Praxistest
mifold Sitzerhöhung Grab-and-Go Booster im Praxistest
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Der mifold „Grab-and-Go“ ist eine Sitzerhöhung, die zusammengeklappt kaum größer ist als ein Taschenbuch. Wir haben ihn uns im Winter 2020/21 genauer angesehen, fotografiert und im Auto ausprobiert. Unser Ergebnis: eine pfiffige Lösung für seltene Fahrten, bei denen sonst gar kein Sitz dabei wäre – aber kein Ersatz für einen richtigen Kindersitz.
Was den mifold von anderen Sitzerhöhungen unterscheidet
Eine klassische Sitzerhöhung hebt das Kind an, damit der Erwachsenengurt richtig über Becken und Schulter läuft. Der mifold geht den umgekehrten Weg: Das Kind sitzt fast auf dem Autositz, und zwei ausziehbare Gurtführungen rechts und links ziehen den Beckengurt nach unten auf die Oberschenkel. Ein zusätzlicher Schultergurtführer, der mit einem Band am Sitz befestigt wird, holt den Diagonalgurt vom Hals weg auf die Schulter.
Laut Hersteller besteht der Rahmen aus Aluminium, die Gurtführungen aus einem besonders festen Kunststoff und die Sitzfläche aus einem dichten Schaum mit rutschhemmendem Stoff. Der Sitz ist für Kinder ab etwa vier Jahren beziehungsweise 15 kg bis 36 kg angegeben.

Lieferumfang und erster Eindruck
Der mifold kommt in einer schmalen Schachtel und wurde in mehreren Farben angeboten, auf unseren Fotos sind Schwarz, Blau und Pink zu sehen. Im Karton liegen die Sitzerhöhung selbst und der Schultergurtführer mit Befestigungsband. Eine Transporttasche gab es separat.
Die Sitzfläche ist gepolstert und mit kleinen Noppen überzogen, die das Rutschen auf dem Autositz verhindern sollen. Die Oberseite trägt ein Rautenmuster mit dem Logo. Auffällig ist, wie flach das Ganze ist: Selbst aufgeklappt misst die Sitzfläche nur wenige Zentimeter Höhe, wie das Maßband auf unserem Foto zeigt.



Aufbau und Einstellung
Zum Aufbauen werden die beiden roten Gurtführungen seitlich herausgezogen. Die Breite lässt sich laut Hersteller in drei Stufen an das Kind anpassen, verstellt wird über einen Schieber, der sich mit einer Hand bedienen lässt. Die Anleitung ist als Bildfolge direkt auf der Unterseite aufgedruckt, dort findet sich auch das orangefarbene Zulassungsetikett.





Im Auto: Anschnallen braucht Übung
Das Kind setzt sich auf den mifold, der Beckengurt wird durch beide Gurtführungen gefädelt, dann wird der Schultergurt in den Führer eingehängt. Das Einfädeln ist fummeliger als bei einer klassischen Sitzerhöhung mit offenen Gurthaken. Genau das haben auch ADAC und Stiftung Warentest bemängelt: Das Anschnallen ist aufwendig, und es besteht die Gefahr, dass der Gurt falsch geführt wird.
Kontrollieren Sie nach jedem Anschnallen den Gurtverlauf: Der Beckengurt muss flach über die Oberschenkel laufen, nicht über den Bauch. Der Schultergurt gehört mittig über Schulter und Brust, nicht an den Hals und nicht unter den Arm. Auf unseren Fotos sieht man, wie die Gurtführungen den Beckengurt tief halten.



