Bollerwagen selber bauen Anleitung
Inhalt9 Abschnitte
Einen Bollerwagen selbst zu bauen ist ein gutes Wochenendprojekt für alle, die mit Säge und Akkuschrauber umgehen können. Die Holzkiste ist schnell gebaut; Zeit, Geld und Sorgfalt stecken in Achsen, Lenkung und Rädern. Wer diese Teile fertig kauft und nur Kasten und Deichsel selbst baut, bekommt einen robusten Wagen nach eigenen Maßen – wer alles selbst improvisiert, baut meist einen, der nach dem ersten Ausflug wackelt.
Erst der Zweck, dann die Maße
Bevor Sie Holz kaufen, klären Sie, was der Wagen tragen soll. Davon hängen Größe, Räder und Bauweise ab:
- Getränke und Picknick für den Ausflug: Ladefläche um 80 × 50 cm, Seitenwände 25–30 cm hoch, damit eine Getränkekiste und eine Kühlbox nebeneinander passen.
- Kinder und Gepäck im Zoo oder am Strand: niedriger Schwerpunkt, Polster, glatte Kanten, eher etwas breiter als lang. Breite Luftreifen für Sand.
- Brennholz, Gartenabfälle, Säcke: stabiler Boden, niedrige Bordwände oder abnehmbare Seiten, gern Vollgummi- oder pannensichere Reifen.
- Deko oder Spielzeug für kleine Kinder: kleiner Maßstab, Holzräder genügen.
Denken Sie auch an Türen, Kofferraum und Kellertreppe. Ein Wagen, der nicht ins Auto passt, bleibt öfter zu Hause, als man vorher glaubt. Deshalb bauen viele den Kasten so, dass er sich mit wenigen Flügelmuttern vom Fahrgestell lösen lässt.
Ein oder zwei Achsen – und welche Lenkung
Die wichtigste Bauentscheidung ist das Fahrgestell. Drei Varianten sind üblich:
| Bauart | Vorteile | Nachteile |
| Eine Achse (Karre) | Einfach, keine Lenkung nötig, wendig | Steht nicht von allein, der Zieher trägt einen Teil der Last über die Deichsel |
| Zwei Achsen mit Drehschemel | Klassischer Leiterwagen, Bauteile als Satz erhältlich, trägt die Last vollständig | Beim scharfen Einschlagen wird die Standfläche schmal, der Wagen kann kippen |
| Zwei Achsen mit Achsschenkellenkung | Nur die Vorderräder schwenken, Wagen bleibt beim Lenken stabil, Kasten kann tiefer sitzen | Aufwendiger, als Eigenbau nur mit fertigen Teilen sinnvoll |
Für einen Wagen, der Kinder oder schwere Lasten trägt, sind zwei Achsen die bessere Wahl. Beim Drehschemel schwenkt die ganze Vorderachse um einen Mittelbolzen – das ist einfach und bewährt, verlangt aber einen Anschlag, der den Einschlag begrenzt. Ohne Anschlag stellt sich die Achse in engen Kurven quer, und der Wagen kippt über das äußere Vorderrad.
Achsen mit Drehschemel, Deichselhalterung und passenden Rädern gibt es als Ersatzteilsätze für Handwagen, etwa unter dem Stichwort Bollerwagen-Achse mit Lenkung. Die Tragfähigkeit steht beim Hersteller – nehmen Sie sie ernst und rechnen Sie Kinder, Getränke und das Eigengewicht des Kastens zusammen.
Räder und Reifen: Luft, Vollgummi oder Holz
Die Räder entscheiden, wie leicht der Wagen läuft. Je größer der Durchmesser, desto leichter rollt er über Wurzeln, Kies und Bordsteine.
- Luftreifen (verbreitet sind 260 mm und 400 mm Durchmesser) federn, rollen leicht und kommen im Gelände und auf Sand am besten zurecht. Nachteil: Sie können platt werden, der Luftdruck muss ab und zu geprüft werden.
- Pannensichere Reifen aus PU-Schaum sehen aus wie Luftreifen, können aber nicht platt werden. Sie federn etwas weniger.
- Vollgummi- oder Kunststoffräder sind wartungsfrei, laufen auf Asphalt gut, auf Wiese und Waldweg aber schwer und laut.
- Holzräder passen nur zu Deko- und Spielzeugwagen.
