Zum Inhalt springen
haushalt&wohnen

Heiße Zitrone: Zubereitung und was sie bei Erkältung wirklich kann

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Tasse mit heißem Getränk und Zitronenscheibe, daneben halbierte Zitronen
Heiße Zitrone wärmt und liefert Flüssigkeit – eine Erkältung verkürzt sie kaum
Inhalt7 Abschnitte
  1. Heiße Zitrone zubereiten: das Grundrezept
  2. Warum das Wasser nicht kochen sollte
  3. Was bringt es wirklich?
  4. Honig, Ingwer, Minze: sinnvolle Varianten
  5. Wann lieber nicht?
  6. Wann zum Arzt?
  7. Häufige Fragen

Eine heiße Zitrone ist schnell gemacht: Zitronensaft, heißes Wasser, nach Geschmack etwas Honig. Sie wärmt, liefert Flüssigkeit und schmeckt – das ist bei einer Erkältung nicht wenig. Dass ihr Vitamin C den Infekt vertreibt oder verkürzt, ist dagegen ein Mythos, der sich hartnäckiger hält als jeder Schnupfen.

Heiße Zitrone zubereiten: das Grundrezept

Zutaten für einen Becher:

  • 1/2 bis 1 Zitrone (ergibt etwa 20–40 ml Saft)
  • 250 ml Wasser
  • nach Geschmack 1 Teelöffel Honig (etwa 7 g) oder etwas Zucker
  1. Wasser aufkochen und abkühlen lassen. Nach dem Kochen einige Minuten stehen lassen, bis das Wasser gut trinkwarm ist. Wer ein Thermometer hat: etwa 50–60 °C sind ein vernünftiges Ziel.
  2. Zitrone auspressen. Die Frucht vorher mit leichtem Druck auf der Arbeitsplatte rollen, dann gibt sie mehr Saft. Kerne entfernen.
  3. Saft und Wasser mischen. Erst den Saft in den Becher geben, dann das Wasser dazu.
  4. Süßen. Honig erst einrühren, wenn das Getränk Trinktemperatur hat.
  5. Gleich trinken. In kleinen Schlucken, solange es warm ist.

Wer eine Scheibe mit Schale in den Becher legen möchte, nimmt eine unbehandelte Bio-Zitrone und wäscht sie vorher heiß ab. Im Wasserkocher selbst hat Zitronensaft nichts verloren – es sei denn, Sie wollen ihn entkalken; wie das geht, steht im Ratgeber Wasserkocher entkalken.

Warum das Wasser nicht kochen sollte

Vitamin C (Ascorbinsäure) ist empfindlich: Hitze, Luft und Licht bauen es ab. Übergießen Sie den Saft mit sprudelnd kochendem Wasser, geht ein Teil des Vitamins verloren. Wie groß dieser Teil genau ist, hängt von Temperatur und Dauer ab; die im Netz verbreiteten exakten Prozentwerte sind mit Vorsicht zu genießen. Als Faustregel genügt: Wasser kurz abkühlen lassen, Saft frisch pressen, bald trinken.

Zwei weitere Gründe sprechen gegen kochend heißes Wasser. Erstens verbrüht man sich an einem zu heißen Getränk Mund und Rachen – bei Halsschmerzen besonders unangenehm. Zweitens verliert Honig in sehr heißem Wasser einen Teil seines Aromas.

Was bringt es wirklich?

Hier lohnt der nüchterne Blick, denn zu Vitamin C und Erkältung gibt es ungewöhnlich viele Studien. Das Forschungsnetzwerk Cochrane hat sie zusammengefasst, das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) kommt zu derselben Einschätzung:

  • Vorbeugen: Wer dauerhaft jeden Tag Vitamin C in Tablettenform einnimmt, erkältet sich nicht seltener als andere. Eine Ausnahme fanden die Forscher nur bei Menschen unter extremer körperlicher Belastung, etwa Marathonläufern.
  • Dauer: Bei regelmäßiger täglicher Einnahme fielen Erkältungen etwas kürzer aus, bei Erwachsenen um knapp ein Zehntel. Bei einer Erkältung von zehn Tagen ist das rund ein Tag.
  • Einnahme bei den ersten Beschwerden: Wer erst zum Vitamin C greift, wenn der Hals kratzt, hat davon keinen verlässlich messbaren Nutzen – weder für die Dauer noch für die Schwere.

Untersucht wurden dabei Präparate mit mindestens 200 mg Vitamin C am Tag. Eine heiße Zitrone liegt weit darunter: Zitronensaft enthält etwa 50 mg Vitamin C je 100 ml, im Saft einer halben Zitrone stecken also nur etwa 10–15 mg, und ein Teil davon geht in der Hitze verloren. Zum Vergleich: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Erwachsene einen Tagesbedarf von rund 100 mg, den eine normale Ernährung mit Obst und Gemüse ohne Weiteres deckt. Paprika, Kiwi oder Orangen liefern je Portion deutlich mehr als der Becher Zitronenwasser.

