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Lavendelsäckchen selber machen: nähen, füllen, auffrischen

Christoph · 7 Min. Lesezeit

Leinensäckchen mit Lavendelzweigen neben einem Holzherz auf einer Bank
Lavendelsäckchen duften ein bis zwei Jahre und lassen sich durch Kneten auffrischen
Inhalt10 Abschnitte
  1. Welcher Lavendel sich eignet
  2. Lavendel ernten: der richtige Zeitpunkt
  3. Lavendel trocknen
  4. Säckchen nähen
  5. Lavendelsäckchen ohne Nähen
  6. Wohin damit – und wie viele?
  7. Duft auffrischen und erneuern
  8. Was bringt es wirklich gegen Motten?
  9. Wann lieber nicht?
  10. Häufige Fragen

Lavendelsäckchen selber machen ist eines der einfachsten Nähprojekte überhaupt: zwei Stoffquadrate, drei Nähte, getrocknete Lavendelblüten hinein, zubinden. Entscheidend für einen Duft, der Monate hält, ist weniger das Nähen als die Ernte zum richtigen Zeitpunkt und gründliches Trocknen. Im Schrank sorgt das Säckchen für frischen Wäscheduft – als Mottenschutz taugt es nur eingeschränkt.

Welcher Lavendel sich eignet

Am feinsten duftet der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia), der in den meisten Gärten wächst und winterhart ist. Lavandin, eine großwüchsige Kreuzung mit langen Blütenähren, riecht kräftiger und etwas herber, fast kampferartig; im Säckchen hält sein Duft lange. Schopflavendel mit den auffälligen „Hasenohren“ an der Blüte ist hübsch, eignet sich zum Trocknen aber weniger.

Wer keinen Garten hat, kauft getrocknete Lavendelblüten lose. Achten Sie auf ganze, noch bläuliche Blüten; graue, zerbröselte Ware hat den größten Teil ihres Dufts schon hinter sich.

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Lavendel ernten: der richtige Zeitpunkt

Der Duft steckt im ätherischen Öl der Blütenkelche, und davon ist am meisten da, kurz bevor die Blüte voll aufgeht.

  1. Zeitpunkt abpassen. Schneiden Sie, wenn an den Ähren die ersten Einzelblüten geöffnet, die meisten aber noch geschlossen sind. Je nach Sorte und Region ist das meist zwischen Juni und August.
  2. Trockenes Wetter wählen. Ideal ist ein sonniger Vormittag, sobald der Tau abgetrocknet ist. Nasse Stängel schimmeln beim Trocknen.
  3. Mit Stiel schneiden. Die Blütenstände mit einem möglichst langen Stiel abschneiden, etwa eine Handbreit über dem verholzten Teil. Das ist zugleich der Sommerschnitt für die Pflanze.
  4. Ausschütteln. Kräftig schütteln, damit Insekten herausfallen. Nicht waschen.

Voll aufgeblühte oder schon verblühte Ähren können Sie trotzdem verwenden – sie duften schwächer und rieseln stärker.

Lavendel trocknen

  1. Bündeln. Je 20–30 Stängel mit einem Gummiband zu kleinen Sträußen binden. Gummi zieht sich mit, wenn die Stängel beim Trocknen dünner werden; eine Schnur wird locker.
  2. Kopfüber aufhängen. An einem luftigen, trockenen, schattigen Ort: Dachboden, Schuppen, Flur. Nicht in die pralle Sonne, die bleicht die Farbe aus und treibt das Öl heraus. Nicht in Küche, Bad oder feuchten Keller.
  3. Warten. Nach etwa ein bis zwei Wochen sind die Blüten trocken, wenn sie beim Reiben rascheln und sich leicht vom Stängel lösen.
  4. Abrebeln. Die Ähren über einer Schüssel zwischen den Fingern abstreifen. Stängelstücke aussortieren, sie pieken durch den Stoff.

Nur ganz trockene Blüten kommen ins Säckchen. Restfeuchte führt im geschlossenen Schrank zu Schimmel und Muff – dann riecht die Wäsche schlechter als vorher. Was übrig bleibt, hält sich in einem Schraubglas oder einer Blechdose dunkel gelagert bis zum nächsten Jahr.

