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Sauerstoffbleiche: Anwendung, Wirkung und wofür sie taugt

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Weiße, gerollte Frotteehandtücher in einem Regal
Sauerstoffbleiche hellt vergraute weiße Wäsche auf, ohne Chlor
Inhalt8 Abschnitte
  1. Was Sauerstoffbleiche ist
  2. Ab welcher Temperatur sie wirkt
  3. Anwendung bei Wäsche
  4. Anwendung im Haushalt
  5. Wofür sie nicht geeignet ist
  6. Sicherheit: Augen, Haut, Lagerung
  7. Unterschied zur Chlorbleiche
  8. Häufige Fragen

Sauerstoffbleiche entfernt bleichbare Flecken wie Tee, Kaffee, Rotwein, Obst und Gras und hellt vergraute weiße Wäsche auf, ohne Chlor und ohne dessen Geruch. Der Wirkstoff ist meist Natriumpercarbonat, das in warmem Wasser aktiven Sauerstoff freisetzt. Entscheidend für den Erfolg sind Temperatur und Einwirkzeit; für Wolle, Seide und Leder ist das Mittel nicht geeignet.

Was Sauerstoffbleiche ist

Hinter dem Begriff steckt im Haushalt fast immer Natriumpercarbonat, ein weißes Granulat. Chemisch ist es eine Verbindung aus Natriumcarbonat, also Soda, und Wasserstoffperoxid. Löst es sich in Wasser, zerfällt es wieder in diese beiden Bestandteile. Das Wasserstoffperoxid zerstört Farbstoffe, indem es sie oxidiert, und zerfällt dabei selbst zu Wasser und Sauerstoff. Die Soda macht die Lösung alkalisch, was Fett und Schmutz zusätzlich löst und die Bleiche unterstützt. Mehr zur Soda allein steht im Beitrag Waschsoda.

Sie finden Sauerstoffbleiche in drei Formen:

  • als reines Natriumpercarbonat, oft einfach „Sauerstoffbleiche“ oder „Bleichmittel auf Sauerstoffbasis“ genannt
  • als Fleckensalz und „Oxi“-Pulver, in denen Percarbonat mit Soda, Tensiden und meist einem Bleichaktivator gemischt ist
  • als Bestandteil von Vollwaschmittel in Pulverform und von Geschirrspültabs

Flüssigwaschmittel und Colorwaschmittel enthalten dagegen in der Regel keine Bleiche. Wer damit wäscht und über Grauschleier klagt, findet hier oft die Erklärung.

Ab welcher Temperatur sie wirkt

Reines Percarbonat braucht Wärme. Nach Angaben des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel bleicht es nur oberhalb von etwa 60 °C ausreichend. In kälterem Wasser löst es sich langsam und der Sauerstoff wird nur zögerlich wirksam. Deshalb enthalten Vollwaschmittel und die meisten Fleckensalze einen Bleichaktivator, meist TAED. Er bildet mit dem Wasserstoffperoxid eine stärker bleichende Verbindung, sodass die Wirkung schon bei 30–40 °C einsetzt.

Für die Praxis heißt das: Mit reinem Percarbonat lösen Sie das Pulver in heißem Wasser auf und weichen darin ein oder waschen bei 60 °C. Bei 30- und 40-Grad-Wäsche ist ein Fleckensalz mit Aktivator die bessere Wahl. Was auf der Packung steht, entscheidet – die Hersteller geben die Temperatur an, ab der ihr Produkt wirkt.

Anwendung bei Wäsche

Als Waschzusatz. Geben Sie das Pulver nach Packungsangabe ins Hauptwaschfach oder direkt in die Trommel, üblich sind ein bis zwei Esslöffel je Waschgang. Zu Colorwaschmittel dosiert, bekommt die weiße und farbechte Wäsche so die Bleiche, die dem Waschmittel fehlt.

Zum Einweichen. Bei eingetrockneten Flecken und vergilbter Wäsche wirkt ein Bad besser als der Waschgang.

  1. Lösung ansetzen. Das Pulver nach Packungsangabe in heißem Wasser vollständig auflösen, in einem Eimer oder einer Schüssel aus Kunststoff oder Edelstahl. Bei empfindlicheren Stoffen danach mit kaltem Wasser auf die erlaubte Temperatur bringen.
  2. Wäsche einlegen. Die Teile ganz untertauchen, damit keine Ränder entstehen.
  3. Wirken lassen. Eine bis mehrere Stunden. Die Lösung verliert ihre Wirkung nach einigen Stunden, weil das Wasserstoffperoxid zerfällt; über Nacht bringt daher kaum mehr.
  4. Waschen. Die Wäsche wie gewohnt in der Maschine waschen und vor dem Trocknen prüfen, ob der Fleck weg ist.

Gut bleichbar sind farbige Pflanzenflecken: Tee, Kaffee, Rotwein, Obst, Saft, Gras, Tomate und Curry. Anleitungen im Einzelnen finden Sie etwa bei Teeflecken entfernen und Rotweinflecken entfernen. Fett, Öl und Eiweiß sind keine Aufgabe für Bleiche, hier helfen Spülmittel oder Gallseife. Wie Sie Grauschleier und Gilb angehen, beschreibt der Beitrag Weiße Wäsche wieder weiß.

Anwendung im Haushalt

Tassen, Kannen, Thermoskannen. Einen Teelöffel Pulver in das Gefäß geben, mit heißem Wasser auffüllen, etwa eine halbe Stunde stehen lassen und gründlich ausspülen. Tee- und Kaffeebeläge lösen sich meist ohne Schrubben. Die Kanne dabei offen lassen; Näheres unter Thermoskanne reinigen.

