Sachkundenachweis nötig.
- In Wohngebieten ruht die Jagd. Ausnahmen genehmigt die untere Jagdbehörde, die auch Stadtjäger oder beauftragte Fachleute nennt.
- Jagd- und Schonzeiten legen die Länder unterschiedlich fest. Überall gilt: Muttertiere, die Junge versorgen, sind geschützt.
- Das Tierschutzgesetz gilt auch für invasive Arten. Gift und alles, was die Tiere verletzt oder quält, sind verboten.
- Ein gefangenes Tier woanders auszusetzen ist bei einer invasiven Art nicht zulässig.
Praktisch bringt das Wegfangen einzelner Tiere wenig, solange Futter und Unterschlupf bleiben: Der Platz wird bald neu besetzt. Erlaubt und wirksam ist, was im Folgenden steht.
Haus und Garten sichern: Schritt für Schritt
- Mülltonnen verschließen. Deckel mit Spanngurt oder einem Tonnenschloss sichern, die Tonnen mit Abstand zu Zäunen, Mauern und Ästen aufstellen. Gelbe Säcke erst am Morgen der Abholung hinausstellen. Für Tonnen gibt es einfache Mülltonnenverschlüsse.
- Futterquellen wegräumen. Tierfutter abends hereinholen, Fallobst aufsammeln, Vogelfutter nicht am Boden anbieten. Auf den Kompost gehören keine Speisereste, kein Fleisch, kein Brot; ein geschlossener Komposter ist besser als ein offener Haufen.
- Fallrohre sperren. Eine glatte Blechmanschette von etwa einem Meter Höhe rund um das Fallrohr nimmt den Krallen den Halt. Sie sitzt so hoch, dass die Tiere nicht vom Boden oder von einer Mauer darüber springen können.
- Bäume und Ranken zurückschneiden. Äste sollten reichlich Abstand zum Dach haben. Auch um Baumstämme lassen sich Blechmanschetten legen. Rankgitter und Kletterpflanzen bis zur Traufe sind eine Leiter.
- Einstiege verschließen. Lose Ziegel verklammern, Öffnungen an Traufe und Gauben mit verschraubtem Blech oder starkem Drahtgitter sichern. Leichte Abdeckungen biegt ein Waschbär auf.
- Schornstein und Klappen sichern. Ein Gitter auf einem ungenutzten oder genutzten Schornstein ist Sache des Schornsteinfegers. Katzenklappen nachts verriegeln oder ein Modell mit Chiperkennung einbauen.
Schritt 5 kommt ausdrücklich erst, wenn niemand mehr im Dach ist.
Waschbär auf dem Dachboden
Die Jungen kommen im Frühjahr zur Welt, meist im April oder Mai, und bleiben über Monate bei der Mutter. Wer in dieser Zeit den Zugang verschließt, sperrt entweder die Mutter aus und die Jungen ein – oder eine Mutter, die mit aller Kraft zurück zu ihrem Wurf will und dabei das Dach beschädigt. Beides ist zu vermeiden.
Gehen Sie so vor: Finden Sie zuerst den Einstieg und klären Sie, ob Jungtiere da sind (Fiepen, Keckern am Tag). Wenn ja, wenden Sie sich an die untere Jagdbehörde oder einen Fachbetrieb für Wildtierabwehr. Sind keine Jungen im Dach, stören Sie die Tiere einige Tage mit Licht, Radio und häufigem Betreten und verschließen den Zugang, sobald sie nachts draußen sind. Den Tieren beim Aufräumen nicht zu nahe kommen: Waschbären wirken putzig, wehren sich in der Enge aber mit Zähnen und Krallen.
Arbeiten am Dach gehören wegen der Absturzgefahr in die Hände eines Dachdeckers.
