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Seife selber machen: Gießseife, Sieden und die Sicherheitsregeln

Christoph · 7 Min. Lesezeit

Handgemachte Seifenstücke in Altrosa und Grau mit eingeprägtem Muster
Selbst gesiedete Seife muss mehrere Wochen reifen, bevor sie benutzt wird
Inhalt9 Abschnitte
  1. Drei Wege im Überblick
  2. Gießseife: der Einstieg ohne Lauge
  3. Seife sieden im Kaltverfahren: das Prinzip
  4. Warum hier kein Laugenrezept steht
  5. Sicherheitsregeln für die Natronlauge
  6. Ablauf, Reifezeit und Prüfung
  7. Seifenreste einschmelzen
  8. Was selbst gemachte Seife kann – und was nicht
  9. Häufige Fragen

Seife selber machen kann zweierlei heißen: fertige Rohseife schmelzen und in Formen gießen – oder aus Fetten und Natronlauge wirklich Seife sieden. Das Erste ist ein harmloser Bastelnachmittag, das Zweite Arbeit mit einem stark ätzenden Stoff, die Vorbereitung, Schutzausrüstung und genaues Wiegen verlangt. Dieser Ratgeber trennt die Wege sauber, damit Sie den passenden wählen.

Drei Wege im Überblick

WegAufwandGefahrFertig nach
Gießseife aus Rohseifegeringnur heiße Seifenmassewenigen Stunden
Sieden im Kaltverfahrenhoch, genaues Wiegenätzende Natronlaugeetwa 4–6 Wochen Reifezeit
Seifenreste einschmelzengeringnur heiße Seifenmasseeinigen Tagen Trocknung

Daneben gibt es das Heißverfahren, bei dem der Seifenleim nach dem Anrühren weiter erhitzt wird. Es arbeitet mit derselben Lauge und denselben Sicherheitsregeln wie das Kaltverfahren und ist eher etwas für Fortgeschrittene.

Gießseife: der Einstieg ohne Lauge

Rohseife – auch Glycerinseife oder Gießseife genannt – ist fertig verseift. Die Chemie hat der Hersteller erledigt; Sie schmelzen, färben, beduften und gießen. Es gibt sie transparent und weiß, oft auch mit Sheabutter oder Ziegenmilch.

Für drei bis vier Stücke brauchen Sie:

  • 300 g Rohseife
  • 5 bis 10 Tropfen ätherisches Öl oder Seifenduft
  • Seifenfarbe oder Lebensmittelfarbe, wenige Tropfen
  • nach Wunsch 1 Teelöffel getrocknete Blüten oder Haferflocken
  • Silikonformen, einen Topf fürs Wasserbad, ein hitzefestes Gefäß, einen Holzstab
  • etwas Alkohol in einer Sprühflasche gegen Bläschen (kann entfallen)
  1. Rohseife würfeln. In etwa 2 cm große Stücke schneiden, damit sie gleichmäßig schmilzt.
  2. Im Wasserbad schmelzen. Bei schwacher Hitze unter gelegentlichem Rühren verflüssigen. Die Masse soll nicht kochen, sonst wird sie trüb und schäumt.
  3. Farbe und Duft einrühren. Vom Herd nehmen, langsam rühren, damit keine Luft hineinkommt.
  4. Gießen. Zügig in die Formen füllen; die Masse zieht schnell an. Bläschen an der Oberfläche mit einem Sprühstoß Alkohol beseitigen.
  5. Aushärten lassen. Zwei bis vier Stunden bei Raumtemperatur stehen lassen, dann aus der Form drücken. Die Seife ist sofort verwendbar.

Mit Kindern ist das gut machbar; das Schmelzen und Gießen übernimmt ein Erwachsener, denn die Masse ist heiß. Fertige Rohseife gibt es im Bastelbedarf. Gießseife zieht Luftfeuchtigkeit an und „schwitzt“ gelegentlich – in Folie oder Wachspapier verpackt bleibt sie trocken.

Seife sieden im Kaltverfahren: das Prinzip

Echte Seife entsteht, wenn Fette oder Öle mit einer Lauge reagieren. Für feste Seife ist das Natronlauge, also in Wasser gelöstes Natriumhydroxid (NaOH). Fette und Lauge werden zu einem „Seifenleim“ verrührt, der in der Form über ein bis zwei Tage fest wird und danach wochenlang nachreift. „Kalt“ heißt das Verfahren, weil nach dem Anrühren nicht weiter erhitzt wird; warm wird es trotzdem.