Die Schwächen: was die großen Tests fanden
Der mifold wurde von Stiftung Warentest und vom ADAC geprüft, beide Male mit deutlicher Kritik. Hauptpunkt ist der fehlende Seitenaufprallschutz. Den hat keine Sitzerhöhung ohne Rückenlehne, beim mifold kommt aber hinzu, dass das Kind sehr tief sitzt. Bemängelt wurden außerdem, dass der Schultergurt bei Bewegungen des Kindes nicht zuverlässig in Position bleibt, dass der Sitz auf dem Autositz verrutschen kann und dass das Anschnallen zu Fehlern verleitet. Positiv sah der ADAC die geringe Schadstoffbelastung, den geringen Platzbedarf und die Verarbeitung; im Frontalaufprall blieb der Beckengurt auf dem Becken.
Aktuelle Kindersitztests veröffentlichen ADAC und Stiftung Warentest regelmäßig. Beide raten grundsätzlich zu Sitzen mit Rückenlehne.
Zulassung: was R44/04 heute bedeutet
Der mifold ist nach ECE R44/04 für die Gruppen 2 und 3 „universal“ zugelassen, also für Kinder von 15 bis 36 kg in Autos mit Dreipunktgurt. Seit dem 1. September 2024 dürfen Kindersitze nach R44/04 in der EU nicht mehr verkauft werden, es gilt die Norm UN ECE R129 („i-Size“). Wer einen R44-Sitz besitzt, darf ihn weiter benutzen. Nach R129 sind Sitzerhöhungen ohne Rückenlehne erst ab 125 cm Körpergröße bzw. 22 kg vorgesehen. Auch wenn das Etikett 15 kg nennt: Für kleinere Kinder ist ein Sitz mit Rückenlehne und Seitenschutz die deutlich sicherere Wahl. Mehr dazu in unserem Überblick zum Sitzerhöhung-Test.
Für wen der mifold taugt
Sinnvoll ist der mifold dort, wo ein normaler Kindersitz nicht dabei ist und das Kind sonst ohne Sitzerhöhung fahren würde:
- Taxi und Mietwagen im Urlaub, wenn kein Sitz gemietet werden kann.
- Fahrgemeinschaften zur Schule oder zum Sport, wenn ein zusätzliches Kind mitfährt.
- Spontane Fahrten mit Großeltern oder Freunden.
- Drei Kinder auf der Rückbank, wenn für drei breite Sitze kein Platz ist – hier ist der schmale mifold für ein älteres Kind eine Option.
Für die tägliche Fahrt zur Kita oder die Urlaubsreise im eigenen Auto gehört ein Kindersitz mit Rückenlehne hinein, etwa eine Sitzerhöhung mit Rückenlehne oder ein mitwachsender Kindersitz. Wer eine platzsparende Zweitlösung sucht, sollte auch die aufblasbare Sitzerhöhung kennen – sie hat dieselben Grenzen.
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Technische Daten laut Hersteller
| Zulassung | ECE R44/04, Gruppe 2/3, universal |
| Gewicht des Kindes | 15–36 kg (laut Etikett), Hersteller nennt etwa 4–12 Jahre |
| Körpergröße | bis 150 cm laut Hersteller |
| Befestigung | Dreipunktgurt des Autos, kein Isofix |
| Einstellung | Gurtführungen in drei Breiten |
| Material | Aluminiumrahmen, Kunststoff-Gurtführungen, Schaumpolster |
| Rückenlehne / Seitenschutz | keine |
Häufige Fragen
Ist der mifold in Deutschland erlaubt?
Ja. Er ist nach ECE R44/04 zugelassen und darf benutzt werden. Neu verkauft werden dürfen R44-Sitze seit September 2024 in der EU nicht mehr, vorhandene bleiben erlaubt.
Ab welchem Alter darf ein Kind auf dem mifold sitzen?
Das Etikett nennt 15 bis 36 kg. Sicherheitsexperten empfehlen Sitzerhöhungen ohne Rückenlehne aber erst für größere Kinder; nach der neuen Norm R129 sind sie ab 125 cm vorgesehen. Jüngere Kinder sitzen in einem Sitz mit Rückenlehne besser geschützt.
Warum hat der mifold in Tests schlecht abgeschnitten?
Vor allem wegen des fehlenden Seitenaufprallschutzes, dazu kamen der unzuverlässig geführte Schultergurt, Verrutschen und die Gefahr von Bedienfehlern. Er ist für seltene Ausnahmefahrten gedacht, nicht als Hauptsitz.
Hat der mifold eine Rückenlehne?
Nein. Er besteht nur aus Sitzfläche, zwei Gurtführungen und einem separaten Schultergurtführer. Eine Rückenlehne lässt sich nicht nachrüsten.
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