Waschbärkot: nicht ohne Handschuhe
Waschbären legen wie Marder feste Kotplätze an, auf dem Dachboden, auf Flachdächern, an Baumfüßen, auf Holzstapeln oder im Sandkasten. Der Kot kann die Eier des Waschbärspulwurms enthalten, eines Darmparasiten, der bei Waschbären in Deutschland regional sehr verbreitet ist. Nimmt ein Mensch die Eier über den Mund auf, können die Larven im Körper wandern. Solche Erkrankungen sind selten, können aber schwer verlaufen. Gefährdet sind vor allem kleine Kinder, die beim Spielen Erde oder schmutzige Finger in den Mund nehmen.
Die Eier sind in der Umwelt sehr widerstandsfähig, werden aber erst einige Zeit nach dem Absetzen ansteckend. Frischen Kot zügig zu entfernen ist deshalb der beste Schutz.
- Schützen. Einmalhandschuhe tragen, in Innenräumen und bei trockenem Kot zusätzlich eine Atemschutzmaske (FFP2 oder FFP3).
- Anfeuchten. Trockenen Kot mit Wasser besprühen, nicht fegen, nicht saugen.
- Entsorgen. Mit Schaufel oder umgestülptem Beutel aufnehmen, Beutel zuknoten, Restmüll – nicht Kompost, nicht Biotonne.
- Heiß reinigen. Feste Flächen und die Schaufel mit kochend heißem Wasser übergießen; übliche Desinfektionsmittel wirken gegen die Eier kaum. Verschmutzte Dämmwolle ersetzen.
- Hände waschen. Gründlich mit Seife. Sandkästen abdecken, verschmutzten Sand austauschen.
Wer nach Kontakt mit Waschbärkot Beschwerden bekommt, schildert das der Hausarztpraxis. Für Hunde ist außerdem die Staupe ein Thema, die Waschbären übertragen können; ein aktueller Impfschutz ist die Vorsorge.
Hausmittel: was Waschbären nicht beeindruckt
Chili, Mottenkugeln, Lavendel, Hundehaare, Ultraschall, Bewegungsmelder mit Licht: All das wirkt, wenn überhaupt, nur so lange, wie es neu ist. Waschbären sind neugierig und lernen schnell, dass keine Gefahr droht. Mehr zur Technik steht unter Ultraschall gegen Mäuse und Marder. Als kurze Vergrämung vor dem Verschließen ist Unruhe brauchbar, als Dauerlösung nicht. Offene Mülltonnen und Kompost mit Essensresten locken neben Waschbären übrigens auch Ratten in den Garten; wer sie sichert, löst zwei Probleme auf einmal. Für den schlankeren Verwandten auf dem Dachboden gilt der Ratgeber Marder vertreiben.
Häufige Fragen
Was mögen Waschbären überhaupt nicht?
Kein Futter und keinen Halt. Verlässlich wirken nur verschlossene Tonnen, weggeräumtes Futter und glatte Bleche an Fallrohren und Bäumen. Gerüche und Geräusche halten sie nicht dauerhaft ab.
Darf ich einen Waschbären fangen oder töten?
Nein, nicht auf eigene Faust. In fast allen Bundesländern unterliegt der Waschbär dem Jagdrecht. Wenden Sie sich an die untere Jagdbehörde Ihres Landkreises oder Ihrer Stadt, die über die örtlichen Regeln und Ansprechpartner informiert.
Sind Waschbären gefährlich für Menschen?
Gesunde Waschbären greifen nicht an, beißen aber, wenn sie sich bedrängt fühlen. Das größere Risiko ist der Kot mit möglichen Spulwurmeiern. Halten Sie Abstand, füttern Sie die Tiere nicht und entfernen Sie Kot nur geschützt.
Greifen Waschbären Katzen an?
Meist gehen sich beide aus dem Weg. Streit gibt es am Futternapf. Füttern Sie Katzen deshalb im Haus und verriegeln Sie die Katzenklappe nachts.
Wer zahlt Schäden durch Waschbären am Dach?
Das hängt vom Vertrag ab. Schäden durch Wildtiere am Gebäude sind in der Wohngebäudeversicherung nicht automatisch enthalten; manche Tarife schließen sie ein. Fragen Sie Ihren Versicherer.



