Luftfeuchtigkeit erhöhen: was bei trockener Luft hilft

Inhalt9 Abschnitte
- Erst messen, dann handeln
- Warum die Luft im Winter trocken wird
- Die zwei wirksamsten Mittel kosten nichts
- Was zusätzlich messbar wirkt
- Was kaum wirkt: die Schale auf der Heizung
- Luftbefeuchter: welche Bauart und wann überhaupt
- Sonderfall Lüftungsanlage
- Was Sie selbst spüren – und wann zum Arzt
- Häufige Fragen
Wer die Luftfeuchtigkeit erhöhen will, sollte zuerst verhindern, dass sie unnötig sinkt: ein bis zwei Grad weniger heizen und kurz stoßlüften statt Fenster kippen. Das bringt in vielen Wohnungen mehr als jedes Gerät. Reicht es nicht, helfen feuchte Wäsche, Pflanzen und ein Verdunster – die beliebte Wasserschale auf dem Heizkörper gehört dagegen zu den Mitteln, die kaum etwas ausrichten.
Erst messen, dann handeln
Trockene Luft lässt sich nicht fühlen. Kratzen im Hals, brennende Augen und rissige Lippen können ebenso von Staub, Zugluft, zu warmen Räumen oder zu wenig Trinken kommen. Stellen Sie deshalb zuerst ein Hygrometer auf; wo es stehen muss und wie Sie die Anzeige einordnen, erklärt der Beitrag Luftfeuchtigkeit in der Wohnung.
Als günstig gelten 40–60 Prozent. Handlungsbedarf besteht, wenn die Anzeige über längere Zeit unter etwa 30 Prozent liegt. Werte zwischen 30 und 40 Prozent sind an kalten Wintertagen normal und für die meisten Menschen unproblematisch.
Warum die Luft im Winter trocken wird
Die Ursache ist nicht die Heizung selbst – ein Heizkörper entzieht der Luft kein Wasser. Es ist das Zusammenspiel von Kälte draußen und Wärme drinnen. Kalte Luft enthält wenig Wasserdampf: Bei 0 °C und 80 Prozent Feuchte sind es knapp 4 Gramm je Kubikmeter. Gelangt diese Luft beim Lüften in die Wohnung und wird auf 20 °C erwärmt, entspricht dieselbe Wassermenge nur noch gut 20 Prozent relativer Feuchte. Bei Frost sind es noch weniger.
Dass die Wohnung trotzdem nicht auf 20 Prozent fällt, liegt an den Bewohnern: Atmen, Kochen, Duschen, Pflanzen und Wäsche geben laufend Wasser ab. Trocken wird es also vor allem dort, wo viel Außenluft auf wenig Feuchtequellen trifft:
- in überheizten Räumen – je wärmer die Luft, desto niedriger die relative Feuchte;
- bei Dauerlüftung über gekippte Fenster;
- in großen Wohnungen mit wenigen Bewohnern, die tagsüber außer Haus sind;
- in Häusern mit Lüftungsanlage, wenn der Luftwechsel im Winter höher eingestellt ist als nötig;
- an sehr kalten, klaren Frosttagen überall.
Die zwei wirksamsten Mittel kosten nichts
Weniger heizen. Luft mit 23 °C und 30 Prozent Feuchte hat bei 20 °C etwa 36 Prozent – allein durch die niedrigere Temperatur, ohne einen Tropfen zusätzliches Wasser. Oft wird trockene Luft gerade dort beklagt, wo das Wohnzimmer auf 23 oder 24 °C geheizt ist. Welche Temperaturen empfohlen werden, steht unter Raumtemperatur; nebenbei sinken die Heizkosten.
Kürzer lüften. Im Winter ist die Raumluft nach wenigen Minuten Stoßlüften ausgetauscht; die Verbraucherzentrale nennt drei bis fünf Minuten bei weit geöffnetem Fenster. Alles darüber hinaus und jedes gekippte Fenster schafft nur weiter Feuchtigkeit nach draußen. Auf das Lüften verzichten sollten Sie nicht – es führt auch Kohlendioxid und Gerüche ab. Die Regeln im Einzelnen stehen unter Richtig lüften.
