Brille reinigen ohne Schlieren und Kratzer

Inhalt10 Abschnitte
- Warum Brillengläser so empfindlich sind
- Was Sie brauchen
- Brille richtig putzen: Schritt für Schritt
- Die häufigsten Fehler
- Schlieren trotz Putzen – woran es liegt
- Unterwegs: Spray und feuchte Brillenputztücher
- Ultraschallbad: gründlich, aber nicht für jede Brille
- Fassung, Nasenpads und Scharniere
- Sonnenbrille, Sportbrille und Bildschirmbrille
- Häufige Fragen
Eine Brille reinigen Sie am besten unter fließendem lauwarmem Wasser: abspülen, einen Tropfen pH-neutrales Spülmittel mit den Fingern auf Gläsern und Fassung verteilen, klar nachspülen und mit einem sauberen Mikrofasertuch trocken tupfen. Das dauert eine Minute, hinterlässt keine Schlieren und schont die Beschichtung. Fast alle Kratzer entstehen dagegen beim trockenen Wischen zwischendurch.
Warum Brillengläser so empfindlich sind
Die meisten Brillengläser bestehen heute aus Kunststoff. Er ist leicht und bruchsicher, aber weicher als mineralisches Glas. Deshalb tragen Kunststoffgläser in der Regel eine Hartschicht und darüber meist eine Entspiegelung, oft ergänzt um eine glatte Deckschicht, an der Wasser und Fett schlechter haften. Diese Schichten sind sehr dünn. Sie vertragen weder Schmirgeln noch scharfe Reiniger noch große Hitze.
Der Schmutz selbst ist zweierlei: Hautfett, Schweiß, Kosmetik und Haarspray bilden einen schmierigen Film, dazu kommt Staub. Der Fettfilm lässt sich mit einem Tensid lösen, also mit Spülmittel. Der Staub muss vorher weggespült werden, denn darin stecken harte Körnchen. Wer sie mit dem Tuch über das Glas schiebt, zieht feine Kratzer, die sich nicht mehr entfernen lassen.
Was Sie brauchen
- fließendes lauwarmes Wasser
- pH-neutrales Spülmittel ohne rückfettende Zusätze (also kein „Balsam“ und keine Sorten mit Hautpflegestoffen)
- ein sauberes Mikrofasertuch, das nur für die Brille da ist
- für unterwegs: Brillenspray oder einzeln verpackte Brillenputztücher vom Optiker
Brille richtig putzen: Schritt für Schritt
- Hände waschen. Fett und Handcreme an den Fingern landen sonst gleich wieder auf dem Glas.
- Brille abspülen. Beide Seiten unter lauwarmes, nicht heißes Wasser halten. So schwemmen Sie Staub und Sandkörner weg, bevor irgendetwas über das Glas reibt.
- Einen Tropfen Spülmittel verteilen. Ein kleiner Tropfen auf die Fingerkuppen genügt für beide Gläser. Sanft auf Vorder- und Rückseite verreiben.
- Fassung mitwaschen. Nasenpads, Stegauflage, die Rille zwischen Glas und Rahmen und die Bügelenden hinter den Ohren nicht vergessen – dort sammelt sich das meiste Hautfett.
- Gründlich klar spülen. Reste von Spülmittel ergeben beim Trocknen Schlieren.
- Abschütteln und trocken tupfen. Wasser leicht abschütteln, dann mit dem Mikrofasertuch trocknen. Tupfen oder mit wenig Druck wischen, die Brille dabei am Rahmen des jeweiligen Glases halten, nicht am gegenüberliegenden Bügel.
Einmal täglich so gereinigt, bleibt die Brille den Tag über meist klar. Für die Wäsche zwischendurch genügt dann das trockene, saubere Mikrofasertuch – aber nur, wenn kein sichtbarer Staub auf den Gläsern liegt.
Die häufigsten Fehler
| Fehler | Was dabei passiert |
| Trocken wischen | Staubkörner werden über das Glas gerieben und hinterlassen feine Kratzer. |
| Küchenpapier, Papiertaschentuch | Die Fasern sind härter, als sie sich anfühlen, und fusseln; viele Taschentücher enthalten zudem Pflegestoffe, die schmieren. |
| Pullover, T-Shirt, Krawatte | Im Stoff sitzen Staub, Waschmittel- und Weichspülerreste. |
| Heißes Wasser, Hitze | Glas und Beschichtung dehnen sich unterschiedlich aus; die Schichten können feine Risse bekommen. |
| Glasreiniger, Spiritus, Essigreiniger | Für Fensterglas gemacht; Alkohol, Säuren und andere Zusätze können Beschichtungen und Kunststofffassungen angreifen. |
| Anhauchen und reiben | Die Atemfeuchte reicht nicht, um Staub zu binden – es bleibt beim trockenen Wischen. |
Zur Hitze gehört auch, wo die Brille liegt: Auf dem Armaturenbrett in der Sonne, in der Sauna oder direkt über dem dampfenden Kochtopf wird es für beschichtete Kunststoffgläser zu warm. Und abgelegt wird die Brille immer mit den Bügeln nach unten oder im Etui, nie auf den Gläsern.
Schlieren trotz Putzen – woran es liegt
Bleibt nach dem Waschen ein Schleier, gibt es meist eine von drei Ursachen. Erstens das Spülmittel: Sorten mit rückfettenden Pflegestoffen hinterlassen genau den Film, den Sie loswerden wollten. Zweitens zu viel davon oder zu kurzes Nachspülen. Drittens das Tuch: Ein Mikrofasertuch, das wochenlang Hautfett aufgenommen hat, verteilt es nur noch. Es gehört regelmäßig in die Wäsche, ohne Weichspüler, weil der die Fasern verklebt. Wie das geht, steht unter Brillenputztuch waschen; für größere Putztücher gilt dasselbe, siehe Mikrofasertücher waschen.