Säckchen nähen

Sie brauchen:

  • Stoffrest aus Baumwolle oder Leinen, dicht genug, dass nichts durchrieselt, aber luftdurchlässig (alte Hemden, Geschirrtücher und Bettwäsche sind ideal)
  • Nähgarn, Nadel oder Nähmaschine, Schere, Stecknadeln
  • Band oder Kordel, etwa 30 cm
  • zwei bis drei gehäufte Esslöffel getrocknete Lavendelblüten je Säckchen
  1. Zuschneiden. Ein Rechteck von etwa 12 × 26 cm zuschneiden. Das ergibt ein Säckchen von rund 10 × 12 cm.
  2. Oberkante säumen. An beiden kurzen Seiten den Stoff einen Zentimeter nach links umbügeln und feststeppen, damit der Rand später nicht ausfranst.
  3. Falten und zusammennähen. Das Rechteck rechts auf rechts zur Hälfte legen, sodass die gesäumten Kanten aufeinandertreffen. Die beiden Seitennähte mit etwa einem Zentimeter Nahtzugabe schließen, Anfang und Ende verriegeln.
  4. Wenden. Ecken schräg abschneiden, ohne die Naht zu verletzen, Säckchen wenden und die Ecken mit einem Stift ausformen.
  5. Füllen. Mit einem Löffel oder einem Trichter aus gerolltem Papier zu etwa zwei Dritteln füllen. Zu prall gestopfte Säckchen lassen sich nicht mehr kneten.
  6. Verschließen. Mit dem Band fest zubinden, doppelt knoten, Schleife darüber. Wer es dauerhaft mag, näht die Öffnung zu – zum Nachfüllen ist die Schleife praktischer.

Für ein flaches Duftkissen statt eines Beutels nähen Sie zwei Quadrate rundum zusammen, lassen eine Wendeöffnung von vier Zentimetern, füllen und schließen sie von Hand. Solche Kissen passen gut zwischen Wäschestapel.

Lavendelsäckchen ohne Nähen

  • Stofftaschentuch oder Stoffkreis: Blüten in die Mitte häufen, die Ecken hochnehmen und mit einem Band oder Gummiring fest abbinden. Mit der Zackenschere geschnittene Ränder fransen nicht aus.
  • Organzabeutel: Fertige Beutel mit Zugband gibt es im Bastelbedarf. Bei grobem Gewebe ein Stück Teefilter oder dünnen Stoff einlegen, sonst rieselt es.
  • Teefilter aus Papier: füllen, umschlagen, zutackern oder zubinden – unsichtbar in Schubladen und Schuhen.
  • Einzelne Socke: Füllen, verknoten, fertig. Die Lösung für alle Socken, deren Partner verschwunden ist.
  • Textilkleber oder Saumband zum Aufbügeln ersetzen die Nähte, wenn es doch ein richtiges Säckchen werden soll.

Wohin damit – und wie viele?

Im Kleiderschrank genügen ein bis zwei Säckchen je Fach oder eines an der Kleiderstange; in Schubladen eines je Lade. Weitere gute Plätze sind Wäscheschrank, Koffer, Sporttasche, Schuhregal und Auto. Legen Sie das Säckchen nicht direkt auf helle, empfindliche Stoffe, wenn Sie es mit Öl aufgefrischt haben – Öl kann Flecken hinterlassen.

Riecht der Schrank muffig, liegt das an Feuchtigkeit, und die überdeckt Lavendel nur kurz. Was dann hilft, steht unter Muffiger Geruch im Schrank.

Duft auffrischen und erneuern

Lässt der Duft nach, kneten Sie das Säckchen kräftig zwischen den Händen. Dabei brechen die Blütenkelche auf und geben neues Öl frei; das funktioniert viele Male. Wenn Kneten nicht mehr reicht, träufeln Sie ein bis zwei Tropfen ätherisches Lavendelöl auf die Blüten – Säckchen öffnen oder durch den Stoff auf die Füllung, dann einen Tag offen ausdünsten lassen, bevor es zurück zur Wäsche kommt.

