Zum Inhalt springen
haushalt&wohnen

Zwiebelsäckchen bei Ohrenschmerzen: Anleitung und Grenzen

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Zwei ganze Zwiebeln und geschnittene Zwiebelringe mit einem Messer auf einem Teller
Für ein Zwiebelsäckchen wird eine Zwiebel fein gehackt und in ein Tuch gebunden
Inhalt9 Abschnitte
  1. Was Sie brauchen
  2. Zwiebelsäckchen machen – Schritt für Schritt
  3. Typische Fehler
  4. Nichts ins Ohr träufeln
  5. Was bringt ein Zwiebelsäckchen wirklich?
  6. Wann lieber nicht?
  7. Wann zum Arzt?
  8. Was Sie sonst tun können
  9. Häufige Fragen

Ein Zwiebelsäckchen ist eines der bekanntesten Hausmittel bei Ohrenschmerzen: Eine gehackte Zwiebel wird in ein Tuch gewickelt, leicht erwärmt und auf das schmerzende Ohr gelegt. Viele Eltern schwören darauf, belegt ist die Wirkung aber nicht. Als milde Wärmeanwendung kann es die Zeit bis zum Arzttermin erträglicher machen – ersetzen kann es ihn nicht.

Was Sie brauchen

  • 1 mittelgroße Küchenzwiebel
  • ein dünnes Baumwolltuch, eine Mullwindel, ein Stofftaschentuch oder eine saubere dünne Socke
  • einen Topf mit etwas Wasser und einen passenden Deckel
  • eine Mütze, ein Stirnband oder einen Schal zum Festhalten
  • nach Wunsch ein kleines Handtuch, das über dem Säckchen die Wärme hält

Zwiebelsäckchen machen – Schritt für Schritt

  1. Zwiebel hacken. Die Zwiebel schälen und in kleine Würfel schneiden. Je feiner, desto mehr Saft tritt aus.
  2. Einpacken. Die Würfel in die Mitte des Tuchs geben und das Tuch zu einem flachen Päckchen falten, etwa so groß wie das Ohr mitsamt der Stelle dahinter. Bei einer Socke das offene Ende verknoten. Es darf nichts herausrieseln.
  3. Leicht andrücken. Mit dem Handballen einmal flach drücken, damit das Päckchen gut anliegt.
  4. Erwärmen. Wasser im Topf erhitzen, den Deckel umgedreht auflegen und das Säckchen für einige Minuten darauf legen. Alternativ das Päckchen zwischen zwei Wärmflaschen legen oder kurz auf die warme Heizung. Es soll handwarm werden, nicht heiß.
  5. Temperatur prüfen. Das Säckchen etwa eine halbe Minute an die Innenseite Ihres Unterarms halten. Fühlt es sich dort durchgehend angenehm an, passt es.
  6. Auflegen. Auf das schmerzende Ohr und den Knochen dahinter legen, ein kleines Tuch darüber und mit Mütze oder Stirnband locker festhalten.
  7. Ruhen. Etwa 20–30 Minuten liegen lassen, solange es als angenehm empfunden wird. Kinder dabei nicht allein lassen.
  8. Abnehmen. Die Haut trocken tupfen und das Ohr anschließend warm halten, etwa mit einer Mütze.

Das Säckchen können Sie zwei- bis dreimal am Tag frisch zubereiten. Jedes Mal eine neue Zwiebel nehmen; die alte landet im Biomüll.

Typische Fehler

  • Zu heiß. Die Haut am und hinter dem Ohr ist dünn. Von der Mikrowelle ist abzuraten, weil sich die feuchte Zwiebel darin ungleichmäßig und stellenweise sehr stark erhitzt.
  • Zu nass. Tropft das Päckchen, kann Zwiebelsaft in den Gehörgang laufen. Wickeln Sie dann eine zweite Stofflage herum.
  • Rohe Zwiebel direkt auf die Haut. Der Saft kann die Haut reizen und brennt in jeder kleinen Wunde.
  • Zu lange warten. Wer drei Tage Zwiebeln auflegt, während das Kind fiebert, hat das Hausmittel falsch verstanden.

Nichts ins Ohr träufeln

Ebenso verbreitet wie das Säckchen ist der Rat, Zwiebelsaft, warmes Öl oder Knoblauch ins Ohr zu geben. Lassen Sie das. Von außen kann niemand sehen, ob das Trommelfell unversehrt ist; bei einer Mittelohrentzündung kann es einreißen, und dann gelangt die Flüssigkeit ins Mittelohr. Auch Ohrentropfen sollten nur nach ärztlicher Untersuchung verwendet werden. Wattestäbchen haben im Gehörgang ebenfalls nichts zu suchen – sie schieben Ohrenschmalz nach hinten und können die Haut verletzen.

In dieselbe Kategorie gehören Ohrenkerzen. Warum HNO-Ärzte davon abraten und was dabei schiefgehen kann, lesen Sie im Beitrag zu Ohrenkerzen.

Was bringt ein Zwiebelsäckchen wirklich?

Der Zwiebel werden antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften nachgesagt, die über ihre Dämpfe bis ins Ohr wirken sollen. Dafür gibt es keinen Nachweis. Solche Eigenschaften sind für einzelne Inhaltsstoffe im Labor beschrieben; dass sie durch ein Tuch, die Haut und das Trommelfell hindurch eine Entzündung im Mittelohr beeinflussen, hat niemand gezeigt, und es ist auch nicht besonders plausibel.

