Wohnung kindersicher machen: Raum für Raum
Inhalt10 Abschnitte
- Wann Sie anfangen sollten
- Stürze: Treppe, Fenster, Wickeltisch
- Möbel kippsicher befestigen
- Vergiftungen: was hoch und verschlossen gehört
- Küche: Herd, heiße Getränke, Messer
- Steckdosen, Kabel und Schnüre
- Bad und Wasser: nie allein lassen
- Kleinteile, Spielzeug und Schlaf
- Die Checkliste Raum für Raum
- Häufige Fragen
Eine kindersichere Wohnung entsteht nicht durch möglichst viel Zubehör, sondern durch einen Blick aus Kinderperspektive: Was kann mein Kind erreichen, wo kann es hinaufklettern, was könnte es in den Mund nehmen? Die wichtigsten Maßnahmen sind wenige: Treppen und Fenster sichern, schwere Möbel an der Wand befestigen, Putzmittel, Medikamente und Knopfzellen verschlossen aufbewahren und Kinder am Wasser nie allein lassen. Den Rest regelt Aufmerksamkeit, und die lässt sich nicht kaufen.
Wann Sie anfangen sollten
Am besten bevor Ihr Kind mobil wird, also etwa ab dem Alter, in dem es sich dreht und zu robben beginnt. Kinder lernen Krabbeln, Hochziehen und Klettern oft schneller, als man erwartet, und entdecken dann über Nacht Schubladen und Steckdosen. Gehen Sie einmal auf Knien durch die Wohnung. Aus dieser Höhe sehen Sie Kabel, Steckdosen, lose Kleinteile unter dem Sofa und Reinigungsmittel unter der Spüle so, wie Ihr Kind sie sieht. Mit jedem Entwicklungsschritt lohnt eine neue Runde: Wer laufen kann, erreicht die Tischkante, wer klettert, kommt an Fensterbänke.
Stürze: Treppe, Fenster, Wickeltisch
Stürze sind bei kleinen Kindern die häufigste Unfallursache im Haushalt.
- Treppen sichern Sie oben und unten mit einem Treppenschutzgitter nach DIN EN 1930. Oben an der Treppe gehört ein fest verschraubtes Gitter hin; Klemmgitter können sich lösen und sind dort ungeeignet, mehr dazu unter Treppenschutzgitter zum Klemmen. Wo sich kein Gitter anbringen lässt, kann ein Treppenschutzrollo eine Lösung sein.
- Fenster und Balkontüren sichern Sie mit abschließbaren Fenstergriffen oder Fenstersperren. Stellen Sie keine Möbel, Kisten oder Betten unter Fenster, denn Kinder nutzen alles als Kletterhilfe. Ein Fliegengitter hält kein Kind.
- Balkon: Auch hier keine Stühle, Blumenkübel oder Spielzeugkisten an die Brüstung stellen.
- Wickeltisch: Eine Hand bleibt immer am Kind, auch bei einem Wickeltisch mit hohem Rand. Alles, was Sie brauchen, liegt vorher griffbereit.
Möbel kippsicher befestigen
Regale, Kommoden, Bücherschränke und Fernseher können umkippen, wenn Kinder daran hochklettern oder Schubladen als Treppe benutzen. Die Folgen sind oft schwer. Befestigen Sie deshalb alle hohen oder schweren Möbel mit Winkeln oder Kippsicherungen an der Wand. Viele Möbel haben die passenden Beschläge schon im Karton, sie werden nur oft nicht montiert. Fernseher stehen tief und sicher oder werden an der Wand befestigt, ihre Kabel verschwinden hinter dem Gerät. Schwere Gegenstände gehören in die unteren Schubladen und Fächer, nicht nach oben.
Vergiftungen: was hoch und verschlossen gehört
Kinder nehmen alles in den Mund, und viele Haushaltsmittel sehen aus wie Süßigkeiten oder Getränke. Hoch allein reicht nicht, verschlossen ist sicherer, denn Kinder klettern.
- Reinigungsmittel, besonders Maschinengeschirrspülmittel, Waschmittelkissen, Entkalker und Abflussreiniger, gehören in einen abschließbaren Schrank. Der Platz unter der Spüle ist nur mit Schranksperre geeignet. Füllen Sie nie etwas in Getränkeflaschen um; warum auch Mischen gefährlich ist, steht unter Putzmittel, die man nie mischen darf.
- Medikamente bewahren Sie in einem abschließbaren Medizinschrank auf, auch die Tabletten aus Handtasche und Nachttisch. Besuch von Großeltern ist eine typische Gelegenheit, bei der Medikamente in Reichweite liegen.
- Knopfzellen sind besonders gefährlich: Verschluckt können sie in der Speiseröhre innerhalb kurzer Zeit schwere Verätzungen verursachen. Batteriefächer von Fernbedienungen, Waagen und Spielzeug sollten verschraubt sein, Ersatzbatterien liegen verschlossen.
- Magnete: Verschluckt ein Kind mehrere kleine, starke Magnete, können sie sich im Darm gegenseitig anziehen und die Darmwand verletzen.
- Zimmerpflanzen, Zigaretten, E-Zigaretten-Liquids, Alkohol und Lampenöle gehören ebenfalls außer Reichweite.
