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Wasserverbrauch pro Person: was normal ist

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Laufender Wasserhahn in Schwarz-Weiß
Der größte Teil des Wassers fließt im Bad, nicht in der Küche
Inhalt7 Abschnitte
  1. Was als normal gilt
  2. Wofür das Wasser gebraucht wird
  3. Verbrauch und Kosten für 1 bis 4 Personen im Jahr
  4. So ermitteln Sie Ihren eigenen Verbrauch
  5. Wenn der Verbrauch auffällig hoch ist
  6. Muss man in Deutschland überhaupt Wasser sparen?
  7. Häufige Fragen

Der Wasserverbrauch pro Person liegt in Deutschland bei gut 120 Litern Trinkwasser am Tag: Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) nennt für das Jahr 2023 einen Durchschnitt von 121 Litern. Aufs Jahr gerechnet sind das rund 44 Kubikmeter je Person. Der größte Teil fließt durch Dusche, Waschbecken und Toilette; getrunken und verkocht wird nur ein Bruchteil.

Was als normal gilt

Der Durchschnitt schwankt von Jahr zu Jahr um einige Liter. In heißen, trockenen Sommern steigt er, in nassen Jahren sinkt er. Der BDEW nennt für 2020 bis zu 129 Liter – damals kamen heiße Sommer und die Pandemie zusammen – und für 1990 noch 147 Liter. Seitdem ist der Verbrauch um knapp ein Fünftel zurückgegangen, vor allem durch sparsamere Spülkästen, Armaturen und Haushaltsgeräte.

Je nach Quelle finden Sie leicht abweichende Zahlen. Das Umweltbundesamt gibt auf Grundlage der amtlichen Statistik für 2022 einen Wert von 126 Litern an. Die Unterschiede erklären sich durch das Erhebungsjahr und die Abgrenzung: In beiden Statistiken steckt neben den Haushalten auch das Kleingewerbe, das über dieselben Leitungen versorgt wird – der Bäcker, die Arztpraxis, das Büro. Als Richtwert genügt: 120 bis 130 Liter pro Kopf und Tag sind Durchschnitt.

Ein Durchschnitt ist keine Vorgabe. Wer allein lebt, täglich lange duscht oder einen Garten bewässert, liegt darüber. Wer tagsüber im Büro ist und dort die Toilette benutzt, liegt zu Hause darunter. Werte zwischen etwa 80 und 150 Litern sind im Alltag nichts Ungewöhnliches.

Wofür das Wasser gebraucht wird

Der BDEW schlüsselt den Verbrauch nach Verwendungszwecken auf. Die Literangaben in der Tabelle sind aus diesen Anteilen und dem Wert von 121 Litern errechnet und gerundet.

VerwendungAnteilLiter je Person und Tag
Baden, Duschen, Körperpflege36 %etwa 44
Toilettenspülung27 %etwa 33
Wäsche waschen12 %etwa 15
Geschirr spülen6 %etwa 7
Putzen, Garten, Autopflege6 %etwa 7
Essen und Trinken4 %etwa 5
Kleingewerbe (in der Statistik enthalten)rund 9 %etwa 11

Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Körperpflege und Toilette machen zusammen fast zwei Drittel aus. Wer seinen Verbrauch senken will, setzt dort an und nicht beim Nudelwasser. Zweitens: Ein großer Teil des Wassers für die Körperpflege ist warm. Es kostet also zusätzlich Energie, und die ist meist teurer als das Wasser selbst.

Was die einzelnen Posten im Detail verbrauchen, steht in eigenen Beiträgen: Wasserverbrauch beim Duschen, Wasserverbrauch der Toilettenspülung, Wasserverbrauch der Waschmaschine und Wasserverbrauch der Spülmaschine.

Verbrauch und Kosten für 1 bis 4 Personen im Jahr

Die folgende Tabelle rechnet den Durchschnitt von 121 Litern auf ein Jahr hoch. Für die Kosten gilt eine Annahme von 4 Euro je Kubikmeter für Trinkwasser und Abwasser zusammen. Die tatsächlichen Preise unterscheiden sich von Ort zu Ort deutlich, hinzu kommen meist Grundgebühren. Rechnen Sie deshalb mit den Preisen aus Ihrer eigenen Abrechnung.

HaushaltLiter am TagKubikmeter im JahrKosten bei 4 Euro je m³
1 Person121rund 44rund 175 Euro
2 Personen242rund 88rund 355 Euro
3 Personen363rund 132rund 530 Euro
4 Personen484rund 177rund 705 Euro

Die Tabelle multipliziert schlicht den Pro-Kopf-Wert. In der Praxis verbrauchen größere Haushalte pro Person eher etwas weniger als Alleinlebende, weil Waschmaschine und Spülmaschine besser ausgelastet sind und manches – Putzen, Gießen – nicht mit jeder Person wächst. Nehmen Sie die Werte für drei und vier Personen deshalb als obere Orientierung.

Der Rechenweg, falls Sie eigene Zahlen einsetzen möchten: Liter je Tag mal 365, geteilt durch 1.000, ergibt Kubikmeter im Jahr. Kubikmeter mal Preis je Kubikmeter ergibt die Kosten.