Was bleibt, ist die Wärme. Sie wird bei Ohrenschmerzen von vielen als lindernd empfunden – und dazu kommen Ruhe, Zuwendung und das Gefühl, dass etwas getan wird, was gerade bei Kindern nicht zu unterschätzen ist. Fachleute aus Apotheke und Kinderheilkunde ordnen das Zwiebelsäckchen deshalb meist so ein: als unterstützende Maßnahme in Ordnung, wissenschaftlich nicht erwiesen. Ein angewärmtes Kirschkernkissen oder eine in ein Tuch gewickelte, nicht zu heiße Wärmflasche leisten dasselbe – ohne Zwiebelgeruch im Kinderzimmer.

Gut zu wissen: Viele Mittelohrentzündungen bei sonst gesunden Kindern heilen innerhalb weniger Tage von selbst ab, weshalb Ärztinnen und Ärzte oft zunächst nur die Schmerzen behandeln und abwarten. Das erklärt, warum fast jedes Hausmittel scheinbar „hilft“. Ob abgewartet werden kann, entscheidet aber die Untersuchung, nicht das Säckchen. Zu Schmerzmitteln für Kinder und ihrer Dosierung berät die Kinderarztpraxis oder Apotheke.

Wann lieber nicht?

  • Bei Ausfluss aus dem Ohr – Flüssigkeit, Eiter oder Blut. Das Ohr dann nur locker außen abtupfen und ärztlich untersuchen lassen.
  • Bei Ohrenschmerzen nach Baden oder Schwimmen, wenn schon das Ziehen an der Ohrmuschel oder Druck auf den kleinen Knorpel vor dem Gehörgang wehtut. Das spricht für eine Entzündung des Gehörgangs; feuchte Wärme ist dabei nicht hilfreich.
  • Bei Verletzungen, Ekzemen oder offenen Stellen an der Ohrmuschel.
  • Bei Säuglingen. Sie können nicht zeigen, wenn es zu warm ist, und Ohrenschmerzen gehören in diesem Alter ohnehin sofort abgeklärt.
  • Wenn Wärme den Schmerz verstärkt. Manche empfinden bei pochenden Ohrenschmerzen Wärme als unangenehm. Dann das Säckchen einfach weglassen.

Wann zum Arzt?

Ohrenschmerzen haben viele Ursachen – von der Mittelohr- oder Gehörgangsentzündung über einen Pfropf aus Ohrenschmalz bis zu Zähnen und Kiefergelenk. Von außen ist das nicht zu unterscheiden. Gehen Sie in die Kinderarzt-, Hausarzt- oder HNO-Praxis,

  • wenn die Schmerzen länger als ein bis zwei Tage anhalten oder stärker werden,
  • bei Fieber, deutlichem Krankheitsgefühl oder wenn ein Kind nicht mehr trinken will,
  • bei Säuglingen und Kindern unter zwei Jahren grundsätzlich und zeitnah, ebenso wenn beide Ohren schmerzen,
  • wenn Flüssigkeit, Eiter oder Blut aus dem Ohr läuft,
  • bei plötzlichem Hörverlust, Ohrgeräuschen oder Schwindel,
  • nach einem Schlag aufs Ohr, einem Tauchgang oder wenn ein Fremdkörper im Ohr stecken könnte,
  • wenn die Schmerzen immer wiederkehren.

Sofort ärztliche Hilfe – notfalls über die 116 117 oder die Notaufnahme – brauchen Sie bei einer Schwellung oder Rötung hinter dem Ohr, einer abstehenden Ohrmuschel, starken Kopfschmerzen, steifem Nacken, hängendem Mundwinkel, anhaltendem Erbrechen oder auffallender Schläfrigkeit. Bei Bewusstseinstrübung oder einem Krampfanfall wählen Sie die 112.

Was Sie sonst tun können

Lagern Sie den Kopf etwas höher, das mindert bei vielen den Druck im Ohr. Viel trinken und – in Absprache mit Arztpraxis oder Apotheke – eine freie Nase helfen, weil das Mittelohr über die Ohrtrompete mit dem Nasen-Rachen-Raum verbunden ist. Zugluft und kalter Wind am Ohr werden als unangenehm empfunden; eine Mütze schadet nie. Bei Erkältung mit verstopfter Nase kann eine Nasenspülung für Erwachsene und ältere Kinder wohltuend sein.

Häufige Fragen

Wie lange lässt man ein Zwiebelsäckchen auf dem Ohr?

Etwa 20–30 Minuten oder so lange, wie es angenehm warm ist. Danach abnehmen und das Ohr trocken und warm halten. Zwei- bis dreimal täglich ist üblich.

Zwiebelsäckchen warm oder kalt auflegen?

Handwarm. Kalt wirkt es eher unangenehm, heiß droht eine Verbrennung. Manche legen es auch bei Zimmertemperatur auf – da die Wirkung vermutlich vor allem von der Wärme kommt, ist das wenig sinnvoll.

Kann man das Zwiebelsäckchen über Nacht drauflassen?

Besser nicht. Es kühlt aus, wird feucht und verrutscht, und der Saft kann die Haut reizen oder in den Gehörgang laufen. Für die Nacht genügt es, das Ohr mit einer weichen Mütze oder einem Stirnband warm zu halten.

Ab welchem Alter ist ein Zwiebelsäckchen geeignet?

Für Säuglinge nicht. Bei Kleinkindern nur handwarm, kurz, unter Aufsicht und nicht als Ersatz für den Arztbesuch: Ohrenschmerzen bei Kindern unter zwei Jahren sollten zeitnah untersucht werden.

Hilft das Zwiebelsäckchen gegen eine Mittelohrentzündung?

Es behandelt die Entzündung nicht. Es kann als Wärmeanwendung die Schmerzen etwas dämpfen, bis die Entzündung von selbst abklingt oder ärztlich behandelt wird. Ob und wie behandelt werden muss, klärt die Untersuchung.