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Zwiebelsaft gegen Husten selber machen

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Zwei Bügelgläser mit Honig und ein Honiglöffel vor dunklem Hintergrund
Honig oder Zucker zieht den Saft aus der Zwiebel – Honig ist für Kinder unter einem Jahr tabu
Inhalt9 Abschnitte
  1. Zutaten und Material
  2. Zwiebelsaft ansetzen – das Grundrezept
  3. Die schnelle Variante: gekocht
  4. Wie man Zwiebelsaft nimmt
  5. Haltbarkeit und Hygiene
  6. Was bringt Zwiebelsaft wirklich?
  7. Wann lieber nicht?
  8. Wann zum Arzt?
  9. Häufige Fragen

Zwiebelsaft gegen Husten selber machen ist einfach: Eine gehackte Zwiebel wird mit Zucker oder Honig bedeckt, der Zucker zieht den Saft heraus, und nach einigen Stunden steht ein süßer Sirup im Glas. Er schmeckt milder, als man erwartet, und wird teelöffelweise genommen. Ein Arzneimittel ist er nicht – ob er über das angenehme Gefühl im Hals hinaus wirkt, ist offen.

Zutaten und Material

  • 1 große Zwiebel (etwa 150 g), gelb oder rot
  • 2–3 Esslöffel Zucker (etwa 40 g) – Haushaltszucker, brauner Zucker oder Kandis
  • oder stattdessen 2–3 Esslöffel flüssiger Honig (etwa 50 g)
  • ein sauberes Schraubglas mit Deckel, vorher heiß ausgespült
  • ein feines Sieb und ein Teelöffel

Aus dieser Menge entstehen je nach Zwiebel etwa 50–80 ml Saft. Mehr anzusetzen lohnt nicht, weil er sich nur kurz hält.

Zwiebelsaft ansetzen – das Grundrezept

  1. Zwiebel würfeln. Die Zwiebel schälen und in kleine Würfel schneiden. Je kleiner, desto schneller tritt der Saft aus.
  2. Schichten. Zwiebelwürfel und Zucker abwechselnd ins Glas geben oder beides gut vermischen. Bei Honig die Würfel einfach damit übergießen und umrühren.
  3. Ziehen lassen. Das Glas verschließen und mindestens zwei bis drei Stunden stehen lassen, besser über Nacht im Kühlschrank. Der Zucker entzieht der Zwiebel das Wasser; am Boden sammelt sich klarer Sirup.
  4. Abseihen. Den Saft durch das Sieb in ein zweites sauberes Glas gießen und die Zwiebelstücke mit einem Löffel leicht ausdrücken.
  5. Kühl stellen. Verschlossen in den Kühlschrank stellen und mit Datum beschriften.

Die schnelle Variante: gekocht

Wer nicht warten will, kocht den Saft. Geben Sie die gewürfelte Zwiebel mit etwa 100 ml Wasser und dem Zucker in einen kleinen Topf, lassen Sie alles einmal aufkochen und dann bei kleiner Hitze etwa fünf bis zehn Minuten ziehen, bis die Zwiebeln glasig sind. Abkühlen lassen und abseihen. Der gekochte Saft schmeckt milder und süßer und ist dünnflüssiger.

Honig wird nicht mitgekocht, sondern erst in den lauwarmen Sud gerührt – nicht wegen einer besonderen Heilkraft, die verloren ginge, sondern weil er sonst nur als teurer Zucker dient und das Aroma leidet. Manche Rezepte geben einen Zweig Thymian oder eine Scheibe Ingwer dazu; das ändert den Geschmack, ein zusätzlicher Nutzen ist nicht belegt.

Wie man Zwiebelsaft nimmt

Zwiebelsaft ist ein Lebensmittel, eine Dosierung im medizinischen Sinn gibt es nicht. Üblich sind ein bis zwei Teelöffel mehrmals am Tag, bei Kindern ab einem Jahr eher ein Teelöffel. Lassen Sie den Sirup langsam den Rachen hinunterlaufen. Ein Löffel vor dem Schlafengehen ist beliebt, weil nächtlicher Reizhusten am meisten stört – danach aber noch einmal die Zähne putzen.

Länger als einige Tage sollte die Kur nicht dauern. Bessert sich der Husten nicht, ist das kein Zeichen, mehr Saft zu nehmen, sondern den Husten ansehen zu lassen.

Haltbarkeit und Hygiene

Selbst gemachter Zwiebelsaft ist nicht konserviert. Der kalt angesetzte Sirup enthält zwar viel Zucker, aber auch viel Wasser aus der Zwiebel – genug, damit er gären oder schimmeln kann. Deshalb:

  • immer im Kühlschrank aufbewahren, gut verschlossen
  • innerhalb von zwei bis drei Tagen aufbrauchen; manche Rezepte nennen bis zu fünf Tage, eine verlässliche Quelle dafür gibt es nicht
  • jedes Mal einen sauberen Löffel nehmen und nicht aus dem Glas trinken
  • wegschütten, wenn der Saft trüb wird, schäumt, säuerlich oder vergoren riecht

Setzen Sie lieber alle zwei Tage eine frische halbe Zwiebel an als einmal ein großes Glas.

Was bringt Zwiebelsaft wirklich?

Zum Zwiebelsaft selbst gibt es keine klinischen Studien. Der Zwiebel werden schleimlösende, antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben; das stützt sich auf Laborbefunde zu einzelnen Schwefelverbindungen und auf lange Tradition, nicht auf Untersuchungen an hustenden Menschen. Als Arzneipflanze gegen Husten ist die Zwiebel von den zuständigen Fachgremien nicht anerkannt.

