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Glas im Backofen: welches Glas die Hitze aushält

Christoph · 7 Min. Lesezeit

Auflauf in einer Glasform auf dem Rost im Backofen
Ofenfestes Glas verträgt Hitze, aber keinen Temperaturschock
Inhalt9 Abschnitte
  1. Warum Glas im Ofen springt
  2. Welches Glas in den Backofen darf
  3. Woran Sie ofenfestes Glas erkennen
  4. Temperaturschock vermeiden – die Regeln für ofenfestes Glas
  5. Einmachgläser, Sturzgläser und Schraubgläser
  6. Altes und beschädigtes Glas
  7. Wenn eine Form im Ofen zerspringt
  8. Backen in Glas: was anders ist als in Metall
  9. Häufige Fragen

Glas darf in den Backofen, wenn es dafür gemacht ist: Auflaufformen, Bräter und Backformen aus hitzebeständigem Glas tragen den Hinweis „ofenfest“ oder „backofengeeignet“, häufig mit einer Höchsttemperatur. Ein normales Trinkglas, eine Glasschüssel ohne Kennzeichnung oder ein Glasteller halten die Hitze nicht zuverlässig aus. Und auch ofenfestes Glas hat eine Schwachstelle – den plötzlichen Temperaturwechsel.

Warum Glas im Ofen springt

Glas dehnt sich aus, wenn es warm wird, und es leitet Wärme schlecht. Wird eine Stelle schnell heiß, während eine andere noch kalt ist, dehnen sich die Bereiche unterschiedlich stark. Im Glas entstehen Spannungen, und weil Glas nicht nachgibt wie Metall, reißt es. Ausschlaggebend ist also weniger die Temperatur selbst als der Temperaturunterschied innerhalb des Glases.

Wie empfindlich ein Glas darauf reagiert, hängt von der Sorte ab. Gewöhnliches Haushaltsglas, sogenanntes Kalk-Natron-Glas, dehnt sich bei Erwärmung gut doppelt so stark aus wie Borosilikatglas. Entsprechend verträgt Borosilikatglas deutlich größere Temperatursprünge. Aus diesem Glas bestehen die meisten Auflaufformen, Laborgläser und viele Teekannen.

Welches Glas in den Backofen darf

GlasIn den Backofen?Hinweis
Auflaufform, Bräter, Backform aus Borosilikatglas mit Kennzeichnungjabis zur angegebenen Höchsttemperatur; Temperaturschock vermeiden
Ofenform aus gehärtetem Kalk-Natron-Glas mit KennzeichnungjaHerstellerangaben genau beachten; meist empfindlicher gegen Temperatursprünge
Glasdeckel von Töpfen und Pfannennur laut HerstellerKnauf und Rand aus Kunststoff begrenzen die Temperatur
Einmachglas, Sturzglasbedingtzum Einkochen im Wasserbad; zum Backen nur mit Freigabe des Herstellers
Frischhaltedose aus Glasnur mit Kennzeichnungohne Deckel, sofern dieser aus Kunststoff ist
Trinkglas, Dessertschale, Glasteller, Vaseneinnicht für Ofentemperaturen ausgelegt
Kristallglas, Bleikristall, bemaltes oder beklebtes Glasneinempfindlich; Dekore und Kleber vertragen keine Hitze
Doppelwandige Thermogläserneinfür heiße Getränke gemacht, nicht für den Ofen

Woran Sie ofenfestes Glas erkennen

Sehen Sie auf den Boden der Form und auf die Verpackung. Ein genormtes Zeichen gibt es nicht; üblich sind diese Angaben:

  • Wörter wie „ofenfest“, „backofengeeignet“, „hitzebeständig“ oder englisch „oven safe“, eingeprägt im Boden.
  • Eine Temperatur, oft als Bereich angegeben, etwa von Gefriertemperaturen bis zu einer Höchsttemperatur. Borosilikatformen werden häufig bis etwa 300 °C ausgewiesen, andere Glasformen nur bis gut 200 °C. Es gilt die Zahl auf Ihrer Form.
  • Ein Ofen-Symbol: ein Quadrat oder Rechteck, das einen Backofen andeutet, mit waagerechten Strichen oben und unten für die Heizstäbe. Ähnliche Zeichen gibt es für Mikrowelle (Wellenlinien), Gefrierfach (Schneeflocke) und Spülmaschine; die Bedeutung der Ofenzeichen am Gerät selbst erklärt der Beitrag Backofen-Symbole.
  • Der Markenname eines Herstellers von hitzebeständigem Glas. Verlassen Sie sich darauf nur zusammen mit einer der anderen Angaben, denn viele Marken führen auch Trinkgläser und Vorratsdosen.

Findet sich keine Angabe, behandeln Sie das Glas als nicht ofenfest. Die Angabe „mikrowellengeeignet“ ist kein Ersatz: In der Mikrowelle wird das Gefäß nur durch den Inhalt warm, im Ofen wirken trockene Hitze und Strahlung von außen.

Temperaturschock vermeiden – die Regeln für ofenfestes Glas

Die meisten Glasformen gehen nicht im Ofen kaputt, sondern beim Hineinstellen oder Herausnehmen. Mit diesen Regeln vermeiden Sie die typischen Fälle:

  1. Nicht kalt in den heißen Ofen. Eine Form aus dem Kühlschrank erst eine Weile bei Raumtemperatur stehen lassen. Gefrorenes in der Glasform kommt in den kalten Ofen und heizt mit auf, oder es taut vorher an – sofern der Hersteller den direkten Weg nicht ausdrücklich erlaubt.
  2. Nicht heiß auf Kaltes oder Nasses. Die heiße Form auf ein Holzbrett, einen trockenen Untersetzer oder ein gefaltetes trockenes Tuch stellen. Die kalte Steinarbeitsplatte, das nasse Spülbecken oder ein feuchter Lappen sind die klassischen Auslöser.
  3. Keine kalte Flüssigkeit angießen. Brühe oder Wein zum Ablöschen vorher erwärmen und in die Mitte auf das Gargut gießen, nicht an die heiße Glaswand.
  4. Boden bedecken. Eine Form, in der nur ein paar Stücke liegen, erhitzt sich ungleichmäßig. Etwas Flüssigkeit oder eine geschlossene Lage Gemüse gleicht das aus.
  5. Auf den Rost, nicht auf den Ofenboden. Direkt auf dem Boden erhitzt sich das Glas von unten viel schneller als oben.
  6. Nicht unter den Grill und nicht auf die Herdplatte. Direkte Strahlung aus wenigen Zentimetern und Kochfelder erzeugen genau die punktuelle Hitze, die Glas schlecht verträgt. Ausnahmen sind ausdrücklich gekennzeichnet.
  7. Heiße Form nicht einweichen. Erst abkühlen lassen, dann spülen.

Einmachgläser, Sturzgläser und Schraubgläser

Einmachgläser sind dafür gebaut, mit ihrem Inhalt langsam erhitzt und wieder abgekühlt zu werden. Im Backofen stehen sie beim Einkochen in der Fettpfanne im Wasserbad; das Wasser sorgt dafür, dass sie sich gleichmäßig erwärmen. Wie das geht und für welche Lebensmittel es sich eignet, steht unter Einkochen im Backofen.

Etwas anderes ist das trockene Backen: Kuchen oder Brot im Glas. Die Hersteller bekannter Einkochgläser geben dafür bestimmte Formen frei, vor allem gerade oder konisch nach oben offene Sturzgläser, und nennen eine Höchsttemperatur. Halten Sie sich an diese Angabe, stellen Sie die Gläser auf den Rost in den kalten oder nur mäßig vorgeheizten Ofen und lassen Sie zwischen ihnen Abstand. Gummiringe und Kunststoffdeckel kommen nicht mit in den Ofen.

