Zum Inhalt springen
haushalt&wohnen

Anzug waschen oder reinigen lassen? Was Sakko und Hose vertragen

Christoph · 7 Min. Lesezeit

Sakkos in Grau und Blau mit Nadelstreifen auf Kleiderbügeln
Ein Sakko mit Einlagen und Schulterpolstern gehört in aller Regel in die Reinigung
Inhalt8 Abschnitte
  1. Was das Etikett sagt
  2. Warum das Sakko nicht in die Maschine darf
  3. Die Anzughose waschen
  4. Waschbare Anzüge
  5. Pflege zwischen den Reinigungen
  6. Wie oft in die Reinigung?
  7. Typische Fehler
  8. Häufige Fragen
Anzeige

Einen Anzug waschen können Sie in der Regel nur zur Hälfte: Die Hose verträgt häufig das Wollprogramm, das Sakko mit seinen Einlagen und Schulterpolstern dagegen fast nie – es gehört in die chemische Reinigung. Ausnahmen sind Anzüge, die ausdrücklich als waschbar verkauft werden. Entscheidend ist in jedem Fall das Pflegeetikett, und zwar das in jedem der beiden Teile.

Was das Etikett sagt

Im Sakko sitzt das Etikett meist in der linken Innentasche oder an der Seitennaht des Futters, in der Hose am Bund oder an der Gesäßtasche. Drei Zeichen sind wichtig:

  • Durchgestrichener Waschbottich: nicht waschen, weder in der Maschine noch von Hand.
  • Kreis mit Buchstabe P oder F: professionelle chemische Reinigung; der Buchstabe sagt der Reinigung, welches Lösungsmittel erlaubt ist.
  • Kreis mit W: professionelle Nassreinigung ist möglich. Das ist ein Verfahren der Reinigung mit Wasser, kein Freibrief für die eigene Waschmaschine.

Alle Zeichen im Überblick finden Sie im Beitrag Waschsymbole. Fehlt das Etikett, behandeln Sie den Anzug wie einen nicht waschbaren.

TeilTemperaturProgrammWaschmittelTrockner
Klassisches Sakko (Wolle, mit Einlage)–nicht waschen, chemische Reinigung–nein
Anzughose aus Wolle, laut Etikett waschbarkalt bis 30 °CWolle oder HandwäscheWollwaschmittelnein
Waschbarer Anzug (als solcher gekennzeichnet)30 °CFein oder Wolle, im WäschenetzFein- oder Wollwaschmittelnein
Ungefüttertes Sakko aus Baumwolle oder Leinenlaut Etikett, meist 30 °CFeinFeinwaschmittelnein
Westewie das Sakkomeist Reinigung–nein

Warum das Sakko nicht in die Maschine darf

Ein Sakko ist kein einzelnes Stück Stoff, sondern ein Aufbau aus mehreren Schichten. Unter dem Oberstoff liegt im Brustbereich und im Revers eine Einlage, die dem Sakko seine Form gibt. Sie ist entweder aufgeklebt oder eingenäht. Dazu kommen Schulterpolster, Verstärkungen am Kragen und an den Ärmelansätzen und ein Futter, häufig aus Viskose, Acetat oder Polyester.

Diese Materialien verhalten sich im Wasser unterschiedlich. Wolle quillt und kann einlaufen, das Futter schrumpft anders oder gar nicht, Schulterpolster saugen sich voll und verklumpen, und bei geklebten Einlagen kann sich die Verbindung zum Oberstoff lösen. Das Ergebnis sind Blasen und Wellen auf der Brust, ein Revers, das nicht mehr sauber rollt, verzogene Schultern und ein Futter, das unter dem Saum hervorschaut. Diese Schäden lassen sich auch durch Bügeln nicht mehr beheben.

Handwäsche ist keine sichere Alternative: Das Problem ist das Wasser, nicht die Trommel. Auch wer im Netz von einem geglückten Versuch liest, sollte bedenken, dass die Konstruktion von Sakko zu Sakko verschieden ist.