Wer nach Bollerwagen mit Luftreifen sucht, meint meist genau das: einen Wagen, der auch auf dem Feldweg nicht zur Plackerei wird. Achten Sie beim Kauf der Räder auf die Nabenbohrung – sie muss zum Achsdurchmesser passen – und auf Kugellager statt einfacher Gleitlager.
Material und Werkzeug
Die Liste gilt für einen Kasten mit rund 80 × 50 cm Ladefläche auf einem gekauften Fahrgestell. Passen Sie die Maße an Ihre Achsbreite an, nicht umgekehrt.
- Boden: Siebdruckplatte oder Multiplex, 15–18 mm, wasserfest verleimt.
- Seitenwände: Siebdruckplatte, Multiplex 12–15 mm oder gehobelte Leisten; MDF ist für draußen ungeeignet, es quillt bei Nässe auf.
- Rahmen unter dem Boden: zwei bis drei Kanthölzer, etwa 45 × 45 mm, zum Anschrauben der Achsen.
- Eckverbindungen: Winkel oder Leisten innen in den Ecken, dazu wasserfester Holzleim (D3).
- Schrauben: Edelstahl- oder verzinkte Holzschrauben, für die Achsen Schlossschrauben M8 oder M10 mit Unterlegscheiben und selbstsichernden Muttern.
- Oberfläche: Kantenversiegelung für Siebdruckplatten, Lack oder Lasur für die übrigen Teile.
- Werkzeug: Stich- oder Kreissäge, Akkuschrauber, Bohrer, Schleifpapier (Körnung 80 bis 180), Zwingen, Zollstock, Winkel, Schraubenschlüssel.
Viele Baumärkte schneiden Platten auf Maß zu. Das spart die Kreissäge und sorgt für gerade Kanten, an denen der Kasten später rechtwinklig wird.
Schritt für Schritt: den Kasten bauen und montieren
- Maße festlegen. Achsbreite und Radstand des Fahrgestells ausmessen. Der Kasten darf seitlich nicht über die Räder ragen, sonst schleifen die Reifen beim Lenken an der Kiste.
- Zuschnitt prüfen. Alle Teile trocken auslegen, Längen und Winkel kontrollieren. Ein Fehler fällt jetzt auf, nicht erst beim Verschrauben.
- Kanten brechen. Alle Ecken abrunden (ein Farbeimer ist eine gute Schablone für den Radius) und die Kanten schleifen. Das ist kein Schönheitsdetail: Kinderhände und Waden finden jede scharfe Ecke.
- Rahmen unter den Boden schrauben. Die Kanthölzer quer zur Fahrtrichtung dort anbringen, wo die Achsen sitzen. Leimen und von oben verschrauben.
- Seitenwände anbringen. Stirnseiten und Längsseiten mit Leim und Schrauben am Boden befestigen, in den Ecken Leisten oder Winkel setzen. Schrauben vorbohren, sonst reißen Platten an den Kanten aus.
- Oberfläche behandeln. Kanten von Siebdruckplatten versiegeln, übriges Holz lackieren oder lasieren, zwei Anstriche mit Zwischenschliff. Wenn Kinder im Wagen sitzen, einen Lack wählen, der als speichelfest nach EN 71-3 ausgewiesen ist.
- Fahrgestell montieren. Hinterachse starr, Vorderachse mit Drehschemel mittig verschrauben. Schlossschrauben mit selbstsichernden Muttern, keine Holzschrauben für tragende Verbindungen.
- Deichsel anbringen und Einschlag begrenzen. Deichsel an der Vorderachse befestigen und prüfen, dass sich die Achse nicht weiter als etwa 45 Grad drehen lässt. Notfalls einen Klotz als Anschlag setzen.
- Probefahrt ohne Last. Erst leer, dann mit Gewicht (Wasserkanister) über Bordstein, Wiese und eine enge Kurve. Danach alle Schrauben nachziehen.
Deichsel, Griff und Extras
Die Deichsel sollte so lang sein, dass der Zieher beim Gehen nicht mit den Fersen an den Wagen stößt – bei Erwachsenen meist 90 bis 110 cm. Ein Quergriff aus einem Rundstab mit 25–30 mm Durchmesser liegt besser in der Hand als ein dünner. Klappt die Deichsel nach oben, braucht der Wagen im Kofferraum weniger Platz.
Sinnvolle Extras, die sich später nachrüsten lassen:
- Getränkehalter an der Stirnseite, damit Flaschen nicht durch den Kasten rollen.