So ermitteln Sie Ihren eigenen Verbrauch

Den genauesten Wert liefert die Jahresabrechnung des Wasserversorgers oder, in Mietwohnungen, die Betriebskostenabrechnung. Dort steht der Verbrauch in Kubikmetern.

Ein Beispiel: Ein Haushalt mit drei Personen hat im Jahr 95 Kubikmeter verbraucht. Das sind 95.000 Liter. Geteilt durch 365 Tage ergeben sich rund 260 Liter am Tag, geteilt durch drei Personen etwa 87 Liter pro Person und Tag – deutlich unter dem Durchschnitt. Bei 4 Euro je Kubikmeter kostet das 380 Euro im Jahr.

Wer nicht auf die Abrechnung warten will, liest den Zähler selbst ab: einmal heute, einmal in zwei oder vier Wochen. Die Differenz in Kubikmetern mal 1.000, geteilt durch die Zahl der Tage und Personen, ergibt den Pro-Kopf-Wert. Wo der Zähler sitzt und welche Zahlen zählen, erklärt der Beitrag Wasserzähler ablesen. Hat eine Wohnung getrennte Zähler für kaltes und warmes Wasser, addieren Sie beide.

Urlaubswochen, Gäste und Gartenbewässerung verzerren kurze Messungen. Ein Zeitraum von mindestens zwei Wochen normalem Alltag gibt ein brauchbares Bild.

Wenn der Verbrauch auffällig hoch ist

Liegt Ihr Wert weit über dem Durchschnitt, ohne dass Sie eine Erklärung haben, suchen Sie zuerst nach Wasser, das ungenutzt wegläuft. Der häufigste Fall ist ein Spülkasten, der leise in die Schüssel nachläuft; über Wochen kommen dabei etliche Kubikmeter zusammen. Der Test ist einfach: alle Hähne zu, dann das kleine Rad am Wasserzähler beobachten. Dreht es sich, fließt Wasser. Die Abhilfe steht unter Toilettenspülung läuft und Wasserhahn tropft.

Danach kommen die Gewohnheiten: sehr lange Duschen, häufige Vollbäder, halb volle Maschinen, Rasensprenger im Sommer. Ein alter Duschkopf mit hohem Durchfluss kann allein den Unterschied zwischen einem durchschnittlichen und einem hohen Verbrauch ausmachen; mehr dazu unter Sparduschkopf.

Muss man in Deutschland überhaupt Wasser sparen?

Die Frage ist berechtigt, denn Deutschland gilt insgesamt als wasserreich, und der Verbrauch ist seit 1990 gesunken. Trotzdem gibt es gute Gründe, nicht zu verschwenden. In trockenen Sommern wird das Wasser regional knapp, und gerade an heißen Tagen steigt der Bedarf: Der BDEW nennt Spitzen von bis zu 60 Prozent über dem Normalwert. Außerdem muss jeder Liter aufbereitet, gepumpt und als Abwasser gereinigt werden.

Am meisten lohnt sich das Sparen beim warmen Wasser, weil dort die Energiekosten mitsinken. Kaltes Wasser um jeden Preis zu sparen, etwa durch seltenes Spülen der Toilette, bringt dagegen wenig. Welche Maßnahmen wirklich etwas bewirken und welche nicht, haben wir im Beitrag Wasser sparen im Haushalt zusammengestellt.

Häufige Fragen

Wie viel Wasser verbraucht eine Person im Monat?

Im Durchschnitt etwa 3,7 Kubikmeter: 121 Liter mal 30,4 Tage ergeben rund 3.700 Liter. Bei angenommenen 4 Euro je Kubikmeter sind das knapp 15 Euro im Monat, ohne Grundgebühr und ohne Energie fürs Warmwasser.

Wie viel Wasser verbraucht ein 2-Personen-Haushalt im Jahr?

Nach dem Durchschnittswert rund 88 Kubikmeter. Paare, die berufstätig und tagsüber außer Haus sind, kommen oft mit weniger aus. Als grobe Spanne für zwei Personen können Sie 60 bis 100 Kubikmeter ansetzen.

Sind 150 Liter pro Person am Tag viel?

Das liegt rund ein Viertel über dem Durchschnitt, ist aber noch kein Alarmzeichen. Tägliches langes Duschen oder ein bewässerter Garten erklären das leicht. Prüfen Sie trotzdem einmal mit dem Wasserzähler, ob irgendwo Wasser unbemerkt läuft.

Wie viel vom Wasserverbrauch ist Warmwasser?

Das hängt stark von den Dusch- und Badegewohnheiten ab und lässt sich nur mit einem eigenen Warmwasserzähler genau sagen. Sicher ist: Der größte Posten, die Körperpflege, besteht überwiegend aus warmem Wasser. Deshalb wirkt sich Sparen dort auch auf die Heiz- oder Stromkosten aus.

Warum ist meine Wasserrechnung höher als die Tabelle?

Meist wegen der Grundgebühr und eines höheren örtlichen Preises. Viele Versorger berechnen zusätzlich zum Preis je Kubikmeter einen festen Betrag im Jahr, und die Abwassergebühr unterscheidet sich zwischen den Gemeinden stark. Die 4 Euro in unserer Rechnung sind nur eine Annahme.