Leere Schraubgläser von Marmelade, Gurken oder Soßen sind Einwegverpackungen. Sie haben die Abfüllung überstanden, sind aber nicht für wiederholtes Erhitzen im Ofen ausgelegt, und niemand weiß, wie viele feine Kratzer sie schon haben. Zum Sterilisieren vor dem Befüllen spült man sie heiß aus oder kocht sie im Topf aus; zum Backen nimmt man sie nicht.

Altes und beschädigtes Glas

Glas ermüdet nicht wie Metall, aber jede Beschädigung der Oberfläche ist eine Stelle, an der ein Riss beginnen kann. Tiefe Kratzer vom Schneiden in der Form, abgeplatzte Ecken und feine Haarrisse machen eine Form unberechenbar – sie kann viele Male halten und dann ohne erkennbaren Anlass zerspringen. Sortieren Sie beschädigte Glasformen aus, auch wenn sie noch dicht sind.

Schonen können Sie die Oberfläche, indem Sie in der Form nicht mit dem Messer schneiden, Eingebranntes einweichen statt mit Stahlwolle zu scheuern und Formen nicht ohne Zwischenlage ineinanderstapeln. Ausgediente Glasformen gehören übrigens nicht in den Glascontainer: Hitzebeständiges Glas schmilzt bei anderen Temperaturen als Flaschenglas und stört das Recycling. Wohin damit, steht unter Altglas.

Wenn eine Form im Ofen zerspringt

Schalten Sie den Ofen aus und lassen Sie die Tür zunächst geschlossen, bis alles abgekühlt ist. Das Essen ist nicht mehr zu retten: Glassplitter sind in Soße und Auflauf nicht zu sehen. Entfernen Sie die großen Scherben mit Handschuhen, saugen Sie den kalten Garraum gründlich aus – auch die Türdichtung und die Schienen – und wischen Sie mit feuchtem Küchenpapier nach, das Sie anschließend wegwerfen.

Backen in Glas: was anders ist als in Metall

Glas erwärmt sich langsamer als ein dünnes Blech, hält die Wärme dann aber länger. Aufläufe garen in der Glasform nach dem Herausnehmen noch etwas nach, und Kuchen brauchen manchmal ein paar Minuten länger als in der Metallform. Dafür sehen Sie von der Seite, wie weit Boden und Rand gebräunt sind. Zum Abdecken eignet sich der passende Glasdeckel oder locker aufgelegte Folie; was dabei zu beachten ist, steht unter Alufolie im Backofen.

Häufige Fragen

Kann ich ein normales Glas in den Backofen stellen?

Nein. Trinkgläser und Schüsseln ohne Ofen-Kennzeichnung sind nicht für diese Temperaturen und Temperaturwechsel gemacht. Manche halten es aus, andere zerspringen – vorher erkennen lässt sich das nicht.

Bis wie viel Grad ist Glas ofenfest?

Das bestimmt der Hersteller. Bei Borosilikatformen sind Angaben um 300 °C verbreitet, bei anderen Glasformen niedrigere. Die Zahl steht im Boden oder auf der Verpackung; ohne Angabe gilt das Glas nicht als ofenfest.

Darf eine Glasform in den vorgeheizten Ofen?

Ja, wenn sie Raumtemperatur hat. Kritisch ist nur die Kombination aus kalter Form und heißem Ofen oder heißer Form und kalter Unterlage.

Darf Glas in die Heißluftfritteuse?

Ofenfestes Glas grundsätzlich ja, sofern es klein genug ist und ringsum Luft bleibt. Das Heizelement sitzt allerdings sehr nah; halten Sie Abstand nach oben und beachten Sie die Anleitung des Geräts. Mehr zu Einlagen steht unter Backpapier in der Heißluftfritteuse.

Kann der Glasdeckel meiner Pfanne mit in den Ofen?

Nur, wenn der Hersteller es angibt. Das Glas selbst ist meist gehärtet, der Knauf und die Dichtkante bestehen aber oft aus Kunststoff oder Silikon mit eigener, niedrigerer Temperaturgrenze.