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Wasserleitung eingefroren: vorbeugen und richtig auftauen

Christoph · 5 Min. Lesezeit

Außenwasserhahn an einer Backsteinwand mit Eiszapfen am Rohr
Außenwasserhähne vor dem ersten Frost innen absperren und entleeren
Inhalt7 Abschnitte
  1. Warum Rohre einfrieren und platzen
  2. Vorbeugen: so frieren Rohre nicht ein
  3. Woran Sie ein eingefrorenes Rohr erkennen
  4. Auftauen Schritt für Schritt
  5. Wenn das Rohr geplatzt ist
  6. Versicherung: was zahlt, was nicht
  7. Häufige Fragen

Eine eingefrorene Wasserleitung tauen Sie langsam und von der Hahnseite her auf: Wasserhahn öffnen, das Rohr mit einem Föhn oder mit warmen, feuchten Tüchern erwärmen, bis wieder Wasser fließt. Offene Flammen sind tabu. Ist das Rohr bereits geplatzt, schließen Sie sofort den Haupthahn und rufen einen Installateur. Am besten kommt es aber gar nicht so weit: Mit ein paar Handgriffen im Herbst frieren Leitungen gar nicht erst ein.

Warum Rohre einfrieren und platzen

Wasser dehnt sich beim Gefrieren um etwa ein Zehntel aus. In einem geschlossenen Rohr baut sich dabei ein Druck auf, dem weder Kupfer noch Kunststoff auf Dauer standhalten. Oft platzt das Rohr nicht an der gefrorenen Stelle selbst, sondern daneben, wo das eingeschlossene Wasser keinen Platz mehr hat. Tückisch ist, dass man den Schaden erst bemerkt, wenn es taut: Dann läuft Wasser ungehindert aus dem Riss.

Gefährdet sind vor allem Leitungen in unbeheizten Räumen, also im Keller, in der Garage, im Gartenhaus oder auf dem Dachboden, Leitungen an Außenwänden und Außenwasserhähne. Auch leer stehende Wohnungen und Ferienhäuser sind betroffen, wenn die Heizung ausgeschaltet wurde.

Vorbeugen: so frieren Rohre nicht ein

  1. Heizung nie ganz ausschalten. Auch in selten genutzten Räumen und bei Abwesenheit sollte die Heizung auf Frostschutz stehen, meist das Schneeflocken-Symbol am Thermostat. Wie Sie trotzdem sparen, steht unter Heizkosten sparen.
  2. Außenwasserhähne absperren und entleeren. Vor dem ersten Frost das Absperrventil innen schließen, den Außenhahn öffnen und das Restwasser ablaufen lassen. Den Hahn danach offen lassen, damit sich kein Druck aufbauen kann. Den Gartenschlauch abschrauben.
  3. Leitungen in kalten Räumen dämmen. Rohre in Keller, Garage oder Dachboden bekommen eine Dämmung aus Schaumstoff- oder Kautschukschläuchen. Passende Rohrisolierung gibt es im Baumarkt in verschiedenen Durchmessern. Eine Dämmung verzögert das Einfrieren, verhindert es bei langem, starkem Frost aber nicht allein.
  4. Kellerfenster schließen. Ein gekipptes Kellerfenster über Nacht kann bei Frost reichen, um eine Leitung einzufrieren. Zum Lüften lieber kurz und kräftig, siehe Richtig lüften.
  5. Unbenutzte Leitungen entleeren. Wird ein Gebäudeteil oder ein Ferienhaus im Winter nicht genutzt, sperren Sie das Wasser ab und lassen die Leitungen leer laufen.
  6. Heizband bei Problemstellen. Für Leitungen, die regelmäßig einfrieren, gibt es elektrische Heizbänder. Sie gehören fachgerecht montiert und dürfen nur mit geeigneter Steckdose betrieben werden.

Woran Sie ein eingefrorenes Rohr erkennen

Aus dem Hahn kommt kein Wasser oder nur ein dünnes Rinnsal, obwohl andere Hähne im Haus funktionieren. Manchmal sieht man an der Leitung Reif oder spürt, dass ein Abschnitt eiskalt ist. Folgen Sie der Leitung vom Hahn aus in Richtung Hausanschluss: Die gefrorene Stelle liegt meist dort, wo das Rohr durch einen kalten Raum oder an einer Außenwand entlang verläuft.