- Sitzpolster oder eine Matte für Kinder, am besten abnehmbar und waschbar.
- Sonnen- und Regendach: ein Stoffdach auf Stäben, die in Hülsen an den Ecken stecken. Wer nach Bollerwagen mit Dach sucht, bekommt es fertig bei vielen Kaufwagen; im Eigenbau genügen Aluminiumrohre und ein zugeschnittenes Stück Markisenstoff.
- Reflektoren an den Seiten und hinten, falls der Wagen in der Dämmerung unterwegs ist.
Wer für den Ausflug mehr Ausrüstung mitnimmt, findet Ideen in der Rubrik Freizeit, etwa das klappbare Hängemattengestell oder die elektrische Kühltasche.
Sicher unterwegs mit Kindern und Ladung
Ein Bollerwagen hat in aller Regel keine Bremse. Bergab schiebt die Ladung, und der Wagen rollt dem Zieher in die Beine. Mit Kindern an Bord deshalb nur auf ebenen Wegen, bergab die Deichsel vor dem Körper halten und bremsen, bei steilen Stücken aussteigen lassen. Kinder sitzen, stehen nicht, und steigen nur bei stehendem Wagen ein und aus.
Schwere Ladung gehört nach unten und in die Mitte. Oben aufgetürmte Getränkekisten heben den Schwerpunkt, und der Wagen kippt in der ersten Kurve. Auf dem Gehweg ist ein Handwagen erlaubt; wer andere damit erheblich behindern würde, muss laut Straßenverkehrs-Ordnung auf die Fahrbahn ausweichen. Einen Bollerwagen als Fahrradanhänger zu verwenden, ist keine gute Idee: Er ist für Schritttempo gebaut, und für Fahrradanhänger gelten eigene Anforderungen an Kupplung und Beleuchtung.
Selbst bauen oder kaufen?
Rechnen Sie ehrlich: Achssatz, vier gute Räder, Platten, Beschläge und Lack kosten zusammen oft so viel wie ein einfacher Kaufwagen, und die Arbeitszeit kommt dazu. Der Eigenbau lohnt sich, wenn Sie besondere Maße brauchen, einen Holzwagen mit Charakter wollen oder das Bauen selbst das Ziel ist – mit älteren Kindern ist es ein schönes gemeinsames Projekt.
Wer einen Wagen vor allem für den Kofferraum sucht, ist mit einem gekauften faltbaren Bollerwagen besser bedient. Den kann man mit Holz kaum nachbauen. Achten Sie dabei auf Luftreifen oder breite Räder, eine Feststellbremse, die Tragfähigkeit und darauf, dass sich das Dach abnehmen lässt. Unsere Schwesterseite faltbarer-bollerwagen.com hat mehrere Modelle selbst getestet und eine ausführliche Kaufberatung.
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Häufige Fragen
Welches Holz eignet sich für einen Bollerwagen?
Für draußen Siebdruckplatte oder wasserfest verleimtes Multiplex, dazu Kanthölzer aus Fichte oder Lärche für den Rahmen. MDF und Spanplatte quellen bei Nässe auf und sind für einen Wagen, der im Regen steht, ungeeignet.
Kann ich Achsen und Lenkung selbst bauen?
Für einen Spielzeug- oder Dekowagen ja. Für einen Wagen, der Kinder oder 50 kg und mehr tragen soll, raten wir zu fertigen Achsen mit Lenkschemel und angegebener Tragfähigkeit. Selbst gebaute Lenkungen sind die häufigste Schwachstelle.
Wie groß sollten die Räder sein?
Für befestigte Wege genügen 20 cm, für Wiese, Waldweg und Kies sind Luftreifen mit 26 cm oder mehr deutlich angenehmer. Am Strand helfen nur breite Reifen mit wenig Luftdruck oder spezielle Ballonräder.
Wie lange dauert der Bau?
Mit fertigem Fahrgestell und zugeschnittenen Platten ist der Kasten an einem Tag gebaut. Lack und Lasur brauchen je nach Produkt einen weiteren Tag oder zwei zum Trocknen.
Braucht ein Bollerwagen eine Bremse?
Vorgeschrieben ist sie nicht, sinnvoll aber als Feststellbremse, damit der Wagen beim Abstellen am Hang nicht wegrollt. Eine einfache Lösung ist ein Keil am Band, der vor ein Rad gelegt wird.
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