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Apfelessig für die Haare: saure Rinse richtig anwenden

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Glaskrug und Glas mit heller Flüssigkeit neben zwei Äpfeln auf einer karierten Tischdecke
Für die saure Rinse wird Apfelessig stark mit Wasser verdünnt
Inhalt9 Abschnitte
  1. Was die saure Rinse im Haar bewirkt
  2. Die richtige Verdünnung
  3. Saure Rinse anwenden: Schritt für Schritt
  4. Was bringt es wirklich?
  5. Wann lieber nicht?
  6. Apfelessig auf der Kopfhaut bei Schuppen und Juckreiz?
  7. Wann zum Arzt?
  8. Passende Pflege drumherum
  9. Häufige Fragen

Apfelessig für die Haare wird fast immer als „saure Rinse“ verwendet: ein bis zwei Esslöffel Essig auf einen Liter kühles Wasser, nach dem Waschen über die Längen gegossen. Das löst Kalkrückstände und lässt die Haaroberfläche glatter wirken, das Haar glänzt mehr und lässt sich leichter kämmen. Mehr sollte man nicht erwarten – und unverdünnt hat Essig auf Haar und Kopfhaut nichts verloren.

Was die saure Rinse im Haar bewirkt

Die äußere Schicht des Haares besteht aus flachen, dachziegelartig übereinanderliegenden Hornschuppen. Liegen sie glatt an, spiegelt das Haar das Licht und fühlt sich weich an; stehen sie ab, wirkt es stumpf und verhakt sich beim Kämmen. In leicht saurer Umgebung legen sich diese Schuppen eher an, in alkalischer – etwa nach dem Waschen mit Haarseife – stellen sie sich eher auf. Darauf beruht die Idee der sauren Rinse.

Der zweite Effekt ist handfester: In Gegenden mit hartem Wasser lagert sich Kalk auf dem Haar ab, zusammen mit Seife bilden sich außerdem schmierige Rückstände, die sogenannte Kalkseife. Säure löst beides. Wer mit Haarseife oder festem Shampoo auf Seifenbasis wäscht, kennt den grauen, klebrigen Belag – hier ist die Rinse fast Pflicht. Wie hart Ihr Wasser ist, erfahren Sie beim Wasserversorger oder über den Ratgeber Wasserhärte bestimmen.

Die richtige Verdünnung

Haushaltsüblicher Apfelessig hat etwa 5 % Säure. Für die Rinse wird er stark verdünnt:

Grundmischung1–2 Esslöffel (15–30 ml) Apfelessig auf 1 Liter Wasser
Erste Anwendung, empfindliche Kopfhaut1 Esslöffel auf 1 Liter
Sehr hartes Wasser, Haarseifebis 2 Esslöffel auf 1 Liter
Wassertemperaturkühl bis lauwarm
Häufigkeitetwa einmal pro Woche, bei Haarseife nach jeder Wäsche
Haltbarkeit der Mischungfrisch ansetzen, Reste nicht aufheben

Im Netz kursieren deutlich stärkere Mischungen bis hin zu einem Teil Essig auf drei Teile Wasser. Dafür gibt es keinen guten Grund: Mehr Säure bringt nicht mehr Glanz, sondern trocknet Haar und Kopfhaut eher aus und reizt.

Saure Rinse anwenden: Schritt für Schritt

Sie brauchen: Apfelessig, einen Messbecher oder eine leere Flasche mit 1 Liter Inhalt, einen Esslöffel.

  1. Mischung ansetzen. Essig in die Flasche geben, mit kühlem Wasser auffüllen, kurz schwenken. Am besten vor dem Duschen vorbereiten.
  2. Haare wie gewohnt waschen und das Shampoo vollständig ausspülen.
  3. Rinse langsam über die Längen gießen. Kopf in den Nacken legen und Augen schließen, damit nichts ins Gesicht läuft. Bei langem Haar die Spitzen kurz in den Messbecher tauchen.
  4. Ein bis zwei Minuten einwirken lassen und das Haar dabei leicht durchkneten.
  5. Ausspülen oder nicht. Bei der schwachen Grundmischung können Sie die Rinse im Haar lassen. Wer eine empfindliche Kopfhaut hat oder den Geruch nicht mag, spült kurz mit klarem Wasser nach.
  6. Trocknen wie gewohnt. Haar im Handtuch ausdrücken, nicht rubbeln.

Der Essiggeruch ist im nassen Haar deutlich und verfliegt beim Trocknen weitgehend. Bleibt er hängen, war die Mischung zu stark.

Was bringt es wirklich?

Glanz und bessere Kämmbarkeit sind der realistische Nutzen, und den bestätigen auch Verbrauchermagazine wie Öko-Test für selbst gemachte Essigspülungen. Besonders deutlich ist der Unterschied bei hartem Wasser und nach dem Waschen mit Seife. Wer weiches Wasser hat und ein übliches, leicht saures Shampoo mit Spülung benutzt, merkt oft wenig – diese Produkte sind bereits so eingestellt, dass das Haar danach glatt liegt.

