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Inhalieren mit Salz: Mischung, Dauer und was es bringt

Christoph · 7 Min. Lesezeit

Dampfender Kochtopf auf einem Herd, darüber eine Hand mit Schöpfkelle
Beim Inhalieren über der Schüssel wirkt nur der Wasserdampf – das Salz verdampft nicht mit
Inhalt9 Abschnitte
  1. Warum das Salz in der Schüssel bleibt
  2. Dampf inhalieren über der Schüssel: so geht es sicher
  3. Inhalieren mit dem Vernebler: die richtige Salzlösung
  4. Was bringt es wirklich?
  5. Zusätze: Kamille, ätherische Öle und warum weniger mehr ist
  6. Wann lieber nicht?
  7. Wann zum Arzt?
  8. Was sonst gegen trockene Atemwege hilft
  9. Häufige Fragen

Inhalieren mit Salz gehört zu den bekanntesten Hausmitteln bei Schnupfen und Husten – nur funktioniert es über der Schüssel anders, als die meisten denken: Das Salz bleibt im Wasser, eingeatmet wird allein der Wasserdampf. Wer tatsächlich Salzlösung in die Atemwege bringen möchte, braucht einen Vernebler. Beides kann bei einer Erkältung angenehm sein, heilt sie aber nicht.

Warum das Salz in der Schüssel bleibt

Kochsalz löst sich in Wasser, verdampft aber nicht mit. Das kennt jeder vom Nudelwasser: Kocht der Topf leer, bleibt eine weiße Kruste am Boden zurück. Salz hat einen Siedepunkt weit oberhalb von allem, was in der Küche erreicht wird. Der Dampf, der aus der Schüssel aufsteigt, ist deshalb reines Wasser – gleichgültig, ob Sie einen Teelöffel oder eine Handvoll Salz hineingegeben haben.

Für die klassische Dampfinhalation mit Schüssel und Handtuch heißt das: Das Salz können Sie weglassen. Es schadet nicht, es nützt aber auch nicht. Was Sie spüren, ist die warme, feuchte Luft auf den Schleimhäuten.

Anders arbeitet ein Vernebler. Das Gerät erhitzt die Flüssigkeit nicht, sondern zerstäubt sie mit Druckluft, Ultraschall oder einer schwingenden Membran zu winzigen Tröpfchen. In diesen Tröpfchen ist das Salz enthalten, und sie gelangen mit der Atemluft in Nase, Rachen und je nach Gerät auch in die Bronchien.

VerfahrenWas eingeatmet wirdWofür es taugtWorauf zu achten ist
Schüssel mit Handtuchwarmer Wasserdampf, kein Salzbefeuchtet Nase und Rachen, wird als wohltuend empfundenVerbrühungsgefahr, nichts für Kinder
Dampfinhalator aus Kunststoff mit Nasen-Mund-Aufsatzwarmer Wasserdampf, kein Salzwie die Schüssel, aber standfester und ohne Dampf in den AugenWasser nicht kochend einfüllen
Verneblerkühler Nebel aus Salzlösungbringt Salzlösung in die Atemwegesterile Lösung, Gerät nach Anleitung reinigen

Dampf inhalieren über der Schüssel: so geht es sicher

Sie brauchen eine schwere, standfeste Schüssel oder einen breiten Topf, etwa 1 bis 2 l Wasser, ein großes Handtuch und einen stabilen Tisch.

  1. Wasser erhitzen und abkühlen lassen. Das Wasser aufkochen und dann einige Minuten stehen lassen. Es soll deutlich dampfen, aber nicht mehr sprudelnd heiß sein.
  2. Schüssel sicher aufstellen. Auf einen festen Tisch stellen, nicht auf das Bett, das Sofa oder die Knie. Die Schüssel höchstens zur Hälfte füllen.
  3. Hinsetzen und Abstand halten. Beugen Sie sich so über die Schüssel, dass das Gesicht etwa zwei Handbreit über dem Wasser bleibt. Brennt der Dampf im Gesicht, ist er zu heiß – Abstand vergrößern oder noch warten.
  4. Handtuch überlegen. Das Tuch über Kopf und Schüssel legen, damit der Dampf nicht entweicht. Wem darunter schwindelig oder eng wird, der lässt es weg oder lüftet es an einer Seite.
  5. Ruhig atmen. Bei Schnupfen durch die Nase ein- und durch den Mund ausatmen, bei Halskratzen und Husten durch den Mund ein. Normal tief atmen, nicht hecheln.
  6. Nach etwa 10 Minuten aufhören. Länger bringt nichts. Gesicht abtrocknen und danach nicht sofort in die Kälte gehen.