Die heiße Zitrone ist deshalb kein Vitaminstoß und kein Mittel gegen Viren. Ihr Wert liegt woanders: Ein warmes Getränk befeuchtet den Rachen, der aufsteigende Dampf tut der Nase für den Moment gut, und wer krank ist, trinkt mit etwas Geschmack leichter genug. Das gilt genauso für Kräutertee, Ingwertee oder eine Hühnersuppe.

Honig, Ingwer, Minze: sinnvolle Varianten

  • Mit Honig: rundet die Säure ab. Für Honig gibt es Hinweise aus Studien, dass er Hustenreiz bei Kindern ab einem Jahr etwas lindern kann – eine Wohltat, keine Behandlung.
  • Mit Ingwer: zwei bis drei dünne Scheiben frischen Ingwer mit dem heißen Wasser übergießen, einige Minuten ziehen lassen, dann erst den Zitronensaft zugeben.
  • Mit Minze oder Thymian: ein Zweig im Becher bringt Aroma. Kräuter brauchen heißeres Wasser als die Zitrone – also erst die Kräuter aufgießen, abkühlen lassen, dann den Saft dazu.
  • Ohne Süße: geht auch. Dann eher eine halbe Zitrone auf den Becher nehmen, sonst wird es sehr sauer.

Alkohol gehört nicht hinein. Ein Grog mit Zitrone mag wärmen, bei einem Infekt belastet Alkohol aber den Körper zusätzlich und verträgt sich schlecht mit vielen Medikamenten.

Wann lieber nicht?

  • Kinder im ersten Lebensjahr: kein Honig, auch nicht im Getränk. Er kann Bakteriensporen enthalten, die bei Säuglingen eine schwere Erkrankung (Säuglingsbotulismus) auslösen können. Heiße Getränke sind für die ganz Kleinen ohnehin nichts.
  • Empfindliche Zähne: Die Zitronensäure weicht den Zahnschmelz vorübergehend auf. Trinken Sie den Becher zügig, statt stundenlang daran zu nippen, spülen Sie mit klarem Wasser nach und warten Sie mit dem Zähneputzen etwa eine halbe Stunde.
  • Sodbrennen und empfindlicher Magen: Säure kann die Beschwerden verstärken. Dann ist milder Kräutertee die bessere Wahl.
  • Wunde Stellen im Mund und stark entzündeter Hals: Zitrone brennt. Weniger Saft nehmen oder darauf verzichten.
  • Diabetes: Honig und Zucker zählen mit.

Mehrere Becher am Tag sind für gesunde Erwachsene kein Problem, den Zähnen zuliebe aber besser im Wechsel mit Wasser oder ungesüßtem Tee.

Wann zum Arzt?

Kein Getränk ersetzt den Arztbesuch, wenn aus der Erkältung mehr wird. Lassen Sie sich untersuchen, wenn

  • Fieber über etwa 39 °C steigt oder länger als drei Tage anhält,
  • Atemnot, Schmerzen beim Atmen oder ein pfeifendes Atemgeräusch auftreten – bei schwerer Atemnot sofort 112,
  • starke Hals-, Ohren- oder Kopfschmerzen hinzukommen,
  • die Beschwerden nach etwa einer Woche nicht nachlassen oder nach einer Besserung wiederkehren,
  • Sie sich plötzlich sehr krank fühlen, mit hohem Fieber und Gliederschmerzen – das kann eine echte Grippe sein.

Säuglinge mit Fieber gehören immer zum Arzt. Schwangere, ältere Menschen und alle mit chronischen Erkrankungen von Herz, Lunge oder Immunsystem sollten früher nachfragen als andere.

Häufige Fragen

Geht das Vitamin C in heißem Wasser komplett verloren?

Nein, aber ein Teil. Je heißer das Wasser und je länger das Getränk steht, desto mehr wird abgebaut. Lassen Sie das Wasser nach dem Kochen einige Minuten abkühlen und trinken Sie die heiße Zitrone frisch.

Hilft heiße Zitrone gegen Erkältung?

Sie lindert für den Moment, weil sie wärmt und den Hals befeuchtet. Den Infekt verkürzt sie nach heutigem Wissen nicht; die Vitamin-C-Menge ist dafür zu klein, und selbst hoch dosierte Präparate bringen nach Beginn einer Erkältung keinen messbaren Vorteil.

Kann man fertigen Zitronensaft aus der Flasche nehmen?

Ja. Geschmacklich ist frisch gepresster Saft besser, der Unterschied im Vitamin-C-Gehalt spielt für die Erkältung keine Rolle. Instantpulver für „heiße Zitrone“ besteht oft überwiegend aus Zucker – ein Blick auf die Zutatenliste lohnt.

Wie viele heiße Zitronen darf man am Tag trinken?

Zwei bis drei Becher sind für gesunde Erwachsene unbedenklich. Zähne und Magen danken es, wenn Sie dazwischen Wasser oder Tee trinken.

Ab wann dürfen Kinder heiße Zitrone trinken?

Ohne Honig und nur lauwarm sowie stark verdünnt ist sie für Kleinkinder möglich, viele mögen die Säure aber nicht. Mit Honig frühestens nach dem ersten Geburtstag. Was Kindern bei Husten sonst angeboten wird, steht im Beitrag zum Zwiebelsaft; Erwachsene mit Halskratzen können zusätzlich mit Salzwasser gurgeln.