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Trockenbürsten: Anleitung, Richtung und was es bringt

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Holzbürste mit hellen Borsten liegt auf einem Handtuch
Gebürstet wird trocken, mit sanftem Druck und in Richtung Herz
Inhalt8 Abschnitte
  1. Die richtige Bürste
  2. Anleitung: von den Füßen Richtung Herz
  3. Wie oft und wann?
  4. Was bringt es wirklich?
  5. Wann lieber nicht?
  6. Wann zum Arzt?
  7. Bürste reinigen und pflegen
  8. Häufige Fragen

Trockenbürsten ist eine Massage der trockenen Haut mit einer Körperbürste, meist morgens vor dem Duschen. Sie dauert wenige Minuten, entfernt lose Hautschüppchen und hinterlässt ein warmes, waches Gefühl. Wichtig sind eine nicht zu harte Bürste, wenig Druck und die Richtung zum Herzen hin – und realistische Erwartungen: Ein glatteres Hautgefühl ja, „Entgiftung“ oder weggebürstete Cellulite nein.

Die richtige Bürste

  • Borsten: Naturborsten, zum Beispiel aus Pflanzenfasern wie Sisal oder Agave, oder weiche Tierborsten. Entscheidend ist die Härte: Für den Anfang eine weiche bis mittlere Bürste wählen. Sehr harte Borsten und Bürsten mit Metallfäden oder Noppen aus hartem Kunststoff kratzen eher, als dass sie massieren.
  • Form: Eine Handbürste mit Schlaufe liegt gut in der Hand; ein abnehmbarer Stiel hilft am Rücken.
  • Gesicht und Dekolleté: Hier ist die Haut dünner. Wenn überhaupt, dann nur mit einer eigens dafür gedachten, sehr weichen Bürste und ohne Druck.
  • Hygiene: Jede Person nutzt ihre eigene Bürste.

Ein Massagehandschuh aus Sisal oder ein raues Leinentuch erfüllen denselben Zweck. Wer neu kauft, findet Körperbürsten mit Naturborsten in Drogerien und im Versandhandel für wenig Geld.

Anleitung: von den Füßen Richtung Herz

Haut und Bürste müssen trocken sein. Auf feuchter Haut bleiben die Borsten hängen und reizen. Stellen Sie sich am besten in die Dusche oder auf ein Handtuch, denn es rieseln Hautschüppchen.

  1. Am Fuß beginnen. Traditionell startet man am rechten Fuß, also an der Stelle, die am weitesten vom Herzen entfernt ist. Fußrücken und Sohle mit kurzen Strichen bürsten.
  2. Das Bein hinauf. In langen, ruhigen Strichen vom Knöchel über Wade, Knie und Oberschenkel bis zur Leiste – erst außen, dann innen. Dann das linke Bein.
  3. Gesäß und unterer Rücken. Mit kreisenden Bewegungen, am Rücken von unten nach oben.
  4. Arme. Von der Hand über Unterarm und Oberarm zur Schulter, erst rechts, dann links.
  5. Bauch. Mit sehr leichtem Druck im Uhrzeigersinn kreisen.
  6. Brustkorb und Schultern. Sanft zur Körpermitte hin streichen; Brust und Brustwarzen aussparen.
  7. Duschen und eincremen. Lauwarm abduschen, abtupfen und eine Körperlotion auftragen.

Jede Stelle bekommt drei bis fünf Striche, das Ganze dauert drei bis fünf Minuten. Der Druck ist richtig, wenn die Haut sich angenehm warm anfühlt und höchstens leicht rosig wird. Rote Striemen, Brennen oder Jucken heißen: zu fest, zu lang oder zu harte Bürste.

Wie oft und wann?

Die meisten kommen mit zwei- bis dreimal pro Woche gut zurecht. Wer eine robuste Haut hat und es mag, kann häufiger bürsten; bei trockener oder empfindlicher Haut reicht einmal pro Woche. Beliebt ist der Morgen, weil das Bürsten wach macht – abends empfinden es manche als zu anregend. Passend dazu sind Wechselduschen oder ein kalter Abschluss beim Duschen, beides aber kein Muss.

An Tagen, an denen Sie ohnehin ein Körperpeeling verwenden, bleibt die Bürste liegen. Beides zusammen ist zu viel für die Hautbarriere; Rezepte für ein mildes Peeling zum Selbermachen finden Sie im eigenen Beitrag. Nach einer Rasur oder Epilation warten Sie mit dem Bürsten mindestens einen Tag.

Was bringt es wirklich?

Zum Trockenbürsten gibt es kaum aussagekräftige Studien. Was sich sagen lässt, stützt sich auf die Einschätzung von Hautärzten, wie sie etwa die Apotheken Umschau wiedergibt, und auf das, was mechanisch naheliegt.

PeelingPlausibel und sichtbar: Lose Hornschüppchen werden abgetragen, die Haut fühlt sich glatter an. Der Effekt hält nicht dauerhaft.
DurchblutungDie Haut wird durch die Reibung kurzzeitig stärker durchblutet, rosig und warm. Viele fühlen sich danach wacher.
CelluliteNicht belegt. Die Haut kann durch die Durchblutung vorübergehend praller wirken; die Ursache im Bindegewebe ändert das Bürsten nicht.
EntgiftungMythos. Abbau und Ausscheidung übernehmen Leber und Nieren, nicht die Haut.
LymphflussEine leichte Anregung ist denkbar, aber nicht nachgewiesen und nicht mit einer medizinischen Lymphdrainage vergleichbar.
Immunsystem, BesenreiserKeine Belege.