Üblich sind ein bis drei Anwendungen am Tag, solange sie Ihnen guttun.

Inhalieren mit dem Vernebler: die richtige Salzlösung

Für den Vernebler wird in der Regel isotonische Kochsalzlösung verwendet. Sie enthält 0,9 Prozent Salz, das entspricht 9 g auf 1 l Wasser, und hat damit etwa den Salzgehalt der Körperflüssigkeiten. Deshalb reizt sie die Schleimhäute nicht.

Rechnerisch können Sie diese Lösung selbst mischen. Für den Vernebler ist das trotzdem keine gute Idee: Der feine Nebel dringt tief in die Atemwege, und eine in der Küche angerührte Lösung ist nicht keimfrei. Für das Gerät nehmen Sie sterile Kochsalzlösung in Einzelampullen aus der Apotheke. Eine angebrochene Ampulle wird nicht aufbewahrt. Lösungen mit höherem Salzgehalt gibt es ebenfalls; sie können Hustenreiz auslösen und sind etwas für die Absprache mit Arzt oder Apotheke, nicht für den Selbstversuch.

Die selbst gemischte Lösung mit 9 g Salz je Liter hat an anderer Stelle ihren Platz: beim Gurgeln mit Salzwasser und bei der Nasenspülung. Dort kommt das Salz tatsächlich mit der Schleimhaut in Berührung.

Ein Vernebler muss nach jeder Anwendung so gereinigt und getrocknet werden, wie es die Anleitung vorschreibt. In feuchten Schläuchen und Behältern vermehren sich Keime, die dann beim nächsten Mal eingeatmet werden – dasselbe Problem wie beim Luftbefeuchter.

Was bringt es wirklich?

Ehrlich eingeordnet: wenig Belegtes, aber oft ein gutes Gefühl. Studien zum Inhalieren von warmem Dampf bei Erkältung kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen. Eine Übersichtsarbeit des Forschungsnetzwerks Cochrane fand nur wenige kleine Untersuchungen und keinen verlässlichen Nachweis, dass erwärmte, feuchte Luft eine Erkältung verkürzt oder die Beschwerden messbar bessert. Viren tötet der Dampf nicht ab.

Trotzdem empfinden viele Menschen das Inhalieren als Erleichterung. Feuchte Wärme lässt zähes Sekret kurzzeitig besser abfließen, die Nase fühlt sich für eine Weile freier an. Als Wohltat ist das Inhalieren in Ordnung, solange Sie es sicher machen. Mehr sollten Sie nicht erwarten.

Bei der Salzlösung aus dem Vernebler geht es vor allem um das Befeuchten der Atemwege. Ob das bei einer gewöhnlichen Erkältung einen spürbaren Unterschied macht, ist ebenfalls nicht gut untersucht. Wer wegen einer chronischen Atemwegserkrankung ein Gerät besitzt, inhaliert so, wie es ihm verordnet wurde.

Zusätze: Kamille, ätherische Öle und warum weniger mehr ist

Anders als Salz gehen flüchtige Stoffe aus Kamille, Thymian oder ätherischen Ölen mit dem Dampf in die Luft. Das riecht nach Linderung, kann aber auch reizen: Ätherische Öle brennen in den Augen und können empfindliche Atemwege zusätzlich reizen. Wer Asthma hat oder zu Allergien neigt, lässt sie weg.

Bei Säuglingen und Kleinkindern sind ätherische Öle mit Menthol, Kampfer, Eukalyptus oder Pfefferminze tabu; sie können bei ihnen Atemnot auslösen. In einen Vernebler gehören grundsätzlich keine Öle und keine Tees, sondern nur das, wofür das Gerät laut Anleitung gedacht ist.