Fliesenfugen. Pulver mit wenig warmem Wasser zu einem Brei verrühren, auf die Fuge auftragen, 15 bis 30 Minuten wirken lassen, mit einer Bürste nacharbeiten und klar abspülen. Das hellt dunkle Fugen auf, ersetzt aber keine Sanierung, wenn Schimmel tief sitzt oder Silikon durchwachsen ist. Bei farbigen Fugen und Naturstein vorher an unauffälliger Stelle testen. Mehr dazu unter Fugen reinigen.

Geschirrtücher, Spüllappen, Stoffwindeln. In heißer Lösung eingeweicht und anschließend bei 60 °C gewaschen, werden sie wieder hell und riechen frisch.

Vergilbte Gardinen und Kunststoffteile. Gardinen aus Synthetik vertragen ein lauwarmes Bad, wenn das Etikett es zulässt. Bei Kunststoff hängt der Erfolg von der Ursache der Vergilbung ab.

Reines Natriumpercarbonat gibt es in Drogerien und im Versand, meist in Beuteln oder Dosen: Sauerstoffbleiche als Pulver.

Wofür sie nicht geeignet ist

  • Wolle und Seide. Die alkalische Lösung und das Peroxid greifen die Eiweißfasern an, sie werden rau, vergilben oder verlieren Festigkeit.
  • Leder, Wildleder, Pelz. Sie werden fleckig und hart.
  • Nicht farbechte Textilien. Sauerstoffbleiche ist schonender als Chlor, kann empfindliche Farben aber aufhellen, besonders bei langem Einweichen und hoher Temperatur. Testen Sie an einer Innennaht: etwas Lösung auftupfen, einige Minuten warten, mit weißem Tuch abdrücken.
  • Aluminium, unbehandeltes Holz und manche Natursteine. Alkalische Laugen lassen Aluminium anlaufen und können Holz vergrauen.
  • Textilien mit Metallteilen wie Reißverschlüssen und Knöpfen nicht stundenlang einweichen, sie können anlaufen und Flecken abgeben.
  • Rost. Rostflecken werden durch Bleiche nicht heller, sondern können sich festsetzen.

Sicherheit: Augen, Haut, Lagerung

Natriumpercarbonat ist als Gefahrstoff gekennzeichnet. Es kann schwere Augenschäden verursachen, reizt die Haut und wirkt brandfördernd. Daraus folgt:

  • Beim Abfüllen und Anrühren nicht stauben lassen, Handschuhe tragen, bei Spritzgefahr eine Schutzbrille. Gelangt etwas ins Auge, sofort mehrere Minuten mit Wasser spülen und ärztlichen Rat einholen.
  • Trocken, kühl, im Originalgefäß und außer Reichweite von Kindern lagern. Feucht gewordenes Pulver verliert seine Wirkung.
  • Angerührte Lösung nie in einer fest verschlossenen Flasche aufbewahren. Der frei werdende Sauerstoff baut Druck auf, das Gefäß kann platzen. Setzen Sie immer nur die Menge an, die Sie gleich verbrauchen.
  • Nicht mit anderen Reinigern mischen, vor allem nicht mit Chlorreinigern. Auch Essig oder Zitronensäure gehören nicht in die Lösung, sie heben die Wirkung auf. Warum Mischungen grundsätzlich heikel sind, steht unter Putzmittel nie mischen.

Unterschied zur Chlorbleiche

Chlorbleiche, im Haushalt meist Natriumhypochlorit in Hygienereinigern, bleicht schon kalt sehr stark und wirkt desinfizierend. Sie greift aber Farben und viele Fasern an, riecht stechend und bildet mit Säuren giftiges Chlorgas. Sauerstoffbleiche arbeitet langsamer, braucht Wärme und zerfällt am Ende zu Soda, Wasser und Sauerstoff. Für Wäsche und die meisten Flecken im Haushalt ist sie die schonendere und völlig ausreichende Wahl. Einen Überblick über einfache Mittel gibt der Beitrag Hausmittel zum Putzen.

Häufige Fragen

Ist Sauerstoffbleiche dasselbe wie Fleckensalz?

Fast. Fleckensalz enthält Sauerstoffbleiche als Hauptwirkstoff, dazu meist Soda, Tenside und einen Bleichaktivator, damit es schon bei niedriger Temperatur wirkt. Reines Natriumpercarbonat ist konzentrierter, braucht aber heißeres Wasser.

Kann ich Sauerstoffbleiche bei bunter Wäsche verwenden?

Bei farbechter Wäsche ja, am besten als Waschzusatz und nicht als stundenlanges heißes Bad. Bei dunklen, neuen oder empfindlichen Farben vorher an einer verdeckten Stelle testen.

Wirkt Sauerstoffbleiche auch bei 30 °C?

Reines Percarbonat nur schwach. Produkte mit Bleichaktivator sind für 30 bis 40 °C gemacht. Alternativ lösen Sie das Pulver in heißem Wasser auf und weichen die Wäsche vor.

Ist Sauerstoffbleiche umweltfreundlicher als Chlor?

Sie zerfällt zu Soda, Wasser und Sauerstoff und bildet keine chlorierten Verbindungen. Harmlos im Umgang ist sie trotzdem nicht, und wie bei jedem Mittel gilt: nur so viel dosieren, wie nötig ist.

Wie lange ist das Pulver haltbar?

Trocken und verschlossen gelagert hält es lange, verliert aber allmählich an Wirkung. Ob es noch arbeitet, zeigt ein Löffel in heißem Wasser: Sprudelt es fein, ist noch aktiver Sauerstoff vorhanden.