Etwas besser sieht es für eine der Zutaten aus. Zu Honig bei akutem Husten von Kindern gibt es mehrere kleine Studien, die eine Cochrane-Übersicht ausgewertet hat: Honig lindert den Husten demnach wahrscheinlich etwas besser als gar keine Behandlung oder ein Scheinpräparat. Die Belege sind aber schwach, die meisten Kinder bekamen ihn nur für eine einzige Nacht. Vermutet wird, dass schon das Süße und Zähflüssige den gereizten Rachen beruhigt und den Speichelfluss anregt – das träfe dann auch auf Zuckersirup zu.

Ehrlich zusammengefasst: Zwiebelsaft schadet richtig angewendet nicht, kann den Hustenreiz für eine Weile dämpfen und gibt einem das Gefühl, etwas zu tun. Ein Erkältungshusten dauert trotzdem seine Zeit, oft zwei bis drei Wochen. Was daneben hilft, ist unspektakulär: viel trinken, nicht rauchen, das Schlafzimmer lüften und nicht zu trocken heizen. Ob Ingwertee oder eine heiße Zitrone mehr können, als zu wärmen, steht in den jeweiligen Beiträgen; wie das Inhalieren mit Salz einzuordnen ist, ebenfalls.

Wann lieber nicht?

  • Kinder unter einem Jahr: niemals Honig. Honig kann Sporen eines Bakteriums enthalten, die im noch unreifen Darm von Säuglingen auskeimen und den lebensgefährlichen Säuglingsbotulismus auslösen können. Das gilt auch für erhitzten Honig. Husten bei Säuglingen gehört ohnehin in die Kinderarztpraxis und nicht in die Hausmittelküche.
  • Diabetes: Der Saft besteht zum großen Teil aus Zucker – auch die Honigvariante. Ein Teelöffel hier und da fällt bei den einen kaum ins Gewicht, bei anderen schon. Rechnen Sie ihn mit ein und fragen Sie im Zweifel in Ihrer Praxis nach.
  • Zähne: Klebriger Sirup über den Tag verteilt und abends im Bett ist für Zähne das Ungünstigste, besonders bei Kindern. Danach Wasser trinken und abends putzen.
  • Empfindlicher Magen: Rohe Zwiebel kann Blähungen, Sodbrennen und Bauchweh verursachen. Die gekochte Variante ist verträglicher.
  • Allergie gegen Zwiebeln oder andere Lauchgewächse; bei Honig selten auch gegen Pollen oder Bienenprodukte.

Wann zum Arzt?

Zwiebelsaft darf keinen Arztbesuch aufschieben. Lassen Sie Husten abklären,

  • wenn er nach etwa drei Wochen nicht deutlich nachgelassen hat,
  • bei Fieber über mehrere Tage oder Fieber, das nach einer Besserung wiederkommt,
  • bei Atemnot, pfeifender Atmung oder Schmerzen in der Brust beim Atmen,
  • bei blutigem Auswurf,
  • wenn Sie eine chronische Lungen- oder Herzerkrankung haben, schwanger sind oder Ihre Abwehr geschwächt ist,
  • bei Säuglingen grundsätzlich; bei Kleinkindern, wenn sie schnell und angestrengt atmen, bellend husten, nicht trinken oder Hustenanfälle bis zum Erbrechen haben.

Bei schwerer Atemnot, bläulichen Lippen oder wenn ein Kind beim Einatmen ziehende Geräusche macht und nach Luft ringt, wählen Sie den Notruf 112. Hat ein Kind plötzlich aus heiterem Himmel heftig zu husten begonnen, denken Sie auch an einen verschluckten Gegenstand.

Häufige Fragen

Wie lange ist selbst gemachter Zwiebelsaft haltbar?

Im Kühlschrank und sauber entnommen zwei bis drei Tage. Bei Zimmertemperatur verdirbt er deutlich schneller. Riecht er vergoren oder bildet sich Schaum, gehört er in den Ausguss.

Zwiebelsaft mit Zucker oder mit Honig – was ist besser?

Für die Zubereitung ist es gleich; beide ziehen den Saft aus der Zwiebel. Für Honig gibt es zumindest schwache Hinweise auf eine hustenlindernde Wirkung, für Zucker nicht. Für Kinder unter einem Jahr ist Honig tabu.

Ab welchem Alter dürfen Kinder Zwiebelsaft bekommen?

Die Honigvariante frühestens nach dem ersten Geburtstag. Säuglingen sollten Sie auch die Zuckervariante nicht ohne Rücksprache mit der Kinderarztpraxis geben – Husten wird in diesem Alter ärztlich abgeklärt.

Welche Zwiebel eignet sich am besten?

Jede Speisezwiebel funktioniert. Gelbe Küchenzwiebeln sind kräftig, rote etwas milder, Gemüsezwiebeln geben viel Saft. Einen belegten Unterschied in der Wirkung gibt es nicht; nehmen Sie, was im Haus ist und was schmeckt.

Hilft Zwiebelsaft auch bei Halsschmerzen?

Der zähe, süße Sirup legt sich angenehm auf den Rachen, das kann ein Kratzen kurz lindern. Belegt ist darüber hinaus nichts. Bei Halsweh kommen eher Salzwasser gurgeln oder ein Halswickel in Frage.