Auftauen Schritt für Schritt

  1. Rohr auf Risse prüfen. Sehen Sie sich die Leitung an, soweit sie sichtbar ist. Ist sie gerissen oder aufgebeult, schließen Sie vor dem Auftauen den Haupthahn, sonst läuft beim Tauen Wasser aus.
  2. Wasserhahn öffnen. Den Hahn, der an der gefrorenen Leitung hängt, aufdrehen. So kann Schmelzwasser abfließen, der Druck sinkt, und Sie merken, wann das Rohr wieder frei ist.
  3. Vom Hahn her auftauen. Beginnen Sie am Hahn und arbeiten Sie sich langsam Richtung gefrorene Stelle vor. So kann das Wasser immer ablaufen.
  4. Sanfte Wärme verwenden. Ein Föhn, ein Heizlüfter im Raum oder Tücher, die in heißes Wasser getaucht und ausgewrungen wurden, erwärmen das Rohr schonend. Wechseln Sie die Tücher, sobald sie abgekühlt sind.
  5. Geduld haben. Je nach Frost dauert es von einigen Minuten bis zu einer Stunde oder länger. Den Hahn offen lassen, bis wieder ein normaler Strahl kommt.
  6. Kontrollieren. Nach dem Auftauen die Leitung auf Tropfen oder feuchte Stellen prüfen, auch in den Stunden danach.

Nie mit offener Flamme auftauen. Lötlampen, Gasbrenner oder Feuerzeuge erhitzen das Rohr punktuell. Dabei können Lötstellen aufgehen, Kunststoffrohre schmelzen, und Dämmung oder Holz in der Nähe fangen Feuer. Vorsicht außerdem mit Strom und Wasser: Den Föhn nicht in Pfützen oder auf nassem Boden benutzen und nie mit nassen Händen.

Wenn das Rohr geplatzt ist

Läuft Wasser aus einer Leitung, zählt jede Minute.

  1. Haupthahn schließen. Er sitzt meist in der Nähe des Wasserzählers im Keller, in Wohnungen oft zusätzlich im Bad oder in der Küche hinter einer Revisionsklappe. Wo er ist, sollten alle im Haushalt wissen, bevor etwas passiert.
  2. Strom beachten. Ist Wasser in die Nähe von Steckdosen, Verteilern oder Geräten gelangt, schalten Sie die betroffenen Sicherungen aus, sofern Sie trocken an den Sicherungskasten kommen. Sonst nichts anfassen.
  3. Installateur rufen. Ein gerissenes Rohr gehört in die Hand eines Fachbetriebs; ein provisorisches Abdichten mit Tape hält nicht.
  4. Schaden dokumentieren. Fotos von der Leitung und den nassen Stellen machen, bevor aufgeräumt wird.
  5. Vermieter oder Versicherung informieren. Möglichst sofort.

Nasse Wände und Böden müssen gründlich trocknen, sonst droht später Schimmel; Hinweise dazu stehen unter Schimmel in der Wohnung.

Versicherung: was zahlt, was nicht

Schäden durch Leitungswasser, auch durch Frost, sind in der Regel über die Wohngebäudeversicherung (Schäden am Haus und an den Leitungen) und die Hausratversicherung (Schäden an Möbeln und Einrichtung) abgedeckt. Viele Verträge enthalten aber Pflichten zur Vorsorge, sogenannte Obliegenheiten: In der kalten Jahreszeit müssen Gebäude ausreichend beheizt oder Leitungen abgesperrt und entleert werden, besonders bei längerer Abwesenheit. Wer das versäumt, riskiert, dass die Versicherung ihre Leistung kürzt. Was genau gilt, steht in Ihren Versicherungsbedingungen. Als Mieter melden Sie Schäden am Gebäude und an Leitungen dem Vermieter.

Häufige Fragen

Kann ich ein eingefrorenes Rohr mit heißem Wasser übergießen?

Heiße, feuchte Tücher sind besser, weil sie gleichmäßig wärmen. Kochendes Wasser direkt auf ein kaltes Rohr zu gießen, ist bei Kunststoff ungünstig und bringt auch bei Metall wenig, weil es sofort abläuft.

Wie lange dauert es, bis ein Rohr auftaut?

Das hängt von der Frostdauer und der Länge der gefrorenen Stelle ab, meist zwischen einigen Minuten und einer Stunde. Warten Sie nicht auf Tauwetter, wenn Sie den Schaden gleich finden und beheben können.

Frieren Abwasserrohre auch ein?

Ja, besonders Leitungen außen am Haus oder in unbeheizten Räumen. Dann läuft das Wasser nicht mehr ab. Kein Salz und keinen Abflussreiniger hineinschütten; lassen Sie sich im Zweifel von einem Installateur helfen.

Bei welcher Temperatur frieren Rohre ein?

Ab Temperaturen unter 0 °C im Raum besteht Gefahr. In der Praxis frieren Leitungen meist bei länger anhaltendem, stärkerem Frost, vor allem an Außenwänden und in Räumen, in die kalte Luft strömt.