Was zusätzlich messbar wirkt
Damit eine Maßnahme den Zeiger bewegt, muss sie ernsthaft Wasser in die Luft bringen. Eine Überschlagsrechnung zeigt die Größenordnung: Um ein Zimmer von 20 m² bei Frost von 30 auf 45 Prozent zu bringen, muss – angenommen, die Luft wird alle zwei Stunden einmal ausgetauscht – rund anderthalb Liter Wasser am Tag verdunsten. Daran können Sie jedes Hausmittel messen.
| Maßnahme | Wirkung | Anmerkung |
| Temperatur senken, kürzer lüften | deutlich | kostenlos, zuerst versuchen |
| Wäsche im Zimmer trocknen | deutlich | eine Ladung gibt je nach Schleudergang ein bis mehrere Liter ab |
| Badtür nach dem Duschen öffnen | spürbar, aber kurz | nur bei nachweislich trockener Wohnung |
| viele großblättrige Zimmerpflanzen | mäßig, dafür stetig | einzelne Töpfe ändern wenig |
| Verdunster mit Matte oder Docht | deutlich | regelt sich selbst, braucht Pflege |
| Wasserschale, Keramikgefäß am Heizkörper | gering | zu kleine Wasserfläche |
| Zimmerbrunnen | gering | stehendes Wasser, Hygiene beachten |
Wäsche. Der Wäscheständer ist der stärkste „Luftbefeuchter“ im Haushalt. Was sonst als Fehler gilt, ist bei 28 Prozent Luftfeuchte erwünscht. Stellen Sie ihn in den trockenen Wohnraum, nicht ins kühle Schlafzimmer, und behalten Sie das Hygrometer im Auge. Mehr dazu unter Wäsche in der Wohnung trocknen.
Bad und Küche. Wer in einer nachweislich trockenen Wohnung nach dem Duschen die Badtür öffnet, statt das Fenster aufzureißen, verteilt die Feuchtigkeit dorthin, wo sie fehlt. Das gilt ausdrücklich nur bei niedrigen Messwerten und nicht, wenn das Bad innen liegt und zu Schimmel neigt.
Pflanzen. Zimmerpflanzen geben den größten Teil des Gießwassers über die Blätter wieder ab. Viel Wasser brauchen und verdunsten zum Beispiel Zyperngras, Zimmerlinde, Nestfarn und Grünlilie. Rechnen Sie nach: Eine Pflanze, die in der Woche einen Liter bekommt, bringt etwa 140 Milliliter am Tag in die Luft. Für eine messbare Wirkung braucht es also eher ein grünes Fensterbrett als einen einzelnen Topf. Staunasse Erde schimmelt; gießen Sie nicht mehr, als die Pflanze verträgt.
Was kaum wirkt: die Schale auf der Heizung
Die Wasserschale auf dem Heizkörper und die Keramikverdunster zum Einhängen sind das bekannteste Hausmittel – und ein schwaches. Entscheidend für die Verdunstung ist die Wasseroberfläche, und die ist bei einer Schale winzig. Sie können es selbst prüfen: Messen Sie ab, wie viel Sie nachfüllen. Verschwindet am Tag ein Glas Wasser, ist das ein kleiner Bruchteil der anderthalb Liter aus der Rechnung oben.
Schaden richten die Gefäße nicht an, solange sie sauber bleiben. Kalkränder und der Schmierfilm im warmen Wasser sind aber ein guter Nährboden; spülen Sie die Gefäße alle paar Tage heiß aus. Feuchte Handtücher über dem Heizkörper verdunsten wegen der großen Fläche mehr, bremsen aber die Wärmeabgabe – auf dem Wäscheständer daneben erfüllen sie denselben Zweck.
Auch von einem Topf mit kochendem Wasser auf dem Herd ist abzuraten: Das wirkt kurz und kostet Energie.