Nicht belegt ist dagegen vieles, was der Rinse sonst zugeschrieben wird: dass sie Haarausfall bremst, das Wachstum anregt, Schuppen beseitigt oder die Kopfhaut „entgiftet“. Auch dass naturtrüber Bio-Essig im Haar mehr leistet als klarer, ist nicht nachgewiesen; entscheidend ist die Säure, und die steckt in beiden. Nehmen Sie, was im Küchenschrank steht. Heller Tafelessig mit 5 % Säure erfüllt denselben Zweck, er riecht nur schärfer. Balsamico und dunkle Essige sind wegen Farbe und Zucker ungeeignet, Essigessenz nur etwas für Menschen, die sicher umrechnen – sie ist rund fünfmal so stark.

Wann lieber nicht?

  • Unverdünnt – nie. Purer Essig reizt Kopfhaut und Schleimhäute und macht das Haar spröde.
  • Augen. Gelangt die Rinse ins Auge, sofort gründlich mit klarem Wasser spülen. Bei Kindern lieber ganz darauf verzichten.
  • Gereizte, wunde oder aufgekratzte Kopfhaut. Säure brennt auf verletzter Haut. Das gilt auch bei Schuppenflechte, Ekzemen oder einem Sonnenbrand auf dem Scheitel.
  • Frisch gefärbtes, getöntes oder blondiertes Haar. Chemisch behandeltes Haar reagiert unterschiedlich. Warten Sie nach dem Färben einige Tage, testen Sie die Rinse zuerst an einer unauffälligen Strähne oder fragen Sie im Salon nach. Bei Pflanzenhaarfarben ebenso.
  • Sehr trockenes, poröses Haar. Hier kann häufiges Säuern zusätzlich austrocknen. Dann seltener anwenden und lieber eine pflegende Kur einplanen, etwa nach den Rezepten unter Haarkur selber machen.

Und im Bad gilt wie überall im Haushalt: Essig nie zusammen mit chlorhaltigen Reinigern verwenden. Steht die Rinse-Flasche in der Dusche, sollte sie beschriftet sein und nicht neben dem Chlorreiniger landen.

Apfelessig auf der Kopfhaut bei Schuppen und Juckreiz?

Häufig wird empfohlen, Essigwasser gezielt in die Kopfhaut zu massieren, um Schuppen oder Juckreiz loszuwerden. Ein Beleg dafür fehlt. Schuppen haben sehr unterschiedliche Ursachen – trockene Kopfhaut, ein Hefepilz, eine Hauterkrankung –, und Säure kann eine ohnehin gereizte Kopfhaut zusätzlich angreifen. Wer es bei leichten Beschwerden ausprobieren möchte, bleibt bei der schwachen Grundmischung und hört auf, sobald es brennt oder schlimmer wird.

Wann zum Arzt?

Die Rinse ist Haarpflege, keine Behandlung. Lassen Sie die Kopfhaut in der Hausarzt- oder Hautarztpraxis ansehen, wenn sie über mehr als zwei bis drei Wochen juckt, brennt oder stark schuppt, wenn sich gerötete, nässende oder verkrustete Stellen bilden, wenn Haare büschelweise oder an einzelnen runden Stellen ausfallen oder wenn Schuppen trotz Anti-Schuppen-Shampoo nicht verschwinden. Nach einer heftigen Reaktion auf die Rinse – starke Rötung, Schwellung, Bläschen – die Anwendung beenden und ebenfalls ärztlichen Rat holen.

Passende Pflege drumherum

Die Rinse wirkt am besten als Teil einer einfachen Routine: mildes Shampoo nur auf die Kopfhaut, lauwarmes Wasser, nicht zu häufig waschen. Wie oft das für Ihren Haartyp ist, steht unter Wie oft Haare waschen?. Für trockene Spitzen ist eine Ölkur vor der Wäsche die bessere Ergänzung, zum Beispiel mit Kokosöl oder Olivenöl. Und weil Kalk- und Pflegereste nicht nur im Haar sitzen: Eine saubere Bürste gehört dazu, siehe Haarbürste reinigen.

Häufige Fragen

Muss ich die saure Rinse wieder ausspülen?

Nein, bei 1–2 Esslöffeln auf einen Liter darf sie im Haar bleiben. Bei empfindlicher Kopfhaut oder wenn Sie der Geruch stört, spülen Sie kurz mit klarem Wasser nach.

Riechen die Haare danach nach Essig?

Im nassen Zustand ja, nach dem Trocknen kaum noch. Hält sich der Geruch, nehmen Sie beim nächsten Mal weniger Essig.

Wie oft darf ich Apfelessig für die Haare verwenden?

Einmal pro Woche ist für die meisten genug. Wer mit Haarseife wäscht, verwendet die Rinse nach jeder Wäsche. Wird das Haar trockener, verlängern Sie die Abstände.

Ersetzt die saure Rinse eine Spülung?

Teilweise. Sie glättet und entfernt Rückstände, enthält aber keine pflegenden Fette. Trockene, strapazierte Längen brauchen zusätzlich eine Spülung oder Kur.

Hilft Apfelessig gegen fettige Haare?

Die Rinse entfernt Rückstände, die das Haar schwer und schnell fettig wirken lassen. Die Talgproduktion der Kopfhaut verändert sie nicht.