Wann lieber nicht?

  • Kinder: Kleine Kinder inhalieren nicht über einer Schüssel mit heißem Wasser. Sie können stillsitzen noch nicht zuverlässig, stoßen die Schüssel um, und das heiße Wasser läuft ihnen in den Schoß. Kliniken berichten immer wieder von schweren Verbrühungen genau auf diesem Weg. Fragen Sie in der Kinderarztpraxis, was für Ihr Kind geeignet ist.
  • Kreislaufprobleme: Wem bei Wärme leicht schwindelig wird, der verzichtet auf das Handtuch oder ganz auf die Dampfinhalation.
  • Entzündete Haut und Augen: Bei entzündlichen Hauterkrankungen im Gesicht, etwa Rosazea, und bei Augenentzündungen ist heißer Dampf ungünstig.
  • Asthma und andere Atemwegserkrankungen: Vorher mit dem Arzt sprechen. Dampf und Zusätze können einen Hustenanfall auslösen.

Ist etwas passiert: Verbrühte Haut sofort etwa 10 Minuten mit kühlem, nicht eiskaltem Leitungswasser kühlen, durchnässte Kleidung ausziehen und bei großflächigen Verbrühungen sowie bei Kindern den Notruf 112 wählen.

Wann zum Arzt?

Eine gewöhnliche Erkältung klingt meist innerhalb von ein bis zwei Wochen von selbst ab. Ärztlichen Rat sollten Sie einholen, wenn

  • Atemnot, pfeifende Atmung oder Schmerzen beim Atmen auftreten – bei schwerer Atemnot sofort 112,
  • hohes Fieber besteht oder Fieber länger als etwa drei Tage anhält,
  • die Beschwerden nach etwa einer Woche nicht nachlassen oder nach einer Besserung wieder schlimmer werden,
  • starke Schmerzen in Stirn, Wangen oder Ohren hinzukommen,
  • der Husten länger als drei Wochen dauert oder blutiger Auswurf auftritt.

Bei Säuglingen, in der Schwangerschaft, bei chronischen Erkrankungen von Herz oder Lunge und bei geschwächtem Immunsystem gilt: lieber früh nachfragen. Ein Säugling mit Fieber gehört immer zum Arzt.

Was sonst gegen trockene Atemwege hilft

Viel trinken, die Nase mit Salzlösung feucht halten und trockene Heizungsluft vermeiden bringen im Alltag oft mehr als die Schüssel. Welche Werte im Schlafraum sinnvoll sind, steht im Ratgeber zur Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer. Wärme von außen liefert ein Erkältungsbad, sofern kein Fieber besteht.

Häufige Fragen

Wie viel Salz gehört beim Inhalieren ins Wasser?

Für die Schüssel gar keines – es verdampft nicht und kommt nicht in der Nase an. Für den Vernebler nimmt man fertige sterile Kochsalzlösung mit 0,9 Prozent Salz; das entspricht 9 g auf 1 l Wasser.

Wie lange und wie oft sollte man inhalieren?

Üblich sind etwa 10 Minuten, ein- bis dreimal am Tag. Hören Sie früher auf, wenn Ihnen schwindelig wird oder der Dampf unangenehm ist.

Kann ich Meersalz oder jodiertes Speisesalz nehmen?

Über der Schüssel spielt die Salzsorte keine Rolle, weil das Salz im Wasser bleibt. In den Vernebler gehört kein selbst aufgelöstes Salz, sondern sterile Lösung aus der Apotheke.

Hilft Inhalieren gegen Husten?

Feuchte, warme Luft kann den Hustenreiz für eine Weile dämpfen und zähen Schleim lockern. Dass der Husten dadurch schneller vergeht, ist nicht belegt.

Dürfen Kinder inhalieren?

Nicht über einer Schüssel mit heißem Wasser – die Verbrühungsgefahr ist zu groß. Ob ein Vernebler mit Salzlösung sinnvoll ist, entscheidet die Kinderarztpraxis.