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Lippenbalsam selber machen mit Bienenwachs oder vegan

Christoph · 7 Min. Lesezeit

Viele runde Blechdosen, gefüllt mit gelbem Balsam
Lippenbalsam aus Wachs, Butter und Öl wird flüssig in Dosen oder Hülsen gegossen
Inhalt9 Abschnitte
  1. Die drei Bausteine: Wachs, Butter, Öl
  2. Grundrezept mit Bienenwachs
  3. Vegan: Candelillawachs und Beerenwachs
  4. Farbe, Duft und Aroma – nötig ist nichts davon
  5. Haltbarkeit und Hygiene
  6. Typische Fehler
  7. Was bringt es wirklich?
  8. Wann lieber nicht – und wann zum Arzt?
  9. Häufige Fragen

Lippenbalsam selber machen ist eines der dankbarsten Kosmetikprojekte für Einsteiger: Bienenwachs, Sheabutter und ein Pflanzenöl werden im Wasserbad geschmolzen, verrührt und abgefüllt – nach zwanzig Minuten ist alles erledigt. Da kein Wasser im Spiel ist, braucht der Balsam keine Konservierung und hält sich monatelang. Wer kein Bienenwachs verwenden möchte, nimmt ein Pflanzenwachs.

Die drei Bausteine: Wachs, Butter, Öl

  • Wachs macht den Balsam fest und legt einen schützenden Film auf die Lippen. Bienenwachs gibt es als Pastillen, die sich leicht abwiegen und schnell schmelzen lassen.
  • Butter – meist Sheabutter, auch Kakaobutter – sorgt für Geschmeidigkeit und Fett. Kakaobutter macht den Balsam fester und riecht nach Schokolade.
  • Öl macht die Masse streichfähig. Geeignet sind Mandelöl, Jojobaöl, Sonnenblumenöl oder ein mildes Olivenöl. Je frischer das Öl, desto länger hält der Balsam.

Über das Verhältnis steuern Sie die Festigkeit: mehr Wachs für einen festen Stift, mehr Öl für einen weichen Balsam im Tiegel.

Grundrezept mit Bienenwachs

Zutaten für etwa 40 g, das reicht für sechs bis acht kleine Tiegel oder Hülsen:

  • 10 g Bienenwachs (Pastillen)
  • 10 g Sheabutter
  • 20 g Pflanzenöl (rund 22 ml)

Außerdem brauchen Sie: eine Küchenwaage, die aufs Gramm genau wiegt, ein hitzefestes Glas oder ein kleines Schälchen aus Edelstahl, einen Topf, einen Löffel oder Holzspieß zum Rühren und saubere Döschen oder Stifthülsen.

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  1. Gefäße vorbereiten. Tiegel, Deckel, Glas und Löffel heiß spülen und vollständig trocknen lassen. Wer mag, wischt sie zusätzlich mit hochprozentigem Alkohol aus der Apotheke aus und lässt ihn verfliegen. Wassertropfen dürfen nicht im Gefäß bleiben.
  2. Wasserbad ansetzen. Einen Topf zwei Finger hoch mit Wasser füllen und erhitzen, bis es leise simmert – nicht sprudelnd kochen. Das Glas mit Wachs, Butter und Öl hineinstellen.
  3. Schmelzen. Unter gelegentlichem Rühren warten, bis alles klar und flüssig ist. Bienenwachs schmilzt bei gut 60 °C; das dauert einige Minuten. Achten Sie darauf, dass kein Wasser ins Glas spritzt.
  4. Probe machen. Einen Tropfen auf einen kalten Teller geben und fest werden lassen. Zu hart? Etwas Öl nachgeben. Zu weich? Ein paar Wachspastillen dazu und noch einmal schmelzen.
  5. Abfüllen. Das Glas mit einem Topflappen herausnehmen, außen abtrocknen und die Masse zügig in die Tiegel gießen. Sie zieht schnell an.
  6. Fest werden lassen. Offen und ungestört bei Zimmertemperatur auskühlen lassen, erst dann verschließen – sonst bildet sich Kondenswasser im Deckel. Mit Datum beschriften.

Wachs nie direkt auf der Herdplatte oder über offener Flamme schmelzen. Es wird dort schnell zu heiß und ist brennbar. Bleiben Sie beim Wasserbad, und lassen Sie den Topf nicht allein.

Vegan: Candelillawachs und Beerenwachs

Pflanzenwachse verhalten sich anders als Bienenwachs, die Mengen lassen sich deshalb nicht eins zu eins tauschen.

WachsEigenschaftMenge auf 10 g Sheabutter und 20 g Öl
Bienenwachsmittelhart, geschmeidig, leichter Honigduft10 g
Candelillawachsdeutlich härter, etwas spröder, glänztetwa 5 g
Beerenwachsweich, schmilzt früher, sehr zartes Hautgefühl10–12 g

Candelillawachs stammt von einem Wolfsmilchgewächs aus Mexiko, Beerenwachs aus den Früchten des Lacksumachs. Weil die Rohstoffe je nach Anbieter schwanken, ist die Tellerprobe aus Schritt 4 bei den veganen Varianten besonders wichtig. Carnaubawachs ist noch härter als Candelillawachs und eignet sich nur in sehr kleinen Mengen.