Luftbefeuchter: welche Bauart und wann überhaupt
Ein Gerät ist sinnvoll, wenn die Werte trotz angepasstem Heizen und Lüften über Tage unter 30 Prozent bleiben – typischerweise in Häusern mit Lüftungsanlage oder bei strengem Frost. Drei Bauarten sind üblich:
- Verdunster ziehen Raumluft durch eine nasse Matte. Sie geben nur so viel Feuchte ab, wie die Luft aufnimmt, und können den Raum daher kaum überfeuchten. Kalk bleibt in der Matte, die regelmäßig gewechselt werden muss.
- Verdampfer kochen Wasser. Der Dampf ist hygienisch unbedenklich, das Gerät braucht aber deutlich mehr Strom, und der Dampfauslass ist heiß – nichts für Kinderzimmer.
- Ultraschall-Vernebler zerstäuben kaltes Wasser zu Nebel. Was im Wasser ist, landet in der Luft: Kalk als weißer Staub, bei schlechter Pflege auch Keime.
Für die meisten Haushalte ist ein Verdunster die unkomplizierteste Wahl. Für jede Bauart gilt: Tank täglich leeren, frisch befüllen und das Gerät wöchentlich reinigen. Ein ungepflegter Befeuchter verschlechtert die Luft, statt sie zu verbessern. Die Anleitung steht unter Luftbefeuchter reinigen.
Betreiben Sie das Gerät nie ohne Hygrometer. Ziel sind 40–50 Prozent, nicht mehr. In Altbauten mit kalten Außenwänden kann schon ein gut gemeinter Dauerbetrieb im Schlafzimmer die Feuchte hinter dem Schrank so weit treiben, dass Schimmel wächst. Beschlagen morgens die Scheiben, ist es zu viel; die Gegenmaßnahmen stehen unter Luftfeuchtigkeit senken.
Sonderfall Lüftungsanlage
In Neubauten und sanierten Häusern mit kontrollierter Wohnraumlüftung ist trockene Winterluft ein bekanntes Thema, weil die Anlage gleichmäßig Außenluft nachführt. Oft lässt sich die Luftmenge im Winter eine Stufe niedriger einstellen. Manche Geräte können mit einem Wärmetauscher nachgerüstet werden, der auch Feuchte zurückgewinnt. Beides klären Sie mit dem Fachbetrieb, der die Anlage wartet, oder als Mieter mit dem Vermieter – nicht durch Zukleben von Ventilen.
Was Sie selbst spüren – und wann zum Arzt
Trockene Raumluft kann Schleimhäute, Augen und Haut reizen; Kontaktlinsenträger merken es oft zuerst. Ausreichend trinken, die Haut eincremen und Pausen vom Bildschirm helfen unabhängig vom Messwert. Halten Beschwerden wie Husten, Nasenbluten, brennende Augen oder Hautausschlag an, obwohl die Luftfeuchte im Normalbereich liegt, steckt meist etwas anderes dahinter. Dann gehört das in die Arztpraxis.
Häufige Fragen
Wie erhöhe ich die Luftfeuchtigkeit schnell?
Am schnellsten mit einem voll behängten Wäscheständer oder einem Verdunster. Gleichzeitig die Raumtemperatur um ein bis zwei Grad senken und gekippte Fenster schließen.
Bringt eine Schale Wasser auf der Heizung etwas?
Sehr wenig. Die Wasserfläche ist zu klein, um einen Raum spürbar zu befeuchten. Was am Tag verdunstet, sehen Sie beim Nachfüllen.
Welche Pflanzen erhöhen die Luftfeuchtigkeit?
Solche mit großen, weichen Blättern und hohem Wasserbedarf, etwa Zyperngras, Zimmerlinde, Nestfarn oder Grünlilie. Die Wirkung hängt von der Zahl der Pflanzen ab.
Ab wann ist die Luft zu trocken?
Unter 40 Prozent beginnt der Bereich, den manche als trocken empfinden. Handeln sollten Sie, wenn die Anzeige über längere Zeit unter etwa 30 Prozent liegt.
Ist ein Luftbefeuchter im Schlafzimmer sinnvoll?
Nur, wenn dort nachweislich zu niedrige Werte herrschen – was selten ist, weil das Schlafzimmer kühl ist und nachts Feuchtigkeit dazukommt. Einzelheiten stehen unter Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer.