Sehr hartes Leitungswasser kann beim Antrocknen Kalkflecken hinterlassen. Dann die Brille nicht an der Luft trocknen lassen, sondern gleich mit dem Tuch abtupfen. Mit Essig oder Zitronensäure gegen Kalkpunkte vorzugehen, ist bei beschichteten Gläsern keine gute Idee.
Unterwegs: Spray und feuchte Brillenputztücher
Ohne Waschbecken sind ein kleines Fläschchen Brillenspray und ein Mikrofasertuch die beste Lösung: beide Seiten einsprühen, kurz wirken lassen, abwischen. Das Spray übernimmt die Aufgabe des Wassers und bindet den Staub. Einzeln verpackte feuchte Brillenputztücher sind praktisch, sollten aber ausdrücklich für beschichtete Brillengläser gedacht sein. Normale Feuchttücher, Desinfektionstücher und Glasreinigungstücher für den Haushalt sind es nicht.
Gegen beschlagene Gläser im Winter oder unter der Maske gibt es Antibeschlagsprays und -tücher. Ob sie sich mit der Beschichtung Ihrer Gläser vertragen, weiß der Optiker; manche Glashersteller geben dafür eigene Mittel an.
Ultraschallbad: gründlich, aber nicht für jede Brille
Im Ultraschallbad lösen feine Schwingungen im Wasser den Schmutz auch dort, wo kein Tuch hinkommt: in Scharnieren, unter den Nasenpads, in der Glasrille. Für die gelegentliche Grundreinigung ist das die gründlichste Methode, und viele Optiker bieten sie als Service an. Als tägliche Routine ist sie nicht gedacht.
Vorsicht ist geboten bei Fassungen aus Holz, Horn oder anderen Naturmaterialien, bei aufgeklebten Schmucksteinen und bei Gläsern, deren Beschichtung schon Kratzer oder Risse hat – dort kann sich der Schaden vergrößern. Ob sich ein eigenes Gerät lohnt und was hinein darf, lesen Sie im Beitrag zum Brillenreinigungsgerät.
Fassung, Nasenpads und Scharniere
An Nasenpads und in der Glasrille setzt sich mit der Zeit ein fester, manchmal grünlicher Belag aus Hautfett, Schweiß und Kosmetik ab. Meist genügt eine weiche Zahnbürste mit Spülmittellösung. Vergilbte oder hart gewordene Pads tauscht der Optiker in wenigen Minuten aus, oft ohne Berechnung. Dort lassen sich auch lockere Schrauben nachziehen und verbogene Bügel richten; mit der eigenen Zange ist die Fassung schnell ruiniert.
Kratzer im Glas kann dagegen niemand herauspolieren. Hausmittel wie Zahnpasta oder Natron tragen die Beschichtung ab und machen die Stelle größer. Solche Pasten sind für unbeschichtetes Glas gedacht, siehe Kratzer aus Glas entfernen. Stört ein Kratzer im Blickfeld, hilft nur ein neues Glas.
Sonnenbrille, Sportbrille und Bildschirmbrille
Für Sonnenbrillen gilt dasselbe wie für Korrektionsbrillen, mit zwei Ergänzungen: Sonnencreme und Salzwasser sollten noch am selben Tag mit Süßwasser abgespült werden, und Sandkörner vom Strand gehören zuerst unter den Wasserhahn, nie unter das Tuch. Verspiegelte Gläser zeigen Kratzer besonders deutlich. Bildschirme und Displays haben ähnliche Beschichtungen wie Brillengläser, brauchen aber eine eigene Vorgehensweise ohne fließendes Wasser, siehe Bildschirm reinigen. Ausgediente Brillen müssen nicht in den Müll – Möglichkeiten nennt der Beitrag Brillen entsorgen.
Häufige Fragen
Welches Spülmittel ist für die Brille geeignet?
Ein einfaches, pH-neutrales Handspülmittel ohne rückfettende Zusätze. Sorten mit „Balsam“, Aloe vera oder anderen Hautpflegestoffen hinterlassen einen Film. Ein kleiner Tropfen genügt.
Darf man die Brille mit Glasreiniger putzen?
Besser nicht. Glasreiniger ist für unbeschichtetes Fensterglas gemacht und enthält häufig Alkohol und weitere Zusätze, die Entspiegelung und Kunststofffassungen angreifen können. Wasser und Spülmittel reinigen genauso gut.
Wie oft sollte man die Brille reinigen?
Einmal täglich unter Wasser ist ein guter Rhythmus, bei Bedarf öfter. Zwischendurch reicht das saubere Mikrofasertuch, wenn kein Staub auf den Gläsern liegt. Fassung und Nasenpads etwa einmal in der Woche gründlicher säubern.
Kann man Kratzer auf Brillengläsern entfernen?
Nein. Polierpasten und Hausmittel tragen die Beschichtung ab und verschlechtern die Sicht. Feine Kratzer am Rand kann man hinnehmen, bei Kratzern im Blickfeld bleibt nur der Glastausch.
Warum soll das Wasser nur lauwarm sein?
Hitze kann die dünnen Schichten auf dem Glas schädigen, weil sie sich anders ausdehnen als das Glas darunter. Lauwarmes Wasser löst den Fettfilm zusammen mit Spülmittel völlig ausreichend.