Nach etwa einem Jahr, spätestens wenn die Blüten zu Staub zerfallen, wird die Füllung ersetzt. Die alte kann auf den Kompost, die Hülle kommt in die Wäsche. Praktisch: Jeden Sommer zur Lavendelernte einmal alle Säckchen neu füllen.

Was bringt es wirklich gegen Motten?

Hier lohnt Ehrlichkeit. Nach Angaben des Umweltbundesamts gibt es für Lavendel – wie für Zedernholz und Zirbe – Hinweise, dass der Duft Kleidermotten vergrämen kann. Ein sicherer Schutz ist das nicht, und er hält nur, solange das Säckchen kräftig riecht.

Gegen einen vorhandenen Befall hilft Lavendel nicht. Die Löcher in Wolle und Seide fressen die Larven, und die lassen sich von Duft nicht beeindrucken. Wer Fraßlöcher, Gespinste oder kleine helle Falter im Schrank findet, braucht andere Mittel: Schrank ausräumen und aussaugen, befallene Textilien waschen, einfrieren oder erhitzen. Das ganze Vorgehen steht im Ratgeber Kleidermotten; ob überhaupt Falter unterwegs sind, zeigt eine Mottenfalle.

Als Vorbeugung ist das Säckchen ein Baustein neben den wichtigeren: nur saubere Kleidung einlagern, Wollsachen regelmäßig bewegen und lüften, Saisonkleidung dicht verpacken.

Ähnlich nüchtern fällt das Urteil beim Schlaf aus. Viele empfinden Lavendelduft als beruhigend, und ein Säckchen am Kopfkissen kann ein angenehmes Einschlafritual sein. Eine verlässliche Wirkung gegen Schlafstörungen ist damit nicht verbunden; was erwiesenermaßen hilft, steht unter Besser einschlafen.

Wann lieber nicht?

  • Babys und Kleinkinder: kein Säckchen ins Bett oder in Reichweite. Bänder und herausrieselnde Blüten sind eine Erstickungsgefahr, und ätherische Öle gehören nicht in die Nähe der Kleinsten.
  • Katzen und andere Haustiere: Ätherische Öle, auch Lavendelöl, vertragen Katzen schlecht. Mit Öl aufgefrischte Säckchen gehören in den geschlossenen Schrank und sind kein Spielzeug. Mehr dazu im Beitrag Raumduft selber machen.
  • Allergien und Asthma: Wer auf Duftstoffe oder Korbblütler-Pollen empfindlich reagiert, testet erst mit einem Säckchen außerhalb des Schlafzimmers. Bei Niesen, Kopfschmerzen oder Hautreizungen kommt es wieder weg.

Häufige Fragen

Wie lange duftet ein Lavendelsäckchen?

Mit gut getrockneten Blüten mehrere Monate, mit regelmäßigem Kneten etwa ein Jahr. Lavandin hält meist länger als Echter Lavendel, riecht aber herber.

Kann man Lavendel im Backofen trocknen?

Es geht bei sehr niedriger Temperatur und leicht geöffneter Tür, kostet aber Duft, weil das ätherische Öl bei Wärme verfliegt. Lufttrocknen im Schatten dauert länger und bringt das bessere Ergebnis.

Kann man Lavendelsäckchen waschen?

Das gefüllte Säckchen nicht – nasse Blüten schimmeln und verlieren ihren Duft. Füllung herausnehmen, Hülle waschen, trocknen und neu füllen.

Welcher Stoff eignet sich am besten?

Dicht gewebte Baumwolle oder Leinen. Sehr dicke Stoffe lassen wenig Duft durch, sehr grobe lassen Blüten durchrieseln. Kunstfaser funktioniert, lädt sich aber leichter statisch auf.

Hilft Lavendel auch gegen Lebensmittelmotten?

Darauf sollten Sie sich nicht verlassen. In der Küche zählen dicht schließende Vorratsgefäße und das Aussortieren befallener Packungen; Lavendel neben Mehl und Müsli gibt außerdem Geschmack ab.