Die Anzughose waschen

Zeigt das Etikett der Hose einen Waschbottich, können Sie sie selbst waschen. Bedenken Sie aber: Wird die Hose häufiger gewaschen als das Sakko gereinigt, sehen die beiden Teile mit der Zeit unterschiedlich aus. Bei einem Anzug, den Sie als Anzug tragen, ist es deshalb meist klüger, beide Teile zusammen in die Reinigung zu geben. Für einzelne Stoffhosen gilt das nicht.

  1. Taschen leeren, Verschlüsse schließen. Reißverschluss, Haken und Knopf zu, Gürtel heraus.
  2. Auf links drehen. So wird der Oberstoff weniger gescheuert und bekommt keine Glanzstellen. Ein Wäschenetz schont zusätzlich.
  3. Wollprogramm wählen. Kalt bis 30 °C, mit Wollwaschmittel. Was dieses von anderen Mitteln unterscheidet, erklärt der Beitrag Wollwaschmittel. Kein Weichspüler.
  4. Niedrig schleudern. Die niedrigste Stufe genügt. Die Hose kommt tropfnass aus der Maschine, knittert dafür aber kaum.
  5. In der Bügelfalte aufhängen. Legen Sie die Hosenbeine Naht auf Naht, sodass die Bügelfalte vorn und hinten liegt, und hängen Sie die Hose an den Säumen an einen Klemmbügel. Das Gewicht des Bunds zieht sie glatt.
  6. Mit Tuch bügeln. Auf der Wollstufe (zwei Punkte), mit einem feuchten Baumwolltuch zwischen Eisen und Stoff. Ohne Tuch entstehen auf dunkler Wolle glänzende Stellen.

Der Trockner ist für Anzughosen tabu. Allgemeine Hinweise zur Wollwäsche stehen im Beitrag Wolle waschen.

Waschbare Anzüge

Manche Hersteller bieten Anzüge an, die ausdrücklich für die Waschmaschine gedacht sind. Sie bestehen meist aus Polyester, aus Mischgewebe oder aus entsprechend ausgerüsteter Wolle und sind so verarbeitet, dass Einlagen und Polster Wasser vertragen. Erkennbar sind sie am Waschbottich auf dem Etikett des Sakkos – nicht an der Werbung allein.

Halten Sie sich genau an die Herstellerangabe. Üblich sind 30 °C im Fein- oder Wollprogramm, das Sakko in einem großen Wäschenetz, mit geschlossenen Knöpfen und niedriger Schleuderdrehzahl. Hängen Sie das Sakko sofort nass auf einen breiten Formbügel, ziehen Sie Schultern, Revers und Ärmel mit der Hand in Form und lassen Sie es an der Luft trocknen. Leichte Sommersakkos aus Baumwolle oder Leinen ohne Futter sind ebenfalls manchmal waschbar; mehr zum Stoff im Beitrag Leinen waschen.

Pflege zwischen den Reinigungen

Jede chemische Reinigung beansprucht Stoff und Nähte. Mit etwas Pflege kommt ein Anzug lange ohne aus:

  • Auslüften. Hängen Sie den Anzug nach dem Tragen über Nacht frei auf, am besten am offenen Fenster oder auf dem Balkon, nicht in den vollen Schrank. Wolle gibt Gerüche und Feuchtigkeit von selbst wieder ab.
  • Einen Tag Pause. Tragen Sie denselben Anzug nicht an zwei Tagen hintereinander. Die Fasern richten sich wieder auf, Sitzfalten hängen sich aus.
  • Der richtige Bügel. Das Sakko gehört auf einen breiten, geformten Bügel, der die Schulter stützt. Auf dünnen Drahtbügeln bekommen die Schultern Beulen.
  • Ausbürsten. Eine Kleiderbürste mit Naturborsten entfernt Staub, Haare und Schuppen. Bürsten Sie von oben nach unten mit kurzen Strichen. Staub, der im Gewebe bleibt, scheuert die Fasern.
  • Dampf gegen Falten. Hängen Sie den Anzug beim Duschen ins Bad oder verwenden Sie einen Handdampfer mit etwas Abstand zum Stoff. Weitere Methoden nennt der Beitrag Bügeln ohne Bügeleisen.
  • Flecken sofort abtupfen. Mit einem sauberen, leicht feuchten Tuch tupfen, nicht reiben. Bei Fett, Rotwein oder Kugelschreiber besser nichts selbst versuchen und den Fleck in der Reinigung benennen.