Unterm Strich ist Trockenbürsten ein preiswertes Körperpeeling mit Wachmacher-Effekt. Wer es als angenehmes Morgenritual mag, macht nichts falsch – wer sich davon straffere Oberschenkel verspricht, wird enttäuscht. Auch gegen eingewachsene Haare wird regelmäßiges sanftes Peeling oft empfohlen; entzündete Stellen bleiben dabei ausgespart.

Wann lieber nicht?

Lassen Sie die Bürste weg oder sparen Sie die betroffenen Stellen aus bei

  • Krampfadern und Besenreisern: Über erweiterte Venen wird nicht gebürstet. Bei Venenleiden oder nach einer Thrombose vorher ärztlich fragen.
  • Ekzemen, Neurodermitis, Schuppenflechte, Rosacea und anderen Hauterkrankungen – vor allem im Schub.
  • Sonnenbrand, offenen Wunden, frischen Narben, Entzündungen, Pilzinfektionen und Warzen. Über infizierte Stellen zu bürsten, kann Keime verschleppen.
  • erhabenen Muttermalen: aussparen, damit sie nicht aufgekratzt werden.
  • sehr trockener, dünner oder empfindlicher Haut, etwa im höheren Alter oder bei längerer Kortisonbehandlung.
  • Neigung zu blauen Flecken oder Einnahme blutverdünnender Medikamente: nur sehr sanft und nach ärztlicher Rücksprache.
  • Lymphödemen: Hier gehört die Behandlung in fachkundige Hände.

Kinderhaut braucht kein Trockenbürsten. In der Schwangerschaft ist sanftes Bürsten an Armen und Beinen meist unproblematisch; Bauch und Brust lassen Sie aus und sprechen im Zweifel mit Hebamme oder Arztpraxis.

Wann zum Arzt?

Bleibt die Haut nach dem Bürsten länger als einige Stunden gerötet, bilden sich Quaddeln, Pusteln oder nässende Stellen, legen Sie eine Pause ein. Klingt das nach wenigen Tagen nicht ab, ist die Hautarztpraxis die richtige Adresse. Unabhängig vom Bürsten gehören ein einseitig geschwollenes, schmerzendes oder überwärmtes Bein, neu aufgetretene Krampfadern mit Beschwerden und Muttermale, die sich verändern oder bluten, zeitnah in ärztliche Hände – bei plötzlicher Beinschwellung mit Schmerzen oder bei Atemnot sofort über die 112.

Bürste reinigen und pflegen

In den Borsten sammeln sich Hautschüppchen und Talg. Eine ungepflegte Bürste wird zum Nährboden für Keime.

  1. Nach jedem Gebrauch ausklopfen. Die Bürste über dem Waschbecken oder der Dusche ausschlagen.
  2. Alle ein bis zwei Wochen waschen. Die Borsten in lauwarmem Wasser mit etwas mildem Shampoo oder Seife durchkneten und gründlich ausspülen. Holzgriffe nicht einweichen, sonst quillt und reißt das Holz.
  3. Mit den Borsten nach unten trocknen. Auf ein Handtuch legen oder aufhängen, an einem luftigen Ort außerhalb der feuchten Dusche. Nicht auf die Heizung.
  4. Rechtzeitig ersetzen. Riecht die Bürste muffig, zeigen sich dunkle Stellen am Borstenansatz oder sind die Borsten platt und ausgefranst, ist eine neue fällig.

Dieselben Grundsätze gelten für andere Bürsten im Bad; siehe Haarbürste reinigen.

Häufige Fragen

In welche Richtung wird beim Trockenbürsten gebürstet?

Von den Füßen und Händen zum Rumpf hin, also in Richtung Herz. An den Beinen von unten nach oben, an den Armen von der Hand zur Schulter, am Bauch im Uhrzeigersinn.

Trockenbürsten vor oder nach dem Duschen?

Davor. Die Haut muss trocken sein, und unter der Dusche spülen Sie die gelösten Hautschüppchen gleich ab. Danach eincremen, weil die Haut nach dem Bürsten Pflege gut gebrauchen kann.

Hilft Trockenbürsten gegen Cellulite?

Dafür gibt es keinen Beleg. Die Haut wirkt durch die stärkere Durchblutung kurzzeitig glatter, die Dellen selbst verschwinden durch das Bürsten nicht.

Wie oft sollte man trockenbürsten?

Zwei- bis dreimal pro Woche ist für die meisten ein guter Rhythmus, bei empfindlicher Haut einmal. Reagiert die Haut gereizt, verlängern Sie die Pausen oder nehmen eine weichere Bürste.

Kann ich auch das Gesicht trockenbürsten?

Nur mit einer besonders weichen Gesichtsbürste und ohne Druck – und nicht bei Rötungen, Äderchen oder Pickeln. Die Körperbürste ist für das Gesicht zu grob. Für die meisten ist eine milde Reinigung die schonendere Wahl.