Hat ein Kind etwas verschluckt, rufen Sie den Giftnotruf Ihres Bundeslandes an, speichern Sie die Nummer am besten jetzt schon im Handy. Die Fachleute dort sagen, was zu tun ist. Bei verschluckten Knopfzellen oder Magneten fahren Sie sofort in die Klinik, bei Bewusstlosigkeit oder Atemnot rufen Sie die 112. Nicht zum Erbrechen bringen, das kann schaden.
Küche: Herd, heiße Getränke, Messer
Verbrühungen passieren meist durch heiße Getränke und Töpfe. Ein Herdschutzgitter verhindert, dass Kinder Töpfe von der Platte ziehen; Pfannenstiele drehen Sie nach hinten und kochen möglichst auf den hinteren Platten. Heiße Tassen stehen nicht an der Tischkante, und Tischdecken, an denen ein Kind ziehen kann, räumen Sie lieber weg. Der Wasserkocher gehört samt Kabel nach hinten. Messer, Scheren und Folienschneider kommen in eine gesicherte Schublade. Backofentüren werden außen heiß; eine Backofensperre verhindert zumindest das Öffnen.
Steckdosen, Kabel und Schnüre
Moderne Steckdosen haben oft einen eingebauten Kinderschutz, erkennbar an Klappen hinter den Öffnungen. Wo er fehlt, helfen Steckdosensicherungen zum Einkleben oder Einschrauben. Ein Set Steckdosenschutz kostet wenig. Verlängerungskabel und Mehrfachsteckdosen liegen nicht offen auf dem Boden, Ladekabel stecken nicht ohne Gerät in der Dose.
Schnüre von Jalousien, Rollos und Vorhängen sind eine unterschätzte Gefahr, weil sich ein Kind darin verfangen und strangulieren kann. Kürzen Sie die Schnüre oder wickeln Sie sie oben an einem Haken auf, außer Reichweite. Betten und Laufstall stehen nicht neben Fenstern mit Schnüren.
Bad und Wasser: nie allein lassen
Lassen Sie ein kleines Kind in der Badewanne nie allein, auch nicht für einen Moment. Kinder ertrinken lautlos, ohne zu schreien oder zu strampeln, und schon wenige Zentimeter Wasser reichen. Wenn es an der Tür klingelt, nehmen Sie das Kind mit. Badesitze ersetzen keine Aufsicht. Wassereimer leeren Sie nach dem Putzen sofort, Planschbecken nach dem Spielen, Regentonnen im Garten bekommen einen festen Deckel. Das Toilettendeckelschloss verhindert, dass ein Kleinkind kopfüber hineinfällt. Gegen Verbrühungen hilft eine Thermostatarmatur mit Temperatursperre; den Warmwasserspeicher drehen Sie dafür nicht einfach herunter, weil sich darin sonst Legionellen vermehren können.
Kleinteile, Spielzeug und Schlaf
Alles, was durch eine Klopapierrolle passt, kann ein Kleinkind verschlucken oder einatmen: Münzen, Nüsse, Murmeln, Legoteile, Luftballonreste. Spielzeug für ältere Geschwister gehört in deren Zimmer. Im Bett schläft ein Baby am sichersten auf dem Rücken, ohne Kissen, dicke Decken und Kuscheltiere, im Schlafsack. Was fürs Kinderzimmer sonst sinnvoll ist, steht unter Baby-Grundausstattung.
Die Checkliste Raum für Raum
- Überall: Steckdosen gesichert, Möbel verankert, Schnüre hochgebunden, Kleinteile vom Boden.
- Flur und Treppe: Schutzgitter oben verschraubt, unten Gitter oder Rollo.
- Küche: Herdschutz, Stiele nach hinten, Reiniger und Messer verschlossen, Wasserkocher hinten.
- Bad: Medikamente und Kosmetik verschlossen, Toilettendeckel gesichert, Kind nie allein in der Wanne.
- Wohn- und Schlafzimmer: Fenstergriffe abschließbar, keine Kletterhilfen unter Fenstern, Fernseher gesichert.
- Balkon: nichts an der Brüstung, Tür gesichert.
Weitere Themen für junge Familien finden Sie in der Rubrik Familie. Und ohne Panik: Keine Wohnung ist vollkommen sicher. Wenn die großen Gefahren gebannt sind, darf das Kind auch hinfallen und dabei lernen.
Häufige Fragen
Ab wann muss die Wohnung kindersicher sein?
Spätestens wenn Ihr Kind anfängt zu robben oder zu krabbeln, meist irgendwann im zweiten Lebenshalbjahr. Besser ist es, schon vorher damit anzufangen.
Brauche ich Kantenschutz an allen Möbeln?
Nicht unbedingt. Kantenschutz dämpft Stöße an Tischkanten in Kopfhöhe des Kindes. Wichtiger sind Maßnahmen gegen schwere Unfälle: Treppe, Fenster, kippende Möbel, Gift und Wasser.
Was tun, wenn mein Kind eine Knopfzelle verschluckt hat?
Sofort ärztliche Hilfe holen, am besten direkt in eine Kinderklinik, auch wenn das Kind noch keine Beschwerden hat. Bei Atemnot die 112 rufen. Nicht zum Erbrechen bringen.
Reicht ein Klemmgitter oben an der Treppe?
Nein. Oben gehört ein fest verschraubtes Gitter hin, das keine Stolperschwelle hat und nicht zur Treppe hin aufschwingt. Klemmgitter eignen sich für Türrahmen und den Treppenfuß.
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