Zwei Begriffe sollten Sie kennen:

  • Verseifungszahl: Jedes Fett braucht eine andere Menge Natriumhydroxid, um vollständig zu Seife zu werden. Kokosöl braucht deutlich mehr als Olivenöl. Deshalb lässt sich ein Rezept nicht einfach abwandeln, indem man ein Öl gegen ein anderes tauscht.
  • Überfettung: Man setzt bewusst etwas weniger Lauge ein, als rechnerisch nötig wäre. So bleibt ein kleiner Teil des Fetts unverseift, die Seife wird milder und es bleibt keine freie Lauge zurück. Für Körperseifen sind etwa 5 bis 10 Prozent üblich.

Warum hier kein Laugenrezept steht

Die Laugenmenge muss für genau Ihre Fette und Mengen berechnet werden. Dafür gibt es Seifenrechner im Internet: Sie tragen die Öle in Gramm und die gewünschte Überfettung ein, der Rechner nennt die Menge an Natriumhydroxid und Wasser. Ein abgetipptes Rezept kann einen Fehler enthalten – und schon wenige Gramm zu viel Natriumhydroxid ergeben eine Seife, die die Haut verätzt. Deshalb unsere Empfehlung: Nehmen Sie für den Anfang ein Rezept aus einem aktuellen Fachbuch oder einem Seifensiederkurs, rechnen Sie es in einem Seifenrechner nach und wiegen Sie mit einer Waage, die auf das Gramm genau anzeigt. Wer ein Öl austauscht, rechnet neu. Schätzen, Abmessen in Tassen oder „etwas mehr, weil es so dünn aussieht“ gibt es beim Seifensieden nicht.

Sicherheitsregeln für die Natronlauge

Natriumhydroxid ist stark ätzend. Es zerstört Haut und Augen in Sekunden; Spritzer ins Auge können das Augenlicht kosten. Diese Regeln gelten ohne Ausnahme:

  • Schutzausrüstung: dicht schließende Schutzbrille, lange Chemikalienhandschuhe (Nitril oder Gummi), lange Ärmel, geschlossene Schuhe, Schürze.
  • Allein im Raum: keine Kinder, keine Haustiere, keine Ablenkung. Seifensieden ist kein Familienprojekt.
  • Lüften: Beim Auflösen entstehen stechende Dämpfe. Am offenen Fenster oder im Freien anrühren und nicht über dem Gefäß einatmen.
  • Reihenfolge: Das Natriumhydroxid langsam in das kalte Wasser einrühren – nie Wasser auf das Natriumhydroxid gießen, sonst kann die Lösung schlagartig aufkochen und spritzen. Die Lösung erhitzt sich von selbst stark.
  • Gefäße: hitzefester Kunststoff oder Edelstahl. Kein Aluminium – es reagiert mit der Lauge –, kein dünnwandiges Glas.
  • Eigenes Werkzeug: Töpfe, Löffel, Stabmixer und Formen fürs Sieden nicht mehr für Lebensmittel verwenden und deutlich kennzeichnen.
  • Aufbewahrung: Natriumhydroxid dicht verschlossen, trocken, beschriftet und für Kinder unerreichbar lagern. Lauge nie in Trinkflaschen oder Gläsern abstellen.
  • Auch der frische Seifenleim ätzt. Handschuhe und Brille bleiben an, bis alles gespült ist.

Bei Hautkontakt sofort lange unter fließendem Wasser spülen und benetzte Kleidung ausziehen. Bei Spritzern ins Auge mindestens 10 bis 15 Minuten bei geöffnetem Lid spülen und sofort die 112 rufen. Wurde Lauge verschluckt: kein Erbrechen auslösen, 112 oder Giftnotruf.

Ablauf, Reifezeit und Prüfung

Im Groben läuft das Kaltverfahren so ab: Fette abwiegen und schmelzen, Lauge ansetzen und abkühlen lassen, Lauge vorsichtig in die Fette gießen und rühren, bis die Masse wie dünner Pudding andickt. Dann Duft und Zusätze einrühren, in die Form füllen, zudecken und ein bis zwei Tage ruhen lassen. Anschließend mit Handschuhen ausformen und schneiden.