Farbe, Duft und Aroma – nötig ist nichts davon

Ein Balsam aus den drei Grundzutaten riecht mild nach Wachs und Butter und tut alles, was er soll. Wer variieren möchte:

  • Kakaobutter statt Sheabutter gibt einen Schokoladenduft ganz ohne Zusatz.
  • Ein Krümel Lippenstift, mitgeschmolzen, tönt den Balsam leicht.
  • Ätherische Öle nur sehr sparsam: höchstens ein bis zwei Tropfen auf die ganze Menge. An den Lippen landet alles früher oder später im Mund, und die dünne Lippenhaut reagiert schnell gereizt. Pfefferminz- und andere mentholhaltige Öle sind für Säuglinge und Kleinkinder tabu; Zitrusöle können die Haut lichtempfindlicher machen. In Schwangerschaft und Stillzeit und für Kinder gilt: weglassen oder vorher nachfragen.
  • Honig klingt verlockend, verbindet sich aber nicht mit Fett und Wachs. Er setzt sich am Boden ab und bringt Wasser in den Balsam, was die Haltbarkeit verkürzt. Besser weglassen – für Kinder im ersten Lebensjahr ist Honig ohnehin verboten.

Testen Sie einen neuen Balsam zuerst in der Armbeuge: eine kleine Menge auftragen und einen Tag abwarten. Das gilt besonders bei Zusätzen wie ätherischen Ölen oder Wollwachs (Lanolin), auf das manche Menschen allergisch reagieren.

Haltbarkeit und Hygiene

Der Balsam enthält kein Wasser, und ohne Wasser können sich Bakterien und Schimmel kaum vermehren. Begrenzt wird die Haltbarkeit durch das Öl, das mit der Zeit ranzig wird. Kühl, dunkel und gut verschlossen hält der Balsam mehrere Monate. Riecht er kratzig oder nach altem Fett, ist er verdorben. In der Hosentasche oder im heißen Auto wird er weich und altert schneller.

Im Alltag kommt es auf zwei Dinge an: Erstens saubere, trockene Tiegel beim Abfüllen. Zweitens saubere Finger beim Benutzen – mit jedem Griff in den Tiegel gelangen Keime und Feuchtigkeit hinein. Hülsen zum Herausdrehen sind hygienischer. Bei Lippenherpes den Balsam nicht mit dem Finger entnehmen, sondern mit einem Wattestäbchen, und ihn mit niemandem teilen.

Typische Fehler

  • Zu hart oder zu weich. Lässt sich beheben: alles zurück ins Wasserbad, Öl oder Wachs ergänzen, neu abfüllen.
  • Körnige Oberfläche. Sheabutter kann beim langsamen Abkühlen kleine Kristalle bilden. Das ist harmlos. Es hilft, die Tiegel nach dem Abfüllen für eine Viertelstunde in den Kühlschrank zu stellen.
  • Delle in der Mitte. Wachs zieht sich beim Erkalten zusammen. Einen kleinen Rest zurückbehalten und die Mulde nachfüllen.
  • Wachsreste im Abfluss. Glas und Löffel noch warm mit Küchenpapier auswischen, erst dann spülen. Flüssiges Wachs wird im Rohr fest. Ist doch etwas danebengegangen, hilft der Beitrag Wachsflecken entfernen.

Was bringt es wirklich?

Ein selbst gemachter Balsam legt einen Fettfilm auf die Lippen, der sie vor Wind, Kälte und Austrocknung schützt und raue Stellen geschmeidig hält. Das können gekaufte Stifte auch; der Vorteil des Selbermachens liegt darin, dass Sie die Zutaten kennen und Duftstoffe, die Sie nicht vertragen, einfach weglassen.

Zwei Dinge kann er nicht: Er enthält keinen Lichtschutz – für Sonne, Schnee und Wasser brauchen die Lippen einen Stift mit ausgewiesenem Lichtschutzfaktor. Und er behandelt nichts. Warum Lippen überhaupt austrocknen und was außer Balsam hilft, lesen Sie unter Trockene Lippen; für die Kleinsten gibt es den Beitrag Trockene Lippen bei Babys. Raue Schüppchen lassen sich vorher mit einem sanften Lippenpeeling lösen, das Rezept steht unter Peeling selber machen.

Wann lieber nicht – und wann zum Arzt?

Verwenden Sie den Balsam nicht weiter, wenn die Lippen danach brennen, anschwellen oder stärker schuppen als vorher: Das spricht für eine Unverträglichkeit gegen eine Zutat. Auf Fieberbläschen, nässende oder eitrige Stellen gehört kein selbst gemachter Balsam.

Ärztlichen Rat brauchen Sie, wenn Lippen trotz Pflege über zwei bis drei Wochen rissig bleiben, wenn die Mundwinkel hartnäckig einreißen, wenn Krusten, Bläschen oder Schwellungen auftreten oder eine einzelne Stelle nicht abheilt.

Häufige Fragen

Wie lange ist selbst gemachter Lippenbalsam haltbar?

Ohne Wasser und kühl gelagert mehrere Monate. Maßgeblich ist das Öl: Sobald der Balsam ranzig riecht, wird er entsorgt. Mit frischem Öl und sauberen Tiegeln ist etwa ein halbes Jahr realistisch.

Kann ich Lippenbalsam ohne Bienenwachs machen?

Ja, mit Candelilla- oder Beerenwachs. Von Candelillawachs brauchen Sie nur etwa die Hälfte, weil es härter ist. Ganz ohne Wachs bleibt die Mischung weich und schmilzt in der Tasche.

Welches Öl eignet sich am besten?

Mandel- und Jojobaöl sind mild im Geschmack und lange haltbar. Olivenöl funktioniert ebenfalls, schmeckt aber durch. Kokosöl macht den Balsam im Winter fest und im Sommer weich.

Kann ich das Wachs in der Mikrowelle schmelzen?

Besser nicht. Wachs erhitzt sich dort ungleichmäßig und kann stellenweise sehr heiß werden. Das Wasserbad ist langsamer, aber sicher.

Eignet sich der Balsam auch für die Hände?

Als Notpflege für rissige Fingerkuppen ja. Für die ganzen Hände ist eine weichere Mischung angenehmer – das Rezept steht unter Handcreme selber machen.