Das Sakko selbst zu bügeln, ist heikel: Auf Brust und Revers verändert der Druck des Eisens die Form. Rücken und Ärmel lassen sich mit Dampf und Bügeltuch glätten, den Rest überlassen Sie der Reinigung.

Wie oft in die Reinigung?

Eine feste Regel gibt es nicht. Als grober Anhaltspunkt genügt bei einem Anzug, der regelmäßig, aber nicht täglich getragen wird, eine Reinigung ein- bis zweimal im Jahr – und sonst dann, wenn er sichtbar fleckig ist oder nach dem Lüften noch riecht. Wer täglich Anzug trägt, kommt mit mehreren Anzügen im Wechsel weiter als mit häufiger Reinigung.

Sinnvoll ist eine Reinigung außerdem, bevor der Anzug für längere Zeit in den Schrank kommt: Kleidermotten bevorzugen getragene Wolle mit Haut- und Schweißresten. Wie Sie vorbeugen, steht im Beitrag Kleidermotten.

Geben Sie immer Sakko, Hose und gegebenenfalls Weste gemeinsam ab, weisen Sie auf Flecken hin, und nehmen Sie den Anzug zu Hause aus der Folie. Darunter staut sich Feuchtigkeit.

Typische Fehler

  • Nur die Hose reinigen lassen. Sie wird heller und weicher als das Sakko.
  • Das Sakko „nur kurz“ im Wollprogramm waschen. Die Programmdauer ändert nichts daran, dass Einlage und Polster nass werden.
  • Flecken mit Fleckenspray bearbeiten. Auf Wolle bleiben leicht Ränder und aufgehellte Stellen zurück.
  • Ohne Bügeltuch bügeln. Glanzstellen auf dunklem Wollstoff gehen kaum wieder weg.
  • In der Reinigungsfolie lagern. Für die Aufbewahrung ist ein Kleidersack aus Stoff besser.

Häufige Fragen

Kann man ein Sakko in der Waschmaschine waschen?

Ein klassisch gearbeitetes Sakko nicht. Einlagen, Schulterpolster und Futter verziehen sich, und das Sakko verliert seine Form. Eine Ausnahme sind Sakkos, deren Etikett ausdrücklich einen Waschbottich zeigt.

Darf die Anzughose in die Waschmaschine?

Wenn das Etikett es erlaubt, ja: auf links, kalt bis 30 °C im Wollprogramm, mit Wollwaschmittel und niedriger Schleuderdrehzahl. Gehört die Hose zu einem Anzug, sollte sie aber nicht öfter gewaschen werden, als das Sakko gereinigt wird.

Was tun, wenn der Anzug nach Schweiß oder Rauch riecht?

Zuerst einen Tag an der frischen Luft hängen lassen, bei Bedarf mit etwas Dampf nachhelfen. Bleibt der Geruch, vor allem unter den Armen, hilft nur die Reinigung. Textilerfrischer überdecken den Geruch lediglich.

Was bedeutet der Kreis mit dem P auf dem Etikett?

Das Teil darf professionell chemisch gereinigt werden; der Buchstabe gibt der Reinigung das zulässige Lösungsmittel vor. Mit der Wäsche zu Hause hat das Zeichen nichts zu tun.

Wie bekomme ich Falten aus dem Sakko?

Am schonendsten mit Dampf: im Bad aufhängen, während Sie heiß duschen, oder mit einem Handdampfer aus kurzer Entfernung. Danach auf dem Formbügel vollständig trocknen lassen, bevor Sie das Sakko anziehen.

Anzeige
Anzeige