Danach beginnt die Reifezeit: Die Stücke liegen etwa vier bis sechs Wochen luftig, trocken und mit Abstand zueinander. In dieser Zeit schließt die Verseifung ab, Wasser verdunstet, die Seife wird härter und milder. Seifen mit hohem Olivenölanteil dürfen gern länger liegen. Fertige Naturseife ist immer leicht basisch; wer prüfen will, nutzt pH-Teststreifen an der angefeuchteten Seife. Den verbreiteten „Zungentest“ lassen Sie besser bleiben. Seife, die bröckelt, weiße harte Einschlüsse hat oder auf der Haut brennt, gehört nicht an den Körper.

Seifenreste einschmelzen

Aus den letzten dünnen Stücken wird mit wenig Aufwand ein neues:

  1. Reste sammeln und raspeln. Etwa 200 g trockene Seifenreste auf einer groben Reibe zerkleinern.
  2. Mit wenig Wasser erwärmen. Mit 2 bis 3 Esslöffeln Wasser im Wasserbad unter Rühren zu einer zähen Masse erwärmen. Sie wird nicht flüssig wie Gießseife.
  3. In Formen drücken. Mit dem Löffel fest in Silikonformen pressen oder mit nassen Händen zu Kugeln formen.
  4. Trocknen lassen. Nach einem Tag ausformen und noch einige Tage an der Luft nachhärten lassen.

Noch einfacher ist ein Seifensäckchen aus Sisal oder Baumwolle, in dem die Reste gemeinsam aufgebraucht werden. Geraspelte Kernseife ist außerdem die Grundlage für selbst gemachtes Waschmittel; gegen Flecken hat sich Gallseife bewährt.

Was selbst gemachte Seife kann – und was nicht

Selbst gemachte Seife reinigt wie gekaufte. Der Vorteil liegt darin, dass Sie Duft, Farbe und Fette selbst bestimmen und auf Zusätze verzichten können, die Sie nicht vertragen. „Natürlich“ heißt aber nicht automatisch hautfreundlich: Jede echte Seife ist basisch und kann trockene oder empfindliche Haut austrocknen, und ätherische Öle gehören zu den häufigen Auslösern von Kontaktallergien. Bei Neurodermitis oder sehr trockener Haut empfehlen Hautärzte meist seifenfreie Waschstücke. Eincremen nach dem Waschen hilft; siehe auch Handcreme selber machen.

Häufige Fragen

Kann man Seife ohne Natronlauge selber machen?

Ja, mit Rohseife zum Gießen oder durch Einschmelzen von Resten. Dabei wurde die Lauge bereits vom Hersteller verarbeitet. Echte Seife aus Ölen entsteht dagegen immer mit Lauge; Rezepte, die etwas anderes versprechen, verwenden fertige Seife als Grundlage.

Wie lange muss selbst gesiedete Seife reifen?

Etwa vier bis sechs Wochen an einem luftigen, trockenen Platz. Vorher kann die Seife noch zu scharf für die Haut sein. Gießseife braucht keine Reifezeit.

Ist Seife sieden gefährlich?

Der Umgang mit Natriumhydroxid ist es, wenn man die Regeln nicht einhält. Mit Schutzbrille, Handschuhen, guter Lüftung, genauer Waage und einem berechneten Rezept ist das Risiko beherrschbar. Für Kinder ist das Kaltverfahren nichts.

Welche Fette eignen sich für Seife?

Üblich sind Mischungen aus einem festen Fett wie Kokosöl oder Sheabutter und flüssigen Ölen wie Oliven- oder Rapsöl. Die Zusammenstellung bestimmt Härte, Schaum und Pflegegefühl – und die nötige Laugenmenge, die deshalb stets neu berechnet wird.

Wie lange hält selbst gemachte Seife?

Trocken gelagert viele Monate, oft länger als ein Jahr. Seifen mit hoher Überfettung können mit der Zeit ranzig riechen oder gelbliche Flecken bekommen; dann sind sie verbraucht. Zwischen den Anwendungen sollte Seife auf einer Ablage mit Abtropfrillen trocknen.